Podcast 10.11.2025

Podcast: Laborfleisch – ist das die Zukunft?

Sarah spricht mit Professor Dr. Achim Spiller über Tofuwürstchen, das sogenannte „Käseparadox und die Zukunft der Alternativprodukte.

Tofu-Würstchen und Hafermilch kennen alle. Doch wie sieht es mit futuristischeren Alternativprodukten zu tierischen Lebensmitteln aus? Wann gibt es Laborfleisch und Käse aus Präzisionsfermentation im Supermarkt? Darüber spricht Sarah in der neuen Folge des foodwatch-Podcasts „Geschmackverstärker” mit Professor Dr. Achim Spiller. Prof. Spiller ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE). Der WBAE berät das Landwirtschaftsministerium bei der Entwicklung seiner Politik und hat kürzlich ein Gutachten zum Potenzial von Alternativprodukten zu tierischen Lebensmitteln veröffentlicht. 

Für den Klimaschutz erreichen wir nur dann etwas, wenn der Anteil der Alternativprodukte nicht nur bei Fleisch und Wurst, sondern auch bei Milch und Käse deutlich ansteigt.
Prof. Dr. Achim Spiller Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz

Fleischersatzprodukte: immer noch Nische

Beim Anblick des großen Angebots an Haferdrinks, veganer Aufschnitt und Sojawürstchen im Supermarkt könnte man den Eindruck bekommen, Alternativprodukte seien schon weit verbreitet. Und tatsächlich ist Deutschland mit 1,91 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr im europäischen Vergleich der größte Markt für pflanzenbasierte Alternativprodukte. Aber: Diese machen im gesamten Bereich der tierischen Lebensmittel gerade einmal einen Anteil zwischen ein und zwei Prozent der verkauften Mengen aus. Alternativprodukte sind also noch Nische - genau das sollte sich laut Professor Spiller ändern. Er sieht in der Entwicklung pflanzlicher und biotechnologischer Ersatzprodukte ein erhebliches Potenzial – gerade für den Klimaschutz, denn um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir den Konsum tierischer Lebensmittel deutlich reduzieren.

Das Käseparadox

Es geht nicht nur um die Verringerung des Fleischkonsums, macht Prof. Spiller deutlich: Denn in Deutschland essen wir heute schon deutlich weniger Fleisch als noch vor zehn Jahren, 52 statt 62 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Allerdings ist dafür der Konsum von Käse gestiegen. Unterm Strich sei also für den Klimaschutz nichts gewonnen - das ist das sogenannte Käseparadox. Auch in Zukunft könnte das uns einen Strich durch die Rechnung machen, prognostiziert der WBAE mit Blick auf mögliche Szenarien bis 2045: Wenn die Entwicklung so weiter geht wie in den letzten 20 Jahren, dann essen wir 2045 in Deutschland zwar nur noch 40 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr. Aufgrund eines leicht gestiegenen Käsekonsums würde es jedoch zu keiner nennenswerten Einsparung von Treibhausgas-Emissionen aus dem Konsum tierischer Produkte kommen. Deshalb seien Alternativen nötig. Hier bietet etwa die sogenannte Präzisionsfermentation laut Prof. Spiller Potenziale, um etwa aus pflanzlichen Bestandteilen Käse herzustellen, der dem Original aus Milch stärker ähnelt und würziger ist als bisher im Supermarkt verkaufte Produkte.

Nicht dogmatisch, sondern flexibel

Der WBAE schlägt die sogenannte 3-R-Strategie vor („Reduce – Remix – Replace“). Diese zielt darauf ab, den Konsum tierischer Produkte durch kleinere Portionsgrößen zu verringern („Reduce“), tierische Produkte mit pflanzlichen oder alternativen Zutaten zu kombinieren („Remix“) und/oder tierische Produkte in Mahlzeiten vollständig durch Alternativen zu ersetzen („Replace“). Diese Strategie soll eine flexible, alltagstaugliche, schrittweise Anpassung des Konsums tierischer Produkte ermöglichen.

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