Dr. Oetker verkauft sein Airfryer Backin als Spezialbackpulver für die Heißluftfritteuse. Doch Stiftung Warentest fand: kein Unterschied zum halb so teuren Original Backin.
Was steht drauf?
Auf der Verpackung wirbt Dr. Oetker mit „Speziell für schnelles Backen", auf der Webseite verspricht der Hersteller: „Die speziell abgestimmte Rezeptur sorgt dafür, dass Teige optimal aufgehen und locker werden." Vorne prangen Muffins als Backvorschlag — wer hier zugreift, erwartet zu Recht ein sichtbar besseres Backergebnis im Vergleich zum ‘normalen’ Backin.
Was steckt drin?
Das Airfryer Backin enthält dieselben Backtriebmittel wie das ganz normale Original Backin: Natriumcarbonate (E 500), Diphosphate (E 450) und Stärke. Der einzige Unterschied: ein Zusatz von Glucono-delta-lacton (E 575) — das laut Hersteller dafür sorgen soll, dass Teige gleichmäßiger aufgehen.
Warum ist das eine Irreführung der Verbraucher:innen?
Die Stiftung Warentest hat das Versprechen überprüft und Muffins mit Airfryer Backin und mit Original Backin in der Heißluftfritteuse gebacken. Das Ergebnis: Keine wesentlichen Qualitätsunterschiede — weder in der Höhe (im Schnitt unter einem Millimeter Unterschied), noch in der Konsistenz, noch in der Backzeit. Das Spezialbackpulver liefert dasselbe Backergebnis wie das halb so teure Standardprodukt.
Dr. Oetker selbst scheint nicht restlos überzeugt: Beim ebenfalls neuen Spezialprodukt Airfryer Quarkbällchen verzichtet der Hersteller komplett auf beim Spezial-Backin hinzugefügte Glucono-delta-lacton und nutzt nur die klassischen Backtriebmittel. Wenn der „spezielle“ Zusatzstoff für fluffige Quarkbällchen unnötig ist — warum dann für fluffige Muffins?
Welche Strategie der Getränkeindustrie steckt dahinter?
Echte Innovation ist teuer und riskant – eine Luftnummer ist billiger. Hersteller springen auf einen beliebigen Trend, packen einen Zusatzstoff als Alibi ins alte Rezept und verkaufen das gleiche Produkt unter neuem Namen teurer. Statt neuer Ideen: schnell Kasse machen mit dem Airfryer-Hype.
Wie teuer ist der Schwindel?
Das Airfryer Backin kostet 23,94 Euro pro Kilogramm — das Original Backin gibt es ab 8,06 Euro pro Kilogramm, also für ein Drittel des Preises. Eigenmarken-Backpulver von Rewe (ja!) und Lidl (Belbake) sind sogar für 3,67 Euro pro Kilogramm zu haben: mehr als sechsmal günstiger. Obendrein braucht man vom Spezialbackpulver mehr als ein Drittel mehr pro Mehlmenge.
Was muss sich ändern?
Dr. Oetker muss aufhören, sein überteuertes Trendbackpulver ohne nachgewiesenen Zusatznutzen zu vermarkten. Außerdem muss der Konzern die Werbeaussage „speziell für schnelles Backen" von der Verpackung entfernen. Ohne echten Mehrwert muss sich der Preis am Original Backin orientieren — alles andere ist Verbrauchertäuschung im Supermarktregal.