Kommentar: Wasserraub bei Dürre in Brandenburg
Brandenburg vertrocknet, doch Red Bull sichert sich 92 % des Grundwassers. Wie Konzerne unser Wasser ausbeuten und was foodwatch dagegen tut.
Ein Kommentar von foodwatch-Geschäftsführer Dr. Chris Methmann.
Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer
Ein Landwirt steht auf seinem vertrockneten Feld. „Was, ganz konkret, soll ich hier noch anbauen? Sandkuchen?“, fragt er verbittert in die Kamera. Die Zahlen zeigen: Wir steuern schon lange auf eine Wasserkrise zu. Die Erde reißt auf, die Felder verdorren – und während die Menschen in Brandenburg ihre Gärten nicht mehr bewässern dürfen und Bauern um ihre Ernten bangen, macht Red Bull ungestört Profit mit unserem Grundwasser:
In Baruth, Brandenburg, darf der Konzern 92 Prozent des genehmigten Wassers für sich beanspruchen. Für alle anderen bleiben acht Prozent. Wasser, unser wertvollstes Gut, wird zur Handelsware – und Konzerne wie Red Bull, Aldi, Edeka oder Nestlé greifen zu. foodwatch stellt sich dem entgegen. Doch unsere Arbeit ist nur möglich durch Spenden von Menschen wie Ihnen.
Der Skandal: Sauberes Wasser wird knapp – aber Konzerne dürfen weiterpumpen
Fachleute schlagen Alarm: „Wir sind an einem Kipppunkt.“ Bis 2050 könnte 40 Prozent weniger neues Grundwasser entstehen. Gleichzeitig werden unsere Wasserquellen von giftigen Ewigkeitschemikalien zerstört: PFAS und Nitrat werden von Pestizid-belasteten Feldern in das Grundwasser gespült. Kosten für die Sanierung: bis zu 47 Milliarden Euro – die am Ende wir alle zahlen.
Aldi, Edeka, Coca-Cola & Co.: Alle tun das Gleiche
Währenddessen pumpen Konzerne genau dieses Wasser in Massen ab, füllen es in Dosen und verkaufen es teuer zurück. Red Bull schüttete zuletzt fast eine Milliarde Euro Dividende an seine Eigentümer aus. Und das ist kein Einzelfall:
- Aldi zapft in Bayern „besonders reines Tiefengrundwasser“
- Edeka kauft Quellen in Siegsdorf
- Lidl und Kaufland sind längst Marktführer bei Mineralwasser
- Coca-Cola wollte seine Wasserentnahme in Lüneburg verdoppeln – erst Proteste stoppten das Vorhaben
Während Privatpersonen mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro rechnen müssen, gelten für Großverbraucher keine Grenzen. Ein Schlag ins Gesicht für alle, die Wasser sparen sollen.
Nestlé-Perrier: Wie ein Konzern betrog und gedeckt wurde
Besonders erschreckend: der Fall Nestlé. Der Konzern setzte jahrelang verbotene Filter ein, verkaufte gewöhnliches Wasser als „natürliches Mineralwasser“ und wurde dabei offenbar von höchster Stelle gedeckt.
Verbraucher:innen wurden systematisch getäuscht. Europäisches Recht wurde gebrochen – zum Vorteil eines Konzerns. Dank der Unterstützung unserer Fördermitglieder konnten wir den Fall über anderthalb Jahre lang hartnäckig verfolgen. Nach mehreren Gerichtsverfahren gipfelte der Skandal in einer Razzia im Nestlé Hauptquartier.
Jetzt kommt es auf Sie an
Wir haben gesehen: Wenn Bürger:innen sich wehren, können sie etwas bewegen. In Lüneburg verhinderten Proteste Coca-Colas Wasserpläne. Und auch im brandenburgischen Baruth, wo dem Red Bull Konzern 92 Prozent des Grundwassers zugesprochen wurde, regt sich lokale Gegenwehr. Aber es braucht eine Organisation, die Fakten recherchiert, landesweite Kampagnen führt und juristisch aktiv werden kann. Genau das macht foodwatch. Unabhängig, transparent – und vor allem erfolgreich bis nach Brüssel. Der Fall Nestlé ist der Beweis.
Der Kampf ums Wasser läuft
Die Industrielobby ist mächtig. Aber nicht unbesiegbar. Mit Ihrer Spende decken wir auf, machen Druck und zwingen die Politik zum Handeln. Bitte helfen Sie uns, den Kampf ums Grundwasser aufzunehmen. Jede Unterstützung hilft uns, hartnäckig und nachhaltig gegen den Wasserraub vorzugehen.
Quellen
Quellen:
- lemoanda auf TikTok: „Früher oder später werden alle verstehen, dass wir Sand nicht essen können.“, 21.05.2025 (abgerufen am 07.07.2025)
- tagesschau . de: „Zahl der Dürren nimmt zu: 'Wasser ist keine Selbstverständlichkeit mehr'“, 17.06.2025 (abgerufen am 17.07.2025).
- rbb24: „Brandenburger Bauernpräsident warnt vor erheblichen Ernteverlusten wegen Trockenheit“, 16.05.2025 (abgerufen am 17.07.2025).
- taz: „Kampf ums Wasser: Red Bull verleiht Dürre“, 29.03.2025 (abgerufen am 17.07.2025).
- SZ: „Bilanz: Brandenburger Winter bundesweit am trockensten“, 27.02.2025 (abgerufen am 17.07.2025).
- Umweltbundesamt: „PFAS-haltige Pestizide in der Landwirtschaft“ (abgerufen am 17.07.2025).
- Euronews: „EU plant PFAS-Sanierungen im Rahmen der Strategie zur Wasserresilienz“, 15.05.2025 (abgerufen am 17.07.2025).
- trend. at: „807 Millionen Euro Dividende an Red-Bull-Eigentümer“, 02.10.2024 (abgerufen am 17.07.2025).
- DER SPIEGEL: „Aldi, Edeka und Co.: Wie Discounter ums kostbare Wasser kämpfen“, 06.08.2023 (abgerufen am 17.07.2025).
- Landkreis Lüneburg: „Grundwasser bleibt – Brunnen geht: Landkreis Lüneburg ordnet Rückbau des Brunnens von Coca-Cola an“, 23.11.2025 (abgerufen am 17.07.2025).
- correctiv . org: „Trotz Dürre in Deutschland: Industrie nutzt weiterhin ungebremst Wasser“, 05.06.2025 (abgerufen am 17.07.2025).
- foodwatch: „Nestlé-Wasserskandal wird zur Staatsaffäre in Frankreich“, 19.05.2024 (abgerufen am 17.07.2025).
- franceinfo: „Scandale des eaux en bouteille : le siège de Nestlé perquisitionné“, 10.07.2025 (abgerufen am 01.08.2025).
- taz: „Red Bull beflügelt Protest“, 29.07.2025 (abgerufen am 01.08.2025)
- Coca-Cola: „Coca‑Cola startet 'Made in Germany'-Kampagne: Starke Wurzeln in Deutschland" (zuletzt abgerufen am 14.08.2025)
- eigene Berechnung basierend auf Konzernangaben: „1,7 l Wasser benötigen wir durchschnittlich für die Herstellung von 1 Liter Fertiggetränk" und „Absatzvolumen von knapp 4,1 Milliarden Litern" in: Coca Cola Broschüre „Made in Germany – Der Beitrag des Coca-Cola Systems zur deutschen Wirtschaft und Gesellschaft" (zuletzt abgerufen am 14.08.2025)