Was für eine Schweinerei!

03.08.2018
© Fotolia.com/Dusan Petkovic

Hallo und guten Tag,

letzten Monat hat die Bundesregierung erschreckende Zahlen zu staatlichen Tierschutz-Kontrollen in deutschen Tierhaltungsbetrieben veröffentlicht: Sie werden nicht nur selten, sondern im Durchschnitt nur alle 17 (!) Jahre kontrolliert. Im Durchschnitt heißt, manchmal auch noch seltener. So in Bayern: da finden Tierschutz-Kontrollen nur etwa alle 50 Jahre statt. Das bedeutet, dass manche Tierhalter ihr ganzes Berufsleben lang nicht kontrolliert werden!

Liebe foodwatch-Interessierte, wir finden, dass diese Zahlen für sich sprechen und offizielle Äußerungen über das angeblich hohe Tierschutzniveau in Deutschlands Ställen als dreiste Ammen-Märchen entlarven. Zumal heutzutage eigentlich jeder weiß, dass es den Nutztieren in unserem wohlhabenden Land verzweifelt schlecht geht. WIE schlecht es ihnen geht und wie groß ihre Schmerzen sind, können uns die Millionen Kühe, Schweine und Hühner nicht sagen. Aber wir alle wissen, dass jeden Tag in unseren Ställen gelitten und gestorben wird.

Wenn Sie auch finden, dass es nicht mehr reicht zu klagen, sondern dass gehandelt werden muss, dann helfen Sie uns dabei und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch.

Weil sie sich nicht wehren und nicht sprechen können, können sie uns auch nicht mitteilen, wie viel Quadratmeter Platz sie denn bräuchten, damit es ihnen gut ginge. Die Hennen können uns nicht sagen, wieviel Eier sie legen könnten, ohne zu leiden und die Kühe können uns nicht sagen, wieviel Milch sie geben könnten, ohne sich zu quälen.

Aber wir Menschen (zumindest einige von uns) sind mitfühlende Wesen, die spüren, dass es einem Tier nicht wirklich gut gehen kann, wenn es auf kleinstem Raum gehalten wird und in vielen Fällen niemals das Tageslicht sieht. Das täglich „Höchstleistungen“ zu bringen hat und Eier oder Milch in Rekordmengen abliefern muss. Oder „einfach nur“ so schnell wie möglich zu wachsen hat, damit es nach möglichst kurzer Zeit getötet werden kann. Wenn auch Sie der Meinung sind, dass wir das das nicht so weitergehen darf, dann helfen Sie uns dabei, diese Zustände zu ändern und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch.

Weil wir mit den Tieren nicht sprechen können, sind wir auf Daten angewiesen, die uns über das Befinden der Tiere Auskunft geben. Das sind Gesundheits- oder besser Krankheitsdaten aus jedem Stall. Wir haben bei foodwatch tausende Daten aus zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten zusammengetragen und das Ergebnis ist niederschmetternd: Etwa jedes vierte (!) Nutztier in Deutschland ist krank. In manchen Betrieben sieht es noch viel schlimmer aus, in manchen besser. Doch im Durchschnittbedeutet das, dass jedes vierte tierische Produkt, das wir kaufen und verzehren von einem kranken Tier stammt. Und sehr, sehr oft sind diese Krankheiten, die Schmerzen und die Leiden vermeidbar.

Um welche Krankheiten handelt es sich?

  • Kühe: Die häufigste Erkrankung von Kühen ist die extrem schmerzhafte Euterentzündung. Statistisch gesehen, stammt jeder vierte Liter Milch von einer Kuh mit Euterentzündung. Klauenerkrankungen, Gelenkveränderungen, Lahmheiten und Stoffwechselstörungen sind ebenfalls an der Tagesordnung.
  • Schweine: Sie leiden in vielen Fällen unter Klauen- und Gelenkentzündungen, blutigem Durchfall, nässenden Ekzemen, Gebärmutter- und Lungenentzündungen sowie eitrigem Augenausfluss, trockenem Brüllhusten und vielem mehr. 
  • Hühner: Fast alle Masthühner sind auf maximalen Fleischansatz der Brustmuskulatur gezüchtet. Der Körperschwerpunkt ist in der Folge verlagert. Dadurch sind Hüften, Gelenke, Beine deformiert und sie humpeln und lahmen. Fußballenentzündungen sind die Regel. Jede zweite Legehenne leidet unter Knochenweiche und Knochenbrüchen. Eine Folge der hohen Legeleistung: Das für die Eierschalenbildung notwendige Kalzium wird den Knochen entzogen.

Diese Liste der Krankheiten könnte beinah beliebig erweitert und mit Details angereichert werden. Aber das wollen wir Ihnen ersparen. Das, was Sie und wir von foodwatch wissen, reicht aus, um sagen zu können: Das dürfen wir nicht länger zulassen. Wir sind der Meinung, dass sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft auch daran bemisst, wie sie mit den schwächsten Mitgeschöpfen – also den Tieren – umgeht, die sie zur Nahrungsmittelproduktion benutzt. Wenn Sie diese Meinung teilen, dann schließen Sie sich uns an und werden Sie Förderin /Förderer von foodwatch.

Zwar sind die Haltungsbedingungen gesetzlich festgelegt - zum Beispiel wie groß die Ställe sein sollen und ob und wieviel Stroh vorhanden sein muss. Es gibt auch Abstufungen zwischen konventioneller und biologischer Haltung und den Vorschriften verschiedener Verbände. Doch all dies sagt nichts darüber aus, wie krank oder gesund ein Tier ist. Die Unterschiede von Betrieb zu Betrieb können enorm sein und – ob uns das gefällt oder nicht – das gilt auch für die ökologische Landwirtschaft. Das Haltungsverfahren allein ist leider kein Garant dafür, dass die Tiere auch wirklich ein gutes Leben haben. Die Vermeidung und Verhinderung von Krankheiten ist eine Herausforderung, der sich jeder Tierhalter stellen und an deren Erfolg oder Misserfolg er sich messen lassen muss.

foodwatch setzt sich dafür ein, dass die Tiergesundheit in Zukunft DAS entscheidende Kriterium beim Nutztier-Schutz wird. Wir wollen, dass es klare Zielvorgaben für die Gesundheit aller Tiere gibt und die Einhaltung dieser Vorgaben konsequent und transparent überwacht und durchgesetzt wird.

Wir wollen, dass die Lebensbedingungen den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden und nicht umgekehrt. Damit wir als Verbraucherinnen und Verbraucher sicher sein können, dass uns der Handel keine Milch, keinen Käse, kein Fleisch und keine Eier mehr von krank gemachten, leidenden Geschöpfen unterjubelt! Wenn Sie diese Forderungen unterstützen, dann werden Sie als Förderin/Förderer ein Teil von foodwatch. Denn nur, wenn sich möglichst viele Menschen hinter uns stellen und damit kundtun, dass sie als nicht-vegane Verbraucherinnen und Verbraucher nicht mehr länger ungewollt eine tierquälerische Nahrungsmittelproduktion unterstützen wollen, können wir die Politik und die Nahrungsmittelproduzenten zum Umsteuern bewegen.


Herzliche Grüße 

Matthias Wolfschmidt
Internationaler Kampagnendirektor

 
Wir sind foodwatch


Verbraucher kämpfen gemeinsam für ihre Rechte – seien Sie dabei!

RSS-Feed

Abonnieren Sie hier unsere Nachrichten als RSS-Feed.