In vielen Supermarktregalen stehen Obst-Quetschies – sind sie wirklich so gesund, wie die Hersteller versprechen?

17.03.2017

Antwort der Ernährungsexpertin Alice Luttropp:

Sie werden als gesunde Zwischenmahlzeit beworben und stehen mittlerweile in jedem Supermarkt: Fruchtmus aus dem Quetschbeutel, besser bekannt als Quetschies. Kinder lieben sie, und dank ihrer praktischen Größe und dem vermeintlichen Gesundheitswert sind sie auch bei Eltern sehr beliebt. Doch die süßen Smoothies aus der Tüte sind überzuckert, übersäuert und überteuert.

Zu viel Säure

Vergleichbar sind Quetschies mit Obstbrei aus Gläsern, geeignet für Kinder zwischen dem 6. bis 12. Lebensmonat. Doch es gibt einen wichtigen Unterschied: Während der Brei aus dem Glas per Löffel verabreicht wird, lutschen die Kinder – viele von ihnen älter als ein Jahr – das Mus aus den Quetschies ganz einfach selbst heraus. Wird regelmäßig an Quetschies genuckelt, kann das Karies verursachen, weil die Zähne vom stark zuckerhaltigen Fruchtpüree umspült werden. Außerdem haben Quetschies einen hohen  Säuregehalt – zusätzlich zu der natürlichen Säure der Früchte wird den Produkten oft säurehaltiges Vitamin C zugefügt, um dem Mus Oxidationsschutz zu verleihen und es obendrein als gesund bewerben zu können.

Zu viel Zucker

Quetschies sind Zuckerbomben. Das Obst landet zum Teil ohne Schale in der Presse. Im Vergleich zu frischem Obst enthalten sie dadurch weniger wichtige Vitamine und Ballaststoffe. Die meisten Quetschies werben auf der Verpackung mit dem Slogan „ohne Zuckerzusatz“. Doch das ist irreführend: Denn neben dem im Obst sowieso enthaltenen Zucker stecken in vielen Quetschies zusätzlich Fruchtmark oder Fruchtsaftkonzentrate, wodurch der Zuckergehalt weiter in die Höhe schießt. Durch den Entzug von Wasser wird der Saft konzentriert - und dadurch eben  sehr süß. Besonders eignen sich hierfür Apfel- oder Traubensaft. Das Ergebnis: In einem Quetschie stecken rund 12 Gramm Zucker, also umgerechnet vier Zuckerwürfel.

Zu viel Geld

Quetschies kosten viel Geld, zumindest im Vergleich zu Brei im Glas oder unverarbeitetem Obst. Während das Mus im Quetschbeutel pro Packung (90 Gramm) in der Regel zwischen 60 Cent und einem Euro kostet, bekommt man ein Glas Obstbrei bereits für 60 Cent – mit doppelt so viel Inhalt. Ein Apfel (rund 100 Gramm) kostet rund 30 Cent.

Zu viel Müll

Die bunt bedruckten Quetschies kommen bei Kindern unheimlich gut an. Auch bei Eltern sind sie beliebt, denn die Tüten sind handlich und eignen sich hervorragend als Snack für unterwegs. Doch die kleine Tüte ist schnell weggenuckelt – und dann wandert die Verpackung aus Aluminium und Plastik in den Müll. Umweltfreundlich ist das nicht.

Die Süßigkeit für zwischendurch

Viele Hersteller empfehlen ihre Quetschies für Kinder ab einem Jahr. Damit verkaufen sie ihre Produkte als Kinderlebensmittel und erwecken den Anschein, Kinder bräuchten spezielle Lebensmittel. Das trifft jedoch ausschließlich auf Kinder im ersten Lebensjahr zu. Kinder können in der Regel ab ihrem ersten Geburtstag die gleichen Lebensmittel und Speisen zu sich nehmen wie Erwachsene. Statt einem Obst-Quetschie sollten Kinder also besser frisches Obst, etwa in Form von Apfelschnitzen bekommen. Das ist nicht nur gesünder, sondern fördert die Kaumuskulatur und die Sprachentwicklung. Quetschies sind letztlich nur ein weiteres sogenanntes Kinderlebensmittel, das niemand braucht.

Ab und zu ein Quetschie schadet keinem Kind. Doch wir sollten uns immer bewusst machen: Quetschies sind eher eine Süßigkeit für Ausnahmesituationen und kein Ersatz für frisches Obst.

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