Internes Schreiben: Aldi Süd macht Druck auf Lieferanten

04.03.2017

Über die Vereinbarungen zwischen Handelsunternehmen und ihren Lieferanten wird in der Branche üblicherweise geschwiegen. Doch foodwatch hat jetzt einen Brief zugespielt bekommen, den Aldi Süd an die Hersteller seiner Eigenmarken geschickt hat. Darin fordert der Discounter sie auf, „Maßnahmen zur Reduzierung der Glyphosatgehalte in den an Aldi Süd gelieferten Eigenmarken zu ergreifen“. 

In der Europäischen Union gelten gesetzliche Grenzwerte für Glyphosat-Rückstände – Aldi Süd will aber „mittelfristig“ erreichen, dass seine Produkte höchstens mit 20 Prozent der erlaubten Werte belastet sind. Im Streit um den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist das natürlich kein Durchbruch. Doch das knappe Schreiben zeigt, dass sich beim Thema Glyphosat etwas tut. Und dass der öffentliche Druck Wirkung zeigt – denn darauf ist der Vorstoß von Aldi Süd zurückzuführen. So heißt es in dem Brief: „Mögliche gesundheitliche Risiken von Glyphosat sowie die Auswirkungen auf die Umwelt sind stark umstritten, weshalb der Wirkstoff permanent in den Medien vertreten ist.“

Bei Glyphosat muss Vorsorgeprinzip gelten

Glyphosat ist tatsächlich äußerst umstritten. Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend“ beim Menschen eingestuft. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA teilt diese Einschätzung der WHO-Forscher zwar nicht, doch gerade für solche Fälle gibt es das europäische Vorsorgeprinzip: Wenn seriöse Zweifel an der Sicherheit einer Substanz bestehen, darf sie nicht eingesetzt werden – und genau das ist bei Glyphosat der Fall.

Gesundheitsschutz nicht Unternehmen überlassen

Dass Aldi Süd mehr unternimmt als die Europäische Kommission gibt zu denken. foodwatch fordert: Die EU darf den Gesundheitsschutz nicht den Unternehmen überlassen! Denn Verbraucherinnen und Verbraucher dürfen nicht davon abhängig sein, dass sich irgendwann einmal, möglicherweise, jeder Handelskonzern oder Hersteller verantwortlich verhält. Vermeidbare Gesundheitsrisiken müssen vermieden werden! Und solange Zweifel an der Sicherheit von Glyphosat und anderen Pestizid-Wirkstoffen bestehen, darf es für sie keine Zulassung geben. Unterstützen Sie diese Forderung und unterzeichnen Sie jetzt den foodwatch-Brief an die EU-Kommission!

 
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