Jetzt unterzeichnen – für strenge Strahlengrenzwerte!

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Unterschriften. Sind Sie schon dabei?

Die aktuell in der EU und Japan geltenden Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln sind viel zu hoch: Unnötigerweise werden Erkrankungen und Tote in Kauf genommen, obwohl es genug unbelastete Nahrungsmittel gibt. Fordern Sie jetzt die zuständigen Politiker in Bundesregierung und EU-Kommission auf, die Grenzwerte drastisch zu senken!


foodwatch hat die Aktion am 20. September 2011 gestartet.

Lesen Sie den vollständigen E-Mail-Text

Sehr geehrter Herr Kommissar Borg, sehr geehrter Herr Kommissar Oettinger, sehr geehrte Frau Ministerin Hendricks, sehr geehrter Herr Minister Schmidt,

die Atom-Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben für die Menschen langfristige Folgen. Über Jahrzehnte hinweg sind Nahrungsmittel aus den betroffenen Regionen radioaktiv belastet. Es ist Aufgabe der europäischen Politik, die Bürgerinnen und Bürger so gut wie möglich vor gesundheitlichen Risiken zu schützen. Die aktuellen EU-weiten Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln bieten keinen ausreichenden Gesundheitsschutz.

Die Grenzwerte sind zu hoch: Es gibt keine „sicheren“ Grenzwerte, da jede noch so geringe Dosis radioaktiver Strahlung schwere Erkrankungen wie Krebs zur Folge haben kann. Strahlengrenzwerte für Nahrungsmittel müssen daher aus Vorsorgegründen so streng wie möglich festgelegt werden. Die aktuellen Grenzwerte sind jedoch so hoch angesetzt, dass sie eine unnötig hohe Zahl von Erkrankungen und Todesfällen tolerieren. Sie akzeptieren ohne Not ein Vielfaches der Strahlendosis, die die deutsche Strahlenschutzverordnung für den Normalbetrieb von Kernkraftwerken zulässt. Es gibt ausreichend verfügbare Lebensmittel und damit keine Notwendigkeit, hochbelastete Produkte aus den von Tschernobyl oder Fukushima betroffenen Regionen zu verzehren.

Die Grenzwerte sind widersprüchlich: In anderen Ländern bestehen zum Teil wesentlich strengere Grenzwerte, so auch in den von Tschernobyl betroffenen Staaten Weißrussland und Ukraine. Die Folge dieser Politik: Lebensmittel, die dort nicht gehandelt werden dürfen, können ganz legal von EU-Staaten importiert und innerhalb Europas verkauft werden.

Die EU ist zum Handeln verpflichtet: Aus dem Europäischen Grundrecht leitet sich eine Verpflichtung der europäischen Politik ab, die Strahlenbelastung der Menschen so weit wie möglich zu reduzieren. Das gebieten der Vorsorgegrundsatz, der zum Primärrecht der EU gehört, und das Bürgerrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

Ich fordere Sie daher auf:

  • die Grenzwerte für die Belastung von Nahrungsmitteln mit dem Radionuklid Cäsium drastisch zu reduzieren: Von bisher 370 Becquerel pro Kilogramm (bzw. 200 Becquerel pro Kilogramm für Importe aus Japan) auf 8 Becquerel pro Kilogramm für Säuglingsnahrung und Milchprodukte sowie von bisher 600 Becquerel pro Kilogramm (bzw. 500 Becquerel pro Kilogramm für Importe aus Japan) auf 16 Becquerel pro Kilogramm für alle anderen Nahrungsmittel. Diese Grenzwerte für Nahrungsmittel werden der Maßgabe der deutschen Strahlenschutzverordnung gerecht, nach der aus jedem Expositionspfad (d.h. für die Ableitung radioaktiver Stoffe aus Kraftwerken mit Luft oder Wasser) eine maximale jährliche Strahlendosis von 0,3 Millisievert resultieren darf. Die Tatsache, dass jede noch so geringe Dosis radioaktiver Strahlung gesundheitliche Folgen haben kann, ist Anlass genug, den Weiterbetrieb und Bau von Atomanlagen in Frage zu stellen.

  • für die Belastung von Nahrungsmitteln mit radioaktivem Jod-131 Null-Toleranz vorzuschreiben. Wegen der relativ kurzen Halbwertszeit müssen den Menschen keine mit Jod-131 belasteten Produkte zugemutet werden: Viele Nahrungsmittel können bis zum Zerfall der Isotope – ggf. tiefgefroren – gelagert werden und sind anschließend wieder für den Verzehr geeignet.

  • ein einheitliches Grenzwertregime für den Normal- wie für den Katastrophenfall zu schaffen. Bislang kann die Europäische Kommission nach einem atomaren Unglück – wie bei Fukushima zunächst geschehen – die Grenzwerte für Nahrungsmittel lockern, und zwar im Alleingang und ohne jede parlamentarische Kontrolle. Das muss beendet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Commissioner Borg, Commissioner Oettinger, Minister Hendricks and Minister Schmidt,

The nuclear disasters of Chernobyl and Fukushima will have long-term impacts on human health. Food from the affected regions will be radioactively contaminated for many decades. It is the task of European policymakers to protect the health of the population as effectively as possible. The current EU-wide limits for the radioactive contamination of foodstuffs do not guarantee an adequate level of health safety.

The permissible limits are too high: there are no “safe” limits for radioactivity because any dose of radiation, no matter how small, can cause serious diseases like cancer. Therefore, as a precautionary measure, radiation limits for food must be as strict as possible. The current limits, however, are irresponsibly high and tolerate an excessive rate of illness and fatality. They accept, for no good reason, a level of radiation exposure that far exceeds the exposure permitted by the German Radiation Protection Ordinance for normally operating nuclear facilities. Sufficient quantities of foods are available from safe regions. Therefore, there is simply no justification for consuming highly contaminated products from the regions affected by Chernobyl and Fukushima.

Current permissible limits are contradictory: many other countries, including Ukraine and Belarus, which were directly affected by the Chernobyl disaster, have set much stricter limits. The outcome of these policies: foods that are too highly contaminated for sale in these countries can still be imported quite legally by EU Member States and sold within Europe.

The EU has an obligation to act: based on the European fundamental rights, European policymakershave an obligation to minimise human exposure to radiation as much as possible. This is mandated both by the precautionary principle, which is part of the primary legislation of the EU, and by the basic right to life and physical integrity.

I therefore call on you to:

  • drastically reduce permissible limits for the contamination of foodstuffs with the radionuclide cesium: from the current 370 becquerels per kilogram (or 200 becquerels per kilogram for imports from Japan) to 8 becquerels per kilogram for baby food and milk products, as well as from the current 600 becquerels per kilogram (or 500 becquerels per kilogram for imports from Japan) to 16 becquerels per kilogram for all other foods. These limits would satisfy the requirements of the German Radiation Protection Ordinance, according to which a maximum annual exposure limit of 0.3 millisieverts is permitted from each exposure pathway (i.e. for the emission of radioactive substances from nuclear power plants through air or water). The fact that any dose of radiation, no matter how small, can have serious health consequences is reason enough to question the continued operation and construction of nuclear power plants.

  • implement zero-tolerance policies for the contamination of foodstuffs with radioactive iodine-131. Given the relatively short half-life of iodine-131, people should not be expected to eat food contaminated with this isotope: many foods can be stored – or, if applicable, frozen – until the isotope has decayed and the foods have become suitable for consumption.

  • establish a uniform limit system that applies equally to normal and emergency situations. Currently the European Commission has the power to relax the limits for foodstuffs following a nuclear accident – like the recent Fukushima disaster; moreover, the EC can take such action alone, without parliamentary control. This situation must be changed.

Yours sincerely,

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Diese E-Mail wird verschickt an:

 


EU-Kommission

  • Tonio Borg, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz
  • Günther Hermann Oettinger, EU-Kommissar für Energie

Bundesregierung

  • Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft 
  • Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin