FAQ

Zuckerabgabe auf Limos und süße Getränke: Warum das sinnvoll ist

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Über Zucker wird viel gestritten, ganz besonders bei Getränken. Denn Cola, Limo, Eistee oder Energy Drinks liefern oft sehr viel Zucker in kurzer Zeit. Sie sind schnell getrunken, ohne wirklich satt zu machen, und häufig „nebenbei“. Gleichzeitig nehmen Übergewicht, Adipositas und Diabetes in Deutschland seit Jahren zu. Mit 26 Gramm Zuckerverbrauch pro Kopf pro Tag allein über Getränke ist Deutschland Spitzenreiter in Westeuropa. Zuckrige Getränke sind nicht die einzige Ursache für Adipositas, aber ein wichtiger Treiber. 

Eine Herstellerabgabe auf Zuckergetränke setzt genau hier an: Produzent:innen bekommen den Anreiz, den Zuckergehalt zu senken und die Getränke werden weniger süß. Für Verbraucher:innen heißt das vor allem weniger Zucker „nebenbei“. 

Für einen schnellen Überblick hat foodwatch die häufigsten Fragen gesammelt und beantwortet. Einfach erklärt, mit klaren Fakten untermauert.

Eine Zuckerabgabe auf Softdrinks ist eine Abgabe auf zuckerhaltige Süßgetränke wie Limonaden, Cola, Energy Drinks oder gesüßte Eistees. Ziel ist, den Konsum von Zucker über Getränke zu senken und gleichzeitig Hersteller zu motivieren, den Zuckergehalt zu reduzieren. Besonders wirksam ist ein Modell, das sich am Zuckergehalt orientiert: mehr Zucker im Getränk = höhere Abgabe. Das bewegt die Hersteller zur Reduktion des Zuckergehalts, denn sie müssen nur zahlen, wenn sie  nicht mit dem Zuckergehalt runter gehen. 

Im Mittelpunkt stehen in der Regel zuckerhaltige Süßgetränke, weil sie viel Zucker liefern und oft zusätzlich zu den Mahlzeiten getrunken werden. Ob auch Säfte, Nektare, gesüßte Milchgetränke oder bestimmte Schorlen einbezogen würden, ist eine Frage der genauen Ausgestaltung. Aus gesundheitlicher Sicht ist vor allem wichtig, dass die Abgabe am tatsächlichen Zuckergehalt bemessen wird. Denn der entscheidet darüber, wie stark ein Getränk zur Zuckeraufnahme beiträgt. 

Die Hersteller haben bei einem auf dem Zuckergehalt basierenden Modell einen klaren Anreiz, Zucker zu reduzieren, um der Abgabe zu entgehen. 

Für Verbraucher:innen heißt das meist, dass die Getränke schlicht weniger Zucker enthalten. Hersteller, die weiterhin extrem stark zuckern wollen, müssen zahlen und könnten dies gegebenenfalls an Verbraucher:innen weiterreichen. Stark gezuckerte Produkte könnten also auch teurer werden, aber gerade die sind aber auch besonders gesundheitsschädlich. 

Gesundheit im Alltag: Warum Süßgetränke so problematisch sind 

Softdrinks liefern Zucker in flüssiger Form. Das kann dazu führen, dass man mehr Kalorien aufnimmt, als man eigentlich braucht – und es belastet den Stoffwechsel. Hier erklären wir, warum Süßgetränke gesundheitlich besonders relevant sind und was die Forschung über Risiken bei regelmäßigem Konsum zeigt.

Zucker aus Getränken wird im Darm sehr schnell aufgenommen – der Zucker gelangt rasch ins Blut. Das führ zu extremen Blutzuckerspitzen. Außerdem machen flüssige Kalorien meist nicht so satt wie feste Nahrung: Viele Menschen trinken Softdrinks zusätzlich zur normalen Mahlzeit, ohne später automatisch weniger zu essen. Dadurch steigt das Risiko, langfristig mehr Energie aufzunehmen, als der Körper braucht.

Regelmäßiger Süßgetränkekonsum ist klar mit einem höheren Risiko für Übergewicht und Adipositas verbunden. Menschen, die täglich oder fast täglich Softdrinks trinken, haben im Schnitt ein um etwa ein Drittel bis die Hälfte erhöhtes Risiko, Übergewicht oder Adipositas zu entwickeln (je nach Studie und Bevölkerungsgruppe). Bei Kindern und Jugendlichen zeigen Studien außerdem: Der tägliche Konsum von einer Dose (250 ml) Softdrinks führt bei Kindern und Jugendlichen zu einer Gewichtszunahme von ca. einem Kilogramm pro Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland trinken männliche Jugendliche ca. einen halben Liter täglich. Das klingt erst mal wenig – ist aber relevant, weil Adipositas meist schleichend entsteht. 

Ja. Schon ein Glas Limo pro Tag ist mit einem um rund 18 Prozent erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. Wichtig ist: Bei Süßgetränken ist beschrieben, dass sie das Diabetesrisiko nicht nur über Gewichtszunahme erhöhen. Der schnelle Zuckeranstieg im Blut kann den Stoffwechsel belasten. Deshalb ist maßvoller Konsum auch für Menschen sinnvoll, die (noch) nicht übergewichtig sind. 

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Was bedeutet das für Verbraucher:innen und gibt es bereits Erfolge?

Eine häufige Sorge lautet: Trifft so eine Abgabe ausgerechnet Menschen mit wenig Geld? Gibt es schon Länder, in denen eine Zuckersteuer etwas gebracht hat? 

Wenn durch eine Zuckerabgabe Einnahmen entstehen, können sie genutzt werden, um sie in weitere Präventionsmaßnahmen zu investieren. 

 Sinnvolle Beispiele sind bessere Kita- und Schulverpflegung, kostenloses Trinkwasser (z.B. Trinkbrunnen), Ernährungsbildung und Präventionsprogramme. Wichtig ist dabei: Eine Zuckerabgabe ist ein Baustein im Kampf gegen Adipositas. Damit gesunde Ernährung im Alltag einfacher wird, braucht es zusätzlich weitere Maßnahmen, wie Werbebeschränkungen für Ungesundes oder einen verpflichtenden Nutri-Score. 

Nein. Zwar trinken sozial benachteiligte Menschen im Durchschnitt häufiger Softdrinks als sozial besser gestellte. Deshalb kann eine Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Getränke finanziell tatsächlich stärker auf Haushalte mit geringerem Einkommen wirken. Fachleute sprechen hier von einem fiskalisch regressiven Effekt. 

Entscheidend ist aber: Bei den gesundheitlichen Auswirkungen zeigt sich das Gegenteil. Gesundheitlich profitieren sozial benachteiligte Menschen besonders stark, weil eine Limo-Abgabe gerade in dieser Gruppe Übergewicht und ernährungsbedingten Krankheiten wie Adipositas oder Diabetes besonders wirksam vorbeugen kann. In Großbritannien konnte genau dieser Effekt gezeigt werden. 

Eine Hersteller- oder Zuckerabgabe hilft daher, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern. 

Hoher Zuckergetränkekonsum betrifft nicht nur einzelne Menschen, sondern die Gesellschaft insgesamt. In Deutschland betrifft Übergewicht die Hälfte der Bevölkerung, Adipositas ein Viertel und Diabetes sogar zehn Prozentv. Das sind alarmierende Zahlen! Die Behandlung sowie Folgeschäden kosten sehr viel Geld. Allein die Folgekosten der Adipositas werden auf über 113 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Eine Limo-Abgabe, die den Zuckergehalt in Getränken senkt, wirkt präventiv: Sie könnte nach Berechnungen der TU München hunderttausende Typ 2-Diabetes Erkrankungen verhindern und etwa 16 Milliarden Euro gesellschaftliche Folgekosten einsparen; gut vier Milliarden Euro allein im Gesundheitssystem. 

Viele Länder haben bereits eine Abgabe auf zuckerhaltige Drinks eingeführt, weltweit sind es mehr als 100. In Europa zum Beispiel Großbritannien, Frankreich, Polen, Finnland, Spanien und Portugal.  

Studien zeigen: Solche Abgaben gehen häufig mit einem Rückgang des Zuckergetränkekonsums und einer sinkenden durchschnittlichen Zuckeraufnahme einher. Besonders wirksam sind Modelle, die nach Zuckergehalt gestaffelt sind. In Großbritannien ist der durchschnittliche Zuckergehalt von süßen Getränken nach Einführung des Stufenmodells um rund 30% gesunken.

Was foodwatch fordert

Eine Herstellerabgabe auf Zuckergetränke ist eine effektive Präventionsmaßnahme, die den Zuckerkonsum in der Bevölkerung senkt, Erkrankungen verhindert und die Adipositas-Epidemie ausbremsen kann. Sie ist ein wichtiger Baustein eines dringend nötigen Maßnahmenmixes für gesündere Lebenswelten. Dazu gehören Werbebeschränkungen für Ungesundes, ein verpflichtender Nutri-Score, die Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse abzuschaffen und Standards für gesundes Schul- und Kitaessen.

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