„Wozu sind laktosefreie Milchprodukte gut?“

01.06.2013

Antwort der Ernährungsexpertin Astrid Gerstemeier:

Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit und Schlappheit nach dem Verzehr von Milch oder Milchprodukten können ursächlich mit einer Unverträglichkeit von Milchzucker zusammenhängen – also mit einer sogenannten Laktose-Intoleranz. Menschen, die daran leiden, fehlt das Enzym Laktase. Der Körper ist daher nicht in der Lage, den in der Milch vorhandenen Milchzucker (Laktose) im Dünndarm zu spalten, was zu den oben genannten Beschwerden führen kann.

Viele Milchprodukte enthalten von Natur aus wenig Laktose

In Milch und allen Milcherzeugnissen (zum Beispiel Joghurt, Quark, Frischkäse, Molke) ist Laktose enthalten. Verschiedene Käsesorten wie Emmentaler, Bergkäse, Parmesan, Harzer Käse aber auch Butter enthalten jedoch naturgemäß nur wenig Laktose, so dass diese Lebensmittel auch bei einer laktosearmen Ernährung in kleinen Mengen gut vertragen werden. Laktose kann ebenfalls enthalten sein in Brot/Brötchen, Fertiggerichten, Süßwaren sowie Fleisch- und Wurstwaren. Für verpackte Ware gilt dabei: Die Zugabe von Milch- und Milchprodukten, Magermilchpulver etc. – und somit auch Laktose – muss verpflichtend angegeben werden.  

Zur Herstellung laktosefreier Milch wird handelsüblicher Milch das Enzym Laktase zugegeben. Dieses spaltet den Milchzucker in die Einfachzucker Glukose und Galaktose. Da diese beiden Einfachzucker süßer sind als der Zweifachzucker Laktose, schmeckt laktosefreie Milch süßer als herkömmliche Milch. Laktosefreie Milchprodukte werden je nach Hersteller entweder direkt aus laktosefreier Milch hergestellt.  Oder es wird während des Herstellungsprozesses beispielsweise von Quark, Joghurt oder Frischkäse das Enzym Laktase zugegeben.

Für gesunde Menschen sind „laktosefreie“ Produkte überflüssig

Im Supermarkt findet man immer mehr Produkte mit dem Hinweis „lactosefrei“. Für die Betroffenen sind diese Lebensmittel eine gute Möglichkeit, dennoch Milch oder Milchprodukte ohne Einschränkung zu konsumieren. Daneben werden aber viele Lebensmittel speziell als „laktosefrei“ beworben, die ohnehin von Natur aus sehr wenig  Milchzucker enthalten und normalerweise bedenkenlos verzehrt werden können.

Für gesunde Menschen sind lactosefreie Lebensmittel überflüssig. Diese (meist deutlich teureren!) Spezialprodukte sind nicht – wie einige Verbraucher meinen – generell gesünder. Vielmehr schränken Verbraucher, die nicht unter Laktose-Intoleranz leiden, damit eher die Auswahl unnötig ein und geben mehr Geld aus.

Intoleranz ist nicht gleich Allergie

Eine Milchzuckerunverträglichkeit ist im Übrigen nicht zu verwechseln mit einer Milcheiweißallergie. Im Unterschied zur Allergie kann jemand der an einer Laktose-Intoleranz leidet,  je nach Beschwerdegrad den Milchzucker bis zu einer bestimmten Menge aufspalten und verdauen. In geringen Mengen kann man also Milchprodukte vertragen. Ein Allergiker hingegen, der eine nachgewiesene Milcheiweißallergie hat, reagiert auch auf geringste Mengen des Allergens mit unterschiedlichen und zum Teil schweren Reaktionen und muss völlig auf Milcheiweiß verzichten.

Von einer echten Allergie auf Kuhmilcheiweiß sind nur ca. drei Prozent der Deutschen betroffen. Unter Laktose-Unverträglichkeit leiden weitaus mehr Menschen. Die scheinbar steigende Tendenz der Erkrankungen ist allerdings eher auf eine inzwischen gezielte Diagnostik in diese Richtung erklärbar. Ein vergleichsweiser einfacher Atemtest beim Facharzt gibt zielsicher Auskunft. Eine Magen- oder Darmspiegelung ist zur Diagnostik einer Laktose-Intoleranz hingegen ungeeignet.

In der Regel werden bei einer erworbenen Laktose-Intoleranz kleine Mengen Laktose vom Körper gut toleriert und die Aktivität der Enzyme kann nach einer Einschränkung laktosehaltiger Lebensmittel über ca. 4 Wochen langsam und schrittweise wieder gesteigert werden.  

Hinweis: Auch die Milch anderer Tierarten enthält Laktose. Der Gehalt an Laktose in Medikamenten ist nur in seltenen Fällen diätetisch von Bedeutung.

Möchten auch Sie Fragen stellen? Dann werden Sie Fördermitglied!

Schon für 5 Euro im Monat ist die foodwatch-Mitgliedschaft zu haben, inklusive einer persönlichen Ernährungsberatung. Mehr erfahren

Ja, ich möchte Fördermitglied von foodwatch e.V. werden:

 
Newsletter abonnieren

Aktionen, Infos, Tests – Sie
erfahren´s zuerst.

Wir sind foodwatch


Verbraucher kämpfen gemeinsam für ihre Rechte – seien Sie dabei!