Die Fake-Ampel der Industrie

08.02.2018

Hallo und guten Tag,

es ist nichts anderes als eine frontale Kampfansage von Nestlé, Coca-Cola, Mars & Co. an uns Verbraucherinnen und Verbraucher!

Die Lebensmittelindustrie weiß ganz genau, dass sich viele Menschen Klarheit über den Zucker-, Fett- oder Salzgehalt in Lebensmitteln wünschen. Sie weiß, dass sich eine große Mehrheit für die Ampelkennzeichnung ausspricht. Vor Jahren – Beobachter sprachen von einer der „größten Lobby-Schlachten“ in der Geschichte der EU – hat sie diese Ampelkennzeichnung verhindert und ihr eigenes Kennzeichnungsmodell durchgesetzt. Das hat sich die Industrie nach eigenen Angaben eine Milliarde Euro (!) kosten lassen. Doch die Forderung nach der „Ampel“ wird wieder lauter, von Verbraucherinnen und Verbrauchern, von Krankenkassen, Ärzteverbänden.

Und jetzt haben sich sechs Großkonzerne vorgenommen, der Ampel endgültig den Garaus zu machen: Indem sie einfach selbst die Ampel einführen wollen. Nur eben nicht „die“ Ampel, sondern eine EIGENE, eine Fake-Ampel – natürlich zu ihren Bedingungen. Eine Kennzeichnung, die zwar auch mit rot-gelb-grünen Farben arbeitet, die aber selbst die ungesündesten Produkte überhaupt nicht mehr ungesund aussehen lässt. Mit Macht versuchen Unilever, Pepsi, Mondelez (früher Kraft), Nestlé, Mars und Coca-Cola, diese Industrie-Ampel in Europa durchzusetzen – auf dass die Forderung nach einer Nährwert-Ampel endgültig verstummt.

Das müssen wir verhindern! Doch leicht wird das nicht. Wenn Sie die Namen gelesen haben, dann wissen Sie: Wir stehen hier gegen sechs der größten und mächtigsten Konzerne der Welt. Bitte helfen Sie uns, die Industrie-Ampel zu verhindern und werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch!

Die Ampelkennzeichnung ist eine bestechende Idee aus Großbritannien. Bei ihr würde schon auf der Vorderseite der Verpackungen der Zucker-, Fett- und Salzgehalt angegeben werden, und zwar einheitlich pro 100 Gramm. Nur so ist ein Vergleich zwischen den Produkten möglich. Die Ampelfarben kennzeichnen zusätzlich die Gehalte als hoch (rot), gelb (mittel) und grün (niedrig) – dadurch könnten wir die Unterschiede ähnlicher Lebensmittel schon auf einen Blick erkennen. Vor allem aber könnten wir all den versteckten Zucker in Frühstücksflocken oder Kinderketchup erkennen, die Fitnessprodukte als Fettbomben entlarven oder manch irreführende Gesundheitswerbefloskel richtig einordnen.
Und genau das ist auch der Grund dafür, warum so viele Lebensmittelhersteller die Ampel ablehnen. Wenn Dickmacher-Produkte sofort als solche erkannt werden, werden sie seltener gekauft. Da ist es nur logisch, dass die Lebensmittelindustrie mit Umsatzeinbußen rechnet und deshalb dagegen ist. Wir aber möchten, dass alle Menschen, die das wollen, auf einen Blick stark zucker-, fett- oder salzhaltige Lebensmittel erkennen können, und fordern deshalb die Einführung der Ampelkennzeichnung. Wenn Sie das auch möchten, dann unterstützen Sie uns dabei und werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch.

Was aber ist das Problem mit der neuen Industrie-Ampel? Ganz einfach: Die sechs Konzerne wollen die Angaben auf „Portionsgrößen“ eines Produkts beziehen … Der Trick dabei ist ganz einfach: Je kleiner eine Portion, desto weniger Zucker kann in dieser Portion drin sein und desto weniger rote Ampeln erscheinen.

Ein Beispiel: Nutella. Besteht zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett. Natürlich kann man das ab und an mal zum Frühstück essen, aber ein gesundes Produkt ist es trotzdem nicht. Die ECHTE Ampel bringt das klar zum Ausdruck, sie zeigt drei Mal rot (für Fett, gesättigte Fettsäuren und Zucker). Mit der Industrie-Ampel aber wären – simsalabim – alle roten Punkte verschwunden. Mini-Portionsgrößen machen diesen faulen Zauber möglich – es ist ein ganz schäbiger Trick auf Kosten von uns Verbraucherinnen und Verbrauchern. Doch wenn wir uns die Entscheidungen auf EU-Ebene in der Lebensmittelpolitik der vergangenen Jahre ansehen, müssen wir befürchten, dass die sechs Konzerne damit durchkommen. Wir werden alles tun, um dies zu verhindern! Bitte helfen Sie uns dabei und werden Sie jetzt Förderer/Förderin von foodwatch!

Wie dreist die Konzerne mit ihrer eigenen Ampel vorgehen, zeigt ein anderes Beispiel: Reiner Zucker. Man sollte doch meinen, dass der Zuckergehalt von reinem Zucker – genau: sehr hoch ist. Doch, und das ist kein Witz: Nicht so bei der Industrie-Ampel. Ein Hersteller könnte ein Stück Kandiszucker als Bonbon verkaufen, und weil die „Portion“ so winzig klein ist, würde die Industrie-Ampel nur auf gelb stehen. Nestlé, Mars & Co. wollen uns allen Ernstes eine Kennzeichnung verkaufen, bei der der Zuckergehalt von reinem Zucker als „mittel“ dargestellt werden könnte! Wenn wir das nicht verhindern, was kommt als nächstes – Salz, das als salzfrei gekennzeichnet werden darf?

Diese Fake-Ampel verfehlt nicht nur das eigentliche Ziel, sie wäre sogar schädlich. Denn plötzlich würde suggeriert, dass wahre Zuckerbomben und fettige Snacks. vergleichsweise ausgewogene Produkte sind! Wenn Sie das nicht wollen, dann stellen Sie sich als Förderer/Förderin hinter foodwatch und stärken uns im Kampf gegen diese Verbraucherverdummung den Rücken.

So absurd das klingt, so ernst ist es. Denn bisher ist die Lebensmittelindustrie mit fast allen Wünschen durchgekommen, wenn es um Kennzeichnung von Lebensmitteln geht. Laut dem Koalitionsvertrag wollen auch Union und SPD die Nährwertkennzeichnung „weiter entwickeln“– was da wohl am Ende durchkommen wird: ein verbraucherfreundliches Modell oder die Industrie-Ampel? Klar ist: Wir stehen wohl wieder vor einer großen Lobbyschlacht. Helfen Sie mit, sie dieses Mal zu gewinnen: Unterstützen Sie jetzt unsere Arbeit als Förderer/Förderin von foodwatch

Vielen Dank und herzliche Grüße,

Ihr Martin Rücker

Geschäftsführer foodwatch Deutschland

 

 

P.S.: Übrigens: foodwatch setzt sich nicht „nur“ für die Ampel ein. Wir haben noch viele andere „Baustellen“: Wir wollen endlich eine gute Tierhaltung erreichen, das millionenfache Kükentöten beenden, ein deutschlandweites Verbot von Glyphosat durchsetzen, eine bessere Kennzeichnung von Gentechnik und vieles mehr! Bitte unterstützen Sie uns dabei und werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch!

 
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