Nachricht 12.01.2026

350 Tierärzte fordern Verbot der Anbindehaltung

picture alliance/dpa | Angelika Warmuth

Kurz vor Beginn der Grünen Woche in Berlin fordern über 350 Tierärzt:innen ein schnelles Verbot der Kettenhaltung bei Rindern und Milchkühen. Die Praxis sei nicht nur Tierqual, sondern auch eine Straftat.

In einem offenen Brief an Bundesagrarminister Alois Rainer kritisieren die Tiermediziner:innen die Fixierung der Tiere auf engstem Raum als tierquälerisch und gesetzeswidrig. Die Anbindehaltung sei „aus tierärztlicher Sicht nicht vertretbar“, heißt es in dem Schreiben.

Haltung widerspricht Tierschutzgesetz

Rinder, die in Anbindehaltung leben, können sich kaum bewegen und sind häufig psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt. Besonders in Süddeutschland ist die Praxis noch verbreitet – in Bayern befindet sich über die Hälfte der betroffenen Betriebe. Dabei ist wissenschaftlich belegt, dass Kühe unter anderem häufiger an schmerzhaften Euterentzündungen leiden, wenn sie dauerhaft fixiert sind.

Die hessische Landestierschutzbeauftragte Dr. Madeleine Martin, eine der Erstunterzeichnerinnen des offenen Briefes, betonte: „Ein Verbot der Anbindehaltung ist längst überfällig. Die Tiere können wichtige Verhaltensweisen nicht ausüben – das führt zu erheblichen, langanhaltenden Leiden und bedeutet einen Verstoß gegen §2 des Tierschutzgesetzes.“

Forderung nach gesetzlichem Rahmen und Förderung

Die unterzeichnenden Tierärzt:innen sprechen sich für einen klaren gesetzlichen Rahmen mit realistischen Übergangsfristen und gezielten Förderprogrammen aus. Ziel sei es, tiergerechte Haltungsformen zu stärken und Landwirt:innen Planungssicherheit zu geben.

Annemarie Botzki - Porträt
Die tierquälerische Kettenhaltung muss endlich verboten werden – ohne Wenn und Aber.
Annemarie Botzki Recherche und Kampagnen

Politik blockiert Fortschritte beim Tierschutz

Die vorherige Bundesregierung hatte ein Verbot der Anbindehaltung vorbereitet. Nach dem Regierungswechsel kam es jedoch nicht zur Umsetzung. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat sich bislang gegen ein Verbot ausgesprochen – trotz massiver Kritik aus Tierschutz und Fachkreisen. Eine foodwatch-Petition haben mehr als 55.000 Menschen unterschrieben.

17.12.2025

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