Zuckermilch in der Schule

17.08.2018

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat auch die EU einen Kurswechsel in ihrem Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen vollzogen. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Künftig dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. In Deutschland sind die Bundesländer für die Schulverpflegung zuständig. Und vier Bundesländer – Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen – haben sich entschieden, weiterhin auch gezuckerte Produkte wie Kakao subventioniert werden können. Dort ist der Großteil der geförderten Schul-Milchgetränke gezuckert. Die Angaben der zuständigen Behörden umfassen zwar auch Kindertagesstätten.  Doch dort ist der Anteil von Kakao deutlich geringer.

foodwatch hat den Ländern einen Offenen Brief geschrieben. Die klare Kritik: Mit Ihrer Politik leisten die Bundesländer der Fehlernährung von Kindern Vorschub, anstatt sie zu verhindern! foodwatch forderte die zuständigen Ministerinnen und Minister auf, die Schulmilchprogramme schnellstmöglich zu korrigieren und den Zusatz von Zucker auszuschließen.

„Der Zuckerkonsum von Kindern ist zu hoch und hat fatale gesundheitliche Auswirkungen. Mehrere Bundesländer tragen selbst dazu bei: Sie fördern die Abgabe gezuckerter Milchprodukte – auf Kosten des Steuerzahlers und auf Kosten der Kindergesundheit. Eine solche Politik ist verantwortungslos und widerspricht den Empfehlungen der Ernährungsfachleute.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Verflechtungen mit der Milchlobby

erlin, Brandenburg, Hessen und NRW sind ausgerechnet jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen. 

Das zuständige Ministerium in Hessen erklärte gegenüber foodwatch, dass die Subvention von Kakao als erforderlich angesehen werde, „um das Angebot insbesondere für Schulen und Lieferanten attraktiv zu halten“.

Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer Berlin und Brandenburg umsetzt, argumentierte ähnlich. Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ würden. Zudem würden „alternativ wohl eher andere Produkte, mit höherem Zuckergehalt als Milchmischgetränke“ gewählt. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen erklärte, dass „viele Kinder keine Milch, sondern Kakao“ trinken würden. „Insbesondere diese Kinder sollen mit dem weiterhin bestehenden Angebot von Kakao unterstützt werden“, so das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.

Ministerien: Besser Zucker-Milch als keine Milch

foodwatch hält dieses Verhalten für verantwortungslos. Mehrere Bundesländer folgen offenbar der Logik: Besser Zucker-Milch als keine Milch. Das ist hanebüchen. Wenn Kinder kein Obst essen möchten, gibt man ihnen doch auch keine Obsttorte als Ersatz. Offensichtlich haben die Landesregierungen vor allem die Absatzförderung für die Milchwirtschaft im Blick und nicht die Gesundheit der Kinder. Damit muss Schluss sein!

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Unterschriften

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Bild: © Fotolia.com / Gina Sanders

 
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