Fast jeder dritte Mensch weltweit ist übergewichtig

12.06.2017

Der Anteil fettleibiger Menschen an der Weltbevölkerung steigt rasch – vor allem unter Kindern. Laut einer aktuellen Studie hat sich der Prozentsatz fettleibiger Menschen von 1980 bis 2015 in mehr als 70 Ländern verdoppelt. In Deutschland hat sich die Zahl der adipösen Menschen sogar verdreifacht.

Weltweit sind Forschern zufolge mehr als zwei Milliarden Menschen übergewichtig oder gar fettleibig - mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. Eine Studie zeigt nun, dass der Anteil fettleibiger Menschen an der Weltbevölkerung rasch gestiegen ist - vor allem unter Kindern. Demnach hat sich der Prozentsatz fettleibiger Menschen von 1980 bis 2015 in mehr als 70 Ländern verdoppelt, in den meisten anderen Staaten sei er zumindest stetig nach oben gegangen, schreibt das internationale Forscherteam im „New England Journal of Medicine“.

„Eines der schwierigsten Gesundheitsprobleme der Gegenwart"

Nach Angaben von Forschern des beteiligten Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle waren im Jahr 2015 rund 2,2 Milliarden Menschen zumindest übergewichtig - das entspricht etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung. „Übermäßiges Körpergewicht ist eines der schwierigsten Gesundheitsprobleme der Gegenwart und betrifft fast jeden dritten Menschen“, sagt Erstautor Ashkan Afshin vom IHME.

Übergewicht bezieht sich im Groben auf einen Körper-Masse-Index (BMI) von 25 bis 30, bei höherem BMI sprechen Mediziner von Fettleibigkeit (Adipositas). Dabei wird das Gewicht (in Kilogramm) durch das Quadrat der Größe (in Metern) geteilt.

Spitzenreiter ist Ägypten

Im Jahr 2015 waren der Studie zufolge rund 108 Millionen Kinder und 604 Millionen Erwachsene fettleibig. Bei der Rate fettleibiger Kinder und junger Erwachsener sind unter den 20 bevölkerungsreichsten Ländern die USA mit einem Anteil von 13 Prozent Rekordhalter. Bei Erwachsenen ist Fettleibigkeit in Ägypten mit einem Anteil von etwa
35 Prozent am weitesten verbreitet. Besonders selten ist dieses extreme Übergewicht in Bangladesch, wo 1,2 Prozent der unter 20-Jährigen fettleibig sind und in Vietnam, wo das für etwa 1,6 Prozent der erwachsenen Bevölkerung gilt.

Ein Viertel der Deutschen adipös

Nach den jüngsten von 2008 bis 2011 erhobenen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) haben in Deutschland zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen Übergewicht. Ein Viertel der Erwachsenen ist adipös - Tendenz steigend. Die Zahl der adipösen Menschen hat sich laut der Studie zwischen 1975 und 2014 verdreifacht. Bei den Kindern und Jugendlichen waren zuletzt rund 16 Prozent übergewichtig und 6,3 Prozent adipös, 50 Prozent mehr als in den 80er und 90er Jahren.

Zumindest bei den Kindern gebe es einen ersten Hoffnungsschimmer: Der Anteil Übergewichtiger bei den Einschulungsuntersuchungen sei seit einigen Jahren stabil, in einigen Bundesländern wie etwa Thüringen sogar rückläufig, sagt der Ernährungswissenschaftler Helmut Heseker von der Universität Paderborn. „Die Eltern sind da wohl ein bisschen sensibler geworden“, erklärt Heseker, der zugleich Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist. Gerade für Kinder und Jugendliche sei Übergewicht wegen der massiven Langzeitfolgen fatal.

Bei den Erwachsenen sei vor allem die Entwicklung problematisch, dass zwar die Zahl der leicht Übergewichtigen (BMI 25-30) inzwischen stagniere, die Dicken aber immer dicker würden. „Wer mit 40 Jahren adipös ist, hat statistisch eine um fünf bis acht Jahre reduzierte Lebenserwartung.“ Zudem litten solche Menschen meist viele Jahre an chronischen Krankheiten.

2015: Vier Millionen Todesfälle wegen Übergewicht

Der aktuellen Studie zufolge starben 2015 weltweit etwa vier Millionen Menschen an den Folgen ihres sehr hohen Gewichts. Todesursachen waren in zwei Dritteln der Fälle Herz-Kreislauferkrankungen. Es folgten Diabetes mit rund 15 Prozent sowie chronische Nierenerkrankungen und Krebs mit jeweils unter 10 Prozent

Die zunehmenden Zahlen spiegeln einen wichtigen Trend wider, so Rühli. „Das ist insbesondere bei Jugendlichen ein Problem“, sagt er. Es gebe heutzutage mehr Möglichkeiten, übermäßig Kalorien aufzunehmen, gleichzeitig sinke bei vielen Menschen der Energieverbrauch. Eine körperliche Gegenreaktion auf ein andauerndes Schlaraffenland gebe es nicht. „Auf immerwährenden Überfluss sind unsere steinzeitlichen Gene einfach nicht eingestellt.“

„Die Lebensmittelindustrie trägt eine gehörige Mitschuld an der globalen Adipositas-Epidemie. In Deutschland sind drei Viertel der Lebensmittel, die mit Comics und Spielzeugbeigaben an Kinder vermarktet werden, zu süß, zu fettig, zu salzig. Mehr als jedes zweite Erfrischungsgetränk ist überzuckert. Wir brauchen endlich Beschränkungen der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung, eine bessere Nährwert-Kennzeichnung und eine Zuckerabgabe für Getränkehersteller nach britischem Vorbild.“

Oliver Huizinga von foodwatch

(dpa)

 
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