Herkunftsangaben für Geflügel in der Gastronomie

06.09.2016
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Die deutsche Geflügelwirtschaft fordert Herkunftsangaben für Hähnchen und Putenfleisch in Restaurants und Imbissen, mit dem Argument: Kunden könnten zwar im Supermarkt erkennen, woher Geflügelfleisch stammt, in der Gastronomie erführen sie aber bisher nichts über die Herkunft des Fleisches, dabei sei diese vielen Kunden wichtig. Aber was würde diese Angabe eigentlich wirklich ändern?

Die Geflügelbranche möchte, dass Verbraucher auf der Speisekarte lesen können, woher Chickenwings und Putensteaks stammen. „Während jeder Supermarktkunde bei Frischfleisch mit einem Blick aufs Etikett erkennen kann, aus welchem Land sein Geflügelfleisch kommt, bleibt der Außer-Haus-Bereich bei der Kennzeichnung ausgeklammert“, so Leo Graf von Drechsel, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Und das, obwohl in Imbissen, Restaurants und Kantinen über 50 Prozent des Geflügelfleisches in Deutschland verzehrt würden. Vielen Kunden sei es wichtig, das Herkunftsland erkennen zu können. 

83 Prozent der Deutschen wollen wissen, woher Fleisch stammt

Die Geflügelbranche argumentiert, Verbraucher wollten auch in Restaurants eine Wahl haben und sich zum Beispiel für oder gegen Hähnchenbrustfilet aus Deutschland entscheiden können. Der Verband beruft sich auf eine von ihm in Auftrag gegebene Umfrage, nach der 83 Prozent der Deutschen wissen wollten, woher das Geflügel auf ihrem Teller komme. Solche Hinweise auf der Menütafel oder der Speisekarte suchten Interessierte bisher aber fast immer vergebens. Die Gastronomiebranche wandte sich gegen eine generelle Pflicht zur Herkunftskennzeichnung: „Der Gast, den es wirklich interessiert, kann nachfragen, und er bekommt Auskunft", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Ingrid Hartges, der Deutschen Presse-Agentur. Speisekarten müssten lesbar bleiben.

Geflügelbranche blockiert echte Transparenz in der Tierhaltung

foodwatch kritisierte den Vorstoß als Täuschungsmanöver: Zwar ist gegen mehr Transparenz in der Gastronomie grundsätzlich nichts einzuwenden. Es ist aber absurd, wenn sich die Geflügelwirtschaft bei der Herkunftskennzeichnung jetzt als Verbraucherschützer inszeniert. Denn beim Thema Tierhaltung blockiert die Branche gleichzeitig mit allen Mitteln überfällige Verbesserungen und echte Transparenz. Auch wenn das Hähnchenschnitzel aus Deutschland kommt, stammt es aus einer Hochgeschwindigkeitsmast, in der Tiere massenhaft Krankheiten entwickeln und Antibiotikagaben an der Tagesordnung sind. Es ist höchste Zeit, dass die Verbraucher darüber aufgeklärt werden. Und dass sich die Bedingungen in der Tierhaltung so ändern, dass Tiere nicht länger krank gemacht werden.

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foodwatch setzt sich für eine grundlegende Tierhaltungswende – über die Geflügelhaltung hinaus – ein. Das Ziel: Es dürfen nur noch tierische Lebensmittel in den Handel kommen, die nachweislich tiergerecht erzeugt wurden. Die Europäische Union muss erstmals verbindliche Zielvorgaben für die Tiergesundheit festlegen und die bestmögliche Haltungsform als Standard für alle Nutztiere vorschreiben.

Bisher können weder Haltungsform noch freiwillige Siegel und Initiativen gewährleisten, dass Halter ihre Tiere auch gesund halten und optimal betreuen. Das Wohlergehen der Tiere darf aber nicht von den Kaufentscheidungen Einzelner abhängen. Es ist nicht tragbar, dass es für die Gesundheit der Tiere bislang weder Vorgaben noch eine systematische Kontrolle gibt.

Matthias Wolfschmidt, Veterinärmediziner und Kampagnenleiter von foodwatch

„Verbraucher sollten sich nicht täuschen lassen: Auch wenn das Hähnchenschnitzel aus Deutschland kommt, stammt es aus einer 35-Tage Hochgeschwindigkeitsmast, in der Tiere massenhaft Geschwüre an Füßen und Brustbeinen entwickeln, in der Herz-Kreislauferkrankungen und Antibiotikagaben an der Tagesordnung sind.“ 

Matthias Wolfschmidt, Veterinärmediziner und Kampagnenleiter von foodwatch

 

(mit dpa - Bild oben: stockphoto mania/fotolia.com)

 
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