foodwatch-Statement zur neuen Fleisch-Kennzeichnung der großen Handelsketten

Die großen Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi & Co. wollen ab Montag mit einer neuen Fleisch-Kennzeichnung über die Haltungsbedingungen von Schlachttieren informieren. Dazu erklärt Matthias Wolfschmidt, Internationalen Kampagnendirektor der Verbraucherorganisation foodwatch:

Die neue Fleischkennzeichnung der großen Handelsketten ist eine Mogelpackung: Sie gaukelt den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Nutztierställen maßgeblich verbessern. Aber bei der sogenannten Tierwohlkennzeichnung geht es ausschließlich um formale Haltungsbedingungen, also etwa Platz, Spielmöglichkeiten oder Auslauf im Freien. Das garantiert nicht, dass es den Tieren gut geht – viel zu oft sind Nutztiere krank, leiden und haben Schmerzen. Die Gesundheit der Nutztiere spielt bei der Tierwohlkennzeichnung von Aldi, Rewe & Co. überhaupt keine Rolle - das ist eine große Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Auch das geplante staatliche Tierwohl-Label von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wird kaum etwas an den katastrophalen Bedingungen in den Nutztierställen ändern, denn das Label ist nur freiwillig. Mitmachen werden nur die Betriebe, die ohnehin schon gute Arbeit leisten. Gegen Krankheit und Elend von Millionen Tieren hilft kein weiteres freiwilliges Siegel, es braucht vielmehr klare gesetzliche Vorgaben für bessere Tiergesundheit in allen Ställen.“

Hintergrund

Ein großer Teil der Nutztiere leidet unter vermeidbaren Erkrankungen: Mastschweine leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Kühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangen ihre Produkte in den Handel.

Am 1. April starten die großen Handelsketten eine Haltungskennzeichnung in vier Stufen – für Rinder- und Schweinefleisch sowie Geflügel. Zwar informiert die Kennzeichnung über die formalen Haltungskriterien – dies sagt jedoch nichts über den Gesundheitszustand der Tiere aus.  Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hängen von verschiedenen Faktoren ab – einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheidet sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb, und weniger zwischen konventioneller und Bio-Haltung oder zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben.

Bisher gibt es keine gesetzlichen Zielvorgaben für die Gesundheit von Nutztieren, die Erkrankungsraten werden nicht systematisch erfasst. foodwatch fordert ein bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, deren Tiere wiederholt sehr schlechte Zustände aufweisen, muss es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden.

 
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