Newsletter 24.02.2017

Ja ist denn heut' noch Weihnachten?

Hallo und guten Tag,

die Geschichte klingt nach einem Satirestück aus dem fernen Absurdistan. Doch sie stammt aus Bayern und ist trauriger Alltag deutschlandweit: In den Schubladen des bayerischen Gesundheitsamtes lagen über Monate hinweg Testergebnisse von hochgradig mit krebsverdächtigem Acrylamid belasteten Lebkuchen – aber wir Verbraucherinnen und Verbraucher wurden nicht informiert! foodwatch hatte die Herausgabe der Informationen bereits sechs Wochen VOR Weihnachten beantragt. Die Behörde hat die Ergebnisse jedoch erst jetzt, sieben Wochen NACH Weihnachten, veröffentlicht – als die meisten Lebkuchen schon verzehrt sind und in den Supermarkt-Regalen die ersten Osterprodukte stehen. Das ist ein Schildbürgerstreich, über den niemand lachen kann – mit Ausnahme der Hersteller von acrylamidbelasteten Lebkuchen!

Acrylamid steht im Verdacht Krebs zu erregen und das Erbgut zu schädigen. Es entsteht, wenn stärkehaltige Lebensmittel wie etwa Lebkuchen, Pommes frites oder Frühstückscerealien gebraten, gebacken oder frittiert werden. foodwatch hat in den letzten Jahren immer wieder Produkte auf Acrylamid getestet und die Ergebnisse öffentlich gemacht. Viele Hersteller haben daraufhin die Produktion geändert, um niedrigere Werte zu erzielen. Das zeigt, dass eine geringe Acrylamid-Belastung möglich ist – und es den Herstellern bei öffentlichem Druck auch gelingt, die Werte zu senken. Ein solcher Druck findet aber nur dann statt, wenn Behörden verpflichtet wären, sämtliche Testergebnisse umgehend zu veröffentlichen! 

Egal ob Acrylamid in Lebkuchen, Pferdefleisch in der Lasagne oder Kakerlaken in der Backstube: Alle Kontrollergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung müssen an die Öffentlichkeit. Das ist das gute Recht der Bürgerinnen und Bürger und schafft positive Anreize für die Lebensmittelunternehmen! Schließen Sie sich unserer Forderung an:

www.foodwatch.de/smiley-aktion

Doch die Lebensmittelindustrie torpediert jegliche Initiative für mehr Transparenz. Und zwar mit beträchtlichem Erfolg. Das zeigt das neueste Beispiel aus Nordrhein-Westfalen. Dort hat der Landtag vor rund einer Woche das „Kontrollergebnis-Transparenz-Gesetz“ verabschiedet: Ein „Kontrollbarometer“ soll Verbraucherinnen und Verbraucher in Zukunft an der Tür von Lebensmittelbetrieben über die Kontrollergebnisse informieren. Diese Transparenz ist bitter nötig, denn derzeit wird jeder vierte (!) Betrieb in Deutschland beanstandet.

Bereits seit zehn Jahren fordern wir von foodwatch, dass alle Kontrollergebnisse öffentlich gemacht werden müssen. Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, das unsere Forderungen ernst nimmt. Doch das ambitionierte Regelwerk der Landesregierung wurde auf Druck der Lebenmittellobby derart verwässert, dass es droht zum Rohrkrepierer zu werden. Warum?

Der Aushang der Kontrollergebnisse soll erst in drei Jahren Pflicht sein. Bis dahin gilt eine freiwillige Übergangsphase, in der es etliche Schlupflöcher für die Betriebe gibt. Und selbst wenn das "Kontrollbarometer“ 2020 dann endlich verbindlich wird, bleibt das Gesetz zaghaft. Ein Beispiel ist die Farbskala: Der grüne Bereich ist doppelt so breit wie der gelbe und der rote. Selbst bei zahlreichen Mängeln zeigt das Barometer somit weiter auf grün.

Nur vollständige und verbindliche Transparenz über alle Kontrollergebnisse führt zu besserer Hygiene in den Betrieben. Das zeigt die Erfahrung aus Ländern wie Dänemark. Dort sind Lebensmittelbetriebe seit mehr als 15 Jahren dazu verpflichtet, die Ergebnisse der Lebensmittelkontrolle an ihren Eingangstüren auszuhängen. Zusammengefasst und bewertet wird das Kontrollergebnis mithilfe eines Smileys. Die Quote der beanstandeten Betriebe hat sich seitdem fast halbiert!

Wir verlangen ein solches System auch für Deutschland, und zwar für alle Bundesländer, ohne Schlupflöcher für Schmuddelbetriebe. Mit der Geheimniskrämerei muss Schluss sein. Fordern Sie die zuständigen Minister und Bundestagspolitiker auf, ein Smiley-System auch in Deutschland einzuführen.

Unterschreiben Sie hier!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung,

Ihr foodwatch-Team

P.S.: Wir kämpfen jeden Tag gegen eine schier übermächtige Lebensmittellobby, die sich mit allen Mitteln gegen mehr Transparenz wehrt und Verbraucherrechte häufig mit Füßen tritt. Bitte unterstützen Sie uns, damit wir stärker werden! Wir arbeiten unabhängig von Staat und Lebensmittelwirtschaft und finanzieren uns aus Förderbeiträgen und Spenden. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, dem jede und jeder beitreten kann - bitte werden auch Sie Fördermitglied:

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