Warum Verbraucher an der Kennzeichnung scheitern

Cover des Verbraucherreports 2014

Fehlende Informationen, unverständliche Angaben, zu kleine Schrift: Die Kennzeichnung von Lebensmitteln lässt Kunden oft ratlos zurück. Das stellt foodwatch im „Verbraucherreport 2014“ dar – belegt durch eine repräsentative Umfrage des Instituts TNS Emnid. Drei Viertel der Befragten halten es für schwierig, die Qualität von Lebensmitteln anhand der Angaben auf der Verpackung richtig zu beurteilen. 69 Prozent wünschen sich „mehr Informationen“ direkt auf den Etiketten. 

Rund 9 von 10 Bundesbürgern halten beispielsweise eine Angabe zur Herkunft der wichtigsten Zutaten für wichtig – eine solche Kennzeichnung fehlt bislang auf den meisten Lebensmitteln, da sie nicht verpflichtend vorgeschrieben ist. Dass viele Werbeaussagen und Produktkennzeichnungen irreführend sind, liegt demnach auch an lückenhaften Kennzeichnungspflichten: Obwohl sich die Hersteller in den allermeisten Fällen an die gesetzlichen Vorgaben halten, werden die Verbraucher oft getäuscht.

Wahl zum Goldenen Windbeutel

Wenn ein Lebensmittel beispielsweise als „regional“ beworben wird, gleichzeitig aber die Herkunft der Zutaten nicht deklariert werden muss, fehlt den Kunden die Möglichkeit zur Überprüfung der Werbeversprechen. Ein solches Produkt ist auch Kandidat bei der Wahl zum Goldenen Windbeutel, die foodwatch jährlich durchführt, um auf das Problem des „legalen Etikettenschwindels“ hinzuweisen. Bei der laufenden Abstimmung können Verbraucher unter www.goldener-windbeutel.de noch bis zum 30. September über die „dreisteste Werbelüge des Jahres“ abstimmen.

Die Probleme beim Einkauf

Die Emnid-Befragung ist Teil des foodwatch-Verbraucherreports 2014, der unter dem Titel „Was der Kunde nicht weiß…“ umfassend über die derzeitigen Kennzeichnungsvorgaben und -lücken informiert. Demnach gaben 68 Prozent der Befragten an, sich „manchmal“ oder „häufig“ Sorgen darüber zu machen, „dass wichtige Angaben zu den Inhaltsstoffen nicht oder nur versteckt auf der Packung stehen“. Die Sorge, „dass ein Lebensmittel nicht so gesund ist, wie es die Verpackung verspricht“, haben ebenfalls zwei Drittel (67 Prozent) zumindest „manchmal“; „dass in einem Produkt nicht drin ist, was drauf steht“ 61 Prozent der Befragten.

Schlechtes Zeugnis für die Politik

Die Umfrageergebnisse stellen auch der Politik ein schlechtes Zeugnis aus. So hatte die Europäische Kommission für Pflichtangaben auf Lebensmitteletiketten ursprünglich eine Mindestschriftgröße von 3 Millimetern vorgeschlagen. Auf Druck der Wirtschaftslobby und mit Zustimmung der Bundesregierung wurden schließlich jedoch 1,2 Millimeter festgesetzt, für kleine Verpackungen sogar nur 0,9 Millimeter (bezogen auf das kleine „x“). Die Vorgabe greift zwar erst im Dezember 2014, in der Regel werden diese Maße jedoch auch heute von den Herstellern nicht unterschritten.

Ärger über zu kleine Schrift

Für die meisten Kunden ist das eindeutig zu klein: Zwei Drittel der Bundesbürger geben an, sich schon über eine zu kleine Schrift auf Verpackungen geärgert zu haben. In der Altersgruppe der Über-60-Jährigen sind es 87 Prozent, aber auch bei den 14-29-Jährigen bereits bemerkenswerte 31 Prozent. Nach Auffassung von foodwatch zeigt dieses Beispiel exemplarisch, dass sich die Gesetzgebung vor allem an den Interessen der Lebensmittelwirtschaft und nicht an denen der Verbraucher ausrichtet.

Zuletzt geändert am 12.09.2014
 
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