Verdauungsschnaps – hilft der?

06.12.2017

Antwort der Ernährungsberaterin Alice Luttropp: 

Ob Käsefondue, Gänsebraten oder Raclette – das klassische Festessen zu Weihnachten ist deftig, für manch einen Magen eine echte Herausforderung. Um Abhilfe zu schaffen, schwören viele Menschen nach der schweren Mahlzeit auf einen Schnaps.

Tatsächlich enthalten zumindest die Kräuterliköre unter den Hochprozentigen wichtige Bitterstoffe. Den Bitterstoffen wird eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt. Sie sollen die Absonderung der Verdauungssäfte fördern, den Magen in Bewegung bringen und damit die Nährstoffaufnahme unterstützen. Aber diese möglichen positiven Effekte werden durch den Alkohol im Schnaps ohnehin wieder zunichte gemacht. Denn Alkohol lähmt die Magenmuskulatur – und hemmt damit die Verdauung.

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Je mehr Alkohol, desto schlechter die Verdauung

Ist der Verdauungsschnaps also wirklich nur ein Mythos? Eine kleine Studie von Wissenschaftlern der Universität Zürich gibt erste Hinweise. 20 gesunde Erwachsene mussten für die Untersuchung ein Käsefondue verspeisen. Ein Teil trank dazu 300 Milliliter Tee, ein anderer Teil die gleiche Menge Weißwein. Einige der Teilnehmer bekamen zusätzlich noch einen Sherry serviert. Das Ergebnis: Je mehr Alkohol die Teilnehmer tranken, desto schlechter war die Verdauung. Bereits der Wein sorgte für eine Verlangsamung der Verdauung. Der Sherry bremste sie dann noch einmal deutlich. 

Verdauungsfördernde Bitterstoffe in Kräutertees

Wer verdauungsfördernde Bitterstoffe sucht, der findet diese sowieso nicht nur im Kräuterschnaps, sondern auch in Kaffee und Tees. Etwa in einem Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, einem Brennnessel-Tee, und auch in einem selbst gemachten Tee mit Wermuthkraut oder gelbem Enzian. Auch Pfefferminztee gilt als magenfreundlich.

Weiterhin kann man das Essen bekömmlicher machen, indem man es mit geeigneten Gewürzen wie z.B. Oregano, Bohnenkraut, Lorbeerblatt und Kümmel verfeinert oder das Festtagsmenü mit einem bitterstoffreichen Wildkräuter-Salat als Vorspeise beginnt. Das Wissen um die verdauungsfördernde Wirkung bestimmter Kräuter und Gewürze wird schon seit langer Zeit weitergegeben. Die Europäische Kommission hat die Gesundheitsversprechen für pflanzliche Stoffe bis heute allerdings nicht überprüft.

Spaziergang ist der beste Verdauungshelfer

Aber was ist der beste Verdauungshelfer nach einem krachenden Festmahl? Eine Untersuchung des Mannheimer Internisten Professor Manfred Singer kommt hier zu einem klaren Fazit: der Verdauungsspaziergang. Dieser bringt Bewegung in den Magenraum und sorgt dafür, dass sich unser Magen möglichst zügig entleert. Aber bitte nicht zu viel des Guten: Zu starke körperliche Belastung raubt dem Körper die Energie, die er für die Verdauungsleistung benötigt und hat dann wiederum einen negativen Effekt auf die Verdauung.  

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