Zucker runter in Limo!

Bild: foodwatch
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Jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ ist überzuckert. Dabei erhöht schon ein Zuckergetränk am Tag das Risiko für Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit. In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke seit April 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Und es funktioniert: Die führenden Unternehmen Coca-Cola, Ribena Suntory, die Handelskonzerne Tesco und Lidl, der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sowie mehrere kleinere Getränkehersteller haben seit Ankündigung der Herstellerabgabe vor zwei Jahren den Zuckergehalt etlicher Produkte deutlich gesenkt. Deswegen muss Deutschland diesem Beispiel folgen! Außerdem brauchen wir Einschränkungen der Werbung an Kinder und eine Nährwertkennzeichnung mit den Ampelfarben. 

Unterstützen Sie unsere E-Mail-Protestaktion an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn!

foodwatch hat diese E-Mail-Aktion am 27. August 2016 gestartet.

Petitions-Text lesen

Sehr geehrter Herr Minister Spahn,

Deutschland ist eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an zuckergesüßten Getränken weltweit, mit etwa 80 Litern pro Jahr. Das hat fatale Folgen. Denn schon eine Dose Cola am Tag erhöht das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes oder auch Herzinfarkte. Aktuell ist jeder vierte Erwachsene und jeder zehnte Jugendliche in Deutschland fettleibig. Etwa sechs Millionen Menschen sind an Typ-2-Diabetes erkrankt. Allein durch Adipositas entstehen in Deutschland jedes Jahr etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten.

Die Lebensmittelwirtschaft trägt zu dieser verheerenden Situation maßgeblich bei. Laut einer umfassenden foodwatch-Marktstudie ist mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ überzuckert und enthält mehr als vier Stück Würfelzucker je 250 ml. In den Supermarkt-Regalen reiht sich Zuckerbombe an Zuckerbombe – „Erfrischungsgetränke“ ohne Zucker oder Süßstoff finden sich hingegen kaum. Hinzu kommt: An Kinder gerichtete Werbung betreibt die Industrie fast ausschließlich für ungesunde Lebensmittel wie Zuckergetränke und Süßwaren. Und die Kennzeichnung von Zucker, Fett & Co. ist noch immer eine Zumutung!

Die Bundesregierung setzt bislang vor allem auf Aufklärung. Der ehemalige Bundesernährungsminister Christian Schmidt hat ein Unterrichtsfach „Ernährung“ vorgeschlagen. Dabei ist längst klar: Ernährungsbildung ist richtig und wichtig, aber längst nicht ausreichend. Mit gutem Grund fordert die Weltgesundheitsorganisation seit Jahren, dass weitere Maßnahmen erfolgen müssen, um Übergewicht und chronische Krankheiten in den Griff zu bekommen. Andere Länder gehen das Problem konsequenter an.

Die britische Regierung etwa führt eine Herstellerabgabe für besonders zuckerreiche Getränke ein: Ab 2018 müssen die Produzenten von überzuckerten Getränken Abgaben leisten. Die Hersteller sollen motiviert werden, den Zucker zu senken. Wenn sie das nicht tun, werden sie zur Kasse gebeten. Mit den Einnahmen in Millionenhöhe soll gesundes Schulobst finanziert werden. Mexiko und einige Städte in den USA oder auch Frankreich haben ähnliche Regeln erlassen. Andere Länder wie Chile haben strenge Regeln für an Kinder gerichtete Werbung eingeführt. Kurz gesagt: Deutschland hinkt der internationalen Entwicklung meilenweit hinterher.

Sehr geehrter Herr Spahn, die Bundesregierung muss endlich wirksame Maßnahmen gegen Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit vorlegen. Als Gesundheitsminister sollten Sie sich für folgende Maßnahmen einsetzen:

  • Eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben auf der Produktvorderseite
  • Gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung für Lebensmittel
  • Eine zweckgebundene Hersteller-Abgabe für besonders zuckrige Getränke nach dem Vorbild Großbritanniens

Mit freundlichen Grüßen

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Diese E-Mail wird verschickt an: 

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit

 

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