Frage des Monats 01.05.2026

Nahrungsergänzungsmittel: Einfach im Internet kaufen?

Bebe Istrate via Canva Teams

Ob Longevity-Präparate, Proteinpulver oder Multivitamin-Kapseln – das Online-Geschäft mit Supplements boomt. Doch wer kontrolliert die Gesundheitswerbung?

Sarah Häuser von foodwatch antwortet:

Verbraucher:innen kaufen die meisten Nahrungsergänzungsmittel zwar weiter im Supermarkt, in Apotheken oder in Drogerien. Doch Online-Shops und die Bewerbung über soziale Medien gewinnen an Bedeutung. Viele Influencer:innen aus dem Gesundheits- und Fitnessbereich kooperieren mit Nahrungsergänzungsmittelmarken und preisen deren Produkte auf Instagram & Co. an. Häufig mit vielversprechenden Claims: Die Mittel sollen etwa „gut gegen Depression” sein, das Immunsystem „boostern” oder sogar gegen Krebs helfen. Doch kann man den Werbeversprechen trauen?

foodwatch/Sabrina Weniger

Gut geregelt – schlecht kontrolliert

Die EU regelt gesundheitsbezogene Werbung in der Health-Claims-Verordnung. Erlaubt sind nur Aussagen, die wissenschaftlich belegt sind. Umfangreiche foodwatch-Recherchen belegen jedoch: Ein Großteil der Versprechen von Gesundheits- und Fitnessinfluencer:innen auf Instagram sind irreführend – und damit illegal! Wie kann das sein? 

Für die Überwachung der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel sind in Deutschland die Lebensmittelkontrollbehörden zuständig. Sie arbeiten meist auf kommunaler Ebene. Diese Ämter prüfen, ob die Aussagen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Das Problem: Sie kontrollieren nicht nur Werbung. Sie überwachen auch, ob die Pizzeria um die Ecke sauber arbeitet und in der Wurstfabrik in der Region alles ordnungsgemäß läuft – und sind damit heillos überlastet.  

Online-Werbung wird kaum überwacht

Eine foodwatch-Befragung von 309 Behörden zeigt: Mehr als 90 Prozent von ihnen kontrollieren Werbung in sozialen Medien nicht regelmäßig. Viele Ämter werden nur aktiv, wenn sich jemand konkret über eine irreführende Werbung beschwert. Einige Ämter sagten offen, dass ihnen Personal oder technische Mittel fehlen. Das Amt im Landkreis Cloppenburg hat beispielsweise bis heute keinen Zugang zu sozialen Medien. 

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Aus unserer Sicht geht das so nicht weiter! Wenn Influencer:innen mit irreführenden Versprechen werben, kann das die Gesundheit ihrer Follower:innen gefährden. Vielleicht geht eine Person nicht rechtzeitig zum Arzt. Oder nimmt eine Mixtur der unterschiedlichsten Mittel ein, und es drohen Wechselwirkungen mit Medikamenten oder eine Überdosierung. Nicht zuletzt kosten die Produkte häufig viel Geld.  

foodwatch fordert: Der Online-Markt für Nahrungsergänzungsmittel muss endlich besser kontrolliert werden. Diese Aufgabe sollte eine zentrale Stelle übernehmen. Sie braucht genug Personal, genug Geld und muss die Gesundheitsversprechen in sozialen Medien konsequent prüfen. Für uns Verbraucher:innen gilt: Nahrungsergänzungsmittel können gut und wichtig sein. Doch sollte man das vorher ärztlich abklären lassen und nicht vermeintlichen Gesundheitsexpert:innen im Internet vertrauen.