Kinder weltweit von Fettleibigkeit bedroht

11.10.2017
Kleines Kind sitzt. Immer mehr Kinder sind von Fettleibigkeit bedroht.

Die Zahl extrem dicker Kinder und Jugendlicher hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als verzehnfacht. Während 1975 weltweit etwa elf Millionen 5- bis 19-Jährige fettleibig waren, waren es im vergangenen Jahr 124 Millionen, berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Imperial College London.

Für Deutschland ist in den Datenreihen ein Anteil von knapp drei Prozent fettleibiger Kinder im Jahr 1975 erfasst, im vergangenen Jahr waren etwa sieben Prozent der Mädchen und elf Prozent der Jungen betroffen. 90 Prozent der weltweiten Zunahme seien darauf zurückzuführen, dass mehr Kinder deutlich übergewichtig sind, nur zehn Prozent auf die wachsende Bevölkerungszahl. In Ländern mit hohem Einkommen stiegen die Zahlen zwar nicht weiter, verharrten aber auf viel zu hohem Niveau. Alarmierend ist vor allem der Anstieg in ärmeren Ländern und solchen mit mittleren Einkommen, darunter in den bevölkerungsreichen Ländern China und Indien.

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen von foodwatch

„Die Lebensmittelindustrie macht unsere Kinder krank. Die Branche ist mitverantwortlich für den dramatischen Anstieg von Fettleibigkeit bei Kindern. Rücksichtlos drückt ein Heer von Werbe- und Marketingprofis fast ausschließlich ungesunde Kinderlebensmittel in den Markt. 90 Prozent aller Lebensmittel, die in Deutschland gezielt an Kinder vermarktet werden, entsprechen nicht den Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation an ausgewogene Kinderprodukte.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen von foodwatch

Werbung für ungesunde Kinderprodukte muss verboten werden

Folgen der Fettleibigkeit seien ein höheres Risiko für Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle, bei Kindern zudem auch Mobbing in der Schule und Ausgrenzung im Jugendalter, erklärt Fiona Bull von der WHO. Die Kosten für Interventionsprogramme seien deutlich niedriger als die der Behandlung von Problemen durch Übergewicht.

Gutgemeinte Appelle, Aufklärung oder Ernährungsbildung allein reichen nicht mehr aus. Die Politik muss die Industrie endlich in die Pflicht nehmen: foodwatch fordert ein Werbeverbot für ungesunde Kinderprodukte. Nur noch Lebensmittel, die den Anforderungen der WHO entsprechen, dürfen gezielt an Kinder vermarktet werden.

Auch die WHO gibt Empfehlungen, um Fettleibigkeit in der Kindheit zu beenden. Behörden in aller Welt müssten Familien besser über gesunde Ernährung aufklären, in Schulkantinen gesünderes Essen anbieten und mehr Sportmöglichkeiten für Kinder schaffen. Der Kampf gegen das Rauchen habe gezeigt, dass auch Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte erfolgreich seien.

Verschiedene Faktoren begünstigen diese Entwicklung

Wegen des weltweiten Bevölkerungswachstums gibt es heute generell weitaus mehr Kinder als vor 40 Jahren – die Zunahme bei Übergewicht und Fettleibigkeit wird in den WHO-Daten aber auch prozentual sehr deutlich. 1975 waren demnach weniger als ein Prozent der Kinder und Jugendlichen fettleibig, heute sind es fast sechs Prozent der Mädchen und fast acht Prozent der Jungen. Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Nahrungsmittel, weniger Bewegung – diese Faktoren haben zu dem Trend beigetragen.

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Quelle: dpa