Nachricht 16.02.2026

Deutschland ist Zuckergetränke-Europameister

canva/oleksandranaumenko

Im Schnitt nehmen Menschen in Deutschland jeden Tag fast 26 Gramm Zucker zu sich – allein über Getränke. Darüber kommt sogar mehr Zucker zusammen als über Süßwaren. Im europäischen Vergleich liegen wir damit ganz weit vorn.

Deutschland ist Zuckergetränke-Europameister – und das mit deutlichem Abstand: Im Schnitt nehmen Menschen hierzulande jeden Tag fast 26 Gramm Zucker allein über Getränke zu sich. Damit liegt Deutschland auf Platz 1 unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern, wie eine Auswertung von Euromonitor-Daten durch foodwatch zeigt.

Auffällig: Über Getränke kommt sogar mehr Zucker zusammen als über Süßwaren – dort sind es rund 20 Gramm pro Kopf und Tag.

Deutschland ist Zuckergetränke-Europameister – ein trauriger Spitzenplatz.
Luise Molling Recherche und Kampagnen bei foodwatch

foodwatch fordert: CDU soll Zuckersteuer nicht länger blockieren

Vor dem CDU-Bundesparteitag am 20./21. Februar fordert foodwatch die Partei auf, ihren Widerstand gegen eine Limo-Abgabe aufzugeben. Ausgerechnet aus der CDU selbst kommt Bewegung: Der Landesverband Schleswig-Holstein bringt einen Antrag ein, der die Debatte in der Partei neu anstoßen soll. Schreiben Sie jetzt an das CDU-Präsidium und unterstützen Sie den Antrag für eine Zuckersteuer!

Vorbild Großbritannien: weniger Zucker dank Abgabe

foodwatch fordert seit langem eine Zuckersteuer auf Softdrinks, wie sie bereits in Großbritannien gilt. Dort zahlen Hersteller seit 2018 eine Abgabe, gestaffelt nach dem Zuckergehalt. Der Effekt: Der Zuckergehalt in Getränken sank seitdem um 35 Prozent. Ein Beispiel ist Fanta: In Deutschland enthält sie 7,6 Gramm Zucker pro 100 ml, in Großbritannien nur 4,5 Gramm – fast halb so viel. Auch der Zuckerkonsum über Limo, Cola und Co. liegt in Großbritannien mit rund 16,1 Gramm pro Tag deutlich unter dem deutschen Wert.

Gesundheitsrisiko Zuckergetränke: viele Kalorien, kaum Sättigung

Zuckergesüßte Getränke gelten als ein zentraler Risikofaktor für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Sie erhöhen zudem das Risiko für weitere Erkrankungen – und sind besonders tückisch, weil sie viel Energie liefern, aber nicht satt machen. So kann sich über den Tag unbemerkt eine große Menge Zucker ansammeln.

In Deutschland leben rund 8,9 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, etwa jeder vierte Erwachsene ist krankhaft übergewichtig. Die Folgekosten sind enorm: Allein Adipositas verursacht laut Leopoldina jährlich etwa 113 Milliarden Euro.

Westeuropa-Vergleich: Südeuropa trinkt deutlich weniger Zucker

Hinter Deutschland folgen Österreich (22,8 Gramm) und die Niederlande (20,4 Gramm). Am wenigsten Zucker über Getränke konsumieren die Menschen in Südeuropa – Italien liegt mit 9,5 Gramm am Ende des Rankings.

Die zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Länder (Gramm Zucker pro Tag über Erfrischungsgetränke):

  1. Deutschland (25,7)
  2. Österreich (22,8)
  3. Niederlande (20,4)
  4. Schweden (17,5)
  5. Belgien (17,45)
  6. Großbritannien (16,1)
  7. Frankreich (14,7)
  8. Spanien (12,6)
  9. Portugal (9,8)
  10. Italien (9,5)

Hinweis: Die Auswertung basiert auf Euromonitor-Daten. Das Institut aktualisiert und korrigiert Werte fortlaufend; daher sind Vergleiche mit früheren Auswertungen nur schwer möglich.