Nahrungsergänzungsmittel
Das ist das Problem
Egal ob in Kapsel-, Tabletten- oder Pulverform: Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Die Botschaft der Lebensmittelindustrie an Verbraucher:innen ist: Um gesund, schlank und fit zu sein, sind Nahrungsergänzungsmittel notwendig. Dafür nutzen Konzerne sogar beliebte Influencer:innen, die in sozialen Medien erzählen, bei welchen Krankheiten ihnen Nahrungsergänzungsmittel geholfen haben. foodwatch hat das analysiert: 100 Prozent dieser Versprechen sind falsch.
Das ist der Stand
Die Gesundheitswerbung von großen Supplement-Firmen ist ein Problem: Sie dichten Nahrungsergänzungsmitteln Wirkungen an, welche die Produkte oft nicht halten (können). Dabei verstößt diese Werbung häufig gegen europäisches Recht. Ohnehin kommen die dünn besetzten kommunalen Überwachungsämter kaum hinterher. Mit der Flut an Social-Media-Inhalten sind sie vollends überlastet.
Ohne gesetzliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe besteht zudem die Gefahr der Überdosierung. Eigentlich sollten seit 2002 verbindliche Richtlinien existieren, doch die EU-Kommission hat bis heute nichts veröffentlicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat selbstständig Werte eingeführt. Das Problem: Sie sind nicht verpflichtend.
Dazu kommt: Anders als Arzneimittel unterliegen Nahrungsergänzungsmittel lediglich dem Lebensmittelrecht. Vor dem Verkauf werden sie nicht kontrolliert. Wird dann doch stichprobenartig getestet, muss fast jede zweite Probe beanstandet werden. Die Gründe: Zu hoch dosiert, falsche Angaben auf dem Etikett oder sie enthalten sogar illegale Dopingsubstanzen. Bestenfalls schadet das Mittel nur dem Geldbeutel, im schlechtesten aber der Gesundheit.
Das fordert foodwatch
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel hat so gut wie keine verpflichtenden Regeln und niemand sieht hin. Das muss sich ändern. Deswegen fordert foodwatch:
- Die Kontrolle des Online-Markts muss länder- und kommunenübergreifend gebündelt werden.
- Unternehmen müssen dafür sorgen, dass die Influencer:innen nicht mehr irreführende Werbung für ihre Produkte machen.
- Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe müssen festgelegt werden.
- Ein Zulassungsverfahren für Nahrungsergänzungsmittel – wie bei Arzneimitteln.
- Eine Positivliste für sonstige Stoffe.