Der Coca-Cola-Report

06.04.2018
Cover Coca-Cola-Report

Hallo und guten Tag,

dutzende Journalistinnen und Journalisten waren vor Ort, Kamerateams und Hörfunk-Sender drängten sich vor dem Podium, foodwatch-Aktivisten gaben ein Interview nach dem anderen: Als wir von foodwatch am Mittwoch in Berlin unseren "Coca-Cola-Report" über den größten Zuckergetränke-Hersteller der Welt vorstellten, war ganz schön was los. Der große Andrang und das Interesse der Medien, von Tagesschau bis Spiegel Online, hat uns gefreut. Denn endlich gibt es eine breite Debatte darüber, wie gefährlich Zuckergetränke wirklich sind - und welche Verantwortung ein Mega-Konzern wie Coca-Cola für ernährungsbedingte Krankheiten trägt. Wir hatten ganz bewusst einen Konferenzraum direkt neben der Deutschlandzentrale des Konzerns gebucht, mit Blick genau auf das rote Coca-Cola-Gebäude. Und wir hatten den Konzern eingeladen, bei unserer Pressekonferenz auf dem Podium ihre Argumente vorzubringen - Coke lehnte ab.

Aber bei so viel Medienrummel direkt vor der eigenen Tür konnte sich Coca-Cola nicht verstecken: Ein hochrangiger Manager trat vor die Tür und gab ebenfalls Interviews. Richtig so! Wir finden: Coca-Cola muss sich endlich einer öffentlichen Debatte über die Gesundheitsgefahren seiner Produkte und über seine unverantwortlichen Lobby- und Marketingmethoden stellen!

Denn: Natürlich weiß wohl jedes Kind, dass Cola, Fanta, Sprite und Co. nicht gesund sind. Aber es geht nicht um ein bisschen zu viel Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation sieht überzuckerte Getränke als "wesentliche Ursache" für Fettleibigkeit und Diabetes. Schon eine Dose am Tag erhöht das Risiko signifikant. Anders als beispielsweise Süßigkeiten, bei denen "eine Handvoll" täglich als unproblematisch gilt, sind Zuckergetränke schon in vergleichsweise geringen Mengen gesundheitsgefährdend. Denn Zuckergetränke liefern nur "leere Kalorien" ohne wichtige Nährstoffe und ohne eine entsprechende Sättigung zu verursachen, was zu einer überhöhten Kalorienaufnahme führt.

Und die Zuckergetränke-Industrie, allen voran der Weltmarktführer Coca-Cola, stellt nicht bloß die Produkte ins Regal und überlässt den Konsumentinnen und Konsumenten die freie Wahl. Nein: Coca-Cola nimmt mit millionenschweren Marketingkampagnen im Internet und im Fernsehen bewusst Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier. Gleichzeitig versucht der Konzern durch gezielte Lobbyarbeit wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern zu torpedieren und hat nachweislich versucht, mit gekaufter Wissenschaft Zweifel an der Schädlichkeit von zuckerhaltigen Getränken zu säen - ganz ähnlich wie früher die Tabakindustrie. Das alles zeigt sehr detailliert der 108-seitige "Coca-Cola-Report" von foodwatch.

Coca-Cola versuchte heute, in Reaktion auf den foodwatch-Report, erneut die Gefahren von Zuckergetränken kleinzureden und betonte außerdem, man habe ja schon den Zuckergehalt in vielen Produkten gesenkt.

Um es deutlich zu sagen: Es geht nicht darum, Zucker oder zuckerhaltige Getränke wie Cola oder Limo zu verbieten. Und natürlich ist jeder für seine Ernährung, oder die seiner Kinder, selber verantwortlich. Aber ein Konzern wie Coca-Cola hat eben auch eine Verantwortung - für die Produkte, die er herstellt und für seine Marketing- und Lobby-Aktvitäten. Coca-Cola erweckt zwar durch eine Selbstverpflichtung den Eindruck, keine Werbung an Kinder zu richten. Doch die Praxis sieht anders aus, wie unser "Coca-Cola-Report" zeigt: Mit Fußballstars in der Werbung und Aktionen wie dem Coca-Cola-Adventskalender oder der Coke-Weihnachtstruck-Tour werden gezielt Kinder angesprochen.

Perfektioniert hat der Konzern zudem das sogenannte "Influencer-Marketing", um bei Kindern und Jugendlichen ein positives Image zu schaffen. Coca-Cola hat einen eigenen Youtube-Kanal aufgebaut und dafür gleich eine ganze Reihe der beliebtesten Youtube-Stars (sogenannte Influencer) eingespannt: Neun der 20 meistabonnierten "Youtuber" in Deutschland - mit teilweise mehr als drei Millionen Abonnenten - traten bereits bei "CokeTV" auf. Sie präsentieren beispielsweise als Moderatoren kurzweilige und lustige Videospots, in Stil und Machart geschickt an die erfolgreichsten Jugendkanäle angelehnt - und wie beiläufig wird in den Videos auch immer wieder Cola getrunken. Der meistgeklickte Filmclip auf dem deutschen Coca-Cola-Kanal wurde mehr als 2,3 Millionen Mal angeschaut. Eine perfide Marketing-Masche: Youtuber genießen bei ihren jungen Fans hohes Ansehen, die Video-Plattform ist für Kinder und Jugendliche die wichtigste Seite im Netz. Der Konzern nutzt die neuen Idole von Kindern und Jugendlichen, um mehr Zuckergetränke zu verkaufen. Dabei trinken Kinder und Jugendliche in Deutschland - insbesondere Jungen - ohnehin schon deutlich mehr Zuckergetränke als empfohlen.

Wir fordern Coca-Cola daher auf: Hört auf, Zuckergetränke an Kinder und Jugendliche zu vermarkten! Egal ob im Fernsehen, mit Fußballstars, mit Weihnachtsaktionen oder im Internet.
Wir sehen aber auch die Bundesregierung in der Verantwortung, endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um der Epidemie ernährungsbedingter Krankheiten etwas entgegenzusetzen - wie die Weltgesundheitsorganisation, Ärzteorganisationen oder Krankenkassen schon lange fordern. Zahlreiche Länder wie Großbritannien, Frankreich, Irland, Belgien oder Mexiko haben reagiert und eine Sondersteuer oder -abgabe für die Hersteller von überzuckerten Getränken beschlossen. In Großbritannien führte dies dazu, dass führende Hersteller schon vor Inkrafttreten den Zuckergehalt ihrer Produkte senkten. Fanta zum Beispiel enthält jetzt nur noch weniger als 5 Gramm Zucker - in Deutschland doppelt so viel. Großbritannien zeigt: Eine "Limo-Steuer" wirkt, die Hersteller haben einen starken Anreiz, weniger Zucker in ihre Produkte zu schütten. Und: Mit den Steuereinnahmen werden Schulobst und Schulsport gefördert.

Wir fordern die Bundesregierung auf, die Hersteller von stark überzuckerten Getränken auch in Deutschland zu verpflichten, eine Abgabe zu zahlen. Unterstützen Sie jetzt unsere Protestaktion:

Unterzeichnen für eine Limo-Steuer für Cola und Co.!

Die Limo-Abgabe in Großbritannien hat allerdings einen Haken: Getränke, die Süßstoffe enthalten, sind von der Regelung nicht erfasst. Und so haben viele Hersteller den Zucker in ihren Getränken durch Süßstoffe ersetzt. Das ist nicht die Lösung! Eine Herstellerabgabe in Deutschland sollte auch süßstoffgesüßte Getränke mit einbeziehen. Schließen Sie sich unserer Protestaktion an! Fordern Sie jetzt mit uns eine effektive Hersteller-Abgabe für Deutschland! 

Hier protestieren!

 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung! 

Ihr foodwatch-Team

P.S.: foodwatch gegen Coca-Cola - wir haben uns mit einem mächtigen Gegner angelegt... Für Coca-Cola arbeiten weltweit mehr als 700.000 Menschen, das Werbebudget beträgt 4 Mrd. US-Dollar, der Lobby-Einfluss des größten Zuckergetränke-Herstellers ist enorm. Wir von foodwatch halten mit unserem kleinen Team dagegen. Dabei finanzieren wir uns überwiegend über Mitgliedsbeiträge und sind unabhängig vom Staat, Parteien und der Lebensmittelindustrie. Helfen Sie uns dabei, mächtigen Konzernen wie Coca-Cola etwas entgegen zu setzen! Werden Sie jetzt Mitglied von foodwatch:

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Weiterführende Informationen und Quellen:

"Der Coca-Cola-Report"
Zahlen, Fakten, Quellen
Reaktion von Coca-Cola

 
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