Nachricht 14.11.2025

Podcast: Macht uns „Food Noise“ krank?

Ob online oder auf der Straße: Fast überall dreht es sich ums Essen - nicht ohne Risiken. Ein Gespräch mit Prof. Ulrike Gisch über „Food Noise“.

Was esse ich heute? Wieviel Kalorien hat das? War das zu viel? Wenn solche Gedanken den ganzen Tag kreisen, sprechen Fachleute von „Food Noise“ – dem Lärm ums Essen. In der neuen Folge des foodwatch-Podcasts „Geschmacksverstärker“ erklärt Ernährungspsychologin Prof. Ulrike Gisch von der Universität Gießen, was hinter dem Begriff steckt und warum er immer öfter in sozialen Medien auftaucht. „Lebensmittellärm kann negative Folgen in sozialer, psychischer oder physischer Weise haben – das kann wirklich den Alltag beeinträchtigen“, so Gisch im Gespräch mit Dario von foodwatch.

Essen als Kontrollmechanismus in Krisenzeiten

Essen ist allgegenwärtig – vom Frühstück bis zum abendlichen Snack. Gerade in unsicheren Zeiten suchen viele Menschen in Ernährung und Körperkontrolle Halt. Social Media, Kalorienzähler-Apps und Fitness-Influencer:innen setzen zusätzlich unter Druck. Der ständige Reiz kann belasten – und mitunter sogar krank machen. Gisch spricht von einem „Kontrollmechanismus“, der helfen soll, Ordnung ins eigene Leben zu bringen – mit potenziell gefährlichen Folgen.

Mehr als 200 Entscheidungen – jeden Tag

Besonders problematisch: Die vielen Reize, die täglich auf uns einprasseln. Studien zeigen, dass Menschen im Schnitt über 200 Entscheidungen pro Tag zum Thema Essen treffen – meist unbewusst. Was esse ich? Wann? Mit wem? Mit Zucker oder ohne? Milch oder Haferdrink? „Manche Menschen kommen mit dieser Flut an Reizen besser zurecht als andere – für viele wird sie zur Belastung“, sagt Gisch. In einer Umgebung voller Werbung, Verfügbarkeit und gesellschaftlicher Ideale wird es zunehmend schwerer, entspannt mit Essen umzugehen.

Gedanken an Essen kommen in Wellen. Wir denken an Essen, und dann verschwindet der Gedanke wieder. Wenn er jedoch den ganzen Tag im Kopf bleibt, also oft losgelöst von Hunger und Mahlzeiten, dann wird es problematisch.
Prof. Dr. Ulrike Gisch Professorin für Ernährungspsychologie, Universität Gießen

Wie man „Food Noise“ erkennt – und was dagegen hilft

Nicht jede:r, der oder die regelmäßig ans Essen denkt, ist automatisch betroffen. Doch wenn Gedanken unabhängig von Hunger oder Mahlzeiten auftreten und einen hohen Leidensdruck verursachen, kann das problematisch sein. Das intuitive Essen sei ein vielversprechender Ansatz, so Ulrike Gisch: Es gehe darum, eigene Körpersignale wieder wahrzunehmen – statt sich an Apps oder Diätplänen zu orientieren. Auch Achtsamkeit im Alltag und das Hinterfragen eigener Routinen könnten helfen, besser mit dem „Lärm im Kopf“ umzugehen.

Marketing und Umfeld verstärken den Druck

Ein weiterer Einflussfaktor ist die Ernährungspolitik – oder vielmehr ihr Fehlen. In einer Umgebung, in der hochverarbeitete, kalorienreiche Produkte allgegenwärtig sind und aggressiv beworben werden, ist es besonders schwer, gesunde Entscheidungen zu treffen. „Sich davon abzugrenzen ist eine Leistung – dafür braucht es Selbstregulationsfähigkeiten“, sagt Gisch. Eine gesundheitsfördernde Ernährungspolitik und ein verlässlicher rechtlicher Rahmen könnten Menschen dabei unterstützen – in Deutschland fehlt jedoch bislang beides.

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