Brandenburg prüft Förderstopp für gezuckerte Schulmilch

27.09.2018
Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

Nach der Kritik von foodwatch erwägt nun auch Brandenburg einen Stopp der Subventionen für gezuckerten Kakao & Co als Schulmilch. Man sehe die Förderung „kritisch“, erklärte Marco Büchel, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Brandenburgischen Landtag, in einem Schreiben an foodwatch. „Wir werden uns in der nächsten Zeit damit befassen, welche Möglichkeiten zur Anpassung des EU-Schulmilchprogramms in Brandenburg in diesem Sinne bestehen.“

Zuvor hatte bereits der Berliner Senat angekündigt, die steuerfinanzierte Förderung für gezuckerte Milchprodukte in dem gemeinsam mit Brandenburg organisierten Schulmilchprogramm zu überprüfen. Die beiden Länder sind neben Nordrhein-Westfalen die einzigen, die noch an der Subvention von gezuckerter Milch an Schulen festhalten – obwohl dies gegen die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung verstößt, Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten und das überarbeitete EU-Schulprogramm grundsätzlich nur die Förderung von ungezuckerten Produkten vorsieht. foodwatch fordert die Landesregierungen auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen.

Bundesländer schaffen extra Ausnahmeregelungen

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Brandenburg hat jedoch – neben Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen – eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao und andere gezuckerte Milchprodukte zu fördern. In Reaktion auf die Kritik von foodwatch hatte NRW bereits angekündigt, die von foodwatch kritisierte „Lex Zucker“ zu überprüfen. Hessen hatte den Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. Berlin und Brandenburg fördern neben Kakao auch die sogar noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen die beiden Bundesländer in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder, wie foodwatch-Recherchen zeigen.

Martin Rücker, foodwatch-Geschäftsführer

„Bezeichnenderweise ist in Brandenburg weder das Bildungs- noch das Verbraucherschutzministerium für das Schulmilchprogramm zuständig, sondern das Landwirtschaftsministerium. Das zeigt, um was es bei der steuerfinanzierten Subvention eigentlich geht: Nicht um gesunde Ernährung, sondern um Absatzförderung für die Milchwirtschaft.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker 

CDU kritisiert Förderung von Zuckermilch 

Kritik am Schulmilchprogramm äußerte auch die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Gegenüber foodwatch erklärte deren bildungspolitischer Sprecher, Gordon Hoffmann: „Wir sehen die Förderung von gezuckerten Milchprodukten mit öffentlichen Geldern ebenfalls kritisch.“ Man werde Gespräche führen und gegebenenfalls nach Ende des laufenden Schuljahres „Änderungen erreichen“.

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