Rewe stoppt grünes Werbeversprechen auf Thunfisch
Wie nachhaltig ist MSC-Thunfisch wirklich? foodwatch klärt auf – und macht Druck auf die Industrie.
„Aus einer MSC-zertifizierten nachhaltigen Fischerei“ – so bewarb Rewe Thunfisch der Eigenmarke ja. Das hört sich gut an. Doch was ist dran? In der Dose steckt zwar „Echter Bonito“-Thunfisch mit Siegel des Marine Stewardship Council (MSC). Das Siegel kennzeichnet Fisch aus Wildfang. Zu seinen wichtigsten Kriterien gehört die Vermeidung von Überfischung.
Laut foodwatch-Recherchen stammt der Bonito jedoch aus Fischereien, die bei denselben Fangeinsätzen auch Thunfisch fangen, dessen Bestände überfischt sind. Wir finden: Das ist Verbrauchertäuschung. Wir haben deshalb rechtliche Schritte eingeleitet – und uns nun mit Rewe und MSC geeinigt. Sie werben künftig nicht mehr mit dem Slogan.
Überfischung trotz MSC-Siegel
Das ist gut. Doch das grundlegende Problem ist damit nicht gelöst: Das MSC-Siegel prangt weiterhin auf Thunfisch, der mit zerstörerischen Fangmethoden gefischt wurde. Im westlichen Indischen Ozean wird MSC-zertifizierter Echter Bonito fast ausschließlich mit sogenannten Fischsammlern (FADs) gefangen. Das sind treibende Konstruktionen, die große Mengen Beifang verursachen. Auch Schildkröten, Rochen und Haie landen im Netz. Und auch Thunfischarten wie der Großaugenthun, die überfischt sind. In die MSC-zertifizierte Dose gelangt zwar nur der Echte Bonito. Der Rest wird aber einfach ohne Label verkauft. Aus unserer Sicht hat das mit nachhaltiger Fischerei wenig zu tun. Zumal verloren gegangene Fischsammelgeräte Meer und Küsten verschmutzen.
Die MSC-Zertifizierung der industriellen Fischerei auf Bonito im Indischen Ozean hat seit 2018 keine messbaren ökologischen Verbesserungen gebracht. Im Gegenteil: Der zunehmende Einsatz von FADs unter dem MSC-Label hat den Beifang junger Seidenhaie verschärft, nicht reduziert.Hai- und Fischereiexpertin, Deutsche Stiftung Meeresschutz
Kein MSC-Siegel für Überfischung!
foodwatch fordert: Fischereien, die diese Fischsammler einsetzen, sollten vom MSC-Siegel ausgeschlossen werden. Mehr als 60.000 Verbraucher:innen haben sich unserer Petition bereits angeschlossen - machen auch Sie mit!