Unkritische Nahaufname

19.12.2013

Stefan Baron, ehemaliger Kommunikationschef der Deutschen Bank und enger Vertrauter von Josef Ackermann, erzählt in seinem Buch „Späte Reue. Eine Nahaufname“ von der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Bankenmanager Ackermann. Häufig unkritisch sind diese Erinnerungen, aber durchaus faszinierend. 

Schon auf den ersten Seiten seines Buches über die Zusammenarbeit mit Josef Ackermann macht Stefan Baron, ehemaliger Kommunikationschef der Deutschen Bank, klar, was mancher Leser vielleicht vom Autor erwartete: Seiner Meinung nach trifft Josef Ackermann in der Banken- und Finanzkrise keine Schuld. Im Gegenteil: Das Ausmaß der drohenden Gefahr habe dieser lange vor den meisten seiner Kollegen erkannt und die Deutsche Bank deshalb vergleichsweise unbeschadet durch die Krise gebracht. Stefan Baron schreibt, Ackermanns öffentlich geäußerte Reue und die Umkehr seien aus Sicht der Gesellschaft vielleicht zu spät gekommen. „Aber werden wir nicht alle meist aus Schaden klug?“, so der Autor. Eine kritische Sicht auf den ehemaligen Chef der Deutschen Bank bietet das Buch nicht.

Shitstorm dank foodwatch

Die „Nahaufnahme“ ermöglicht aber einige faszinierende Einblicke in das Machtzentrum des Bankhauses. Die Auseinandersetzung mit foodwatch über das umstrittene Geschäft mit der Nahrungsmittelspekulation wird dem Leser auf mehreren Seiten nacherzählt. Mit der von foodwatch gestarteten E-Mail-Aktion und der Kritik von vielen tausenden Verbrauchern habe die Deutsche Bank ihren „ersten Shitstorm“ erlebt, so Baron. Die Forderung von foodwatch, die Bank müsse die Unschädlichkeit und nicht die Kritiker die Schädlichkeit der Spekulationen nachweisen, bezeichnet Baron als nur eine „List“. Und übersieht dabei, dass diese „Umkehr der Beweislast“, wenn es um die Gesundheit und das Leben von Menschen geht, ein Gebot der Europäischen Verfassung ist.

Das foodwatch-Fazit: Stefan Baron setzt seinem ehemaligen Chef ein Denkmal, das trotz seiner Einseitigkeit lesenswert ist.

Baron, Stefan: Späte Reue. Josef Ackermann. Eine Nahaufname. 
304 Seiten, Econ Verlag, 2013

foodwatch erhält für diese Rezension kein Geld und ist am Absatz des Buches in keiner Weise beteiligt. 

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