Schluss mit Mini-Schriftgrößen!

23.03.2017

Bei den Mini-Schriftgrößen auf manchen Verpackungen gibt selbst ein EU-Kommissar auf: „Absolut unlesbar“ seien Lebensmitteletiketten, findet Vytenis Andriukaitis. Fordern Sie ihn auf, das zu ändern – denn als Lebensmittel-Kommissar kann er eine größere Schrift und eine besser lesbare Gestaltung durchsetzen!

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Hallo und guten Tag,

es ist ein bemerkenswertes Geständnis, das der für Lebensmittel zuständige EU-Kommissar an diesem Dienstag bei einer Konferenz in Brüssel abgelegt haben soll: „Ich schaue niemals auf die Kennzeichnung. […] Ich kann sie nicht lesen, nicht einmal mit meiner Brille. Es ist absolut unmöglich.“ So zitiert das Fachmedium „EU Food Policy“ Vytenis Andriukaitis, den obersten Lebensmittelpolitiker Europas.

Wie dem 65-Jährigen geht es jeden Tag vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern – auch bereits deutlich jüngeren: Die wichtigen Informationen nur im Kleingedruckten auf der Rückseite, die Schrift winzig klein, die Zeilenabstände verschwindend gering und zu allem Übel vielleicht auch noch ein schwarzer Text auf dunkelblauem Hintergrund. Ziemlich schwer, das zu entziffern – und manchmal eben sogar „absolut unmöglich“.

Herr Andriukaitis wird mit seiner Klage vielen aus der Seele gesprochen haben. Allein: Der EU-Kommissar ist nicht verantwortlich dafür, die Probleme zu beklagen, sondern sie zu lösen!  Die Mindestschrift für Zutatenlisten oder Nährwertangaben muss größer werden, die Textgestaltung so, dass wir die Angaben gut lesen können. Fordern Sie den zuständigen EU-Kommissar auf, das jetzt umzusetzen:

www.kleingedrucktes.foodwatch.de

Kein Witz: Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung erlaubt den Lebensmittelherstellern, Pflichtangaben wie Zutaten in gerade einmal 1,2 Millimeter (!) kleiner Schrift auf die Packungen zu drucken. 1,2 Millimeter, bezogen auf das kleine „x“ – das ist alles andere als lesefreundlich. Bei kleinen Verpackungen sind es sogar nur 0,9 Millimeter. Schon diese Ausnahme zeigt, worum es bei der Verordnung geht: nicht um die Informationsrechte der Menschen, die bei kleineren Packungen nicht geringer sind, sondern um die Interessen der Hersteller. Deren Lobbyisten waren nämlich gegen verbraucherfreundlichere Mindestschriftgrößen Sturm gelaufen. Ihr Argument: Würde die Schrift für Pflichtangaben über die Lebensmittel größer sein, bliebe „kein ausreichender Raum für den Markenauftritt und für sonstige Angaben zur Produktbeschreibung und Werbung“. Mit anderen Worten: Damit die Hersteller ihre Produkte ausreichend bewerben können, sollen ihre Kundinnen und Kunden auf lesbare Zutatenlisten und Nährwertangaben verzichten.

Seniorenorganisationen empfehlen übrigens eine Schriftgröße von 2,5 Millimetern, bezogen auf ein großes „H“ – deutlich mehr als gesetzlich vorgesehen. Und mehr noch: Um eine gute Lesbarkeit zu erreichen, müssen auch die Farbkontraste oder Zeilen- und Wortabstände ausreichend gestaltet sein. Für all das gibt es in der EU bislang keine Regelung. Ein echtes Versäumnis: Denn die bereits 2011 verabschiedete Lebensmittelinformationsverordnung hat es in die Hände der Europäischen Kommission gelegt, hier verbindliche Vorgaben festzulegen – passiert ist das nach mehr als fünf Jahren nicht. Zuständig für diese Aufgabe wäre, Sie ahnen es: Kommissar Vytenis Andriukaitis – der Mann, der selbst daran scheitert, Lebensmitteletiketten zu entziffern.

Erinnern wir ihn daran, dass ER es ändern kann: Bitte unterstützen Sie jetzt unsere E-Mail-Aktion für eine größere Schrift und eine lesbare Textgestaltung auf Lebensmittelverpackungen:

www.kleingedrucktes.foodwatch.de

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Ihr foodwatch-Team

P.S.: Vielleicht haben Sie es auch schon gesehen: Weil die Angaben auf den Packungen so klein sind, montieren einige Supermärkte bereits Lupen an den Einkaufswagen. Das mag im Einzelfall zwar helfen. Wir von foodwatch aber finden: Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf lesbare Etiketten! Dass dies selbstverständlich wird, dafür setzen wir uns ein. Bei diesem und bei vielen anderen Themen: Helfen Sie uns dabei, für Ihre Rechte zu kämpfen. Werden Sie jetzt Fördermitglied von foodwatch: www.foodwatch.de/mitglied-werden

Foto Andriukaitis: © dpa

 
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