Hygienemängel in der Kantine des Ernährungsministeriums

01.02.2019

Das ist pikant: Ausgerechnet in den Kantinen zweier Bundesministerien – darunter das Ernährungsministerium – nahm man es mit der Hygiene offenbar nicht ganz so genau. Kontrolleure stellten zahlreiche Hygienemängel fest, informierten jedoch nicht die Öffentlichkeit.

Verdreckte Einlegeroste im Kühlschrank, Schwarzschimmel am Handwaschbecken, Altverschmutzungen auf dem Boden – appetitlich hört sich das nicht an, was Lebensmittelkontrolleure in den Kantinen der beiden Bundesministerien in Bonn vorfanden. Zwischen dem 1.1.2016 und dem 28.11.2018 wurden in den Kantinen des Ernährungsministeriums sowie des Arbeitsministeriums jeweils vier Kontrollen durchgeführt. Bei der Hälfte der Besuche beanstandeten die Kontrolleure Verstöße gegen die Hygienevorgaben. Die Gäste der beiden Kantinen erfuhren davon nichts.

„Ausgerechnet in der Kantine des Ernährungsministeriums nimmt man es mit der Hygiene offenbar nicht ganz so genau. Wir finden: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses haben ein Recht zu erfahren, wie es um die Sauberkeit in der Küche bestellt ist. Frau Klöckner als Bundesernährungsministerin muss dafür sorgen, dass die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen stets veröffentlicht werden. Das belohnt die sauber arbeitenden Betriebe und bietet einen Anreiz, sich Tag für Tag an die Vorgaben des Lebensmittelrechts zu halten – auch im Ernährungsministerium.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen bei foodwatch

Deutsche Geheimniskrämerei

Anders als in Ländern wie Dänemark oder Norwegen machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. foodwatch hat die Kontrollberichte über einen Antrag nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erhalten. 

Die Berichte führten unter anderem folgende Auffälligkeiten auf:

Kantine des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales:

  • Altverschmutzung unterhalb der Erhitzungszeile
  • Schwarzschimmel am Handwaschbecken
  • Dunkle, altverschmutzte Beläge am Unterbau des Konvektomatens
  • In der Küche beobachtete der Kontrolleur auch folgendes: „Am Dunstabzug über dem Kochkessel wurde durch nicht ordnungsgemäß abgeführte Dampfschwaden eine erhebliche Menge an Kondenswasser festgestellt. Diese tropfte intervallmäßig in den darunterliegenden Kochkessel, in welchem zum Zeitpunkt der Kontrolle ein Gemüse-Fond zubereitet wurde.“
  • Altverschmutzung im Gemüsekühlhaus
  • Keine erforderlichen Personalschulungen in Sachen Lebensmittelhygiene

Kantine des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft:

  • Nicht abgedeckte Lebensmittel von Fleisch und Tiefkühlprodukten im Kühlhaus
  • Verdreckte und korrodierte Einlegeroste im Kühlschrank
  • Defektes Thermometer im Kühlschrank
  • Defektes Desinfektionsgerät
  • Keine erforderlichen Personalschulungen in Sachen Lebensmittelhygiene

Mit Topf Secret Kontrollergebnisse selbst abfragen

foodwatch macht sich gemeinsam mit der Transparenz-Initiative FragDenStaat gegen die Geheimniskrämerei in Lebensmittelbehörden stark: Vor rund zwei Wochen haben wir die Online-Plattform „Topf Secret“ gestartet, auf der Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und veröffentlichen können. Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln.

foodwatch fordert Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, die gesetzliche Grundlage für ein Transparenzsystem wie in Dänemark, Wales oder Norwegen zu schaffen. Dort werden alle Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung veröffentlicht – im Internet und direkt an der Ladentür. 

Foto Kantine © Gerhard Seybert / fotolia.com

 
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