foodwatch-Aktion: Nestlé lehnt Goldenen Windbeutel ab

01.10.2014

foodwatch-Aktivisten haben heute in Frankfurt versucht, den Goldenen Windbeutel an Nestlé zu übergeben. Doch das Unternehmen lehnte den Negativpreis ab – und empfiehlt seine Alete Trinkmahlzeiten weiterhin unbeeindruckt mit allerlei Gesundheitsversprechen für Säuglinge. foodwatch forderte Nestlé auf, die unverantwortlichen Babyprodukte vom Markt zu nehmen.

Die Konzernspitze des Nahrungsmittelriesen stand für ein Gespräch mit foodwatch nicht zur Verfügung. Unternehmenssprecher Achim Drewes erklärte vor dem Nestlé-Hochhaus lediglich, von einer Werbelüge könne „keine Rede sein, geschweige denn von einer Gesundheitsgefährdung“. Den Goldenen Windbeutel „können Sie gleich wieder mitnehmen“.

Nestlé sei der Kritik von Kinderärzten mit Produktänderungen bereits vor Jahren nachgekommen, so der Sprecher. Die Alete Trinkmahlzeiten seien „bedenkenlos“ und für „Babys ab dem 10. Monat geeignet“. Tatsächlich hatte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) bereits 2007 Trinkbreieals „unverantwortlich“ bezeichnet und einen Vermarktungsstopp gefordert. Nestlé reagierte darauf mit einigen Produktänderungen – nach wie vor jedoch bestätigt die DGKJ ihre Kritik an den Produkten. In einer E-Mail vom 30. Juli 2014 bestätigte Prof. Berthold Koletzko, der Vorsitzende der DGKJ-Ernährungskommission: „Die DGKJ spricht sich weiterhin gegen sogenannte Trinkbreie aus.“ Zudem betonen die Kinderärzte, sollten Breie nicht aus Flasche oder Becher getrunken, sondern mit dem Löffel gefüttert werden – Nestlé selbst empfiehlt dagegen Becher bzw. Tassen für seine Kalorienbomben. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) raten von Trinkmahlzeiten wegen des Risikos der Überfütterung und der frühkindlichen Kariesbildung grundsätzlich ab.

E-Mailaktion unterzeichnen und Vermarktungsstopp fordern!

foodwatch forderte Nestlé bei der Aktion auf, das Produkt vom Markt zu nehmen. Unterstützen Sie diese Forderung und unterzeichnen Sie die E-Mailaktion!

 

Aktivisten als Alete-Trinkmahlzeit verkleidet

„Ich will keine Werbelüge mehr sein“ – mit diesem Demonstrationsschild stand heute Vormittag eine Aktivistin im menschengroßen Alete-Trinkmahlzeit-Kostüm auf der kleinen Wiese vor der Nestlé-Deutschlandzentrale in Frankfurt am Main. „Der Goldene Windbeutel 2014 geht an Nestlé“, hieß es auf einem weiteren Transparent – und auf der Litfaßsäule, die gerade noch eine Reminiszenz an Heinrich Nestlé gezeigt hatte. Aktivisten der Verbraucherorganisation foodwatch hatten die Plakate zum 200sten Geburtstag des Firmengründers kurzerhand überkleistert, bevor sie versuchten, den Goldenen Windbeutel an Nestlé zu übergeben. Mehr zur Aktion sehen Sie in unserer Fotostrecke.


  • 01.10.2014

    Goldener Windbeutel 2014: foodwatch-Aktion bei Nestlé

    Fotostrecke (11 Bilder)
    • Vor der Nestlé-Firmenzentrale in Frankfurt: foodwatch-Aktivist Oliver Huizinga erklärt, warum Nestlé den Goldenen Windbeutel mehr als verdient hat...
    • ...Denn Ärzte raten von Trinkmahlzeiten wie denen der Nestlé-Marke Alete wegen des Risikos der Überfütterung und der frühkindlichen Kariesbildung grundsätzlich ab.
    • Und auf geht es zum Haupteingang der Firmenzentrale...
    • Gleich wird das foodwatch-Team einen kurzen Stopp einlegen, um die Leitern zum Einsatz zu bringen.
    • Die Litfaßsäule vor der Konzernzentrale, die gerade noch eine Reminiszenz an den Firmengründer Heinrich Nestlé gezeigt hatte, überkleistern die foodwatch-Aktivisten kurzerhand, um die Gewinner-Botschaft weithin sichtbar zu machen.
    • Während die Konzernspitze für ein Gespräch nicht zur Verfügung steht, erklärt Unternehmenssprecher Achim Drewes vor dem Nestlé- Hochhaus lediglich ...
    • ... Nestlé sei der Kritik von Kinderärzten mit Produktänderungen bereits vor Jahren nachgekommen. Die Alete Trinkmahlzeiten seien „bedenkenlos“ und für „Babys ab dem 10. Monat geeignet“.
    • Der Konzern hat sich offenbar gründlich auf die Übergabe vorbereitet: Ein Aufsteller informiert darüber, was aus Nestlé-Sicht „Fakt ist“. Nestlé lässt sich also nicht im Geringsten davon beeindrucken, dass Ärzte schon seit langem vor den Trinkmahlzeiten warnen.
    • Und der Goldene Windbeutel? „Den können Sie gleich wieder mitnehmen“, so der Unternehmenssprecher.
    • Also kann die Trophäe auch in diesem Jahr nicht übergeben werden und kehrt wieder zurück ins Berliner foodwatch-Büro.
    • Aber die „Sieger-Urkunde“, die ließ foodwatch dennoch da. Und da Nestlé sich bisher kein bisschen einsichtig zeigt, ist jetzt Ihre Unterstützung gefragt: Unterzeichnen Sie unsere <link 1879>E-Mailaktion</link> und fordern Sie den Konzern auf, die Alete Trinkmahlzeiten vom Markt zu nehmen! <link 1879>Jetzt unterzeichnen »</link>

Ein Produkt, vor dem Kinderärzte warnen, das Nestlé aber als babygerecht und gesund verkauft – dafür hat der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern heute den Preis für die dreisteste Werbelüge des Jahres erhalten. Bei der von foodwatch initiierten Online-Wahl zum Goldenen Windbeutel 2014 waren 45,8 Prozent von mehr als 158.000 Stimmen – eine Rekordteilnahme – auf die Alete Trinkmahlzeiten entfallen. Einen Monat lang hatten die Verbraucher unter fünf Kandidaten über die dreisteste Werbelüge des Jahres abgestimmt.

 
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