Nachricht 24.04.2026

Podcast: Warum sind Lebensmittel so teuer?

Seit Corona sind die Lebensmittelpreise um etwa ein Drittel gestiegen. Jetzt drohen die Preise im Supermarkt weiter zu steigen – wegen des Krieges im Iran. Was helfen könnte, erklärt foodwatch-Chef Dr. Chris Methmann.

Wenn wir im Supermarkt einkaufen, müssen wir dafür heute etwa 30 Prozent mehr ausgeben als 2021. Die stark gestiegenen Lebensmittelpreise sind ein echtes Problem für viele Verbraucher:innen. Besonders krass: Lebensmittel sind noch deutlich stärker im Preis gestiegen als die allgemeine Inflation. Woran liegt das?

Vier Große kontrollieren den Markt

Ein entscheidendes Problem ist: Auf dem Lebensmittelmarkt herrscht zu wenig Konkurrenz. Die vier großen Handelskonzerne - Edeka, Aldi, Rewe und die Schwarz-Gruppe (Kaufland/Lidl) - teilen sich mittlerweile fast 90 Prozent des Marktes auf. Vor dreißig Jahren lag dieser Wert noch bei 55 Prozent.

Dieses Oligopol bedeutet: Die Supermarkt-Ketten haben eine sehr große Marktmacht. So können sie beispielsweise gegenüber Landwirt:innen die Preise drücken. Eindrucksvoll hat das die Monopolkommission am Beispiel Milch beschrieben:  2014 kostete ein Liter Milch im Supermarkt 70 Cent. 40 Cent davon gingen an die Landwirte. 2023 kostete ein Liter Milch 1,05 Euro. Die Landwirte bekamen aber weiterhin: 40 Cent.

Die Preise steigen überall im Gleichschritt

Auch wir Verbraucher:innen sind die Leidtragenden von mangelndem Wettbewerb: Wenn die Preise zu hoch sind, gibt es nicht viele Möglichkeiten, bei der Konkurrenz vielleicht günstiger einzukaufen. 

Recherchen von foodwatch zeigten: Die Supermarkt-Ketten erhöhen die Preise für ihre Eigenmarken oft gleichzeitig. Steigt der Preis eines Produktes bei einer Handelskette, ziehen die anderen nach und erhöhen auch den Preis - oft auf den Cent genau. 

Verbraucher:innen müssen entlastet werden. Und unsere Landwirtschaft muss nachhaltiger und krisenfester werden.
Dr. Chris Methmann Geschäftsführer foodwatch Deutschland

Iran-Krieg: Wird es jetzt noch teurer?

Zu dieser Gemengelage kommt der Krieg im Iran hinzu. Die Sorge ist groß, dass die Lebensmittelpreise jetzt erneut stark ansteigen. Ein Grund: Die konventionelle Landwirtschaft ist abhängig von synthetischem Kunstdünger. Für die Herstellung braucht man große Mengen Erdgas – das durch die Blockade der Straße von Hormus teurer geworden ist.

Zudem ist die Meerenge bei Iran eine wichtige Schifffahrtsroute für Kunstdünger: Ein Drittel des globalen Handels mit Düngemitteln läuft durch die Straße von Hormus. Die Folge: Landwirt:innen müssen schon jetzt deutlich mehr für Kunstdünger zahlen

Besonders bitter kann die Situation für die Menschen in ärmeren Ländern werden, die sehr viel ihres Einkommens für Lebensmittel zahlen müssen. Hilfsorganisationen warnen bereits vor einer neuen Hungerkrise. 

Zeit zum Umdenken!

Eigentlich wäre jetzt der Moment, endlich die richtigen Fragen zu stellen:

  • Warum halten wir an einem Agrar-System fest, das abhängig ist von Kunstdünger? Das zerstört unsere Böden – und damit unsere Ernährungssicherheit.  
  • Warum ignorieren wir, was die Bio-Landwirtschaft längst beweist: Es geht auch ohne Kunstdünger? Im Öko-Landbau sind synthetische Kunstdünger verboten. 

Die aktuell hohen Preise für Kunstdünger könnten ein Anstoß sein, auf eine nachhaltigere und damit sicherere Landwirtschaft zu setzen.

Verbraucherschutz über Verbrauchertäuschung!

Ob die Mogelpackung im Einkaufskorb, Durchblick im Supermarkt-Dschungel oder verstecktem Zucker in Kindernahrung – Verbraucher:innen haben ein Recht auf ehrliche Information und fairen Schutz. Möchten Sie uns mit einer Spende unterstützen und sich gegen Täuschung und Irreführung im Supermarkt engagieren?

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