Glyphosat – Unkrautvernichter unter Krebsverdacht

© Gerd Soelsberg/biosicherheit.de

Die gesundheitlichen Risiken des weltweit am häufigsten genutzten Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat sind stark umstritten. Im März 2015 stufte die Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung sieht nach wie vor keine Krebsgefahr.

Das sogenannte Totalherbizid Glyphosat tötet alle Pflanzen gleichermaßen und  ist unter anderem Wirkstoff in einem von Monsanto unter dem Namen „Roundup“ verkauften Mittel. Der globale Agro-und Chemiekonzern vertreibt passend zu seinem Pestizid auch gentechnisch veränderte Pflanzen, die gegen das Mittel resistent sind. Durch den weltweiten Anbau dieser sogenannten „Roundup Ready“-Pflanzen hat sich auch die eingesetzte Menge des Pestizids, besonders in Nord- und Süd-Amerika, dramatisch erhöht.

Einsatz zur Vorbereitung des Ackers

In Europa, wo derzeit keine dieser gentechnisch-veränderten Pflanzen zum Anbau zugelassen ist, wird Glyphosat in der konventionellen Landwirtschaft  zur Vorbereitung des Ackers vor dem Aussähen der Pflanzen verwendet. Zudem kommt es kurz vor der Ernte zum Einsatz, um diese durch das gleichmäßige Abtöten der Getreidepflanzen zu erleichtern (sogenannte Sikkation). Seit Sommer 2014 ist diese Praxis in Deutschland verboten, es bleiben aber Schlupflöcher. Zudem wird Getreide weltweit gehandelt; Rückstände können also auch aus dem Ausland importiert werden. Häufig mit Glyphosat belastet ist gentechnisch verändertes Soja, das in großen Mengen als Futtermittel nach Europa eingeführt wird.

Glyphosat galt bislang „nur“ als giftig 

Bisher gilt Glyphosat für den Menschen „nur“ als giftig. Grenzwerte für Rückstände in Lebensmitteln sollen dafür sorgen, dass die Verbraucher nicht zu viel des Stoffes zu sich nehmen (der Wert für die angeblich unbedenkliche Tagesdosis (ADI-Wert) liegt bei 0,3 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm Körpergewicht; das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält sogar die Erhöhung dieses Wertes um fast 70 Prozent auf 0,5 Milligramm für ungefährlich. Dabei sind die Grenzwerte je nach angebauter Pflanze unterschiedlich hoch – und wenn diese nicht eingehalten werden können, können sie erhöht werden. Beispielsweise wurde auf Antrag von Monsanto der Grenzwert für Linsen von 0,1 mg/kg um das Hundertfache auf 10 mg/kg angehoben, nachdem die Sikkation bei Hülsenfrüchten üblich wurde. Die Folge: Glyphosat-Rückstände sind scheinbar allgegenwärtig. Bei Stichprobenuntersuchungen wurde Glyphosat selbst in Muttermilch und Urin der städtischen Bevölkerung gefunden und bei Menschen, die keinen direkten Kontakt zu dem Gift hatten. Das weist auf eine konstante Aufnahme über die Nahrung hin.

WHO-Krebsforscher: Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“

Im März 2015 hat die Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ und damit in die zweitgefährlichste Kategorie (2A) eingestuft. Die Ende Juli 2015 erschienene ausführliche Veröffentlichung untermauert diesen Befund mit zahlreichen wissenschaftlichen Studien. Mit dieser Einstufung als „wahrscheinlich krebserregend“ wären Grenzwerte hinfällig, denn bei erbgutschädigenden Substanzen können selbst winzige Mengen große Schäden anrichten. Neben der kanzerogenen Wirkung gibt es außerdem Hinweise darauf, dass Glyphosat zu Fehlbildungen bei Embryonen führen und hormonell wirksam sein könnte. Anders als die WHO-Krebsforschungsagentur ist ein anderes Gremium der WHO, die Arbeitsgruppe zu Pestizidrückständen (JMPR), bisher der Ansicht, dass das Mittel ungefährlich sei. Eine Expertengruppe, welche von der WHO eingesetzt worden war, um zu klären, wie es zu der unterschiedlichen Einschätzung kommen konnte, empfiehlt der JMPR ihre Bewertung von Glyphosat noch einmal vollkommen neu zu überdenken. Auch die zuständige deutsche Behörde, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), sieht im Gegensatz zu den WHO-Forschern keine Krebsgefahr durch Glyphosat.