foodwatch-Forderungen

Bis zu 60 Prozent der durch die Landwirtschaft verursachten Klimagase könnten eingespart werden. Die Politik ist gefordert, diese enormen Potenziale endlich zu nutzen: Agrarpolitik muss Teil der Klimapolitik werden, verbunden mit konkreten Reduktionszielen.

Die Landwirtschaft in Deutschland verursacht Treibhausgase in Höhe von 133 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent jährlich - annähernd soviel wie der Straßenverkehr. Sowohl die konventionelle als auch die ökologische Landwirtschaft tragen dabei erheblich zum Treibhauseffekt bei.

Die ökologische Landwirtschaft emittiert zwar insgesamt 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase, verursacht aber mehr Emissionen in Teilen der Milch- und Rindfleischproduktion. Das Bio-Siegel enthält keine Kriterien im Hinblick auf Energieverbrauch oder Ausstoß von Treibhausgasen. Wer Bioprodukte kauft, ernährt sich deshalb nicht automatisch klimaschonend. Wichtiger ist die eigene Ernährungsweise, insbesondere die Menge des besonders klimaschädlichen Rindfleisch- und Milchkonsums.

Deshalb fordert foodwatch:

Die Agrarpolitik muss Teil der Klimapolitik werden

Die Landwirtschaft in Deutschland emittiert mit 133 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten fast ebensoviel Treibhausgase wie der Straßenverkehr. 71 Prozent oder 94 Millionen Tonnen verursacht die Tierhaltung, deutlich mehr als die Hälfte davon die Rindfleisch- und Milchproduktion. 29 Prozent oder 39 Millionen Tonnen entstammen dem Anbau von Pflanzen für Nahrungsmittel. Trotz dieser hohen Treibhausgasmengen ist die Landwirtschaft nicht Teil der deutschen (oder europäischen) Klimapolitik. Die Bundesregierung begründet dies damit, dies sei nicht notwendig, weil es sich bei der Entstehung von Treibhausgasen in der Landwirtschaft um „natürliche Prozesse“ handele. Das Ausmaß der Treibhausgase in der Landwirtschaft beruht jedoch nicht auf „natürlichen Prozessen“, sondern wird durch die von Menschen gewählten Produktionsmethoden und durch die Ernährungsweise der Konsumenten bestimmt.

Treibhausgase können um 60 Prozent reduziert werden

Wegen des großen Potentials, Treibhausgase in der Landwirtschaft zu reduzieren, muss die Landwirtschaft unbedingt Teil der deutschen und europäischen Klimapolitik werden. Zu diesem Zweck müssen konkrete Reduktionsziele formuliert werden. Bei konsequenter Umstellung der Landnutzung, ökologischer Produktionsweise und einer Verringerung des Konsums von Fleisch und Milchprodukten lassen sich die Treibhausgase der Landwirtschaft um etwa 80 Millionen Tonnen oder 60 Prozent reduzieren. Das Klimaziel der Bundesregierung sieht vor, bis 2020 in allen Wirtschaftssektoren (außer der Landwirtschaft) 270 Millionen Tonnen pro Jahr einzusparen. Auf das beträchtliche Einsparpotential der Landwirtschaft darf keinesfalls verzichtet werden.

Keine Landwirtschaft auf Moorböden

Die wirtschaftlichste Maßnahme zur Einsparung beträchtlicher Mengen an Treibhausgasen (30 Prozent) besteht im Stopp der landwirtschaftlichen Nutzung von Moorböden (1,4 Mio. ha) und der Umwidmung dieser Flächen zu Naturschutzgebieten.

Mehr Bio, weniger Fleisch und Milchprodukte

Eine vollständige Umstellung der Landwirtschaft auf ökologische Verfahren könnte die Emissionen zwar um bis zu 20 Prozent reduzieren, doch nur auf einer zusätzlichen Fläche von 10 Mio. ha (zu bestehenden 18 Mio. ha). Diese steht jedoch in Deutschland und Europa nicht zur Verfügung. Eine langfristig nachhaltige Reduzierung der Treibhausgase von 60 bis 80 Prozent erfordert deshalb eine Verringerung der Produktion von Fleisch und Milch um etwa 70 Prozent auf gleichbleibender Fläche.

Umweltabgaben statt Subventionen

Das EU-Subventionssystem muss durch ein System von Umweltabgaben und Emissionssteuern ersetzt werden, die sowohl auf die ökologische als auch auf die konventionelle Produktion erhoben werden. Sie haben das Ziel, die besonders klimaschädliche Produktion von Fleisch (vor allem Rindfleisch und Milch) zu verteuern, so dass Nachfrage und Produktion zurückgehen. Die Sozialpolitik muss gleichzeitig dafür sorgen, dass sich alle Menschen ausreichend und ausgewogen ernähren können.

Die Steuern oder Abgaben müssen auf die Emissionen der Treibhausgase sowie auf den Einsatz klimarelevanter Inputs (Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel) erhoben und gleichermaßen auf Ökolandbau und konventionelle Landwirtschaft angewendet werden.

Die Landwirtschaft in den Emissionshandel mit einzubinden, ist nicht praktikabel. Zu unterschiedlich sind die Emissionen der einzelnen Betriebe. Die Emissionsmengen variieren stark in Abhängigkeit von den jeweiligen Unterschieden in der Tierhaltung, den Bodenbedingungen und anderen Faktoren.

Der Preis klimaschonender Landwirtschaft: Teures Fleisch

Die geforderten Umweltabgaben, die die Subventionen ablösen sollen (siehe oben), werden insbesondere zu einer Verteuerung von Rindfleisch und Milchprodukten und zu einem entsprechenden Rückgang der Nachfrage führen. Der Verbrauch von Schweine- und Geflügelfleisch, die generell viel weniger klimaschädlich sind, würde dagegen ansteigen. Ein signifikanter Rückgang des Konsums und der Produktion von Fleisch sowie der Vergeudung von Fleisch hätte aber nicht nur negative, sondern auch positive Auswirkungen, nämlich auf die menschliche Ernährungsweise in Deutschland, die auf einem zu hohen Fleischkonsum beruht. Allerdings muss die Sozialpolitik gewährleisten, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, sich angesichts höherer Nahrungsmittelpreise ausgewogen und ausreichend zu ernähren.

Kein Anbau von Biosprit-Pflanzen

Der Anbau von Pflanzen zur Treibstoffproduktion verhindert eine effektive Klimapolitik in der Landwirtschaft. Diese Flächen werden für den Anbau von Nahrungsmitteln benötigt, wenn bisher landwirtschaftlich genutzte Moorböden wiedervernässt werden und die Landwirtschaft insgesamt ökologisiert wird.

Informationen über Klimafolgen

Produktinformationen wie CO2-Labelling sind nicht praktikabel. Der Staat  muss den Verbrauchern detailliert für einzelne Nahrungsmittel Informationen über die Klimarelevanz ihrer Ernährung zur Verfügung stellen.

Zuletzt geändert am 25.08.2008