Nachricht 22.06.2026

Preissteigerungen: Der Kassenzettel von Aldi aus 2010

foodwatch/Canva

Uns fiel ein Aldi-Kassenzettel von 2010 in die Hände. Was der über die aktuellen Preiserhöhungen verrät, analysiert foodwatch in diesem Kommentar.

Ein Kommentar von foodwatch-Geschäftsführer Dr. Chris Methmann. 

Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer

Die Straße von Hormus ist wieder frei. Die Tanker fahren, der Iran-Krieg endet (vielleicht), an der Tankstelle dürfte der Preis bald sinken. Aufatmen?
An der Supermarktkasse nicht. Dort gilt eine andere Regel. Das zeigt ein Fundstück aus dem Archiv: ein Kassenzettel von ALDI aus dem Jahr 2010. Laut Statistischem Bundesamt beträgt die Inflation seitdem 40 Prozent. Der Bon erzählt eine andere Geschichte.

  • Wäre die fettarme H-Milch von damals 40 Prozent teurer, müsste sie heute 0,69 € kosten. Bei Aldi aktuell: 0,85 € - fast die doppelte Preissteigerung im Vergleich zur Inflation.
  • Eier aus Bodenhaltung kämen heute auf 1,82 €. Aldi verlangt: 2,49 €.
  • Die Doppelkeksrolle läge heute bei 1,20 €. Wir zahlen 1,79 €.

Diese Beispiele sind drastisch. Doch sie zeigen: Lebensmittel verteuerten sich stärker als die Inflation.

Supermärkte schlagen zusätzlichen Profit

Der Kassenzettel nährt einen Verdacht: Die Supermärkte nutzen jede Krise für einen Extra-Aufschlag. Das könnten sie nicht, wenn es starken Wettbewerb zwischen den Handelsketten gäbe. Den gibt es aber nicht, sagen die Expert:innen der Monopolkommission. Bald 90 Prozent des Lebensmittelmarktes teilen vier große Ketten unter sich auf: Aldi, Lidl, Edeka und Rewe.

Wirtschaftsministerin Katharina Reiche lässt ihnen ihre Preispolitik bislang durchgehen. Sie will nicht eingreifen. Aber irgendjemand muss die Supermärkte doch kontrollieren!
 

Preisentwicklung von Lebensmitteln sind undurchsichtig

Klar, um Preise von vor 16 Jahren zu kennen, braucht es einen vergilbten Kassenbon. Doch selbst der Milchpreis vom letzten Monat bei Aldi bleibt im Dunkeln – gäbe es foodwatch nicht. Zwar erhebt das Statistische Bundesamt Daten. Aber niemand zeichnet einzelne Supermarkt-Preise auf, niemand macht Verläufe öffentlich, niemand analysiert diese Entwicklungen. Dafür müsste der Staat sorgen, finden wir, und fordern eine staatliche Stelle, die die Preisbildung prüft.
Bis dahin springen wir ein. Der foodwatch-Preisradar sammelt Tag für Tag hunderte Preise ein – damit Menschen wie Sie und ich nachvollziehen können, wie sich die Kosten an der Kasse entwickeln.

„Historische“ Preissenkungen betraf Ungesundes

Als die Supermärkte im letzten Frühjahr „historische“ Preissenkungen ankündigten, rechneten wir nach. Wir brachten die Luftnummer in die Zeitungen und warnten Millionen Verbraucher:innen: Die Händler senkten vor allem Preise für Ungesundes, Alkohol und Nischenprodukte. Waren des täglichen Bedarfs blieben teuer. Die Preisaktion von Lidl war sogar so undurchsichtig, dass später ein Gericht urteilte, sie sei „irreführend“. Ohne unsere aufwändigen Recherchen und teure Gerichtsverfahren bliebe das verborgen.

Und da haben wir mit den unzähligen Mogelpackungen weniger Inhalt, gleicher Preis – noch gar nicht angefangen. Auch das müssen Verbraucherschützer:innen nachhalten. Die Bundesregierung bleibt die versprochene Kennzeichnungspflicht für Shrinkflation schuldig – bis heute!

Lidl-Familie Schwarz gehört zu den reichsten in Deutschland

Diese Intransparenz gehört zum Geschäft der Lebensmittelriesen. Die Unternehmen meiden die Börse und splitten sich in etliche Untergesellschaften auf. Lidl versteckt sein Firmenkonstrukt hinter einer Stiftung. Klingt nobel, sorgt aber nur für maximale Geheimhaltung. Was der Konzern genau verdient, weiß nur er selbst. Wenn er sich mit den steigenden Preisen die Taschen füllt, fällt das niemandem auf. Was wir hingegen wissen: Lidl-Familie Schwarz gehört zu den reichsten in Deutschland.

Hinter der skrupellosen Preispolitik der Supermärkte stecken tiefere Probleme: Dass die Blockade einer Meerenge die Dünger- und Energiepreise nach oben treibt, und später dann die Lebensmittelpreise, zeigt die Krisenanfälligkeit unserer Landwirtschaft.
 

Es geht um jeden Euro

Fast 50.000 Fördermitglieder haben sich uns angeschlossen. Wir nehmen kein Geld von Staat oder Lebensmittelindustrie. Allein durch Ihre Mithilfe durchleuchtet foodwatch die Preistreiberei der Ketten. Jeder Euro an uns macht sich an der Kasse für Sie bezahlt. Meine Bitte: Schließen Sie sich uns an, bevor die nächste Teuerungswelle kommt – damit Aldi und Co. nicht ungebremst in unsere Tasche greifen.

Ja, ich spende

Quellen

  • foodwatch_de auf Instagram: Post vom 30.04.2026
  • Aktuelle Preise aus dem Webshop von Aldi Süd, 19.05.2026
  • Monopolkommission: „Sondergutachten 84: Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette“, 21.11.2025
  • foodwatch: „foodwatch kritisiert langfristige Preissenkungen der Handelsketten als ‚PR-Stunt‘ -Recherche: Vielfach Junkfood von Rabattaktionen betroffen“, 14.06.2025
  • Die Zeit: „Gericht stuft Werbekampagne des Discounters Lidl als irreführend ein“, 19.02.2026
  • Verbraucherzentrale Hamburg: „Mogelpackungsliste / Shrinkflation“ 
  • Managermagazin: „Deutschlands reichster Mann – wie Dieter Schwarz sein Imperium ausbaut“, 10.10.2025
  • Zeit Online: „Gabriel genehmigt Fusion von Edeka und Tengelmann“, 17.03.2016