Woher kommen eigentlich die Buchstaben hinter den Vitaminen?

01.03.2015
© Simone Andress – fotolia.com

Antwort der Ernährungsexpertin:

Jeder kennt sie – Vitamin A, B und C bis Vitamin K – aber woher kommen eigentlichen diese Buchstaben und was bedeutet das Wort Vitamin? Eine Rolle spielt insbesondere ein Mann Namens Casimir Funk und zumindest teilweise die chemische Beschaffenheit des Vitamins.

Bei Ernährungsfragen weiß foodwatch-Expertin Dr. Astrid Gerstemeier Rat.

Die Benennung der Vitamine wirkt auf den ersten Blick lückenhaft und unsystematisch. Das ist letztlich historisch bedingt. Denn mit Entdeckung der Vitamine bzw. der Beobachtung, dass bestimmte Stoffe in der Nahrung scheinbar einen direkten Einfluss auf das Wohlbefinden haben, war deren genaue chemische Struktur noch lange nicht bekannt. Man konnte sie also nicht exakt wissenschaftlich benennen. Aus diesem Grund wurde den Vitaminen je ein großer Buchstabe des Alphabets zugeordnet.

Erste „Entdeckungen“ der Vitamine im 17. Jahrhundert

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts wurde beobachtet, dass die sogenannte „englische Krankheit“ Rachitis mit Lebertran gelindert werden konnte. Wie sich erst viel später herausstellte, war das im Lebertran enthaltene Vitamin D dabei der entscheidende Inhaltsstoff. Mitte des 18. Jahrhunderts war es ein schottischer Schiffsarzt und Jahrzehnte später ein englischer Marinearzt, der im Obst und Gemüse eine „gewisse Substanz“ vermutete, die Skorbut (Vitaminmangelkrankheit) heilen könnte. Der darin enthaltene Antiskorbutfaktor – heute als Vitamin C bezeichnet – wurde letztlich viel später entdeckt und normiert.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde beobachtet, dass eine bestimmte Nervenerkrankung überwiegend in Gegenden oder Bevölkerungsgruppen auftrat, die sich bevorzugt von geschältem Reis ernährten. Die heute unter dem Namen Beri Beri bekannte Erkrankung, war auf das Fehlen von Stoffen zurückzuführen, die sich offenbar nur in der Schale des Reis befanden. Dieser später genauer analysierte Inhaltstoff wurde dann vom polnisch-amerikanischen Biochemiker Casimir Funk als Vitamin B1 bezeichnet.

Aus Vita und Amin wird Vitamin

Denn Casimir Funk ging etwa um 1912 von der Annahme aus, dass jeder lebensnotwendige Stoffe eine sogenannte Amino-Gruppe (NH2-Gruppe) enthält. Daher prägte er das Wort Vitamin. Zusammengesetzt aus dem lateinischen Wortbestandteil Vita (Leben) und Amin (stickstoffhaltige basische Verbindung). Nach und nach wurden Stoffe mit anderen Eigenschaften entdeckt. Beispielsweise Vitamin A (Retinol), ein stickstofffreier Alkohol oder Vitamin C (Ascorbinsäure), eine kohlenhydratähnliche, säuerlich wirkende Substanz. Der Begriff Vitamin wurde dennoch beibehalten, obwohl der Wortbestandteil Amin genau betrachtet teilweise nicht zutreffend ist. Erst seit die genaue chemische Struktur ergründet werden konnte, erfolgten die Bezeichnungen der Vitamine entsprechend ihrer chemischen Struktur – für Vitamin B1 beispielsweise Thiamin.

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Vitamin F, G, H, I und J?

In rascher Folge wurden dann ab 1920 alle übrigen Vitamine entdeckt. Zunächst wurden elf Vitamine von A bis K durchbuchstabiert. Erst im Laufe der Zeit hat man einige Vitamine, die von der chemischen Struktur her nachgängig eher nicht den Vitaminen zuzuordnen waren, wieder gestrichen. Daher klafft nun diese Lücke zwischen Vitamin E und K. Auch wurden verschiedene wirkungsähnliche Vitamine in Gruppen zusammengefasst. Beispielsweise wurde Vitamin H (Biotin) zu Vitamin B7 und aus Vitamin G (Riboflavin) Vitamin B2. Die ehemaligen Begrifflichkeiten sind zwar veraltet, aber dennoch hin und wieder gebräuchlich.

Vitamin E gehört genau wie Vitamin A und D zu den fettlöslichen Vitaminen, deren buchstäbliche Namensgebung der Reihenfolge der Entdeckung entsprechend beigehalten wurde. Vitamin E (Tocopherol) ist inzwischen in verschiedenen Varianten bekannt. Das a-Tocopherol ist die am besten erforschte Form des Vitamin E und dient in erste Linie als Antioxidans, verhindert also gezielt eine unerwünschte Reaktion mit Sauerstoff.

Bei Vitamin K wurde die ursprüngliche Benennung ebenfalls beibehalten. Auch hier gibt es verschiedene Formen – K1 bis K4, die sogenannten Koagulationsvitamine. Sie spielen beispielsweise bei der Blutgerinnung eine wichtige Rolle.

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