PCB-Eier: Ministerium hält Informationen zurück

19.04.2012

Im Fall der PCB-belasteten Eier aus dem Landkreis Aurich hält das niedersächsische Verbraucherministerium wichtige Informationen zurück, die zur Aufklärung der Quelle der Dioxinbelastung beitragen könnten. Zudem verharmlost das Ministerium Gesundheitsrisiken, wenn es bei langfristig wirkenden Giftstoffen wie dioxinähnlichen PCB davon spricht, es bestehe „keine Gefährdung der Gesundheit“.

Ein foodwatch-Rechercheur hatte bei der Pressestelle des niedersächsischen Verbraucherministeriums am Donnerstagvormittag (12. April) mehrfach nach Übermittlung der vorliegenden Kongenerenmuster der dioxinähnlichen PCB aus Aurich angefragt. Dabei handelt es sich um eine Art „chemische Fingerabdrücke“ der Giftbelastung, die in Eiern aus den betroffenen Legehennenbetrieben gefunden wurde – aus ihnen können möglicherweise Rückschlüsse über die Herkunft und den Eintragsweg der PCB-Verbindungen gezogen werden. Die Herausgabe lehnte nach mehrfacher Nachfrage der Büroleiter von Minister Gert Lindemann am Montag (16. April) schließlich ab – mit dem lapidaren Hinweis: „Die für dieses Geschehen relevanten Informationen sind mit den vorliegenden Pressemitteilungen unseres Ministeriums bereits öffentlich gemacht worden (jeweils zu finden auf www.ml.niedersachsen.de).“ Eine weitere Nachfrage blieb unbeantwortet.

foodwatch fordert Offenlegung von Informationen

foodwatch fordert das Ministerium auf, die Kongenerenmuster als Teil der objektiven Informationen über die PCB-Fälle zu publizieren und damit einer unabhängigen Überprüfung zugänglich zu machen. Das niedersächsische Landesministerium maßt sich an, alleine darüber zu entscheiden, welche Informationen für den Fall relevant sind – Minister Lindemann sollte Transparenz schaffen anstatt zu mauern. Die nordrhein-westfälischen Behörden haben foodwatch im Gegensatz zu den niedersächsischen das Kongenerenmuster zu dem aktuellen PCB-Fall in Ostwestfalen übermittelt.

Niedersächsisches Ministerium: „Keine Gefährdung der Gesundheit“

Die vom niedersächsischen Ministerium publizierte Bewertung der Gesundheitsgefahren durch die PCB-belasteten Eier – im Landkreis Aurich wurde der Grenzwert in einer Probe um fast 100 Prozent überschritten – kritisiert foodwatch zudem als grob verharmlosend. In einer Erklärung (Freitag, 13. April 2012) hatte das Landesverbraucherministerium die abschließende Einschätzung verbreitet, dass beim Verzehr der Eier „keine Gefährdung der Gesundheit“ bestehe. Demgegenüber wies das nordrheinwestfälische Verbraucherministerium in seiner ersten Presseerklärung zur PCB-Belastung von Eiern in einem ostwestfälischen Hof sachlich korrekt auf die Langfrist-Gefahren hin: „Mittel- und langfristig sind gesundheitliche Schädigungen durch den Verzehr dioxinbelasteter Lebensmittel nicht auszuschließen. Eine akute Gefährdung durch den Verzehr dieser Eier ist aber nicht zu erwarten“, hieß es darin am 3. April 2012.

Dioxine und PCB: Giftstoffe erhöhen langfristig Krebsgefahr

Zum jetzigen Zeitpunkt ist im Kreis Aurich weder die Quelle der Giftbelastung bekannt, noch kann ausgeschlossen werden, dass auch andere Höfe über einen längeren Zeitraum hinweg betroffen waren. Apodiktisch jede Gesundheitsgefahr auszuschließen, widerspricht allen wissenschaftlichen und politischen Einschätzungen, nach denen eine kontinuierlich zu hohe Dioxin- und PCB-Aufnahme schwere Langfristfolgen haben kann und daher jede vermeidbare Belastung zu verhindern ist.

 
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