LaVita verkauft seinen Saft als „Naturprodukt” und „tägliche Basis unserer Gesundheit “ – für 50 Euro pro halben Liter. Die foodwatch Kritik: Das „Mikronährstoffkonzentrat” enthält 26 zugesetzte Vitamine und Nährstoffe – bei der Stress-Dosis sind 14 davon überdosiert. „Fit fürs Leben”? Aus foodwatch-Sicht rechtswidrig!
Was steht drauf?
Auf der Flasche prangt der Slogan „Fit fürs Leben“. Ein goldenes Blatt-Siegel wirbt: „mit über 70 natürlichen Zutaten”. Auf der Rückseite verweist der Hersteller auf das „Handbuch der Orthomolekularen Medizin”. Im Online-Shop schreibt LaVita: „LaVita ist die tägliche Basis unserer Gesundheit”. Die App fragt: „Rundum Wohlfühlen? Gut, dass es LaVita gibt“. Und auf Instagram wird der Saft sogar als „Saubertrank” vermarktet.
Was ist drin?
Die ersten Zutaten sind Frucht- und Gemüsesaftkonzentrate, dazu Kräuterextrakte und pflanzliche Öle. Und dann: 26 isolierte Vitamine und Nährstoffe sind zugesetzt – darunter Folsäure, Chrompicolinat und Niacin, die typischerweise synthetisch hergestellt werden. Bei der vom Hersteller empfohlenen Tagesdosis von 10 Millilitern sind acht Vitamine überdosiert. Bei der „Stress-Dosis" von 20 Millilitern steigt die Zahl auf 14 überdosierte Vitamine und Nährstoffe.
Warum ist das eine Irreführung der Verbraucher:innen?
Unsere Kritik: LaVita präsentiert sich als „Naturprodukt” mit „über 70 natürlichen Zutaten”. Die Realität: Der Saft hat 98 einzelne Zutaten – und 26 davon sind isolierte, zugesetzte Vitamine und Nährstoffe. Folsäure, Chrompicolinat, Niacin werden typischerweise synthetisch hergestellt. Genau die Vitaminpillen-Logik, von der LaVita sich rhetorisch absetzt.
Werbesprüche wie „Fit fürs Leben” oder „Saubertrank” versprechen aus foodwatch-Sicht weit mehr, als sie dürfen: „Fit fürs Leben” ist eine unspezifische Gesundheitsaussage ohne konkreten Bezug – aus foodwatch-Sicht rechtswidrig. Dazu kommen Überdosierungen: Statt klarer Zahlen für die doppelte Stress-Dosis zeigt die Nährwerttabelle nur Häkchen statt Referenzmengen. Für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, kann das enthaltene Vitamin K riskant sein – ein Hinweis zu ärztlichem Rat fehlt.
Und der versprochene gesundheitliche Rundum-Effekt? Studien geben Hinweise, dass Menschen in DE ausreichend mit Vitaminen versorgt sind. Die Ernährungswissenschaftlerin Alice Luttropp stellt klar: „In Studien konnte der Nutzen von Multivitaminpräparaten für gesunde Erwachsene bisher nicht überzeugend belegt werden.”
Wie teuer ist der Schwindel?
Eine 0,5-Liter-Flasche kostet 50 Euro – das sind 100 Euro pro Liter. Bei 10 Millilitern täglich macht das 30 Euro im Monat, bei der Stress-Dosis von 20 Millilitern sogar 60 Euro. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Multivitaminsaft kostet ab 1,39 Euro pro Liter, Multivitamin-Tabletten ab 3 Euro im Monat.
Welche Strategie der Lebensmittelindustrie steckt dahinter?
LaVita nutzt den Wunsch nach „natürlichen ““ Nahrungsergänzungsmitteln aus und positioniert sich als familiäre Tagesroutine – auch für Kinder, mit eigenen Kinderbüchern. TV-Werbung mit Biathlon-Stars wie Magdalena Neuner und Johannes Thingnes Bø suggeriert: Wer LaVita trinkt, ist leistungsstark. Profit auf Kosten echter Ernährungsberatung.
Was muss passieren?
Hersteller LaVita muss aufhören, das Konzentrat als „Naturprodukt” zu vermarkten – und den Slogan „Fit fürs Leben “ ersatzlos streichen. Außerdem: schnell auffindbare Hinweise, ärztlichen Rat einzuholen für Personen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, und transparente Referenzmengen-Angaben auch für die empfohlene Stress-Dosis gehören auf das Etikett.
Die Politik muss den Begriff „natürlich” endlich lebensmittelrechtlich definieren – solange Hersteller ihre eigenen Pseudo-Definitionen pflegen, geht das Wellness-Greenwashing weiter. Schluss mit teurer Pseudo-Medizin im Saftgewand!