Unabhängige Studie zeigt: Nutri-Score-Ampel ist die verständlichste Nährwertkennzeichnung für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher

Die Lebensmittelampel Nutri-Score ist die verständlichste Nährwertkennzeichnung für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland. Das belegt eine neue, unabhängige Studie, die die Verbraucherorganisation foodwatch am Mittwoch vorgestellt hat. Die Nutri-Score-Ampel schnitt unter 1.000 befragten deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern bei einem Vergleichstest am besten ab. Eine Forschergruppe der Universität Paris-Nord und der Curtin University Australien hatte in mehreren Ländern fünf Modelle zur Kennzeichnung von Nährwerten wie Zucker, Fett und Salz auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen miteinander verglichen. Obwohl damit inzwischen mehr als 30 wissenschaftliche Studien zum Nutri-Score vorliegen, lehnt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner das Modell weiter ab und behauptet, es gebe weiteren Forschungsbedarf, kritisierte foodwatch. Während sich Frankreich, Belgien und Spanien bereits für die Nutri-Score-Ampel entschieden haben, will Frau Klöckner weiter forschen und bis zum Sommer ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung vorlegen.

„Julia Klöckner ignoriert die überwältigende wissenschaftliche Faktenlage. Mit der Nutri-Score-Ampel erkennt jeder auf einen Blick, wie ausgewogen oder unausgewogen verarbeitete Lebensmittel sind. Es ist höchste Zeit, dass Ministerin Klöckner sich von der unbelehrbaren deutschen Süßwaren- und Junkfood-Industrie emanzipiert und dem besten Kennzeichnungsmodell für Europas Verbraucherinnen und Verbraucher auch in Deutschland zum Durchbruch verhilft“, sagte Luise Molling von foodwatch.

Prof. Dr. med. Joachim Spranger, Direktor der Medizinischen Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité Berlin unterstrich aus medizinischer Sicht, wie notwendig eine verständliche Nährwertkennzeichnung sei: „Viele Menschen in Deutschland ernähren sich zu ungesund. Eine verständliche Kennzeichnung der Nährwerte ist ein wichtiges Instrument, um Fehlernährung zu verhindern. Trotzdem wurde eine flächendeckende Lebensmittel-Ampel immer noch nicht umgesetzt.“

Die von foodwatch vorgestellte und in der Zeitschrift Ernährungsumschau publizierte Studie ist Teil eines umfassenden internationalen Forschungsprojekts, das in zwölf Staaten untersucht hat, wie verbraucherfreundlich fünf verschiedene Systeme zur Kennzeichnung von Nährwerten auf Lebensmittelverpackungen sind. Neben der französischen Lebensmittelampel Nutri-Score wurden die britische Lebensmittelampel („Multiple Traffic Lights“), das in Australien und Neuseeland verwendete „Health Star Rating System“, das chilenische Warnzeichen sowie die von der Industrie entwickelte und freiwillig eingesetzte GDA-Kennzeichnung („Reference Intakes“/„Guideline Daily Amount“) verglichen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie hatten die Aufgabe, verschiedene Lebensmittel nach ihrer Nährwertqualität einzuordnen. Im Vergleich zu nicht gekennzeichneten Produkten erhöhten alle getesteten Kennzeichnungsmodelle die Anzahl der korrekten Antworten, der Nutri-Score erwies sich jedoch als das effektivste Modell. Die Befragten konnten mit der Nutri-Score-Ampel am besten einordnen, wie ausgewogen verschiedene Lebensmittel sind.

Nicht nur foodwatch, sondern auch Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in vielen europäischen Ländern fordern schon seit langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht - eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben ist dabei ein wichtiger Baustein. In Ermangelung einer verbindlichen EU-weiten Regelung haben inzwischen mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Der von unabhängigen französischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelte Nutri-Score wird bereits in Frankreich und Belgien verwendet, Spanien hat seine Einführung angekündigt und in Portugal, Luxemburg und der Schweiz wird über die Einführung diskutiert. Das Modell nimmt eine Gesamtbewertung der Nährwertzusammensetzung eines Produktes vor, indem es ernährungsphysiologisch günstige und ungünstige Nährwertbestandteile miteinander verrechnet und auf einer von grün nach rot abgestuften Farbskala einordnet. Mit dem Nutri-Score lassen sich so die Nährwerte verschiedener Lebensmittel wie Tiefkühlpizzen, Frühstücksflocken oder Fruchtjoghurts auf einen Blick vergleichen.

 
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