Quecksilber in Fisch: Die EU trickst mit Grenzwerten

Quecksilber ist ein für den Menschen hochgiftiges Schwermetall. Es wird als Abgas bei der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken in die Luft oder als Bestandteil von Agrochemikalien in Böden und Gewässer freigesetzt. Im Meer wird daraus das 100-fach giftigere Methyl-Quecksilber, welches von Fischen aufgenommen wird. Die Verschmutzung der Weltmeere mit dem Nervengift birgt ein gravierendes gesundheitliches Risiko, vor dem die deutsche Bundesregierung insbesondere Schwangere und (Klein-) Kinder warnt.

Besonders hoch belastet sind Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen, wie Schwert- und Thunfische. Aber auch in anderen Fischen wie Lachsen, Aalen, Seeteufeln und Forellen ist das Nervengift Quecksilber zu finden. Da Seefische lange Wanderungen unternehmen und weltweit gehandelt werden, sind nicht nur Küstenbewohner betroffen, sondern alle Menschen, die Fisch konsumieren.

EU: Ziel ist eine möglichst ungehinderte Vermarktung der Fische

Untersuchungen der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zeigen, dass insbesondere große Raubfische immer wieder deutlich höher mit Quecksilber belastet sind, als es die derzeit geltenden Grenzwerte eigentlich erlauben. Die EU-Kommission plant nun, die zulässigen Höchstwerte von Quecksilber bei hoch belasteten Raubfischen zu verdoppeln – statt derzeit ein Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Fisch sollen in Zukunft zwei Milligramm erlaubt sein. Denn aus einem Papier der EU-Kommission geht hervor, dass bei einem Grenzwert von einem Milligramm knapp 50 Prozent der Fisch-Waren nicht verkehrsfähig wären, sprich nicht verkauft werden dürften. Bei einer Anhebung des Wertes auf zwei Milligramm wären dies nur noch 14,5 Prozent. Die geplante Erhöhung der Grenzwerte für eine hochgiftige Substanz hat also offensichtlich nichts mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun – sondern nur mit der tatsächlichen Belastung und dem Ziel einer möglichst ungehinderten Vermarktung der Fische.

Weil nach neuen Erkenntnissen der EFSA viele kleinere Fische sehr wenig mit Quecksilber belastet sind, plant die EU-Kommission, die Grenzwerte für diese zu senken, von derzeit 0,5 Milligramm Quecksilber auf 0,1 Milligramm pro Kilogramm Fisch. Vordergründig hat diese Maßnahme den Anschein eines verbesserten Verbraucherschutzes. Tatsächlich aber ändert sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher dadurch nichts – denn die entsprechenden Fische waren und sind so niedrig belastet, dass die Grenzwertverschärfung nichts am Angebot ändert. 

Im Ergebnis aber mutet das Gesamtpaket den Verbraucherinnen und Verbrauchern deutlich höhere Quecksilber-Lasten zu als bisher, weil so in Zukunft deutlich mehr hoch belastete Raubfische gehandelt und verspeist werden.

Fischereinationen profitieren von Grenzwert-Erhöhung 

Interesse an der Erhöhung der Quecksilber-Grenzwerte könnten nach foodwatch-Recherchen besonders die Fischereinationen, also Länder mit großen Fangflotten, wie Spanien haben. Denn im EU-Schnellwarnsystem, einer europaweit funktionierenden elektronischen Lebensmittelinformationsplattform waren es in der Vergangenheit sehr häufig Fische, wie z.B. Schwertfische, als deren Ursprungsland Spanien angegeben war. foodwatch befürchtet nach Auswertung der EU-Schnellwarnungen, dass es nicht allein bei Schwertfischen oder einigen Haifischarten bleiben wird, deren zulässige Quecksilber-Höchstbelastungen man nach oben korrigieren will, damit diese „legal“ in die Ladentheke gelangen können. Hier stünden die Interessen der Wirtschaft eindeutig gegen die des Verbrauchers. Denn auch Thunfisch und Marlin wurde des Öfteren wegen überhöhter Quecksilberbelastung zum Leidwesen der Fischereiwirtschaft von den Überwachungsbehörden aus dem Verkehr gezogen.

foodwatch fordert: Keine Heraufsetzung der Grenzwerte! 

Die Verbraucherbelastung mit gesundheitsschädlichem Quecksilber darf durch die Heraufsetzung von Grenzwerten auf keinen Fall erhöht werden. Raubfische dürfen auch in Zukunft nicht mehr als ein Milligramm Quecksilber je Kilogramm Fisch enthalten, wenn sie als Lebensmittel vermarktet werden. Statt an den Quecksilber-Grenzwerten herumzutricksen muss die EU-Kommission dafür sorgen, dass die Freisetzung von Quecksilber in die Natur schnellstmöglich systematisch verringert wird. Der Einsatz von schwermetallhaltigen Pestiziden muss verboten und der Quecksilberausstoß durch die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung konsequent beendet werden. Je schneller, desto besser für alle.

Zuletzt geändert am 22.06.2016
 
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