„Tierschutz unerwünscht“: Ministerin Klöckner beruft Geheimtreffen zur Ferkelkastration fast ohne Kritiker ein – foodwatch: Lebensmittelhandel darf Verlängerung der betäubungslosen Kastration nicht zustimmen

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Julia Klöckner für ihren „Runden Tisch Ferkelkastration“ kritisiert. Die Bundesagrarministerin wirbt am Dienstag bei einem nicht öffentlichen Treffen mit der Agrarindustrie, dem Lebensmittehandel und mit Tierärzten für die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration. Zugleich soll über die Alternativen zur betäubungslosen Kastration gesprochen werden. Tierschützer sind jedoch zu dem Treffen laut offizieller Einladung nicht eingeladen, wie foodwatch heute öffentlich machte.

„Die Bundesagrarministerin verweigert den deutschen Tierschutzorganisationen die Mitsprache am ‚Runden Tisch‘, weil sie Kritik an der Verlängerung der grausamen betäubungslosen Ferkelkastration nicht hören will“, erklärte Matthias Wolfschmidt von foodwatch. Die Verbraucherorganisation machte die Einladung zu dem „Runden Tisch Ferkelkastration“ heute öffentlich. Julia Klöckner hat für Dienstag, 27. November, unter anderem den gesamten Lebensmitteleinzelhandel, Unternehmen der Schlachtindustrie, den Bauernverband und Raiffeisenverband, die Bundestierärztekammer, den Bund der beamteten Tierärzte und den Bund der praktizierenden Tierärzte sowie eine Reihe Bundestagsabgeordneter aus dem Agrarausschuss in ihr Ministerium geladen, um über die zweijährige Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zu beraten und „gemeinsam die nächsten Schritte zur Umsetzung der Alternativen erörtern“. Vertreterinnen und Vertreter von Tierschutzorganisationen sind jedoch offenbar nicht eingeladen. „Frau Klöckner will den Lebensmittelhandel dazu bringen, den Verbraucherinnen und Verbrauchern noch zwei Jahre lang Fleisch von unbetäubt kastrierten Schweinen anzudienen. Was für eine armselige Farce. Wir fordern den Lebensmitteleinzelhandel auf, sich keinen Millimeter zurück ins Mittelalter drängen zu lassen. Die tierschonendste Alternative zur betäubungslosen Kastration ist die Impfung. Sie ist praxisfähig, sicher und wird von Frau Klöckners eigenen Wissenschaftlern gefordert“, so Matthias Wolfschmidt. Anders als von Agrar- und Fleischlobby behauptet, habe sich der Lebensmittelhandel in weiten Teilen längst deutlich für mehr Tierschutz und schonendere Alternativen ausgesprochen, darunter auch die Impfung gegen Ebergeruch, die sogenannte Immunokastration.

Die Große Koalition will das Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel, das 2019 in Kraft treten sollte, um weitere zwei Jahre verschieben. In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen männliche Ferkel geboren und meist ohne Betäubung kastriert, um zu verhindern, dass ihr Fleisch später den sogenannten "Ebergeruch" annimmt. Als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration stehen aktuell drei Methoden zur Verfügung: die Kastration mit Betäubung, die Jungebermast und die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration). Bei der seit 2009 in der EU zugelassenen Immunokastration müssen die Schweine zweifach geimpft werden, um die Bildung der Hauptverursacher des Ebergeruchs zu unterdrücken.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut), das dem Bundesernährungsministerium von Julia Klöckner unterstellt ist, bewertet die Impfung gegen Ebergeruch aus tierschutzfachlicher Sicht als „die mit Abstand geeignetste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration“. Die Belastung der Tiere sei vergleichsweise gering und es gebe keine Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher. Rund 85.000 Menschen unterstützen eine E-Mail-Petition von foodwatch gegen die betäubungslose Ferkelkastration und für die Anwendung der Immunokastration unter www.aktion-ferkelkastration-protestieren.foodwatch.de.

Link:

E-Mail-Aktion von foodwatch gegen Ferkelkastration: www.aktion-ferkelkastration-protestieren.foodwatch.de

 
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