Schulmilchprogramm: Berlin prüft Ausstieg aus Förderung von gezuckerten Milchprodukten – Berlin und Brandenburg „fördern“ Kinder mit elf Millionen Zuckerwürfeln

Berlin, 7. September 2018. Nach Kritik der Verbraucherorganisation foodwatch stellt nun auch das Land Berlin die Förderung gezuckerter Milchprodukte an Schulen in Frage. „Berlin prüft derzeit, zukünftig auf die Förderung von gezuckerten Milchmischgetränken zu verzichten und befindet sich dazu im Austausch mit der Bildungsverwaltung“, schrieb ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz an foodwatch. Berlin ist neben Brandenburg und Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland, das bisher an der Subvention von gezuckerter Milch an Schulen festhält – obwohl dies gegen die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung verstößt, Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten und das überarbeitete EU-Schulprogramm grundsätzlich nur die Förderung von ungezuckerten Produkten vorsieht. Berlin und Brandenburg haben jedoch eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin Zuckermilch mit Steuergeldern zu fördern. foodwatch forderte Verbrauchersenator Dirk Behrendt und Bildungssenatorin Sandra Scheeres sowie den Brandenburgischen Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen. 

„Es kann nicht sein, dass der Staat in den Schulen als Zucker-Dealer auftritt und Schüler mit genau dem Stoff versorgt, der an anderer Stelle mit Reduktionsprogrammen und Ernährungsempfehlungen bekämpft werden soll. Es gibt keinen guten Grund dafür, Schüler mit der täglichen Portion Zuckermilch zu versorgen – es sei denn, Berlin und Brandenburg schreiben sich die Förderung von Übergewicht und Diabetes auf die Fahnen“, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Berlin hat jedoch – neben Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen – eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. NRW hatte kürzlich bereits eine Überprüfung seines Schulmilchprogramms angekündigt, Hessen hatte im August nach öffentlicher Kritik einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch erklärt. Berlin und Brandenburg hingegen fördern mit Steuergeldern weiter stark zuckerhaltige Milchprodukte – als einzige Bundesländer werden neben Kakao auch die noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch an Schulen ausgegeben. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen Berlin und Brandenburg in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder der beiden Bundesländer, wie foodwatch-Recherchen zeigen. 

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. 

 
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