Dieser Top-Manager greift uns alle an!

12.04.2019

Hallo und guten Tag,

Bääämmmm – der Satz hat gesessen: „Mit voller Hose gewinnen Sie keinen 100-Meter-Lauf“, schimpfte Werner Baumann vor einigen Tagen in einem Interview. Markige Worte, in denen es um alles ging, nur nicht um Leichtathletik: Herr Baumann ging damit mal eben verbal auf Sie und uns und ganz allgemein auf die Menschen in Deutschland los, kritisierte uns dafür, angeblich „vom Risiko beseelt“ zu sein. Wir alle leiden, so seine Diagnose, unter einer „extreme(n) Betonung des Vorsorgeprinzips“.


Vielleicht sollte ich erwähnen, wer Werner Baumann ist: Der Mann ist Chef des Bayer-Monsanto-Konzerns. Jenes Konzerns also, der sich gerade in den USA regelmäßig auf der Anklagebank wiederfindet. Tausende Menschen sind gegen das Unternehmen vor Gericht gezogen. Tausende! Sie klagen, weil sie in Monsantos Glyphosat-Produkten eine Ursache für ihre Krebserkrankung sehen. Bayer-Monsanto bestreitet das, doch bisher sieht es vor Gericht nicht allzu gut aus für den Konzern. Gerade verdonnerten ihn Geschworene in San Francisco zu einer millionenschweren Schadenersatzzahlung – sie teilten die Einschätzung eines Bauern, dass Monsantos Pestizide etwas mit dessen Krebserkrankung zu tun haben.


Und ausgerechnet der Chef von Bayer-Monsanto fordert von uns allen eine höhere Risikobereitschaft? Man will ihm zurufen: Die Menschen, die gegen Sie vor Gericht ziehen, haben nicht die Hose voll, sie haben Krebs, Herr Baumann!


Mich machen die Aussagen dieses Top-Managers fassungslos. Mit ihren Produkten haben Agrar-, Chemie- und Lebensmittelkonzerne einen solch gewaltigen Einfluss auf unsere Umwelt und auf unsere Gesundheit. Was, wenn das in den Chef-Etagen einfach nicht ernstgenommen wird? Wir von foodwatch sind fest davon überzeugt: Unsere Gesundheit darf nicht von den Profit-Interessen der Unternehmen abhängen. Der Macht der Konzerne müssen wir etwas entgegensetzen – genau dafür arbeiten wir. Bitte helfen Sie uns dabei und unterstützen Sie unsere Arbeit: Werden Sie am besten noch heute Förderin/Förderer von foodwatch!


Ich glaube nicht, dass die Äußerung des Bayer-Chefs ein Ausrutscher oder ein Einzelfall waren. Meine Diagnose lautet: Wir haben es mit Konzernen zu tun, die den Zielen des Gemeinwohls komplett entrückt sind. Die nicht mehr das Gefühl haben, dass Unternehmen für die Menschen da sein sollten, sondern die bestimmen wollen, wie sich die Welt zu drehen hat. Die alles daran setzen, die Regeln nach ihrem Gusto festzulegen – notfalls nach dem Motto: Geld regiert die Welt. Und genau dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen, denn es geht um uns, um unsere Gesundheit und um die Welt, wie wir sie für unsere Kinder schaffen. Wir von foodwatch sind zwar im Vergleich zu all den multinationalen Großkonzernen nur ein Zwerg, doch je mehr Menschen unsere Arbeit stützen, umso mehr können wir bewirken. Sind auch Sie dabei? Bitte machen Sie uns stärker und werden Sie als Förderin/Förderer ein Teil von foodwatch!

Wie viel Macht die Konzerne heute in schon in den unterschiedlichsten Bereichen ausüben, ist den meisten Menschen noch gar nicht bekannt. Deshalb hier drei Beispiele:


-    Wussten Sie, dass sich die EU von Konzernen sponsern lässt? Ja, Sie lesen richtig: Coca-Cola etwa unterstützt gerade ganz offiziell die EU-Ratspräsidentschaft Rumäniens als sogenannter „Platin-Partner“. Und wohlgemerkt: Die EU ist keine Sportveranstaltung und auch keine Wettersendung. In der EU werden in wichtigen Fragen, die unser aller Leben betreffenden Weichen gestellt – und das auf Jahre. Gegenwärtig wird in ganz Europa über gesunde Ernährung, weniger Zucker oder Limo-Steuern diskutiert. Und genau in dieser Zeit tritt plötzlich Coca-Cola als EU-Sponsor auf, serviert Getränke beim Ministertreffen und stellt dekorative Coca-Cola-Sitzsäcke bereit. Damit auch keiner übersieht, woher das Geld kommt, begrüßten Teilnehmer gleich am Eingang große Aufsteller, der Aufdruck; „Das Coca-Cola-System unterstützt stolz die erste rumänische EU-Ratspräsidentschaft". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!


-    Oder wussten Sie, woher im Gesetz und auf den Lebensmittelpackungen die Empfehlungen für den täglichen Zuckerkonsum stammen? Vielleicht ahnen Sie es: Von der Lebensmittelindustrie selbst! Ihr von Großkonzernen geprägter europäischer Lobbyverband „entwickelte“ die Richtwerte in Eigenregie – und die EU übernahm sie kommentarlos, entgegen der Einschätzung von Wissenschaftlern. Wie viel Zucker wir essen sollen, sagen uns seither ganz offiziell die Lebensmittelkonzerne.


-    Und wussten Sie, wie Amazon mit einem Verbraucherschutzgesetz umgeht, das dem Handelskonzern nicht in den Kram passt? Ganz einfach: Er ignoriert es! So jedenfalls geschehen bei Amazons Lebensmittel-Lieferdienst, der den Verbraucherinnen und Verbrauchern trotz gesetzlicher Verpflichtung partout keine klaren Herkunftsangaben für vieles Obst und Gemüse machen wollte. Obwohl wir wissen, dass ein solcher Riesen-Konzern – anders als wir – gigantische Summen für Anwälte ausgeben kann, möchten wir das nicht einfach hinnehmen. Wir haben gegen Amazon geklagt und warten auf das Urteil.


Liebe foodwatch-Interessierte, auch weil unzählige Lebensmittellobbyisten die Politik in Berlin und Brüssel beeinflussen, ist es für uns nicht leicht, der Konzernmacht etwas entgegenzusetzen. Und wenn wir vor Gericht klagen müssen, damit sich Konzerne an die Gesetze halten, haben wir es mit gut besetzten Rechtsabteilungen zu tun, die sich zusätzlich von Großkanzleien vertreten lassen. Recherchen, Kampagnen, Lobbyarbeit, Prozesse – das alles kostet Geld, das wir nur mit Ihrer Unterstützung aufbringen können. Deshalb meine Bitte: Helfen Sie uns dabei, unterstützen Sie foodwatch als Förderin/Förderer!

Wir müssen die Konzerne zur Verantwortung zwingen. Denn Unternehmen sollten immer noch für die Menschen da sein, und nicht umgekehrt. Wenn Sie diese Einschätzung teilen, dann seien Sie noch heute dabei und werden Sie jetzt Förderin/Förderer von foodwatch!
Ob Bayer-Monsanto, Amazon oder Nestlé: Wir müssen uns mit den Geschäftsmodellen einiger der größten Konzerne dieser Welt anlegen. Wir werden uns nicht sagen lassen, dass wir die „Hosen voll“ haben, nur weil uns unsere Gesundheit wichtig ist – wir werden antworten, dass wir keinen Hundert-Meter-Lauf gewinnen, sondern auch über die Marathon-Distanz bestehen wollen! Bitte unterstützen Sie uns dabei – als Förderin/Förder von foodwatch.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Martin Rücker, Geschäftsführer

 
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