Schulmilch: NRW entscheidet über Zukunft der Kakao-Förderung – foodwatch kündigt Protestaktion an: 274 Tonnen Zucker vor Ministerium von Ursula Heinen-Esser

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will noch vor Ostern entscheiden, ob gezuckerte Schulmilch auch künftig noch mit Steuergeldern gefördert werden soll. Das erfuhr foodwatch aus dem zuständigen Landesumweltministerium. Die Verbraucherorganisation forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, zum nächsten Schuljahr aus der Kakao-Förderung auszusteigen, um den ohnehin zu hohen Zuckerkonsum von Kindern nicht noch staatlich weiter anzukurbeln.

Für den 2. April kündigte foodwatch an, den über den Schulkakao steuerlich subventionierten Zucker mit einer Protestaktion symbolisch vor das Ministerium in Düsseldorf zu bringen. Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland, das noch gesüßte Schulmilchgetränke mit Steuergeldern subventioniert – obwohl Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten. „Es geht nicht um ein bisschen Kakao – das Schulmilchprogramm in NRW ist ein irres, staatliches Übergewichtsförderprogramm. Während alle über Zuckerreduktion sprechen, bringt die Landesregierung mit Steuergeldern Unmengen von zugesetztem Zucker an die Schulen. Von der staatlichen Zuckerförderung profitiert allein die Milchwirtschaft“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

274 Tonnen Zuckerzusatz - mehr als 90 Millionen Zuckerwürfel

Das Landesumweltministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW annähernd sieben Millionen Kilogramm gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr – das entspricht umgerechnet weit mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Dabei ist der in der Milch natürlich enthaltene Milchzucker nicht eingerechnet, sondern allein der den Milchmischgetränken zugesetzte Zucker.

Diesen staatlich geförderten Zuckerberg, den die nordrhein-westfälische Landesregierung über ihre Subventionspolitik an die Schulen bringt, will foodwatch dem Ministerium am nächsten Dienstag (2. April) mit einer Protestaktion zurückbringen – verbunden mit der Forderung, verbindlich den Ausstieg aus der Kakao-Subvention zu erklären.

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Lebensmittel ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. In der Begründung für die Reform der Förderrichtlinien verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit bleibt NRW das letzte Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

Im Oktober 2018 hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet Studien, die den gezuckerten Kakao als intelligenzsteigernd und gesundheitsfördernd darstellen sowie die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

 
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