Frage des Monats 01.09.2026

Kulturkampf ums Essen – wie bleibe ich entspannt?

Dean Drobot via Canva

Über Essen wird heutzutage erbittert diskutiert – in den sozialen Medien, der Politik und selbst zuhause am Abendbrottisch. Wie schafft man es da, gelassen zu bleiben?

Essen ist heutzutage viel mehr als Genuss oder Notwendigkeit: Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so zuverlässig. „Die Grünen wollen uns das Schnitzel verbieten“, „Brüssel mischt uns heimlich Insekten ins Brot“, „Der Minister regiert in unseren Kühlschrank“ – die Empörungswelle rollt fast täglich. Die gute Nachricht: Wir müssen da nicht mitschwimmen. 

In seinem neuen Buch „Bad Food – Wie wir die Kontrolle über unsere Ernährung zurückgewinnen“ gibt foodwatch-Geschäftsführer Dr. Chris Methmann konkrete Tipps, wie wir nicht in die Kulturkampf-Falle tappen. Und uns auf das konzentrieren, was wichtig ist: Im Gespräch zu bleiben. Auch wenn ihm nur Tofu auf den Teller kommt und sie am liebsten Eisbein isst.  

Fünf Tipps, um gelassen zu bleiben:

1. Lassen Sie sich nicht einteilen. 

Sie sind weder „Fleisch-Fundamentalist“ noch „Öko-Terrorist“, nur weil Sie gern mal ein Steak essen oder öfter vegetarisch kochen. Die meisten Menschen leben irgendwo dazwischen, und das ist auch ok. Lassen Sie sich nicht in Schubladen stecken. 

2. Versuchen Sie, weniger zu urteilen. 

Ja, manche Menschen haben komische Angewohnheiten, essen zu viel oder zu wenig hiervon oder davon. Aber was wissen wir schon, was genau dahintersteckt? Wir können unserem Gegenüber nur vor den Kopf stoßen. Schlechtes Gewissen wird gemacht – und daran sind wir alle beteiligt, wenn wir urteilen oder gar verurteilen. 

3. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, aber überprüfen Sie es. 

Die Lebensmittelindustrie versucht, uns mit immer neuen Werbeversprechen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aber: Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch. Das „Wunder-Superfood“, das gegen alles hilft. Der „eine Trick“, mit dem du ohne Anstrengung abnimmst. Die „neue Studie“, die alles widerlegt, was wir bisher wussten. Skeptisch bleiben schadet nicht.

Links sieht man Chris Methmann und rechts sein Buch Bad Food

Mehr Tipps gibt's hier

Bad Food gibt konkrete Werkzeuge an die Hand, um Manipulation zu erkennen und politische Veränderungen einzufordern – für mehr Kontrolle über unser Essen.

Hier Buch bestellen

4. Setzen Sie auf Qualitätsmedien statt auf Social-Media-Häppchen ohne Fachwissen. 

Ein gründlich recherchierter Artikel im Spiegel oder in der Zeit ist mehr wert als hundert empörte Tweets. Seriöse Journalist:innen hören verschiedene Seiten an, ordnen Fakten ein, fragen nach, statt nur Stimmung zu machen. Das dauert länger und ist anstrengender zu lesen, lohnt sich aber. Und last, but not least: 

5. Lassen Sie es sich schmecken! 

Essen ist Genuss, Spaß, Geselligkeit und Zusammensein. All das ist wichtig für unsere Kommunikation und ein zufriedenes Leben. Wie wäre es, wenn Sie sich mehr davon gönnen? Vielleicht gelingt es uns dabei, zu vergessen, worüber wir uns eigentlich so heftig streiten.

Und dann ist alles gut? 

Gelassenheit heißt nicht Gleichgültigkeit. Im Gegenteil: Wer sich nicht mehr an Scheingefechten abarbeitet, hat Kraft für das Eigentliche. Nicht die Eltern tragen die Verantwortung für die Zuckerflut im Kinderregal, sondern die Konzerne, die sie dort platzieren – und die Politik, die es zulässt. Genau da will foodwatch hin: raus aus dem Kulturkampf, rein in die Auseinandersetzung, die wirklich etwas verändert.