Gentechnisch veränderte Pollen in Honig ohne Kennzeichnung

16.04.2014

Verbraucher erfahren auch künftig nicht, ob Honig Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen enthält. Pollen seien natürlicher Bestandteil von Honig und müssen deshalb nicht als Zutat aufs Etikett – so steht es in einem Gesetzesvorschlag, den das EU-Parlament in Straßburg am Mittwoch mit knapper Mehrheit verabschiedete. Diese neuen Regeln treten unmittelbar in Kraft.

Die Klarstellung war nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom September 2011 nötig geworden. Damals hatten die Richter geurteilt, dass auch Honig mit kleinsten Spuren von gentechnisch veränderten Pflanzen zugelassen werden müsse. Sonst dürfe die Ware nicht in den Handel gelangen. Mit der Neuregelung hat die EU das Urteil nun umgangen, indem sie den Pollen nicht als Zusatzstoff einstuft, sondern als natürlichen Bestandteil.

Der entscheidende Unterschied dabei: Eine „Zutat“ muss als genverändert gekennzeichnet werden, sofern der Anteil genveränderter Organismen an dieser Zutat mehr als 0,9 Prozent beträgt. Gilt Pollen jedoch als „natürlicher Bestandteil“, müsste eine Gentechnik-Kennzeichnung erst ab einem Anteil von mehr als 0,9 Prozent am Gesamtprodukt (dem Honig) erfolgen – ein solcher wird von Pollen im Honig jedoch ohnehin nicht erreicht.

Transparenz über Gentechnik? Fehlanzeige!

foodwatch veurteilte diesen billigen Definitionstrick; der Einsatz von Agrar-Gentechnik wird dadurch noch intransparenter. Die klare Forderung von foodwatch: Egal ob Honig, Fleisch oder Milchprodukte – die Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa haben das Recht zu erfahren, bei welchen Produkten Agrar-Gentechnik eine Rolle spielte. Nur mit einer lückenlosen Kennzeichnung von Agrar-Gentechnik können Europas Bürger beim Einkauf im Supermarkt selbst entscheiden, ob sie den Einsatz von Gentechnik auf dem Acker unterstützen wollen oder nicht. foodwatch meint: Das Lebensmittelrecht muss sich an den Interessen der Bürger Europas orientieren – nicht an den Interessen von Monsanto, Bayer Crop, Pioneer & Co.

(mit dpa)

Bild: fotolia.com/orinocoArt, Mara-Zemgaliete, by-studio, Marion; Montage: foodwatch/Iris Kaschl

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