Nachricht 05.05.2026

Lachs mit ASC-Siegel: Nachhaltige Zucht oder Greenwashing?

sergeyryzhov / Getty Images via Canva

Das ASC-Siegel verspricht Lachs aus „verantwortungsvoller Zucht“. Doch wie verlässlich ist das Siegel?

Lachs ist der beliebteste Speisefisch in Deutschland. Er gilt als gesund und lecker. Doch wie geht's den Tieren, die zum großen Teil in Aquakultur gehalten werden? foodwatch hat recherchiert und katastrophale Zustände in der Industrie aufgedeckt. Die Tiere werden von Ungeziefer geplagt, viele verenden frühzeitig. Die Anbieter von Siegeln wie ASC und GGN versprechen dagegen eine „verantwortungsvolle Fischzucht“. Die Siegel prangen auf vielen Lachs-Produkten im Supermarkt. 

Massensterben statt Tierwohl

Doch auch in ASC-zertifizierten Lachsfarmen ist das Leid der Lachse groß. Inspektor:innen der norwegischen Lebensmittelsicherheitsbehörde dokumentierten 2023 ein Massensterben. Offenbar sollten sogar verendete Fische für den menschlichen Verzehr weiterverarbeitet werden. Die Kontrolle damals war unangekündigt. Die allermeisten Kontrollen bei ASC und dem Konkurrenten GGN finden jedoch angekündigt statt – oft sogar Wochen vorher. Zeit genug, um „aufzuräumen“.

Wie auf einer Farm in Schottland. Nur Stunden vor der angekündigten Inspektion durch Abgeordnete schaffte man 2024 dort Tonnen toter Fische weg. Die Farm war nicht ASC-zertifiziert. Aber aktuell hindert nichts in den Zertifikatsstandards oder der Kontrollpraxis ASC-Fischzüchter:innen daran, genauso vorzugehen.

Annemarie Botzki - Porträt
Ich war letztes Jahr selbst in Schottland und habe heimlich auf Lachsfarmen gefilmt. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Die Zustände sind schrecklich – ASC und GGN müssen endlich handeln!
Annemarie Botzki Recherche und Kampagnen

Niedrige Standards, kaum unangekündigte Kontrollen

Nicht nur an den Kontrollen muss sich etwas ändern – auch an den Standards! Denn selbst Katastrophenfarmen können die aktuellen Vorgaben von ASC und GGN erfüllen. Beispiel Todesrate der Fische: ASC hat eine Höchstgrenze. Die ist aber so hoch, dass jedes Jahr insgesamt Millionen verendete Fische toleriert werden. GGN setzt gar keine Grenzwerte. Das spiegelt die massiven Industrieprobleme wider: In Norwegen starb 2023 jeder sechste Lachs vor der Schlachtung.

Und wenn doch mal ein großzügiger Grenzwert verletzt wird, wie 2023 auf vier schottischen ASC-Farmen mit zu hohem Lachslaus-Befall? Dann macht der Zertifizierer eine „veterinärmedizinische Ausnahme“. Laut Recherchen der Umweltorganisation WildFish wurde damals keiner der Farmen das Siegel entzogen.

ASC: Tierschutz statt Verbrauchertäuschung!

Um diese Missstände endlich zu stoppen, haben wir eine Petition gestartet und fordern von ASC und GGN:

  • Konsequent unangekündigte Kontrollen, 
  • echte Rückverfolgbarkeit jedes Fisches zur Farm und 
  • ein Ende von laxen Grenzwerten bei Lachssterben.  

Jetzt Petition unterzeichnen!