Hintergrund 08.10.2025

Gericht stoppt Heilsversprechen: Der Fall More Nutrition

picture alliance / M.i.S. | Marcel Muecke / M.i.S.

Influencer-Marketing mit Abnehmversprechen? Vom Gericht kassiert. Unsere Klage gegen More Nutrition war erfolgreich: Zentrale Aussagen sind verboten, die Berufung – zurückgezogen. Das Urteil setzt ein klares Zeichen für Verbraucher:innen und gegen irreführende Werbung. 

foodwatch hat im Rechtsstreit gegen die Fitness-Marke More Nutrition gewonnen. Nach der Klage gegen unzulässige Gesundheitsversprechen in Werbeaussagen untersagte das Landgericht Itzehoe bestimmte Aussagen in der Social-Media-Werbung. Zentrale Botschaften, wie die Produkte würden beim Abnehmen helfen oder Frauen beim Schwangerwerden unterstützen, sind somit tabu. More Nutrition hat auch die Berufung gegen das Urteil zurückgezogen. Ein Gewinn für alle Verbraucher:innen! 

Worum es ging 

Die Marke More Nutrition bewirbt Produkte aggressiv über Social Media und Influencer:innen. Immer wieder wurden dabei Gesundheits- und Abnehmversprechen verbreitet, die nach der EU-Health-Claims-Verordnung unzulässig sind. foodwatch hat in diesem Zusammenhang auch Instagram-Videos von kooperierenden Influencer:innen abgemahnt und schließlich Klage gegen den Konzern erhoben. Unser Ziel: irreführende Heilsversprechen unterbinden – gerade dort, wo junge Zielgruppen erreicht werden. 

Das Urteil: Klare Grenzen für die Werbung von More 

Das Landgericht Itzehoe (Schleswig-Holstein) gab unserer Klage statt: More Nutrition darf in sozialen Medien nicht mehr mit bestimmten Gesundheitsversprechen werben. Die Richterin stellte klar, dass die Aussagen, Produkte würden beim Abnehmen helfen oder Frauen beim Schwangerwerden unterstützen, gegen die Health-Claims-Verordnung verstoßen. More Nutrition darf diese Behauptungen künftig also nicht mehr über Kurzvideos oder Testimonials verbreiten. 

Rechtlicher Kontext: Die Health-Claims-Verordnung regelt, wann gesundheitsbezogene Angaben zulässig sind. Danach sind nur Aussagen zulässig, die zuvor ein Zulassungsverfahren unter Beteiligung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) erfolgreich durchlaufen haben und in einer EU-weiten Liste aufgeführt sind.  Nicht zugelassene Claims sind verboten. Das gilt auch für Werbung in den Sozialen Medien, wie das Landesgericht Itzehoe nochmal bestätigte.  

Berufung? Zurückgezogen. 

Nach dem Urteil hatte More Nutrition zunächst Berufung eingelegt, diese aber schlussendlich zurückgezogen. Für Verbraucher:innen bedeutet das: Die Unterlassungsverpflichtungen aus dem Urteil gelten, erneute Verstöße können geahndet werden.  

Unsere Kampagne wirkt 

Parallel zur juristischen Auseinandersetzung haben wir mit der Unterschriftenaktion „No More Nutrition: Abnehmlüge stoppen!“ die Öffentlichkeit mobilisiert und die Stimmen von Verbraucher:innensichtbar gemacht. Das ist besonders relevant, weil More Nutrition ein großer Player im Fitness- und Supplement-Markt ist, inklusive professionellem Influencer-Apparat und hoher Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken.  

Wenn ein Gericht einem Marktführer seine Heilsversprechen verbietet, sendet das ein klares Signal weit über den Einzelfall hinaus: an Marken, die ähnliche Strategien fahren; an Agenturen und Influencer:innen, die solche Inhalte produzieren; und an Plattformen, die sie verbreiten.  

Die Kombination aus Klage, Aufklärung und Kampagne hat gewirkt: vor Gericht und in den Medien und in der Öffentlichkeit. 

Getroffene Hunde bellen 

Unternehmensgründer Christian Wolf suchte währenddessen die Öffentlichkeit und forderte unseren Geschäftsführer Dr. Chris Methmann unter einem LinkedIn-Post zu einer Live-Diskussion heraus. Aufgrund der Teils herablassenden Wortwahl hat foodwatch dies jedoch ausgeschlagen: Chris Methmann verhalte sich „wie ein 4-Jähriger“, der „Schiss vor einer Diskussion“ habe und deshalb „auch gleich seine Mama mitbringen“ könne. Diese Anfeindungen zielen nicht auf die Sache, sondern sind persönlich beleidigend.  

Wir bleiben bei den gerichtlich festgestellten Fakten: Abgemahnte Aussagen in der More-Werbung sind unzulässig. Die Aufforderung zur „Show-Debatte“ ändert daran nichts. 

Ihre Stimme für Verbraucherschutz!

Immer wieder versuchen Unternehmen mit Werbelügen durchzukommen und Profite zu schlagen. Wir gehen dagegen vor. Um unsere Unabhängigkeit zu bewahren, nimmt foodwatch kein Geld vom Staat oder der Lebensmittelindustrie. Fast 50.000 Förder:innen und noch mehr Spender:innen (Stand Juni 2025) finanzieren unsere Arbeit und sorgen dafür, dass die Stimme von foodwatch in der Öffentlichkeit Gewicht hat. Seien auch Sie dabei, jeder Beitrag wirkt, jede Stimme zählt! 

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Timeline: Von der Klage zum Erfolg 

Zuständig für die Kontrolle von Gesundheitsversprechen wäre eigentlich die amtliche Lebensmittelüberwachung. In der Praxis fehlen den Kommunalbehörden jedoch Personal und Expertise, um die Masse an Posts in sozialen Netzwerken zu prüfen. Bereits “offline”, bei Betrieben vor Ort, wird rund ein Drittel der vorgeschriebenen Betriebskontrollen nicht durchgeführt. Damit irreführende Online-Werbung wirksam kontrolliert werden kann, fordert foodwatch eine bundesweit gebündelte Stelle. Deswegen nutzt foodwatch das Recht, gegen unzulässige Werbung zu klagen. 

  • Januar 2024: foodwatch mahnt Posts auf den Social Media Kanälen des Unternehmens ab. 
  • Februar 2024: Kritik von allen Seiten – More verliert gegen die Verbraucherzentrale NRW. Das Landesgericht Hamburg untersagt More Nutrition Werbeaussagen, bei denen unter anderem Vergleichswerte fehlen.  
  • März 2024: foodwatch reicht Klage ein. Unzulässige Gesundheitsversprechen bei Social Media stehen im Fokus.  
  • August 2024: More verliert nun auch gegen foodwatch. Landgericht Itzehoe untersagt irreführende Gesundheitsversprechen in der Social-Media-Werbung von More Nutrition. Ein Erfolg für foodwatch – und für die Rechte von Verbraucher:innen. 
  • Mai 2025: More nimmt seine Berufung zurück - Urteil bleibt bestehen.

Was gilt – und warum das wichtig ist 

Für Unternehmen und Influencer:innen gilt: Keine Abnehm- oder Heilsversprechen ohne zugelassenen Claim. Das schützt Verbraucher:innen vor Irreführung und sorgt für wissenschaftliche Fakten statt Marketing-Sprech. 

Wir werden weiter hinschauen: bei More Nutrition und in der gesamten Fitness- und Supplement-Branche. Wo Heilsversprechen und Abnehm-Mythen in den Feeds auftauchen, werden wir aufklären – und wenn nötig wieder klagen. Gesundheitswerbung braucht Regeln. Und Durchsetzung. 

Setzen Sie sich gegen die Tricks der Lebensmittelindustrie ein!

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