Andechser bewirbt seinen Bio-Joghurt „Matcha Mango" mit dem Trendprodukt Matcha. Doch im 500-Gramm-Glas steckt nur eine Messerspitze davon – dafür 20 Würfelzucker. Die grüne Farbe? Mit Spirulina nachgefärbt.
Was steht drauf?
Auf der Vorderseite des Glases prangt „Bio-Jogurt Matcha Mango" – wobei „Matcha" deutlich größer gesetzt ist als „Mango". Im Hintergrund: eine Matcha-Schale, ein Matcha-Besen, Matcha-Blätter. Das Etikett ist komplett grün. Ein Klebestreifen wirbt mit „Lebensfreude" und einem Mandala. Und Andechser verspricht: „Gesund für die Kuh – natürlich gut für Dich."
Was ist drin?
Neben Joghurt ein bisschen Mangopüree - und viel Zucker. Hochgerechnet auf 500 Gramm Joghurt sind 60 Gramm Zucker drin – das sind 20 Würfelzucker. Vom beworbenen Matcha sind dagegen nur 0,5 Gramm im Glas: eine gehäufte Messerspitze, ein halber flacher Teelöffel. Damit der Joghurt überhaupt so grün aussieht, hat Andechser färbendes Spirulinapulver (Algenpulver) zugesetzt – für die gelbliche Mango-Nuance kommt zusätzlich färbendes Kurkumapulver ins Spiel.
Warum ist das eine Irreführung der Verbraucher:innen?
Die Aufmachung suggeriert eine adäquate Menge Matcha – die Realität: gerade einmal 0,5 Gramm auf 500 Gramm Joghurt. In Online-Rezepten für Matcha-Joghurt finden sich hochgerechnet auf die gleiche Menge mehr als 1,5 Teelöffel Matcha-Pulver – das ist über 200 Prozent mehr als bei Andechser. Und damit der Joghurt überhaupt typisch matcha-grün aussieht, mischt Andechser färbendes Spirulina dazu: Die Farbe gaukelt mehr Matcha vor als drin ist.
Auch das Werbeversprechen „natürlich gut für Dich" hält der Joghurt nicht: 60 Gramm Zucker auf 500 Gramm sind eine Zuckerbombe – kein Wunder, dass das Produkt nur den Nutri-Score C schafft.
Und welche Matcha-Qualität ist eigentlich drin? Laut Verbraucherzentrale ist „Matcha" lebensmittelrechtlich nicht einmal geschützt – klassischer Grüntee lässt sich davon kaum abgrenzen. Auch die Stiftung Warentest warnt vor stark schwankender Qualität. Andechser selbst? War nicht bereit, Marke oder Herkunft des Matcha-Grünteepulvers offenzulegen.
Welche Strategie der Lebensmittelindustrie steckt dahinter?
Matcha boomt – vor allem bei einer jüngeren, achtsamkeitsbewussten Zielgruppe. Andechser springt auf den Trend auf: „Matcha" wandert groß aufs Etikett, der Inhalt bleibt eine Spur. Dazu ein bisschen „Lebensfreude", ein Mandala, eine Anspielung auf den Zen-Buddhismus – Marketing für die spirituell interessierte Zielgruppe. Statt „Lebensfreude" gibt es: eine dreiste Werbelüge.
Wie teuer ist der Schwindel?
Der Joghurt kostet 2,49 Euro für 500 Gramm. Wer stattdessen einen Bio-Naturjoghurt einer Eigenmarke kauft und selbst 2 Gramm Matcha plus 75 Gramm Mango hinzufügt, zahlt etwa dasselbe – bekommt aber weniger Zucker, mehr Mango und viermal so viel Matcha.
Was muss sich ändern?
Hersteller Andechser muss bei diesem Joghurt entweder die Matcha-Menge deutlich erhöhen – oder das Produkt ehrlich benennen: „Mango-Joghurt mit 0,1 Prozent Matcha". So sähen Verbraucher:innen schon auf der Vorderseite, wie wenig Matcha tatsächlich drin ist.
Und das Werbeversprechen „natürlich gut für Dich" gehört bei 20 Würfelzucker im Glas gestrichen. Schluss mit der Matcha-Mogelei!