<![CDATA[foodwatch-Nachrichten und Medientipps]]>https://www.foodwatch.org/<![CDATA[Ostereier stammen massenhaft von kranken Hühnern]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/aktuelle-nachrichten/ostereier-stammen-massenhaft-von-kranken-huehnern/Wed, 17 Apr 2019 11:46:00 +0200

Die Haltungskennzeichnung bei Eiern ist völlig unzureichend für den Tierschutz. Selbst wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst zu Eiern aus Freiland- oder Biohaltung greifen, können sie sich nicht darauf verlassen, dass die Legehennen gesund sind. Die Haltungsform sagt leider nichts über den Gesundheitszustand der Tiere aus.

Bei frischen Eiern informiert ein Stempel über die Haltungsform: 3 steht für Käfighaltung, 2 für Bodenhaltung, 1 für Freiland- und 0 für Biohaltung. Die Gesundheit der Legehennen ist bei der Kennzeichnung allerdings kein Kriterium. Eine systematische Erfassung des Gesundheitszustandes oder Vorgaben zur Tiergesundheit gibt es bisher nicht – weder in der konventionellen noch in der ökologischen Landwirtschaft. Studien verschiedener Universitäten zeigen bei Hühnern jedoch immer wieder Gelenkerkrankungen, Brustbeinschäden, Knochenbrüche, Eileiterentzündungen, Wurmbefall und Fußballenveränderungen. 4 von 10 Eiern werden zum Beispiel von einer Henne mit Knochenbrüchen gelegt – dabei gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Haltung, zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben.

Biohaltung keine Garantie für gute Tiergesundheit

Natürlich: Die Vorgaben zu den Haltungsbedingungen sind in der Öko- oder Freilandhaltung strenger. Die Tiere haben zum Beispiel mehr Platz und bessere Möglichkeiten, ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Scharren und Picken auszuleben. Diese Faktoren sind aber keine Garantie dafür, dass ein Huhn auch wirklich gesund gelebt hat. Tiere in Biohaltung leiden leider genauso oft unter Schmerzen und Krankheiten wie Tiere aus konventioneller Haltung. Entscheidend für die Tiergesundheit ist vor allem, wie der einzelne Landwirt seinen Betrieb führt – ob er also verhindert, dass Tiere überhaupt erkranken und im Krankheitsfall schnell reagiert. Und dass regelmäßig von unabhängiger Stelle kontrolliert wird, ob die Tiere gesund gehalten werden.

„Ob die Hühner gesund waren oder an Krankheiten litten, ist für die Eierkennzeichnung völlig gleichgültig. Beim Einkauf kann niemand erkennen, wie gesund oder krank ein Huhn war – weder bei Bio-Eiern noch bei Eiern aus Bodenhaltung. Ein paar Zentimeter mehr Platz oder Auslauf ins Freie nützen den Tieren wenig, wenn sie unter Schmerzen und Krankheiten leiden. In einem gut geführten konventionellen Betrieb können die Tiere gesünder sein als in einem schlecht geführten Bio-Hof. Nötig ist daher beides: bestmögliche Haltungsbedingungen plus gesunde Tiere.“

Matthias Wolfschmidt
Veterinärmediziner und internationaler Kampagnendirektor bei foodwatch

Produkte von kranken Tieren dürfen nicht mehr in den Handel kommen!

foodwatch fordert: Bundesagrarministerin Julia Klöckner muss endlich die Gesundheit der Nutztiere in den Mittelpunkt stellen und darf nicht länger zulassen, dass Produkte von kranken Tieren in den Handel gelangen. Halter, die ihre Tiere krank machen, müssen dafür auch zur Verantwortung gezogen werden! Die Erfahrungen mit der Eierkennzeichnung zeigen, dass Initiativen wie Frau Klöckners „Tierwohl“-Siegel oder die neue „Haltungsform“-Kennzeichnung der großen Supermarktketten viel zu kurz greifen. Denn dabei geht es fast ausschließlich um die formalen Haltungsbedingungen – während die Tiergesundheit keine Rolle spielt.

Nicht nur bei Legehennen, auch bei anderen Nutztieren liefert die Wissenschaft ähnliche Befunde: Mastschweine etwa leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Milchkühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen. Die Haltungsform ist dabei offensichtlich nicht entscheidend: Bei der Tiergesundheit gibt es stärkere Schwankungen zwischen Betrieben innerhalb der gleichen Haltungsform als zwischen den verschiedenen Haltungssystemen.

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Wir meinen: In Zukunft darf kein Tierprodukt mehr in den Handel kommen, das nicht nachweislich tiergerecht erzeugt wurde. Schreiben Sie jetzt an Bundesminister Christian Schmidt und fordern Sie eine echte Tierhaltungswende! >>

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<![CDATA[Massenhaft Ostereier von kranken Hühnern: foodwatch kritisiert Haltungskennzeichnung – Verbraucherorganisation fordert gesetzliche Vorgaben für gute Tiergesundheit]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/massenhaft-ostereier-von-kranken-huehnern-foodwatch-kritisiert-haltungskennzeichnung-verbraucherorganisation-fordert-gesetzliche-vorgaben-fuer-gute-tiergesundheit/Wed, 17 Apr 2019 11:37:00 +0200

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Haltungskennzeichnung bei Eiern als unzureichend für den Tierschutz kritisiert. Selbst wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst zu Eiern aus Freiland- oder Biohaltung griffen, könnten sie sich nicht darauf verlassen, dass die Legehennen gesund sind. Die Haltungsform sage nichts über den Gesundheitszustand der Tiere aus, so foodwatch. Tiere in Biohaltung litten genauso oft unter Schmerzen und Krankheiten wie Tiere aus konventioneller Haltung. Statistisch gesehen werden zum Beispiel 4 von 10 Eiern von einer Henne mit Knochenbrüchen gelegt – dabei gibt es keine Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Haltung oder zwischen kleinen und großen Betrieben, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Entscheidend für die Tiergesundheit ist vor allem, wie der einzelne Landwirt seinen Betrieb führt – ob er also verhindert, dass Tiere überhaupt erkranken und im Krankheitsfall schnell reagiert. foodwatch forderte Bundesagrarministerin Julia Klöckner auf, endlich die Gesundheit der Nutztiere in den Mittelpunkt zu stellen und nicht länger zuzulassen, dass Produkte von kranken Tieren in den Handel gelangen. Die Erfahrungen mit der Eierkennzeichnung zeigten, dass Initiativen wie Frau Klöckners „Tierwohl“-Siegel oder die neue „Haltungsform“-Kennzeichnung der großen Supermarktketten viel zu kurz griffen. Denn dabei gehe es fast ausschließlich um die formalen Haltungsbedingungen – während die Tiergesundheit keine Rolle spiele, so die foodwatch-Kritik.

„Ob die Hühner gesund waren oder an Schmerzen und Krankheiten litten, ist für die Eierkennzeichnung völlig gleichgültig. Beim Einkauf kann niemand erkennen, wie gesund oder krank ein Huhn war – weder bei Bio-Eiern noch bei Eiern aus Bodenhaltung“, sagte Matthias Wolfschmidt, Veterinärmediziner und internationaler Kampagnendirektor von foodwatch. Zwar hätten die Tiere bei der Öko- oder Freilandhaltung mehr Platz und bessere Möglichkeiten, ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Scharren und Picken auszuleben. Diese Faktoren seien aber keine Garantie dafür, dass ein Huhn auch wirklich gesund gelebt hat. „Solange die Gesundheit der Tiere bei der Kennzeichnung keine Rolle spielt, werden uns immer wieder massenhaft Lebensmittel vorgesetzt, die von kranken Tieren stammen. Ein paar Zentimeter mehr Platz oder Auslauf ins Freie nützen den Tieren wenig, wenn sie unter Schmerzen und Krankheiten leiden. In einem gut geführten konventionellen Betrieb können die Tiere gesünder sein als in einem schlecht geführten Bio-Hof. Nötig ist daher beides: bestmögliche Haltungsbedingungen plus gesunde Tiere – das muss für jeden einzelnen Betrieb durchgesetzt werden“, so Matthias Wolfschmidt.

Bei frischen Eiern informiert ein Stempel über die Haltungsform: 3 steht für Käfighaltung, 2 für Bodenhaltung, 1 für Freiland- und 0 für Biohaltung. Die Gesundheit der Legehennen ist bei der Kennzeichnung allerdings kein Kriterium. Eine systematische Erfassung des Gesundheitszustandes oder Vorgaben zur Tiergesundheit gibt es bisher nicht – weder in der konventionellen noch in der ökologischen Landwirtschaft. Studien verschiedener Universitäten zeigen bei Hühnern jedoch immer wieder Gelenkerkrankungen, Brustbeinschäden, Knochenbrüche, Eileiterentzündungen, Wurmbefall und Fußballenveränderungen. Dabei gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Haltung, zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben. Auch bei anderen Nutztieren liefert die Wissenschaft ähnliche Befunde: Mastschweine etwa leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Milchkühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen. Die Haltungsform ist dabei offensichtlich nicht entscheidend: Bei der Tiergesundheit gibt es stärkere Schwankungen zwischen Betrieben innerhalb der gleichen Haltungsform als zwischen den verschiedenen Haltungssystemen.

foodwatch kritisierte daher Vorschläge, die vor allem auf eine Kennzeichnung der Haltungsform abzielen, als nicht ausreichend – wie etwa das neue vierstufige „Haltungsform“-Label der großen Supermarktketten um Aldi, Edeka und Rewe, das von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner initiierte „Tierwohl“-Label oder den Vorschlag der Grünen für eine verpflichtende 0-1-2-3 Haltungskennzeichnung bei Fleisch und Fleischprodukten. Stattdessen brauche es verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren, forderte foodwatch. Für jeden Tierhaltungsbetrieb müsse überprüft werden, ob er die Vorgaben einhält. Ziel müsse es sein, dass nur noch Lebensmittel von gesunden Tieren in den Supermarktregalen landen, so die Verbraucherorganisation.

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<![CDATA[„Scheinheilig“: foodwatch kritisiert Elternbefragung zur Schulmilchförderung in NRW]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/scheinheilig-foodwatch-kritisiert-elternbefragung-zur-schulmilchfoerderung-in-nrw/Fri, 12 Apr 2019 15:19:00 +0200Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die vom nordrhein-westfälischen Verbraucherministerium gestartete Elternbefragung zur Schulmilchförderung als scheinheilig kritisiert. Die Befragung will Ministerin Ursula Heinen-Esser zur Evaluierung des Schulmilchprogrammes heranziehen und damit als Grundlage für die Entscheidung darüber, ob NRW als letztes Bundesland an der umstrittenen Subventionierung gezuckerter Schokoladenmilch festhält. Die Befragung ist aus Sicht von foodwatch manipulativ gestaltet, zudem werden den Eltern wesentliche Informationen vorenthalten.

„Frau Heinen-Esser stiehlt sich aus der Verantwortung: Es geht nicht darum, Kindern oder Eltern bestimmte Produkte vorzuenthalten – sondern um ein steuerfinanziertes, staatliches Förderprogramm. Hier muss die Landesregierung schon selbst entscheiden, ob sie den viel zu hohen Zuckerkonsum der Schulkinder durch Subventionen noch weiter ankurbeln will oder ob sie eine gesunde Ernährung fördern möchte“, so foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Der Eindruck ist: Die Umfrage zielt nicht auf Erkenntnisgewinn, sondern soll eine Grundlage zur Rechtfertigung eines irren staatlichen Übergewichtsförderprogramms schaffen.“

Die Kritikpunkte zu der unter www.schulmilchfrage.de laufenden Elternbefragung im Einzelnen:

1. Den Eltern werden wesentliche Informationen vorenthalten:

  • Der Zuckergehalt des Schulkakaos ist an keiner Stelle erwähnt.
  • Mit keiner Silbe wird genannt, weshalb die steuerliche Förderung von Schokoladenmilch in der Kritik steht. Es bleibt unerwähnt, dass die EU mit ihrem Schulmilchprogramm nur noch ungesüßte Milchprodukte subventionieren will, NRW jedoch als letztes Bundesland in Deutschland an einer abweichenden Regelung für die Verteilung der EU-Gelder festhält. Es bleibt unerwähnt, dass die tägliche Portion gezuckerte Schulmilch darüber hinaus gegen die offiziellen, von der Bundesregierung initiierten, Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) verstößt. Es wird auch nicht genannt, dass sich Verbände wie die Bundeszahnärztekammer, der Berufsverband der Deutschen Kinder- und Jugendärzte und die Deutsche Adipositasgesellschaft seit langem gegen die Subventionierung gezuckerter Lebensmittel aussprechen.
  • Die mangelnden Informationen haben besonders deshalb Relevanz, weil das Ministerium und weitere Landespolitiker das Schulmilchprogramm über Jahre hinweg immer wieder falsch dargestellt haben – so wurde zuletzt in einer Landtagsdebatte der Zuckergehalt des Schulkakaos von Rednern kleiner dargestellt als er ist, die Schulmilch als „vergünstigt“ bezeichnet, obwohl Eltern Milch im Laden oft günstiger einkaufen können als über das steuerlich geförderte Schulmilchprogramm.

2. Die Umfrage ist manipulativ, sie arbeitet mit suggestiven Fragestellungen, durch Fragen und Antwortoptionen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stark gelenkt:

  • Eine Frage wie „Trinkt Ihr Kind trotzdem [d.h. wenn es keine Schulmilch bezieht, Anm. foodwatch] regelmäßig Milch und Kakao in der Schule?“ suggeriert, dass Kinder in dem Fall in der Schule Milch oder Kakao trinken müssten – was aus gesundheitlichen Gründen nicht erforderlich ist. Etwa der Calciumbedarf lässt sich auch auf anderem Wege decken.
  • Eine Frage wie: „Welche Produkte sollten über das EU-Schulmilchprogramm zu einem vergünstigten Preis abgegeben werden?“ schließt nicht nur von vornherein Positionen aus – etwa die von Eltern, die das Schulmilchprogramm insgesamt in Frage stellen. Zu fragen, welche Produkte „vergünstigt“ abgegeben werden sollen, ist zudem suggestiv: Die Fragestellung lädt dazu ein, möglichst viele Produkte zu nennen, weil "„günstig“ schließlich attraktiv ist – und weil aus der Frage weder die Konsequenzen der Förderung hervorgehen noch der Umstand, dass die Schulmilch im Vergleich zum Standard-Ladenpreis gerade nicht besonders günstig ist.
  • Wichtige Fragestellungen fehlen: Geht es um das Ziel, Kindern bei einer ausgewogenen Ernährung zu unterstützen, so sollte auch nach anderen Möglichkeiten des Landes gefragt werden statt nur nach dem Schulmilchprogramm (z.B. ausgewogener Mittagstisch an den Schulen, Gestaltung des Angebots am Schulkiosk, erwünschte ergänzende Angebote wie ausgewogenes Frühstück, Wasserspender etc.) – doch darum geht es dem Ministerium in seiner Befragung erkennbar nicht.

3. Die Umfrage ist manipulierbar:

  • Über die allgemein zugängliche Internetseite kann sich jeder an der Umfrage beteiligen. Menschen in NRW genauso wie Menschen von außerhalb des Landes, Eltern von Schulkindern genauso wie Dienstleister von Molkereikonzernen.
  • Der kryptische Datenschutzhinweis deutet darauf hin, dass es keine Vorkehrungen gegen Mehrfachteilnahmen gibt - hier sind keinerlei technische Hürden wie Cookies vermerkt, eine E-Mail-Bestätigung erfolgt nicht. Weil die Seite gegen rechtliche Vorgaben wie die Impressumspflicht verstößt, dürfte sie nach Einschätzung von foodwatch so nicht einmal im Netz stehen.

foodwatch forderte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, sich nicht hinter scheinheiligen, offenbar nicht ernst gemeinten Elternbefragungen zu verstecken. foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker: „Es fehlt nicht an Erkenntnissen, sondern an den nötigen Landesmitteln, um die Kinder statt die Milchwirtschaft zu fördern. Also: Weg mit den staatlichen Kakao-Subventionen, her mit Fördermaßnahmen für eine gesunde Ernährung – angefangen von endlich ausgewogenen Mittagsangeboten für alle Kinder in NRW.“

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<![CDATA[Dieser Top-Manager greift uns alle an!]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/dieser-top-manager-greift-uns-alle-an/Fri, 12 Apr 2019 12:28:00 +0200Hallo und guten Tag,

Bääämmmm – der Satz hat gesessen: „Mit voller Hose gewinnen Sie keinen 100-Meter-Lauf“, schimpfte Werner Baumann vor einigen Tagen in einem Interview. Markige Worte, in denen es um alles ging, nur nicht um Leichtathletik: Herr Baumann ging damit mal eben verbal auf Sie und uns und ganz allgemein auf die Menschen in Deutschland los, kritisierte uns dafür, angeblich „vom Risiko beseelt“ zu sein. Wir alle leiden, so seine Diagnose, unter einer „extreme(n) Betonung des Vorsorgeprinzips“.


Vielleicht sollte ich erwähnen, wer Werner Baumann ist: Der Mann ist Chef des Bayer-Monsanto-Konzerns. Jenes Konzerns also, der sich gerade in den USA regelmäßig auf der Anklagebank wiederfindet. Tausende Menschen sind gegen das Unternehmen vor Gericht gezogen. Tausende! Sie klagen, weil sie in Monsantos Glyphosat-Produkten eine Ursache für ihre Krebserkrankung sehen. Bayer-Monsanto bestreitet das, doch bisher sieht es vor Gericht nicht allzu gut aus für den Konzern. Gerade verdonnerten ihn Geschworene in San Francisco zu einer millionenschweren Schadenersatzzahlung – sie teilten die Einschätzung eines Bauern, dass Monsantos Pestizide etwas mit dessen Krebserkrankung zu tun haben.


Und ausgerechnet der Chef von Bayer-Monsanto fordert von uns allen eine höhere Risikobereitschaft? Man will ihm zurufen: Die Menschen, die gegen Sie vor Gericht ziehen, haben nicht die Hose voll, sie haben Krebs, Herr Baumann!


Mich machen die Aussagen dieses Top-Managers fassungslos. Mit ihren Produkten haben Agrar-, Chemie- und Lebensmittelkonzerne einen solch gewaltigen Einfluss auf unsere Umwelt und auf unsere Gesundheit. Was, wenn das in den Chef-Etagen einfach nicht ernstgenommen wird? Wir von foodwatch sind fest davon überzeugt: Unsere Gesundheit darf nicht von den Profit-Interessen der Unternehmen abhängen. Der Macht der Konzerne müssen wir etwas entgegensetzen – genau dafür arbeiten wir. Bitte helfen Sie uns dabei und unterstützen Sie unsere Arbeit: Werden Sie am besten noch heute Förderin/Förderer von foodwatch!


Ich glaube nicht, dass die Äußerung des Bayer-Chefs ein Ausrutscher oder ein Einzelfall waren. Meine Diagnose lautet: Wir haben es mit Konzernen zu tun, die den Zielen des Gemeinwohls komplett entrückt sind. Die nicht mehr das Gefühl haben, dass Unternehmen für die Menschen da sein sollten, sondern die bestimmen wollen, wie sich die Welt zu drehen hat. Die alles daran setzen, die Regeln nach ihrem Gusto festzulegen – notfalls nach dem Motto: Geld regiert die Welt. Und genau dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen, denn es geht um uns, um unsere Gesundheit und um die Welt, wie wir sie für unsere Kinder schaffen. Wir von foodwatch sind zwar im Vergleich zu all den multinationalen Großkonzernen nur ein Zwerg, doch je mehr Menschen unsere Arbeit stützen, umso mehr können wir bewirken. Sind auch Sie dabei? Bitte machen Sie uns stärker und werden Sie als Förderin/Förderer ein Teil von foodwatch!

Wie viel Macht die Konzerne heute in schon in den unterschiedlichsten Bereichen ausüben, ist den meisten Menschen noch gar nicht bekannt. Deshalb hier drei Beispiele:


-    Wussten Sie, dass sich die EU von Konzernen sponsern lässt? Ja, Sie lesen richtig: Coca-Cola etwa unterstützt gerade ganz offiziell die EU-Ratspräsidentschaft Rumäniens als sogenannter „Platin-Partner“. Und wohlgemerkt: Die EU ist keine Sportveranstaltung und auch keine Wettersendung. In der EU werden in wichtigen Fragen, die unser aller Leben betreffenden Weichen gestellt – und das auf Jahre. Gegenwärtig wird in ganz Europa über gesunde Ernährung, weniger Zucker oder Limo-Steuern diskutiert. Und genau in dieser Zeit tritt plötzlich Coca-Cola als EU-Sponsor auf, serviert Getränke beim Ministertreffen und stellt dekorative Coca-Cola-Sitzsäcke bereit. Damit auch keiner übersieht, woher das Geld kommt, begrüßten Teilnehmer gleich am Eingang große Aufsteller, der Aufdruck; „Das Coca-Cola-System unterstützt stolz die erste rumänische EU-Ratspräsidentschaft". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!


-    Oder wussten Sie, woher im Gesetz und auf den Lebensmittelpackungen die Empfehlungen für den täglichen Zuckerkonsum stammen? Vielleicht ahnen Sie es: Von der Lebensmittelindustrie selbst! Ihr von Großkonzernen geprägter europäischer Lobbyverband „entwickelte“ die Richtwerte in Eigenregie – und die EU übernahm sie kommentarlos, entgegen der Einschätzung von Wissenschaftlern. Wie viel Zucker wir essen sollen, sagen uns seither ganz offiziell die Lebensmittelkonzerne.


-    Und wussten Sie, wie Amazon mit einem Verbraucherschutzgesetz umgeht, das dem Handelskonzern nicht in den Kram passt? Ganz einfach: Er ignoriert es! So jedenfalls geschehen bei Amazons Lebensmittel-Lieferdienst, der den Verbraucherinnen und Verbrauchern trotz gesetzlicher Verpflichtung partout keine klaren Herkunftsangaben für vieles Obst und Gemüse machen wollte. Obwohl wir wissen, dass ein solcher Riesen-Konzern – anders als wir – gigantische Summen für Anwälte ausgeben kann, möchten wir das nicht einfach hinnehmen. Wir haben gegen Amazon geklagt und warten auf das Urteil.


Liebe foodwatch-Interessierte, auch weil unzählige Lebensmittellobbyisten die Politik in Berlin und Brüssel beeinflussen, ist es für uns nicht leicht, der Konzernmacht etwas entgegenzusetzen. Und wenn wir vor Gericht klagen müssen, damit sich Konzerne an die Gesetze halten, haben wir es mit gut besetzten Rechtsabteilungen zu tun, die sich zusätzlich von Großkanzleien vertreten lassen. Recherchen, Kampagnen, Lobbyarbeit, Prozesse – das alles kostet Geld, das wir nur mit Ihrer Unterstützung aufbringen können. Deshalb meine Bitte: Helfen Sie uns dabei, unterstützen Sie foodwatch als Förderin/Förderer!

Wir müssen die Konzerne zur Verantwortung zwingen. Denn Unternehmen sollten immer noch für die Menschen da sein, und nicht umgekehrt. Wenn Sie diese Einschätzung teilen, dann seien Sie noch heute dabei und werden Sie jetzt Förderin/Förderer von foodwatch!
Ob Bayer-Monsanto, Amazon oder Nestlé: Wir müssen uns mit den Geschäftsmodellen einiger der größten Konzerne dieser Welt anlegen. Wir werden uns nicht sagen lassen, dass wir die „Hosen voll“ haben, nur weil uns unsere Gesundheit wichtig ist – wir werden antworten, dass wir keinen Hundert-Meter-Lauf gewinnen, sondern auch über die Marathon-Distanz bestehen wollen! Bitte unterstützen Sie uns dabei – als Förderin/Förder von foodwatch.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Martin Rücker, Geschäftsführer

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<![CDATA[Neue Nährwertkennzeichnung der Industrie ist irreführend – foodwatch fordert: Julia Klöckner muss Kennzeichnungs-Wirrwarr beenden und sich für die Einführung des Nutri-Scores in Deutschland stark machen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/neue-naehrwertkennzeichnung-der-industrie-ist-irrefuehrend-foodwatch-fordert-julia-kloeckner-muss-kennzeichnungs-wirrwarr-beenden-und-sich-fuer-die-einfuehrung-des-nutri-scores-in-deutschland-stark-machen/Thu, 11 Apr 2019 15:08:00 +0200

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den Vorschlag der Lebensmittelbranche für eine neue Nährwertkennzeichnung scharf kritisiert. Das am Donnerstag vom Lobbyverband der Lebensmittelwirtschaft vorgestellte Modell sei irreführend und für die Verbraucherinnen und Verbraucher erwiesenermaßen deutlich weniger verständlich als eine Kennzeichnung in Ampelfarben. Die Lösung für eine verbraucherfreundliche Nähwertkennzeichnung liege mit der Nutri-Score-Ampel längst auf dem Tisch. foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich wie ihre Kollegen in Frankreich, Belgien und Spanien endlich für die Kennzeichnung mit dem Nutri-Score stark zu machen.

„Die neue Nährwertkennzeichnung der Industrie ist ein dreister Versuch, eine verbraucherfreundliche Kennzeichnung zu verhindern. Anstatt im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher ein existierendes, von mehreren europäischen Regierungen und der Wissenschaft getragenes Modell wie den Nutri-Score zu unterstützen, versucht die deutsche Lebensmittelindustrie mit einem eigenen Modell Verwirrung zu stiften“, sagte Luise Molling von foodwatch. Im Gegensatz dazu hätten sich die französische und seit letzter Woche auch die belgische Lebensmittelwirtschaft klar für den Nutri-Score entschieden.

Das Industrie-Modell sieht fünf Kreise auf der Vorderseite der Verpackung vor, die jeweils die im Lebensmittel enthaltene Kalorienanzahl und die Menge an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz visualisieren sollen. In Form eines Tortendiagramms wird dargestellt, wie viel Prozent der empfohlenen maximalen täglichen Zufuhr dieser Nährstoffe der Verzehr von 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter des Lebensmittels ausmachen.

foodwatch kritisierte insbesondere folgende Punkte am Vorschlag der Industrie:

  • Das Modell ist weniger verständlich als die Lebensmittel-Ampel: Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Kennzeichnung in Ampelfarben die verständlichste Form der Nährwertkennzeichnung ist. Sie kann dazu beitragen, dass Menschen gesünder einkaufen. Eine einfarbige Kennzeichnung hat dagegen praktisch keinen Einfluss auf das Einkaufsverhalten. Das belegt eine groß angelegte Studie der französischen Regierung, die verschiedene Kennzeichnungsmodelle unter realen Einkaufsbedingungen miteinander verglich.
  • Zu hoher Referenzwert für Zucker: Die Industriekennzeichnung suggeriert, man müsse täglich eine bestimmte Menge an ungünstigen Nährstoffen konsumieren. Für Zucker etwa liegt der unter Lobbyeinfluss festgelegte Referenzwert bei 90 Gramm pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt dagegen, dass eine erwachsene Frau täglich nicht mehr als 50 Gramm, besser noch maximal 25 Gramm an freien Zuckern zu sich nehmen sollte.

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon seit langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder eine Steuer auf gesüßte Getränke. In Ermangelung einer verbindlichen europäischen Regelung haben mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Das von französischen Wissenschaftlern entwickelte Modell Nutri-Score findet dabei gegenwärtig immer mehr Unterstützer: Es wurde bereits in Frankreich und Belgien eingeführt, auch Spanien hat seine Einführung angekündigt. Das Modell wurde von unabhängigen Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Lebensmittel wie Tiefkühlpizzen, Frühstücksflocken oder Fruchtjoghurts lassen sich mit dem Nutri-Score auf einen Blick vergleichen.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, bis zum Sommer ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das "gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hatte sich bisher gegen das Konzept einer Lebensmittelampel gestellt.

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<![CDATA[NRW-Landtagsdebatte zu Schulmilch: Zuckergehalt kleingeredet]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/nrw-landtagsdebatte-zu-schulmilch-zuckergehalt-kleingeredet/Thu, 11 Apr 2019 12:27:00 +0200

Der nordrhein-westfälische Landtag diskutierte über die Zukunft der Schulkakao-Förderung – und gleich mehrere Rednerinnen und Redner trafen dabei falsche Aussagen und spielten den Zuckergehalt des Schulkakaos herunter.

Anlass für die Debatte im Düsseldorfer Landtag am 21. März war ein Antrag der AfD-Fraktion. Schon darin geht es drunter und drüber: Das Dokument enthält veraltete Zahlen sowie unpräzise oder schlicht falsche Beschreibungen des Schulmilchprogramms (so gehen die EU-Beihilfen nicht an die Schulen; Ziel ist es auch nicht, dass „jedes Kind“ täglich Milch erhält) und widersprüchliche Forderungen (während in der Überschrift von einem Subventionsstopp für gezuckerte Schulmilch die Rede ist, ist im Beschlussvorschlag selbst lediglich von Zuckerreduktion die Rede).

foodwatch-Faktencheck zur Landtagsdebatte

In der Debatte selbst zeigten sich Rednerinnen und Redner von CDU, SPD, FDP und AfD schlecht informiert oder wenig faktentreu, die zuständige Landesverbraucherministerin Ursula Heinen-Esser wiederholte zudem eine sehr geschönte Darstellung des Schulmilchprogramms. Für Eltern und anderen Bürgerinnen und Bürger wird damit ein falsches Bild erzeugt, der Zuckergehalt der subventionierten Produkte verniedlicht.

Ein kurzer Faktencheck (alle Zitate sind dem Plenarprotokoll entnommen):

  • „Tatsächlich liefern wir im Augenblick nicht nur Schulmilch subventioniert an die Schulen, sondern auch Milchmischprodukte, also Kakao, Vanillemilch oder Erdbeermilch“, sagte der AfD-Abgeordnete Dr. Martin Vincentz.

    Das ist falsch – zwar wird der zuckrige Kakao in NRW weiterhin mit Steuergeldern bezuschusst, die ebenfalls gesüßten Erdbeer- und Vanillemilchprodukte werden jedoch seit dem laufenden Schuljahr nicht mehr subventioniert.
  • „Seit den Sommerferien gibt es […] nur noch Zuschüsse für Milch und zuckerreduzierten Kakao mit maximal 4 % Zuckergehalt“, sagte die CDU-Abgeordnete Bianca Winkelmann. Auch der FDP-Abgeordnete Stephan Haupt – der die u.a. vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der Bundeszahnärztekammer, der Deutschen Adipositasgesellschaft und zahlreichen Experten geteilten sowie im Einklang mit den Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung befindlichen Forderung nach einem Ende der Förderung gezuckerter Milchprodukte als „ideologisch geführte Kampagne von foodwatch gegen die Milchwirtschaft und gegen unsere Landwirte“ abtat – traf am Rednerpult die Aussage: „Die Landesregierung […] fördert […] ganz bewusst nur Produkte, die maximal 4 % Zucker enthalten.“

    Richtig ist: Der Zuckergehalt des geförderten Schulkakaos liegt deutlich höher. Die weit verbreitete Landliebe-Schokomilch etwa hat einen Zuckergehalt von 8,7 % (in der fettarmen Variante) und liegt damit – in dieser Kategorie – fast im Bereich von Fanta. Die genannten „4 %“ sind lediglich der zugesetzte Zucker, wie ihn das NRW-Verbraucherministerium als durchschnittlichen Wert für die geförderten Kakao-Produkte angibt.

    Als „zuckerreduziert“ lässt sich der Kakao auch nicht ernsthaft bezeichnen: Im Handel sind zwar Produkte mit höherem Zuckergehalt zu finden, aber auch zum Beispiel ein Standard-Kiosk- und Tankstellenkakao mit frischer Milch, der einen geringeren Zuckergehalt aufweist. Richtig ist allenfalls, dass der von der EU vorgegebene maximale Rahmen von 7 % Zuckerzusatz nicht ausgeschöpft wird. Dies ist aber keine Leistung und keine Besonderheit der Schulmilchförderung in NRW, sondern in Deutschland marktüblich.
  • „Die Europäische Union hat die Förderung für gezuckerte Milchprodukte allerdings inzwischen eingestellt. Bestandteil des Europäischen Schulmilchprogramms ist lediglich noch die Förderung für einen Viertelliter ungezuckerte Milch für Kinder“, behauptete die SPD-Parlamentarierin Christina Wenig.

    Nicht korrekt: Die EU fördert ja gerade den gezuckerten Schulkakao in NRW – weil es das Land so will. Die EU hat zwar in seinem Schulmilchprogramm das Ziel ausgegeben, dass nur ungezuckerte Milchprodukte subventioniert werden sollen, es aber den in den Mitgliedsstaaten zuständigen Behörden offen gelassen, davon abweichende Regelungen zu treffen. Auf diesem Weg leitet NRW die EU-Gelder an die Molkereien weiter – auch für den zuckrigen Kakao.
  • Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sprach ebenfalls vom „zuckerreduzierten Kakao“ (siehe dazu oben) – und stellte die Schulmilch abermals als „vergünstigt“ dar.

    Richtig ist: Zwar werden Schulmilchprodukte durch EU-Mittel bezuschusst, doch macht sich das im Preis für die Eltern nur begrenzt bemerkbar. Den Zuschüssen gegenüber stehen die Mehraufwände für kleine Verpackungseinheiten und die aufwändige Logistik (tägliche Lieferungen kleiner Mengen an zahlreiche Schulen). Das frisst die Vorteile der Subventionen auf. Ergebnis: Wollen Eltern ihren Kindern täglich Milch oder Kakao geben, können sie dies mit dem Einkauf im Laden günstiger erreichen als über die „vergünstigte“ Schulmilch, wie ein Preisvergleich von foodwatch ergab.

Die Plenardebatte reiht sich damit ein in eine Vielzahl von Falschdarstellungen und unzulässigen Werbeaussagen von Unternehmen, der Landesvereinigung der Milchwirtschaft und der Landespolitik über das Schulmilchprogramm, wie sie foodwatch in seinem Report „Im Kakao-Sumpf“ dargestellt hat.

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<![CDATA[Brauche ich Fisch für eine gesunde Ernährung?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/brauche-ich-fisch-fuer-eine-gesunde-ernaehrung/Tue, 09 Apr 2019 11:34:00 +0200

Ernährungsexpertin Alice Luttropp antwortet:

Ein- bis zweimal die Woche Fisch auf den Tisch – das gehört zu den gängigen Ernährungsempfehlungen. Doch die Meere sind überfischt, und auch Fische aus Aquakulturen haben zunehmend ein schlechtes Image. Da stellt sich die Frage: Gibt es Alternativen zum Fischgenuss? In welchen Lebensmitteln sind die Fettsäuren, die Fisch so gesund machen, noch enthalten?

Besonders wertvoll: Omega-3-Fettsäuren

Fisch enthält viele Nährstoffe, etwa Eiweiß, Vitamine und das Spurenelement Jod. Fette Seefische wie Lachs, Hering und Makrele sind zudem eine wichtige Quelle für Omega-3-Fettsäuren. Diese sind essenziell für die Gesundheit – und sie lassen sich nicht so einfach über andere Lebensmittel aufnehmen. Omega-3-Fettsäuren sind zum Beispiel wichtig für das Nervensystem, den Blutdruck sowie die Sehkraft. Im Mutterleib spielen sie eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Auge und Gehirn des Fötus. Besonders relevant sind die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.

Auch pflanzliche Öle enthalten Omega-3

Es gibt auch pflanzliche Omega-3-Fettsäuren. Vor allem Leinöl und Öl aus Chiasamen, aber auch Raps-, Walnuss- und Hanföl, enthalten besonders viel Alpha-Linolensäure. Allerdings besitzt Alpha-Linolensäure einen großen Nachteil gegenüber EPA und DHA aus dem Fisch: Sie ist im menschlichen Körper nicht annähernd so wirksam. Der Körper kann Alpha-Linolensäure zwar in EPA umwandeln, aber nur zu einem geringen Anteil, der bei maximal zehn Prozent liegt. Ursache dafür ist die Konkurrenz um das für die Umwandlung zuständige Enzymsystem. Um Omega-3 zu synthetisieren, werden bestimmte Enzyme gebraucht, die allerdings auch für die Umwandlung der Omega-6-Fettsäuren benötigt werden. Da wir in der Regel deutlich mehr Omega-6 als Omega-3-Fettsäuren zu uns nehmen, ist das System dann für den Omega-3-Weg blockiert. Dem bewusst entgegenzusteuern, ist möglich, aber sehr schwierig, da Omega-3-haltige Öle in der Regel auch Omega-6 enthalten. Auch Omega-6 ist wertvoll für unsere Gesundheit, wir nehmen es aber in der Regel ohnehin in ausreichenden Mengen auf, vor allem über den Verzehr von Fleisch, Fisch und Eiern. Um das Verhältnis der Aufnahme von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren zu verbessern, macht es Sinn, weniger tierische Fette zu sich zu nehmen und außerdem z.B. Raps- statt Sonnenblumenöl zu verwenden.

Mikroalgen sind eine gute Omega-3-Quelle

Als vegetarischen Ersatz für den Fischgenuss bieten sich Mikroalgen an. Denn auch Fische nehmen die Fettsäuren EPA und DHA durch ihre Algennahrung auf. Mikroalgen sind in Form von Öl oder Kapseln erhältlich, auch Lebensmittel werden damit angereichert. Krillölkapseln dagegen sind keine nachhaltige Alternative zum Fischgenuss. Greenpeace hat herausgefunden, dass Nahrungsergänzungsmittel aus Krillöl das empfindliche Ökosystem der Arktis gefährden.

Fische können Schadstoffe enthalten

Neben den wertvollen Inhaltsstoffen sind Meeresfische teilweise auch mit Schwermetallen belastet, etwa mit Methylquecksilber. Vor allem in Raubfischen können sich die Schadstoffe über die Nahrungskette anreichern. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Schwangeren und Stillenden deshalb, zum Beispiel auf Thunfisch zu verzichten.

Einkaufratgeber geben Orientierung

Fazit: Für die Gesundheit ist es tatsächlich ratsam, regelmäßig Omega-3-reichen Fisch zu essen. Ökologisch sinnvoll ist es, dabei auf stark überfischte Sorten zu verzichten, der Fischratgeber von Greenpeace bietet hier Orientierung. Auch der WWF  bietet einen Einkaufsratgeber an, allerdings ist das vom WWF empfohlene MSC-Siegel umstritten. Wer auf Fisch verzichten möchte, für den sind Mikroalgen eine gute Alternative.

Foto: © AdobeStock / valery121283

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<![CDATA[Was bringt das neue Fleisch-Logo von Rewe, Aldi & Co.?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/aktuelle-nachrichten/was-bringt-das-neue-fleisch-logo-von-rewe-aldi-co/Wed, 03 Apr 2019 15:23:00 +0200

Die großen Supermärkte haben am 1. April ein neues Fleisch-Siegel eingeführt. Es soll auf Rind- und Schweinefleisch sowie Geflügel-Produkten der Eigenmarken zu finden sein und Auskunft darüber geben, unter welchen Haltungsbedingungen ein Tier gelebt hat. Das Label hat jedoch einen entscheidenden Haken.

Das neue Logo mit der Aufschrift „Haltungsform“ soll Kunden auf einen Blick informieren, unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben – mit vier Stufen:

  • Stufe 1 ist der gesetzlichen Mindeststandard.
  • Stufe 2 bedeutet 10 Prozent mehr Platz und Spielmöglichkeiten für das Nutztier.
  • Stufe 3 garantiert Tieren noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt.
  • Bei Stufe 4 („Premium“) haben die Tiere außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch soll in diese Stufe eingeordnet werden.

99 Prozent Stufe 1

Was die Supermarktketten nicht an die große Glocke hängen: Das neue Label bringt zunächst keine Verbesserungen für die Tiere. Es gibt kein neues Prüfprogramm, die Produkte werden durch das zusätzliche Label nur neu einsortiert. Voraussichtlich werden die Stufen 2, 3 und 4 gerade mal eine Marktabdeckung von ein bis zwei Prozent haben, erklärte Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl, unter der sich die Handelsketten vereinigen, gegenüber dem ZDF. Verbraucherinnen und Verbraucher werden also fast ausschließlich Fleisch der Stufe 1 im Supermarkt finden – also Fleisch, das gerade einmal die (ohnehin unzureichenden) gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt.

Tiergesundheit Fehlanzeige

Ein noch viel schwerwiegender Makel des Labels sind jedoch die Kriterien: Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren ausschließlich etwas über die formalen Haltungsbedingungen, also Platz, Spielmöglichkeiten oder Auslauf im Freien. Die Wissenschaft ist sich jedoch einig, dass diese Faktoren keinen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie gesund ein Nutztier gelebt hat. Und die Gesundheit der Tiere ist der einzige Faktor, der sich objektiv überprüfen lässt. Tiere sollten zwar bestmöglich gehalten werden, aber ein paar Quadratzentimeter mehr nützen ihnen nichts, wenn sie unter Krankheiten und Schmerzen leiden. Wer nur über die Haltungsbedingungen redet, lässt den entscheidenden Faktor außen vor: Nötig ist beides, gute Haltungsbedingungen UND gesunde Tiere.

Große Unterschiede zwischen Betrieben

Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hängen von verschiedenen Aspekten ab – einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheidet sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb. Vereinfacht gesagt: Während einige Tierhalter das Problem gut im Griff haben, gibt es auf anderen Höfen sehr viele kranke Tiere. Dabei ist es nicht entscheidend, ob es sich um konventionelle oder Bio-Haltung handelt oder um kleine Höfe oder Großbetriebe. In allen Haltungsformen und in allen Betriebsgrößen gibt es sehr gute und weniger gute Betriebe. Auch das ist ein Beleg dafür, dass die Haltungsbedingungen allein nicht entscheidend sind dafür, dass es den Tieren gut geht.

„Die neue Fleischkennzeichnung gaukelt den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Nutztierställen maßgeblich verbessern. Die Gesundheit der Nutztiere spielt aber bei der Tierwohlkennzeichnung von Aldi, Rewe & Co. überhaupt keine Rolle - das ist eine große Irreführung.“

Matthias Wolfschmidt von foodwatch

Millionenfaches Tierleid

Jedes vierte tierische Produkt stammt von einem kranken Tier: Mastschweine leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Kühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangen ihre Produkte in den Handel. Während die Krankheit der Tiere keine gesundheitliche Gefahr für Verbraucherinnen und Verbraucher darstellt, bedeutet sie millionenfaches Leid für die Tiere.

Ministerin Julia Klöckner will freiwilliges Label

Statt Verbesserungen für alle Tiere durchzusetzen, plant Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein eigenes „Tierwohl-Label“. Das Problem: Das Label ist mal wieder nur freiwillig. Mitmachen werden wohl nur die Betriebe, die ohnehin schon gute Arbeit leisten. Sogar der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeslandwirtschaftsministerium, also Frau Klöckners eigene Berater, erwartet für das freiwillige Tierwohl-Label einen Marktanteil von maximal 20 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Bundesregierung duldet für 80 Prozent der Nutztiere weiterhin vermeidbare Krankheiten, Schmerzen und Leiden. Egal ob „Tierwohl-Label“ von Frau Klöckner oder „Haltungsform“-Kennzeichnung von Aldi, Rewe und Co. – foodwatch findet:

Gegen Krankheit und Elend von Millionen Tieren hilft kein weiteres freiwilliges Siegel, es braucht vielmehr klare gesetzliche Vorgaben für bessere Tiergesundheit in allen Ställen!

Was fordert foodwatch?

foodwatch fordert Ministerin Julia Klöckner auf, zu handeln: Es braucht ein bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, in denen es immer wieder Probleme mit der Tiergesundheit gibt, muss es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden.

Tierhaltungswende jetzt!
Wir meinen: In Zukunft darf kein Tierprodukt mehr in den Handel kommen, das nicht nachweislich tiergerecht erzeugt wurde. Schreiben Sie jetzt an Bundesminister Christian Schmidt und fordern Sie eine echte Tierhaltungswende! >>

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<![CDATA[foodwatch protestiert mit „Riesen-Zuckerwürfel“ gegen Kakao-Förderung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/foodwatch-protestiert-mit-riesen-zuckerwuerfel-gegen-kakao-foerderung/Tue, 02 Apr 2019 15:39:00 +0200

Mit einem überdimensionalen Zuckerwürfel“ hat foodwatch in Düsseldorf gegen die Kakao-Förderung an Schulen in NRW protestiert. Mit Transparenten forderten die Aktivistinnen und Aktivisten: "Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“ und „Kinder fördern statt Landliebe“. Ein Sprecher des Ministeriums stellte sich dem Protest vor Ort.

274 Tonnen Extra-Zucker subventioniert Nordrhein-Westfalen über gesüßte Schulmilchgetränke in einem Schuljahr – umgerechnet mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Mit einer Protestaktion hat foodwatch dem Land diesen Zuckerberg zurückgebracht: direkt vor die Tür des zuständigen NRW-Verbraucherministeriums. Vor dem Bürokomplex in Düsseldorf baute die Verbraucherorganisation bei starkem Wind und Regen symbolisch einen überdimensionalen „Zuckerwürfel“ auf, der dem Volumen von 274 Tonnen Zucker entspricht: 6,8 Meter breit, 6,8 Meter lang, 6,8 Meter hoch.

NRW hält als letztes Bundesland an Kakao-Förderung fest

NRW ist das letzte Bundesland, das noch an Subventionen für gezuckerte Schulmilch festhält – entgegen dem Rat von Kinder- und Zahnärzten, Diabetologen und Ernährungsexperten. Auch Vertreter von Eltern und Lehrern in NRW hatten sich gegen die Kakao-Förderung ausgesprochen. foodwatch forderte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Förderung gezuckerter Schulmilch spätestens zum neuen Schuljahr 2019/2020 zu beenden.

„Es geht nicht nur um ‚mal ein bisschen Kakao‘ oder um einen kleinen Schönheitsfehler in einem ansonsten tollen Schulmilchprogramm – NRW subventioniert einen Riesenberg Extra-Zucker für Schulkinder. Während alle über Zuckerreduktion sprechen, kurbelt die Landesregierung den ohnehin viel zu hohen Zuckerkonsum von Kindern auch noch zusätzlich an. Dieses irre staatliche Übergewichtsförderprogramm muss gestoppt werden.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland

274 Tonnen subventionierter Zucker-Zusatz pro Jahr

Das Landesverbraucherministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW fast sieben Millionen Liter gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr.

© Mika Volkmann / foodwatch

NRW-Ministerium: werden „ergebnisoffen entscheiden“

Ein Sprecher des Ministeriums nahm von den foodwatch-Aktivisten eine besondere Überraschung entgegen: eine vergoldete Packung Zucker – gekennzeichnet als „das letzte Kilo Zucker für die Schulkakaoförderung NRW“ und versehen mit dem „Verzehrdatum: 12.7.2019“, dem letzten Schultag in diesem Schuljahr. Der Ministeriumssprecher erklärte, dass man nicht „von heute auf morgen“ aussteigen könne. Aber die Landesregierung werde „ergebnisoffen entscheiden, wie es mit dem Schulmilchprogramm im kommenden Schuljahr weitergeht“.

Alternativen zur Kakao-Förderung

foodwatch forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Kakao-Subventionen zu streichen und stattdessen endlich die erforderlichen Landesmittel zur Verfügung zu stellen, um eine gesunde Kinderernährung zu fördern. Das Land müsse zum Beispiel eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, das Schulobst- und -gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige anbieten, Wasserspender installieren, wirtschaftsunabhängigen Ernährungsunterricht organisieren und für ausgewogene Lebensmittel am Schulkiosk sorgen. An Schulen, in denen viele Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen, könnten zudem ergänzende, ausgewogene Frühstücksangebote eingerichtet werden.

Breiter Protest auch von Ärzten und Eltern

In einem Appell an die NRW-Landesregierung hatten sich bereits im September vergangenen Jahres renommierte Ärzte und Ernährungsexperten sowie Vertreter von Lehrern und Eltern gegen zuckrigen Schulkakao ausgesprochen. Über eine Online-Protestaktion von foodwatch fordern zudem deutschlandweit fast 30.000 Menschen ein Ende der Schokomilch-Subventionen. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

Hessen, Berlin und Brandenburg haben Kakao-Subvention gestoppt

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Milchprodukte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Zur Begründung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit ist NRW das einzige Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

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<![CDATA[274 Tonnen süß: foodwatch protestiert mit „Riesen-Zuckerwürfel“ vor NRW-Verbraucherministerium – Aktivisten fordern: „Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/274-tonnen-suess-foodwatch-protestiert-mit-riesen-zuckerwuerfel-vor-nrw-verbraucherministerium-aktivisten-fordern-kein-steuergeld-mehr-fuer-zuckrigen-schulkakao/Tue, 02 Apr 2019 14:50:00 +0200Pressemitteilung - Thema: Schulmilchförderung

274 Tonnen süß: foodwatch protestiert mit „Riesen-Zuckerwürfel“ vor NRW-Verbraucherministerium – Aktivisten fordern: „Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“

+++ Fotos von der Aktion zur redaktionellen Verwendung unter: material-essen-und-gesundheit.foodwatch.de und Video-Material zum Download (Passwort: Foodwatch) unter owncloud-gebauer-media.prossl.de/index.php/s/ItwygyH3dIp7f0e +++

Düsseldorf, 2. April 2019. 274 Tonnen Extra-Zucker subventioniert Nordrhein-Westfalen über gesüßte Schulmilchgetränke in einem Schuljahr - umgerechnet mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Mit einer Protestaktion hat foodwatch dem Land diesen Zuckerberg am Dienstag zurückgebracht: direkt vor die Tür des zuständigen NRW-Verbraucherministeriums. Vor dem Bürokomplex am Kennedydamm in Düsseldorf baute die Verbraucherorganisation symbolisch einen überdimensionalen „Zuckerwürfel“ auf, der dem Volumen von 274 Tonnen Zucker entsprach: 6,8 Meter breit, 6,8 Meter lang, 6,8 Meter hoch. Mit Transparenten forderten die Verbraucherschutzaktivistinnen und -aktivisten: "Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“ und „Kinder fördern statt Landliebe“.

NRW ist das letzte Bundesland, das noch an Subventionen für gezuckerte Schulmilch festhält - entgegen dem Rat von Kinder- und Zahnärzten, Diabetologen und Ernährungsexperten. Auch Vertreter von Eltern und Lehrern in NRW hatten sich gegen die Kakao-Förderung ausgesprochen. „Es geht nicht nur um ‚mal ein bisschen Kakao‘ oder um einen kleinen Schönheitsfehler in einem ansonsten tollen Schulmilchprogramm - NRW subventioniert einen Riesenberg Extra-Zucker für Schulkinder“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Er forderte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Förderung gezuckerter Schulmilch spätestens zum neuen Schuljahr 2019/2020 zu beenden. „Während alle über Zuckerreduktion sprechen, kurbelt die Landesregierung den ohnehin viel zu hohen Zuckerkonsum von Kindern auch noch zusätzlich an. Dieses irre staatliche Übergewichtsförderprogramm muss gestoppt werden.“

Das Landesverbraucherministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW fast sieben Millionen Liter gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr - diese Menge würde einen Würfel mit 6,8 Metern Kantenlänge ausfüllen, wie foodwatch mit einem entsprechend großen künstlichen Zuckerwürfel veranschaulichte. Dabei ist der in der Milch natürlich enthaltene Milchzucker noch nicht einmal mit eingerechnet, sondern allein der zugesetzte Zucker.

Bei Wind und Regen nahm ein Sprecher des Ministeriums von den foodwatch-Aktivistinnen und -Aktivisten eine besondere Überraschung entgegen: eine vergoldete Packung Zucker - gekennzeichnet als „das letzte Kilo Zucker für die Schulkakaoförderung NRW" und versehen mit dem „Verzehrdatum: 12.7.2019“, dem letzten Schultag in diesem Schuljahr. Der Ministeriumssprecher erklärte, dass man „nicht von heute auf morgen“ aussteigen könne. Die Landesregierung werde aber „ergebnisoffen entscheiden, wie es mit dem Schulmilchprogramm im kommenden Schuljahr weitergeht“. 

foodwatch forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Kakao-Subventionen zu streichen und stattdessen endlich die erforderlichen Landesmittel zur Verfügung zu stellen, um eine gesunde Kinderernährung zu fördern. Das Land müsse zum Beispiel eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, das Schulobst- und -gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige anbieten, Wasserspender installieren, wirtschaftsunabhängigen Ernährungsunterricht organisieren und für ausgewogene Lebensmittel am Schulkiosk sorgen. An Schulen, in denen viele Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen, könnten zudem ergänzende, ausgewogene Frühstücksangebote eingerichtet werden. „Mit den richtigen Prioritäten im Haushalt kann NRW viel für die Kinder tun, doch hier ist das Land weitgehend blank. Die Schulmilchförderung taugt noch nicht mal als Feigenblatt, denn ein zuckriger Schulkakao kann kein Ersatz für ein ausgewogenes Frühstück sein“, sagte foodwatch-Chef Martin Rücker.

In einem Appell an die NRW-Landesregierung hatten sich bereits im September vergangenen Jahres renommierte Ärzte und Ernährungsexperten sowie Vertreter von Lehrern und Eltern gegen zuckrigen Schulkakao ausgesprochen. Über eine Online-Protestaktion von foodwatch fordern zudem deutschlandweit fast 30.000 Menschen ein Ende der Schokomilch-Subventionen. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Milchprodukte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Zur Begründung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit ist NRW das einzige Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

+++ Fotos von der Aktion zur redaktionellen Verwendung unter: material-essen-und-gesundheit.foodwatch.de und Video-Material zum Download (Passwort: Foodwatch) unter owncloud-gebauer-media.prossl.de/index.php/s/ItwygyH3dIp7f0e +++

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<![CDATA[Verbraucher-Portal „Topf Secret“: Mehrere Behörden behindern Herausgabe von Hygiene-Kontrollen – foodwatch und FragDenStaat kritisieren „Angriff auf Informationsrechte“ ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/verbraucher-portal-topf-secret-mehrere-behoerden-behindern-herausgabe-von-hygiene-kontrollen-foodwatch-und-fragdenstaat-kritisieren-angriff-auf-informationsrechte/Mon, 01 Apr 2019 15:09:00 +0200Mal werden 1.700 Euro Gebühren für eine Anfrage veranschlagt, mal werden Informationsanträge von vornherein abgelehnt: Mehrere Behörden in Deutschland versuchen, die Herausgabe von Ergebnissen der Lebensmittelkontrollen zu verhindern – obwohl sie per Gesetz zur Antwort verpflichtet sind. Das haben die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat am Montag kritisiert. Auf dem Online-Portal „Topf Secret“ haben Bürgerinnen und Bürger seit Januar die amtlichen Hygiene-Kontrollergebnisse von deutschlandweit mehr als 20.000 Gaststätten, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben angefragt. Statt die Kontrollberichte, wie gesetzlich vorgeschrieben, herauszugeben, stellen sich jedoch mehrere der zuständigen Überwachungsämter quer, so die Organisationen. Manche Behörden drohten etwa mit hohen Kosten, verlangten Ausweisdokumente oder Meldebescheinigungen – andere lehnten die Herausgabe von Informationen über Hygienemängel komplett ab. Dass es anders geht, zeigen beispielweise Ulm, München oder Karlsruhe: Dort haben die Behörden den Antragsstellerinnen und Antragsstellern bereits Informationen zu Hygienemängeln zur Verfügung gestellt.

„Was manche Überwachungsbehörden hier betreiben ist ein Angriff auf die Informationsrechte der Bürgerinnen und Bürger. Mit Drohungen und Einschüchterungen muss Schluss sein – die Ämter sind verpflichtet, die beantragten Infos zu Hygiene-Kontrollen herauszugeben. Ob sie es wahrhaben wollen oder nicht“, erklärte Arne Semsrott von FragDenStaat. „Die Behörden in Karlsruhe, München oder auch Ulm zeigen, dass es auch anders geht – dort werden die Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern ernst genommen.“

foodwatch und FragDenStaat haben das Mitmach-Portal „Topf Secret“ im Januar gestartet. Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Bürgerinnen und Bürger bei den zuständigen Behörden mit wenigen Klicks einen Antrag auf Veröffentlichung der Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen stellen. Die gesetzliche Grundlage ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG), das Bürgerinnen und Bürgern das Recht gibt, bei staatlichen Stellen Informationen abzufragen. Während einige Behörden die Anfragen rechtmäßig und ohne Einschüchterungsversuche zur Verfügung stellen, versuchen andere die Herausgabe der Dokumente zu verhindern. Einige Beispiele:

  • Übertriebene Kosten: Die Überwachungsbehörde in Helmstedt droht mit hohen Verwaltungskosten. Die Herausgabe eines Kontrollberichtes zu einer „Dönerstation“ soll rund 1.000 Euro kosten, der Bericht zu einer Lidl-Filiale sogar 1.757 Euro. Von den etwa 380 unterschiedlichen Behörden in Deutschland hat nach Kenntnis von foodwatch bislang keine andere solch hohe Kosten verlangt.
  • Meldebescheinigung und Ausweisdokumente: Das zuständige Amt in Magdeburg will die Auskunft nur erteilen, wenn ein Antragsteller seine aktuelle Meldebescheinigung vorlegt. Der Landkreis Harburg verlangt eine Kopie des Personalausweises, um den Antrag bearbeiten zu können. Fakt ist: Bürgerinnen und Bürger sind gemäß VIG nicht verpflichtet, ihre Identität mit der Vorlage einer Ausweiskopie oder gar durch einen Besuch in der Behörde nachzuweisen.
  • Unterstellungen: Die Behörde des Landkreises Mettmann verweigerte eine Informationsauskunft mit der Behauptung, eine Antragstellerin sei nicht an „Sinn und Zweck der Auskunftserteilung“ interessiert, sondern lediglich vom Online-Portal „an sich fasziniert“. Fakt ist: Antragsstellerinnen und Antragssteller sind nicht verpflichtet, ihr Informationsbegehren zu begründen. Vielmehr ergibt sich aus dem VIG ein voraussetzungsloser „Anspruch auf freien Zugang“. Es muss auch kein Interesse oder bestimmter Verwendungszweck nachgewiesen werden.
  • Keine Anträge per E-Mail: Das zuständige Amt im Landkreis Börde lehnt Anträge per E-Mail ab, weil es grundsätzlich „keine elektronische Antragstellung“ ermögliche. Fakt ist: Antragsstellerinnen und Antragssteller dürfen seit der Novellierung des VIG im Jahr 2012 Anträge auch formlos, per Telefon oder E-Mail, stellen.
  • Auskunft verweigert: Das Verbraucherschutzamt in Lübeck will nur solche Hygiene-Kontrollen herausgeben, die „derart schwerwiegende Beanstandungen enthalten, dass sie ohnehin durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden veröffentlich werden müssen“. Fakt ist: Jede und jeder hat gemäß VIG Anspruch auf freien Zugang zu Ergebnissen der Lebensmittelkontrollen – egal wie schwer etwaige Hygienemängel sind. Die Informationsrechte nach dem VIG sind getrennt von der Frage, welche Hygienemängel die Behörden aufgrund besonderer Schwere selbst aktiv veröffentlichen müssen.

Positivbeispiele sind hingegen Karlsruhe, München, Ulm, Landsberg am Lech und der Landkreis Harz: Dort haben die Behörden bereits Kontrollberichte mit Hygienemängeln an Antragsstellerinnen und Antragssteller übermittelt – ohne, dass die Bürgerinnen und Bürger dafür Verwaltungsgebühren zahlen oder einen Personalausweis einschicken sollten. foodwatch und FragDenStaat forderten alle Behörden dazu auf, diesen Beispielen zu folgen. Sollten einige Behörden weiter Anträge ablehnen, würden die Organisationen nicht zögern, die Antragstellerinnen und Antragsteller bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen – notfalls auch auf dem Rechtsweg.  

„Erstmals wird das Verbraucherinformationsgesetz tatsächlich auch von Verbraucherinnen und Verbrauchern genutzt. So viele Anträge wie in den letzten Wochen hat es in den 10 Jahren zuvor nicht im Ansatz gegeben. Das darf nicht dazu führen, dass Behörden die Bürgerinnen und Bürger um ihre Informationsrechte beschneiden. Wir werden nicht tatenlos dabei zuschauen, wenn Behörden sich quer stellen – so viel ist sicher. Die Menschen haben ein Recht auf Informationen zur Lebensmittelüberwachung in Deutschland. Geheimniskrämerei in Amtsstuben hat im 21. Jahrhundert nichts mehr verloren“, sagte Oliver Huizinga von foodwatch.

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<![CDATA[foodwatch-Statement zur neuen Fleisch-Kennzeichnung der großen Handelsketten]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-statement-zur-neuen-fleisch-kennzeichnung-der-grossen-handelsketten/Sun, 31 Mar 2019 16:26:00 +0200Die großen Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi & Co. wollen ab Montag mit einer neuen Fleisch-Kennzeichnung über die Haltungsbedingungen von Schlachttieren informieren. Dazu erklärt Matthias Wolfschmidt, Internationalen Kampagnendirektor der Verbraucherorganisation foodwatch:

Die neue Fleischkennzeichnung der großen Handelsketten ist eine Mogelpackung: Sie gaukelt den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Nutztierställen maßgeblich verbessern. Aber bei der sogenannten Tierwohlkennzeichnung geht es ausschließlich um formale Haltungsbedingungen, also etwa Platz, Spielmöglichkeiten oder Auslauf im Freien. Das garantiert nicht, dass es den Tieren gut geht – viel zu oft sind Nutztiere krank, leiden und haben Schmerzen. Die Gesundheit der Nutztiere spielt bei der Tierwohlkennzeichnung von Aldi, Rewe & Co. überhaupt keine Rolle - das ist eine große Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Auch das geplante staatliche Tierwohl-Label von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wird kaum etwas an den katastrophalen Bedingungen in den Nutztierställen ändern, denn das Label ist nur freiwillig. Mitmachen werden nur die Betriebe, die ohnehin schon gute Arbeit leisten. Gegen Krankheit und Elend von Millionen Tieren hilft kein weiteres freiwilliges Siegel, es braucht vielmehr klare gesetzliche Vorgaben für bessere Tiergesundheit in allen Ställen.“

Hintergrund

Ein großer Teil der Nutztiere leidet unter vermeidbaren Erkrankungen: Mastschweine leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Kühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangen ihre Produkte in den Handel.

Am 1. April starten die großen Handelsketten eine Haltungskennzeichnung in vier Stufen – für Rinder- und Schweinefleisch sowie Geflügel. Zwar informiert die Kennzeichnung über die formalen Haltungskriterien – dies sagt jedoch nichts über den Gesundheitszustand der Tiere aus.  Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hängen von verschiedenen Faktoren ab – einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheidet sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb, und weniger zwischen konventioneller und Bio-Haltung oder zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben.

Bisher gibt es keine gesetzlichen Zielvorgaben für die Gesundheit von Nutztieren, die Erkrankungsraten werden nicht systematisch erfasst. foodwatch fordert ein bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, deren Tiere wiederholt sehr schlechte Zustände aufweisen, muss es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden.

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<![CDATA[Giftige Aflatoxine: dm ruft „babylove“-Produkte zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/giftige-aflatoxine-dm-ruft-babylove-produkte-zurueck/Fri, 29 Mar 2019 14:59:00 +0100

Wegen erhöhter Aflatoxin-Gehalte ruft die Drogeriekette dm mehrere Baby- und Kinderprodukte der Marke „babylove“ zurück. Aflatoxine sind krebsverdächtig und können Leber und Nieren schädigen.

Der Drogeriemarkt dm ruft verschiedene Gläschen und Quetschbeutel von „babylove“-Babynahrung zurück. Bei Eigenkontrollen wurden erhöhte Aflatoxin-Gehalte festgestellt.

Aflatoxine sind Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen und gehören zu den stärksten in der Natur vorkommenden Giften. Laut Bundesinistut für Risikobewertung (BfR) weisen sie ein hohes krebserzeugendes Potential auf. Bei oraler Aufnahme können sie in höheren Konzentrationen in erster Linie Nieren, Leber und das ungeborene Leben schädigen. Außerdem können Aflatoxine das Erbgut schädigen, das heißt sie wirken genotoxisch. Aflatoxine können die Gesundheit besonders dann beeinträchtigen, wenn sie über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden.

Folgende Produkte sind von dem dm-Rückruf betroffen:

  • „babylove Granatapfel-Mango in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 15.10.2020
  • „babylove Pfirsich-Maracuja in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 16.10.2020
  • „babylove Erdbeere & Himbeere in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 16.10.2020
  • „babylove Erdbeere-Banane in Apfel mit Müsli, 90 g, ab 1 Jahr (Quetschbeutel)“ mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 16.10.2020 und 17.10.2020

Kunden können die Packungen ungeöffnet oder angebrochen in die dm-Märkte zurückzubringen, der Kaufpreis wird erstattet.

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<![CDATA[Presseeinladung – Foto-Aktion: Riesen-Zuckerwürfel vor NRW-Verbraucherministerium – foodwatch protestiert gegen Subventionen für zuckrigen Schul-Kakao ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presseeinladung-foto-aktion-riesen-zuckerwuerfel-vor-nrw-verbraucherministerium-foodwatch-protestiert-gegen-subventionen-fuer-zuckrigen-schul-kakao/Wed, 27 Mar 2019 10:12:00 +0100

Sehr geehrte Damen und Herren,

Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland, das noch gezuckerte Schulmilchgetränke mit Steuergeldern subventioniert – obwohl Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten. Noch vor Ostern will die Landesregierung jetzt entscheiden, wie es mit dem Schulmilch-Programm weitergeht. foodwatch fordert die zuständige Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Kakao-Subventionierung endlich zu beenden. Im vergangenen Schuljahr subventionierte das Land NRW annähernd 7 Millionen Kilogramm gezuckerte Schulmilchgetränke – das entspricht einer Zuckermenge von rund 274 Tonnen oder umgerechnet mehr als 90 Mio. Zuckerwürfeln. Diesen staatlich geförderten Zuckerberg will foodwatch dem Ministerium symbolisch mit einer Aktion zurückbringen.

Wir laden Sie herzlich ein, bei der bildstarken Aktion in Düsseldorf dabei zu sein:

Tag: Dienstag, 2. April 2019

Uhrzeit: ca. 12:45 Uhr (Bei Interesse können Medien bereits zu einem früheren Zeitpunkt den Aufbau der Aktion begleiten; wir empfehlen dazu Rücksprache mit der foodwatch-Pressestelle.)

Ort: NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Schwannstraße 3, 40476 Düsseldorf

Ein Gespräch vor Ort mit Ministerin Ursula Heinen-Esser ist für 13:00 Uhr angefragt.

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Winkler

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<![CDATA[Schulmilch: NRW entscheidet über Zukunft der Kakao-Förderung – foodwatch kündigt Protestaktion an: 274 Tonnen Zucker vor Ministerium von Ursula Heinen-Esser]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schulmilch-nrw-entscheidet-ueber-zukunft-der-kakao-foerderung-foodwatch-kuendigt-protestaktion-an-274-tonnen-zucker-vor-ministerium-von-ursula-heinen-esser/Tue, 26 Mar 2019 11:21:00 +0100

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will noch vor Ostern entscheiden, ob gezuckerte Schulmilch auch künftig noch mit Steuergeldern gefördert werden soll. Das erfuhr foodwatch aus dem zuständigen Landesumweltministerium. Die Verbraucherorganisation forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, zum nächsten Schuljahr aus der Kakao-Förderung auszusteigen, um den ohnehin zu hohen Zuckerkonsum von Kindern nicht noch staatlich weiter anzukurbeln.

Für den 2. April kündigte foodwatch an, den über den Schulkakao steuerlich subventionierten Zucker mit einer Protestaktion symbolisch vor das Ministerium in Düsseldorf zu bringen. Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland, das noch gesüßte Schulmilchgetränke mit Steuergeldern subventioniert – obwohl Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten. „Es geht nicht um ein bisschen Kakao – das Schulmilchprogramm in NRW ist ein irres, staatliches Übergewichtsförderprogramm. Während alle über Zuckerreduktion sprechen, bringt die Landesregierung mit Steuergeldern Unmengen von zugesetztem Zucker an die Schulen. Von der staatlichen Zuckerförderung profitiert allein die Milchwirtschaft“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

274 Tonnen Zuckerzusatz - mehr als 90 Millionen Zuckerwürfel

Das Landesumweltministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW annähernd sieben Millionen Kilogramm gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr – das entspricht umgerechnet weit mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Dabei ist der in der Milch natürlich enthaltene Milchzucker nicht eingerechnet, sondern allein der den Milchmischgetränken zugesetzte Zucker.

Diesen staatlich geförderten Zuckerberg, den die nordrhein-westfälische Landesregierung über ihre Subventionspolitik an die Schulen bringt, will foodwatch dem Ministerium am nächsten Dienstag (2. April) mit einer Protestaktion zurückbringen – verbunden mit der Forderung, verbindlich den Ausstieg aus der Kakao-Subvention zu erklären.

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Lebensmittel ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. In der Begründung für die Reform der Förderrichtlinien verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit bleibt NRW das letzte Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

Im Oktober 2018 hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet Studien, die den gezuckerten Kakao als intelligenzsteigernd und gesundheitsfördernd darstellen sowie die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

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<![CDATA[So entlarvt die Nutri-Score-Ampel ungesunde Produkte]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/so-entlarvt-die-nutri-score-ampel-ungesunde-produkte/Tue, 19 Mar 2019 17:52:00 +0100

Eine Tiefkühlpizza ist eine Tiefkühlpizza, ein Erdbeerjoghurt ein Erdbeerjoghurt? Weit gefehlt. Auf den ersten Blick ähnliche Lebensmittel weisen tatsächlich oft große Unterschiede bei Nährwerten wie Zucker, Fett und Co. auf. Das entlarvt ein foodwatch-Vergleichstest mit dem „Nutri-Score“, der französischen Lebensmittelampel.

Verbraucherinnen und Verbraucher können mit der Ampel-Kennzeichnung direkt auf der Packungsvorderseite erkennen, welches Produkt ausgewogener ist. In Frankreich und Belgien werden Lebensmittel bereits mit dem Nutri-Score gekennzeichnet, Spanien will nachziehen. In Deutschland haben die Hersteller Danone und Iglo dieses Jahr angefangen, ihre Produkte freiwillig mit dem Nutri-Score zu versehen. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wehrt sich allerdings bisher gegen die verbraucherfreundliche Ampelkennzeichnung. foodwatch fordert Frau Klöckner auf, ihren Widerstand aufzugeben.

20.03.2019

So entlarvt die Nutri-Score-Ampel ungesunde Produkte

Fotogalerie (10 Bilder)
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<![CDATA[foodwatch-Vergleichstest: Lebensmittel im Ampel-Check ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-vergleichstest-lebensmittel-im-ampel-check/Tue, 19 Mar 2019 17:23:00 +0100

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Tiefkühlpizza ist eine Tiefkühlpizza, ein Erdbeerjoghurt ein Erdbeerjoghurt? Weit gefehlt. Auf den ersten Blick ähnliche Lebensmittel weisen tatsächlich oft große Unterschiede bei Nährwerten wie Zucker, Fett und Co. auf. Das entlarvt ein foodwatch-Vergleichstest mit dem „Nutri-Score“, der französischen Lebensmittelampel. Verbraucherinnen und Verbraucher können mit der Kennzeichnung direkt auf der Packungsvorderseite erkennen, welches Produkt ausgewogener ist.

Bild: Der foodwatch-Test zeigt zum Beispiel: Der Erdbeerjoghurt von Mövenpick (rechts) enthält doppelt so viel Zucker, doppelt so viele Kalorien und vier Mal so viel gesättigte Fette wie der Arla Erdbeerjoghurt. Der Nutri-Score zeigt auf einen Blick, welcher Joghurt die gesündere Wahl ist.

In Frankreich und Belgien werden Lebensmittel bereits mit dem Nutri-Score gekennzeichnet, Spanien will nachziehen. In Deutschland haben die Hersteller Danone und Iglo dieses Jahr angefangen, ihre Produkte freiwillig mit dem Nutri-Score zu versehen. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wehrt sich allerdings bisher gegen die verbraucherfreundliche Ampelkennzeichnung. foodwatch fordert Frau Klöckner auf, ihren Widerstand aufzugeben. foodwatch-Expertin Luise Molling: "Mit der französischen Nährwertampel Nutri-Score können Verbraucherinnen und Verbraucher verarbeitete Lebensmittel wie Frühstücksflocken und Tiefkühlpizzen auf einen Blick miteinander vergleichen – was nachweislich zu einem gesünderen Kaufverhalten führt. Wenn es Frau Klöckner ernst meint mit ihren Beteuerungen,  die gesunde Wahl zur einfachen Wahl machen zu wollen, muss die Ministerin sich umgehend für die Einführung des Nutri-Scores in Deutschland und der EU stark machen.“

In unserem Dossier erfahren Sie, wie der Nutri-Score funktioniert und warum die französische Ampel ein wirksames Instrument gegen Fehlernährung ist. Außerdem verrät der „Vater“ des Nutri-Score, der französische Ernährungswissenschaftler Serge Hercberg, warum das Modell keine Lebensmittel verbietet und welche Menschen besonders von einer verständlichen Nährwertkennzeichnung profitieren.

Presse-Infopaket zum Nutri-Score:

+++ Prof. Serge Hercberg steht gerne für Interviews zur Verfügung, ebenso foodwatch-Expertin Luise Molling. Den Kontakt vermittelt die foodwatch-Pressestelle. +++

 

Mit freundlichen Grüßen
Sarah Häuser

Kontakt:
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 290

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<![CDATA[Lidl ruft Käse zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/lidl-ruft-kaese-zurueck/Thu, 14 Mar 2019 16:44:00 +0100

Der Discounter Lidl ruft einen Morbier-Rohmilchkäse wegen einer möglichen Belastung mit E.coli-Bakterien zurück. Die Bakterien können schwere Durchfallerkrankungen hervorrufen.

Wegen einer möglichen Belastung mit Kolibakterien ruft der Lebensmittel-Discounter Lidl einen Rohmilchkäse der Marke Morbier zurück. Laut einer Mitteilung vom Donnerstag geht es um das Produkt „Morbier AOP mit Rohmilch hergestellt, 250g“, sofern es das Mindesthaltbarkeitsdatum 17.03.2019, die Losnummer 042 und das Identitätskennzeichen FR 25-155-001 CE des französischen Herstellers SA Perrin Vermot trägt.

Bei einer Untersuchung seien sogenannte Shiga-Toxin bildende E.-coli-Bakterien (STEC) nachgewiesen worden. STEC können Auslöser von Durchfallerkrankungen sein. Bei bestimmten Personengruppen (Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem) können schwere Krankheitsverläufe auftreten. Wer den Käse gekauft hat, solle ihn keinesfalls essen, sondern bei Lidl zurückgeben.

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<![CDATA[Schimmel und Kakerlaken in Raststätte]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/smiley-system/aktuelle-nachrichten/schimmel-und-kakerlaken-in-raststaette/Thu, 14 Mar 2019 15:28:00 +0100

In einem Autobahn-Restaurant einer „Serways“-Raststätte herrschten unapetittliche Zustände. Dies zeigen geheime Berichte der Lebensmittelüberwachung, die foodwatch und FragDenStaat auf „Topf Secret“ veröffentlicht haben.

Schimmel, schwarzer Belag an Arbeitsgeräten, Schabenbefall in der Küche: In einem Autobahn-Restaurant einer „Serways“-Raststätte haben amtliche Lebensmittelkontrolleure schwere Hygienemängel festgestellt. Das zeigen bisher unveröffentlichte Kontrollberichte, die foodwatch und die Transparenzinitiative FragDenStaat am Donnerstag auf dem Mitmach-Portal „Topf Secret“ online gestellt haben. Bei Überprüfungen von vier weiteren Serways-Raststätten, die foodwatch und FragDenStaat ebenfalls veröffentlichten, dokumentierten die Kontrolleure hingegen keine oder nur geringe Mängel. Die Öffentlichkeit wurde über die Missstände in der Raststätte nicht informiert. foodwatch und FragDenStaat riefen Bürgerinnen und Bürger auf, über „Topf Secret“ weitere Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen bei Behörden zu erfragen, um diese Geheimhaltung zu beenden. Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Nutzer die amtlichen Berichte online mit wenigen Klicks beantragen und später auch veröffentlichen.

„Die bisher geheim gehaltenen Kontrollberichte zeigen einmal mehr: Die meisten Lebensmittelunternehmen in Deutschland arbeiten sauber – aber es gibt einen Bodensatz von Betrieben, die schlichtweg als ekelig bezeichnet werden müssen. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht zu erfahren, welche die Ekelbetriebe sind.“

Oliver Huizinga von foodwatch

Ekelige Zustände in der Raststätte Hardtwald Ost bei Heidelberg

foodwatch und FragDenStaat hatten die Kontrollberichte durch Behördenanfragen über das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erhalten und diese jetzt auf „Topf Secret“ veröffentlicht. Die amtlichen Berichte dokumentieren Kontrollbesuche in den Jahren 2016 bis 2018 bei insgesamt fünf „Gusticus“-Restaurants auf Serways-Raststätten, die zum Unternehmen Tank & Rast gehören. Während bei einem Restaurant keine und bei drei weiteren nur geringe Mängel festgestellt wurden, beanstandeten die Kontrolleure im Restaurant der Raststätte Hardtwald Ost auf der A5 bei Heidelberg schwere Verstöße gegen Hygienevorgaben: „Der Tischdosenöffner war im Bereich des Zapfens durch schwarze Beläge und Lebensmittelreste verunreinigt“, heißt es etwa in dem Bericht. In der Küche fand sich eine Schabe, der Getränkekühlschrank war „durch tote Insekten und leichte sporenartige weiße Beläge verunreinigt“ und „der Getränkeauslauf an der Getränkestation war durch schwarzweiße sporenartige Beläge verunreinigt“. Im Rahmen einer Nachkontrolle, welche drei Monate später stattfand, waren die Mängel laut Behörde „fast vollständig“ behoben. In keinem der Fälle wurde die Öffentlichkeit informiert.

Julia Klöckner muss sich für Transparenzsystem einsetzen

foodwatch und FragDenStaat forderten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich endlich für ein bundesweites Transparenzsystem einzusetzen: Behörden müssten per Gesetz verpflichtet werden, ausnahmslos alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen – so wie es in Dänemark seit vielen Jahren der Fall ist. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten, so die Organisationen.

Foto: © fotolia / Andreas Wolf

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<![CDATA[Schwere Hygienemängel bei „Serways“-Autobahnrestaurant – foodwatch und FragDenStaat veröffentlichen geheime Berichte der Lebensmittelüberwachung auf „Topf Secret“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schwere-hygienemaengel-bei-serways-autobahnrestaurant-foodwatch-und-fragdenstaat-veroeffentlichen-geheime-berichte-der-lebensmittelueberwachung-auf-topf-secret/Thu, 14 Mar 2019 09:48:00 +0100
  • Lebensmittelkontrollbericht zeigt ekelerregende Zustände in „Serways“-Autobahnrestaurant
  • Öffentlichkeit wurde nicht über Missstände informiert
  • Auf Mitmach-Plattform „Topf Secret“ können Bürger die Ergebnisse einsehen und weitere Kontrollberichte erfragen

Schimmel, schwarzer Belag an Arbeitsgeräten, Schabenbefall in der Küche: In einem Autobahn-Restaurant einer „Serways“-Raststätte haben amtliche Lebensmittelkontrolleure schwere Hygienemängel festgestellt. Das zeigen bisher unveröffentlichte Kontrollberichte, die die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenzinitiative FragDenStaat am Donnerstag auf dem Mitmach-Portal „Topf Secret“ online gestellt haben. Bei Überprüfungen von vier weiteren Serways-Raststätten, die foodwatch und FragDenStaat ebenfalls veröffentlichten, dokumentierten die Kontrolleure hingegen keine oder nur geringe Mängel. Die Öffentlichkeit wurde über die Missstände in der Raststätte nicht informiert. foodwatch und FragDenStaat riefen Bürgerinnen und Bürger auf, über „Topf Secret“ weitere Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen bei Behörden zu erfragen, um diese Geheimhaltung zu beenden. Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Nutzer die amtlichen Berichte online mit wenigen Klicks beantragen und später auch veröffentlichen.

„Die bisher geheim gehaltenen Kontrollberichte zeigen einmal mehr: Die meisten Lebensmittelunternehmen in Deutschland arbeiten sauber – aber es gibt einen Bodensatz von Betrieben, die schlichtweg als ekelig bezeichnet werden müssen. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht zu erfahren, welche die Ekelbetriebe sind“, erklärte Oliver Huizinga, Leiter der Abteilung Recherche und Kampagnen bei foodwatch. foodwatch und FragDenStaat forderten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich endlich für ein bundesweites Transparenzsystem einzusetzen: Behörden müssten per Gesetz verpflichtet werden, ausnahmslos alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen – so wie es in Dänemark seit vielen Jahren der Fall ist. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten, so die Organisationen.

„Topf Secret ist eine Notwehr-Maßnahme, weil Bund und Länder es jahrelang verschlafen haben, für Transparenz in der Lebensmittelüberwachung zu sorgen“, sagte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat. „Die Veröffentlichung aller Lebensmittelkontrollergebnisse schafft Klarheit für die Kundinnen und Kunden, schreckt Schmuddelbetriebe ab und ist gleichzeitig die beste Werbung für alle sauber arbeitenden Unternehmen.“

foodwatch und FragDenStaat hatten die Kontrollberichte durch Behördenanfragen über das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erhalten und diese jetzt auf „Topf Secret“ veröffentlicht. Die amtlichen Berichte dokumentieren Kontrollbesuche in den Jahren 2016 bis 2018 bei insgesamt fünf „Gusticus“-Restaurants auf Serways-Raststätten, die zum Unternehmen Tank & Rast gehören. Während bei einem Restaurant keine und bei drei weiteren nur geringe Mängel festgestellt wurden, beanstandeten die Kontrolleure im Restaurant der Raststätte Hardtwald Ost auf der A5 bei Heidelberg schwere Verstöße gegen Hygienevorgaben: „Der Tischdosenöffner war im Bereich des Zapfens durch schwarze Beläge und Lebensmittelreste verunreinigt“, heißt es etwa in dem Bericht. In der Küche fand sich eine Schabe, der Getränkekühlschrank war „durch tote Insekten und leichte sporenartige weiße Beläge verunreinigt“ und „der Getränkeauslauf an der Getränkestation war durch schwarzweiße sporenartige Beläge verunreinigt“. Im Rahmen einer Nachkontrolle, welche drei Monate später stattfand, waren die Mängel laut Behörde „fast vollständig“ behoben. In keinem der Fälle wurde die Öffentlichkeit informiert.

Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in wenigen Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – obwohl seit Jahren jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet wird, größtenteils wegen Hygienemängeln. Auf dem Portal „Topf Secret“, das foodwatch und  FragDenStaat im Januar gestartet haben, können Bürgerinnen und Bürger jetzt selber schnell und einfach VIG-Anträge bei Lebensmittelbehörden stellen und die Ergebnisse veröffentlichen. Ziel ist langfristig, ein Transparenzsystem nach dem Vorbild Dänemarks zu erreichen: Dort erfahren Bürgerinnen und Bürger im Internet und direkt an der Ladentür anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – egal ob Autobahnrestaurant, Metzgerei oder Schulkantine. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Ähnliche Transparenzsysteme gibt es auch in Norwegen oder Wales – und auch dort sank die Quote der beanstandeten Betriebe nach Einführung der Transparenzregelung deutlich.

 

Online-Plattform „Topf Secret“ von foodwatch und FragDenStaat: www.topf-secret.foodwatch.de  

 

 

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<![CDATA[Presse-Statement: foodwatch zu Lebensmittelüberwachung / Veröffentlichung von Hygieneverstößen ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-foodwatch-zu-lebensmittelueberwachung-veroeffentlichung-von-hygieneverstoessen/Wed, 13 Mar 2019 18:27:00 +0100

Zu dem Änderungsantrag von Union und SPD zum Lebensmittelrecht erklärt Oliver Huizinga, Leiter der Abteilung Recherche und Kampagnen bei der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Die große Koalition tut geradezu so, als ob die Lebensmittelbehörden jetzt auf einmal schnell und umfassend über Hygienemängel informieren – dabei kommt auch mit der neuen Regelung nur ein Bruchteil aller Verstöße überhaupt jemals ans Tageslicht. Es bleibt dabei: Die Bürgerinnen und Bürger werden auch in Zukunft nur in Ausnahmefällen erfahren, wenn Lebensmittelbetriebe gegen Gesetze verstoßen. Denn die Hürden für Behörden, Verstöße publik zu machen, sind nach wie vor viel zu hoch. Das ist das Kernproblem, an das sich Union und SPD gar nicht erst herangetraut haben.

Länder wie Dänemark, Norwegen oder auch Wales zeigen seit Jahren, wie es besser geht: Dort werden immer alle Ergebnisse veröffentlicht, und zwar nicht nur versteckt auf irgendwelchen Behörden-Websites in den Untiefen des Internets, sondern per Aushang direkt an der Ladentür. Die Veröffentlichung ausnahmslos aller Lebensmittelkontrollergebnisse schafft Klarheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher, bietet einen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an Hygienevorgaben zu halten und ist gleichzeitig die beste Werbung für alle sauber arbeitenden Unternehmen.“

Hintergrund:

Auch mit der jetzt geplanten Neuregelung des §40 1a des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) bleiben die Hürden für Lebensmittelbehörden, Verstöße gegen lebensmittelrechtliche Verstöße zu veröffentlichen, sehr hoch: Nur wenn ein Bußgeld von mindestens 350 Euro verhängt wird UND die Behörden die Verstöße als „nicht unerheblich“ einstufen oder wiederholt verstoßen wurde, dürfen Behörden überhaupt etwas veröffentlichen. foodwatch kritisiert die Regelung als völlig unzureichend. Die Verbraucherorganisation fordert daher eine eindeutige rechtliche Vorgabe: Lebensmittelbehörden müssten per Gesetz dazu verpflichtet werden, immer ausnahmslos alle Lebensmittelkontrollergebnisse zu veröffentlichen, sowohl positive als auch negative. Erst das schaffe rechtliche Klarheit für die Behörden und Transparenz für die Bürgerinnen und Bürger. Vorbild müsse das erfolgreiche „Smiley-System“ in Dänemark sein. Dort erfahren Bürgerinnen und Bürger im Internet und direkt an der Ladentür anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – egal ob Restaurant, Metzgerei oder Schulkantine. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Ähnliche Transparenzsysteme gibt es auch in Norwegen oder Wales – und auch dort sank die Quote der beanstandeten Betriebe nach Einführung der Transparenzregelung deutlich.

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<![CDATA[Sind glutenfreie, laktosefreie oder vegane Lebensmittel automatisch gesund?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/sind-glutenfreie-laktosefreie-oder-vegane-lebensmittel-automatisch-gesund/Wed, 13 Mar 2019 11:55:00 +0100

Antwort der Ernährungsberaterin Alice Luttropp:

Glutenfrei, laktosefrei, vegan – im Supermarkt gibt es ein immer größeres Angebot an Lebensmitteln, die damit werben, frei von bestimmten Inhaltsstoffen zu sein. Für die Lebensmittelindustrie ist das ein wichtiger Trend. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher hören sich diese Produkte gesund an – doch sind sie das wirklich?

Die meisten Menschen vertragen Gluten und Laktose

Zunächst einmal: Der Anteil der Menschen, die Gluten oder Laktose nicht vertragen, ist relativ gering. In Deutschland ist etwa ein Prozent der Menschen von Zöliakie betroffen, einer entzündlichen Erkrankung der Darmschleimhaut, die durch Gluten hervorgerufen wird. Das Klebereiweiß ist in den Samen bestimmter Getreidesorten enthalten, zum Beispiel in Weizen, Roggen oder Dinkel. Darüber hinaus gibt es das neue Krankheitsbild der Glutensensitivität. Das betrifft Menschen, die zwar keine Zölikalie haben, aber trotzdem empfindlich auf glutenhaltiges Getreide reagieren, etwa mit Magen-Darm-Beschwerden. Aber auch hiervon sind längst nicht so viele Menschen betroffen, wie die Vielzahl der Produkte im Supermarkt vermuten lässt. Der Großteil der Menschen verträgt Gluten ohne Probleme.

Gesunde Menschen sollten nicht auf glutenhaltiges Getreide verzichten

Für Menschen, die tatsächlich kein Gluten vertragen, ist die neue Produktvielfalt toll. Und auch bei Gesunden können natürlicherweise glutenfreie Zutaten eine Bereicherung des Speiseplans darstellen. Die so genannten Pseudogetreide Quinoa, Amaranth oder Buchweizen etwa punkten mit einem hohen Eiweißgehalt und wertvollen Mineralien. Für gesunde Menschen bringt es jedoch keinen gesundheitlichen Vorteil, grundsätzlich auf Gluten zu verzichten. Im Gegenteil: Ein gutes Vollkornbrot vom Bäcker ist in der Regel gesünder als industriell hergestellte glutenfreie Produkte wie Reiswaffeln oder abgepackte Brote aus Maisstärke oder Sojamehl. Auch der Ersatz eines Müslis aus Getreideflocken durch Reisflocken macht ernährungsphysiologisch wenig Sinn. Denn Vollkorn enthält viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Zudem sind glutenfreie Produkte oft deutlich teurer.

Milchprodukte enthalten wertvolle Nährstoffe

Menschen, die an Laktoseintoleranz leiden (hierzulande etwa 15 Prozent), sind auf Produkte ohne den Milchzucker angewiesen. Für alle, die Laktose vertragen, können Milchprodukte die tägliche Ernährung bereichern. Denn sie enthalten wertvolle Bestandteile wie Kalzium und Eiweiß. Zudem drosselt der Körper die Produktion des zur Verdauung von Laktose nötigen Enzyms Laktase, sobald es nicht mehr gebraucht wird. Verzichtet man freiwillig völlig auf Milchprodukte, züchtet man sich unter Umständen eine Laktoseintoleranz an. Da viele verarbeitete Produkte Milch enthalten, könnte dies zum Problem werden. Wenn man Milchprodukte gut verträgt, sollte man also am besten nicht vollständig auf sie verzichten. Etwas absurd finde ich es, wenn Hersteller den „Laktosefrei-Trend“ dazu nutzen, von Natur aus laktosefreie Lebensmittel wie etwa Parmesan als laktosefrei zu bewerben.

Vor Menschen, die aus ethischen Gründen auf tierische Lebensmittel verzichten, habe ich großen Respekt. Denn es ist ja leider wahr: Die Zustände in der Nutztierhaltung sind häufig miserabel. Aus gesundheitlicher Perspektive hat die vegane Ernährung Vorteile und Nachteile. Wichtig ist, dass man sich genauer mit ihr beschäftigt. Denn es ist gar nicht so einfach, alle Nährstoffe, die wir aus tierischen Quellen aufnehmen können, durch pflanzliche Lebensmittel zu ersetzen. (Wobei ich damit nicht sagen will, dass sich Fleischesser automatisch ausgewogen ernähren). Ein Risiko ist zum Beispiel eine Mangelversorgung mit dem Vitamin B12, dessen Supplementierung für Veganerinnen und Veganer immer empfohlen wird. 

Vegane Produkte können Speiseplan bereichern

Den meisten von uns würde es gut tun, weniger Fleisch und tierische Fette zu verzehren. Auch für „Allesfresser“ spricht also nichts dagegen, vegane Lebensmittel auszutesten. Das trifft auf Obst und Gemüse natürlich ohnehin zu, aber auch verarbeitete Produkte im Supermarkt können den Speiseplan erweitern. Gerade im Bereich der Milchersatzprodukte wird nun eine Vielzahl von Varianten angeboten, wie Hafer-, Mandel-, oder Cashewdrinks. Es gibt sie auch in der mit Kalzium angereicherten Variante. Auch traditionelle Produkte wie Tofu können eine leckere und gesunde Bereicherung des Speiseplans sein. Für Vegetarierinnen und Veganer, denen es schwerfällt, auf ihr Wurstbrot zu verzichten, finde ich Fleischersatzprodukte eine gute Sache. Und auch für Menschen, die weniger tierische Fette konsumieren möchten, sind sie eine Alternative. Beachten sollte man jedoch, dass vegan nicht automatisch natürlich bedeutet. Häufig sind die Produkte hochverarbeitet und enthalten viele Zusatzstoffe. Ein aktueller Marktcheck der Stiftung Warentest zeigt, dass Veggie-Salami und Veggie-Lyoner im Durchschnitt viel weniger Fett als ihre fleischlichen Pendants enthalten. Allerdings: Ein magerer Kochschinken aus Fleisch ist meistens die fettärmste Variante. Bei Veggie-Aufschnitt lohnt es sich, auf die Qualität des Öls zu achten. Produkte mit Rapsöl punkten mit gesunden Omega-3-Fettsäuren. Kokos- oder Palmfett sind durch hohe Gehalte an gesättigten Fettsäuren nachteilig. 

Wenn man es verträgt, gerne von allem etwas

Fazit: Lebensmittel, die damit werben, glutenfrei, laktosefrei oder vegan zu sein, können den Speiseplan bereichern. Zu einer ausgewogenen Ernährung von gesunden Menschen gehören jedoch auch Getreideprodukte. Für alle Nicht-Veganerinnen und Veganer sind Milchprodukte wertvoller Bestandteil des täglichen Speiseplans. Und auch Fleisch kann zu einer ausgewogenen Ernährung gehören, so lange man Maß hält.

Foto: © industrieblick / adobeStock

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<![CDATA[Presse-Statement zum ersten Amtsjahr von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-zum-ersten-amtsjahr-von-bundeslandwirtschaftsministerin-julia-kloeckner/Tue, 12 Mar 2019 12:03:00 +0100

Zum ersten Amtsjahr von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärt Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch: 

„Aus Verbrauchersicht ist die Bilanz nach einem Jahr Große Koalition desaströs. Auch die Einführung einer vermurksten Musterfeststellungsklage kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es an vielen Stellen rückwärts statt voran geht. Die ersten zwölf Monate blieben sogar hinter dem zurück, was der fast gänzlich ambitionslose Koalitionsvertrag befürchten ließ. 

Die Landwirtschaftsministerin versteht ihr Amt offenbar vor allem als Möglichkeit zur öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung - mit launigen twitter-Botschaften, fröhlichen Julia-Klöckner-Fotos und Pressemitteilungen, die mit den Worten 'Julia' und 'Klöckner' beginnen. Darüber ließe sich schmunzeln, wenn Frau Klöckner nicht gleichzeitig knallharte Interessenpolitik zugunsten der Wirtschaft und zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher betreiben würde. Der rote Faden in Julia Klöckners Amtszeit: Anstatt mutige Maßnahmen auch mal gegen die Interessen der Einflüsterer von Bauernverband und Lebenslobby zu ergreifen, setzt die Agrarministerin fast ausschließlich auf Freiwilligkeit – und will das auch noch als vermeintlichen politischen Kompromiss verkaufen. Doch weder die traurigen Zustände in der Nutztierhaltung noch die gewaltigen Gesundheitsprobleme durch Fehlernährung lassen sich durch rein freiwillige Maßnahmen verbessern. 

Andere Länder sind etwa im Kampf gegen ernährungsbedingte Krankheiten viel weiter: Großbritannien bittet die Hersteller von Zuckergetränken zur Kasse, Frankreich führt eine Lebensmittelampel ein, Länder wie Chile beschränken die Werbung für Kinderlebensmittel. Deutschland hinkt der internationalen Entwicklung meilenweit hinterher. Indem sie wirksame Maßnahmen unterlässt, macht sich Frau Klöckner mitschuldig an schweren ernährungsbedingten Krankheiten und vorzeitigen Todesfällen. Sie stellt sich gegen Transparenz in der Lebensmittelüberwachung und lässt jede Initiative vermissen, die bekannten Schwachstellen des Lebensmittelrechts zu beseitigen, um die Menschen in Zukunft vor Lebensmittelskandalen zu schützen.“

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<![CDATA[Das ist der blanke Hohn!]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/das-ist-der-blanke-hohn/Thu, 07 Mar 2019 11:24:00 +0100Hallo und guten Tag, 

es ist eine der grausamsten Auswüchse unserer Lebensmittelproduktion: Allein in Deutschland werden jedes Jahr etwa 45 Millionen(!) männliche Hühnerküken getötet, kaum dass sie geschlüpft sind. Sie werden mit Kohlendioxid vergast oder geschreddert – im Schnitt weit mehr als 100.000 Hühnerküken Tag für Tag!

Der Hintergrund: Hähne können natürlich keine Eier legen. Gleichzeitig setzen die männlichen Tiere der Legehennenrassen nur wenig Fleisch an, weshalb sie auch nicht für die Mast geeignet sind. Ihr „Fehler“ ist: Sie bringen schlichtweg zu wenig Profit.

Aber was heißt schon „ihr“ Fehler?! Das massenhafte Töten ist die fatale Folge einer perversen Züchtungspolitik durch uns Menschen! Hühnerrassen wurden darauf getrimmt, immer mehr und noch mehr Eier legen zu können – dass sie dadurch für die Fleischproduktion unbrauchbar wurden, ist ein akzeptierter „Kollateralschaden“. Menschen nehmen es in Kauf, dass jedes zweite Tier nur noch ein Kostenfaktor ist – und damit praktisch wertlos. Doch Hühner sind intelligente und sehr soziale Tiere. Es sind fühlende Wesen. Allein schon deshalb müssen wir diese unfassbar grausame Praxis des millionenfachen Kükentötens beenden! Das wird nur passieren, wenn wir gemeinsam Druck machen.

Bisher gilt: Was nicht passt, wird passend gemacht – selbst wenn es Tiere sind, die der Profitmaximierung im Weg stehen. Das Ergebnis: Sauen im engen Kastenstand und Milchkühe in Anbindehaltung, fast jeder Möglichkeit beraubt, sich einfach nur zu bewegen. Menschen kupieren Schweinen die Schwänze, schneiden männlichen Ferkeln ohne Betäubung die Hoden ab und nehmen es in Kauf, dass Legehennen die Knochen brechen, weil ihr Körper das Kalzium in die Produktion der Eierschalen steckt und es für das eigene Skelett nicht mehr ausreicht. Statt Bedingungen zu schaffen, um Tiere so gesund und gut wie möglich halten zu können, versuchen wir, die Tiere nach unseren Bedingungen zu „optimieren“. Damit muss Schluss sein! foodwatch setzt sich für ein grundsätzliches Umdenken in der Tierhaltung und Tierzucht ein. Das ist auch eine Frage des Verbraucherschutzes, denn ich bin davon überzeugt: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen tierische Lebensmittel kaufen – aber nicht akzeptieren, wie viele Tiere heute gehalten werden. 

Immerhin hat die Bundesregierung das Thema Küken auf der Agenda. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Das Töten von Eintagsküken werden wir bis zur Mitte der Legislaturperiode beenden“. Das hieße: Noch in diesem Jahr! Doch wir haben großen Grund zur Skepsis. Denn passiert ist bisher viel zu wenig. Und Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat bisher noch immer ausschließlich auf „freiwillige“ Lösungen gesetzt. Aber warum sollten plötzlich alle Hühnerhalter freiwillig auf das Kükenschreddern verzichten, wenn sie dann nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können? 

Zudem sind wir – leider – an leere Versprechungen gewöhnt. Schon 2015 sagte Julia Klöckners Vorgänger als Landwirtschaftsminister, Christian Schmidt: „Mein Ziel ist es, dass das Kükenschreddern 2017 aufhört.“ Immer wieder betonte er, er wolle das Kükentöten „schnellstmöglich“ beenden. Und was ist dann passiert? Im vergangenen Jahr musste die Bundesregierung zugeben: 2017 wurden in Deutschland sogar noch einmal eine Million mehr Küken vergast und geschreddert als im Jahr zuvor! In dem Jahr, in dem eigentlich SCHLUSS sein sollte mit dem Kükentöten, stieg die Anzahl der getöteten Tiere sogar noch an. 

Es ist der blanke Hohn, und das Töten geht bis heute weiter. Und zwar ganz legal, wie das Oberverwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen bestätigte. Es urteilte, dass das massenhafte Kükentöten NICHT gegen das Tierschutzgesetz verstoße. Die Begründung: Das Gesetz erlaube das Quälen und Töten von Tieren, wenn es denn aus einem „vernünftigen Grund“ geschehe, und der sei ja mit der Wirtschaftlichkeit der Betriebe und der Versorgung der Bevölkerung gegeben. Mit anderen Worten: Die Profitinteressen der Betriebe werden höher bewertet als der Tierschutz!

Ich frage Sie: Wollen wir so eine Gesetzeslage einfach achselzuckend hinnehmen? Wollen wir, dass das Profitstreben das millionenfache Töten hilfloser Küken legitimiert? Wenn Sie diese Begründung genauso fragwürdig finden wie wir und diesen unerträglichen Zustand beenden wollen, dann helfen Sie uns dabei! 

Vielleicht sagen Sie sich jetzt: „Kein Problem, schließlich können wir ja Bio-Eier kaufen“. Leider muss ich Sie enttäuschen – denn das Vergasen oder Schreddern männlicher Küken ist auch bei Bio-Betrieben leider immer noch trauriger Alltag. Zwar gibt es eine wachsende Zahl an Initiativen von Bio-Betrieben, in denen auch die männlichen Küken aufgezogen werden. Doch im Normalfall müssen Sie auch beim Kauf von Bio-Eiern davon ausgehen, dass Sie damit das massenhafte Kükentöten unterstützen. Durch die freiwilligen Initiativen einiger Betriebe wird lediglich ein Bruchteil der männlichen Küken gerettet. Es handelt sich also nur um den berühmten Tropfen auf dem heißen Stein.

Für alle anderen männlichen Küken ändert sich nichts. Sie werden weiterhin direkt nach dem Schlüpfen umgebracht. Wenn Sie ENDLICH die Sicherheit haben wollen, beim Lebensmitteleinkauf keine Tierquälerei zu unterstützen, dann helfen Sie uns in unserer Arbeit für eine tiergerechtere Haltung und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch. 

Wir meinen: Die Bundesregierung sollte aufhören, auf freiwillige Lösungen zu setzen. Praktiken wie das sinnlose Kükentöten müssen endlich gestoppt werden. Alle Tiere müssen tiergerecht und vor allem so gesund wie möglich gehalten werden – in jedem landwirtschaftlichen Betrieb! Wir müssen den Druck auf die Politik erhöhen. Doch dazu benötigen wir Ihre Hilfe! Je mehr Unterstützerinnen und Unterstützer foodwatch hinter sich weiß, umso besser können wir uns Gehör verschaffen.  

Vielen Dank und herzliche Grüße

Ihr Martin Rücker, foodwatch

P.S.: Geld ist das eine. Die Anzahl unserer Fördererinnen und Förderer spielt aber auch eine große Rolle, um uns als Organisation Gehör zu verschaffen. Je mehr Unterstützerinnen und Unterstützer wir haben, desto leichter können wir Druck ausüben. Deshalb: Werden Sie bitte Förderin/Förderer von foodwatch und kämpfen Sie gemeinsam mit uns für Ihr Recht! 

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<![CDATA[Presse-Statement – foodwatch zu Transparenz über Lebensmittelkontrollen: „Ministerin Sütterlin-Waack darf nicht die Verantwortung auf die Bürgerinnen und Bürger abwälzen“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-foodwatch-zu-transparenz-ueber-lebensmittelkontrollen-ministerin-suetterlin-waack-darf-nicht-die-verantwortung-auf-die-buergerinnen-und-buerger-abwaelzen/Thu, 28 Feb 2019 11:33:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat haben den Vorschlag der schleswig-holsteinischen Verbraucherministerin Sabine Sütterlerlin-Waack kritisiert, wonach Verbraucherinnen und Verbraucherin künftig nur auf Nachfrage die Hygiene-Kontrollberichte eines Lebensmittelbetriebes einsehen können – die Berichte aber nicht veröffentlicht werden dürfen. Die Initiatoren der Online-Plattform „Topf Secret“ fordern stattdessen ein Transparenz-System nach dem Vorbild Dänemarks.

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch, erklärt: 

„Schön, dass sich in Schleswig-Holstein überhaupt etwas tut. Aber: Es ist völlig abwegig, dass Bürgerinnen und Bürger jetzt selber Lebensmittelkontrolleur spielen sollen. Wer bitte will vor einem Restaurantbesuch den Gastwirt nach dem Lebensmittelkontrollbericht fragen? Ministerin Sütterlin-Waack darf nicht einfach die Verantwortung auf die Bürgerinnen und Bürger abwälzen. Die Ministerin sollte vielmehr über die Grenze nach Dänemark schauen: Sie muss sich dafür stark machen, dass Behörden grundsätzlich Transparenz über die Ergebnisse aller Lebensmittelkontrollen schaffen – und zwar nicht nur auf Nachfrage, sondern proaktiv, direkt an der Ladentür von allen Lebensmittelbetrieben wie es in Dänemark längst üblich ist. Erst das schafft echte Transparenz für die Bürgerinnen und Bürger und einen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an die Hygienevorgaben zu halten.

Zudem muss die Ministerin eine klare Weisung geben, dass die etwa 900 in ihrem Bundesland gestellten Anträge nach Hygieneberichten auch tatsächlich beantwortet werden. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf die beantragten Infos – das kann Frau Sütterlin-Waack nicht einfach ignorieren.“

 

Online-Plattform „Topf Secret“: www.topf-secret.foodwatch.de 

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<![CDATA[Internes Schreiben zeigt: Gastro-Lobby will Veröffentlichungen von Hygiene-Kontrollergebnissen auf Verbraucherportal „Topf Secret“ verhindern – foodwatch und FragDenStaat: DEHOGA schüchtert Verbraucher und Behörden ein ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/internes-schreiben-zeigt-gastro-lobby-will-veroeffentlichungen-von-hygiene-kontrollergebnissen-auf-verbraucherportal-topf-secret-verhindern-foodwatch-und-fragdenstaat-dehoga-schuechtert-verbraucher-und-behoerden-ein/Wed, 27 Feb 2019 13:03:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat haben den Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) für seinen Umgang mit der Hygiene-Plattform „Topf Secret“ scharf kritisiert: Der Verband schüchtere mit fragwürdigen Argumenten Verbraucherinnen und Verbraucher ein und setze Behörden unter Druck, die Hygienekontrollergebnisse geheim zu halten. Wie aus einem internen Schreiben hervorgeht, ruft der DEHOGA alle seine Mitglieder auf, bei Topf Secret-Anfragen die Herausgabe von Kontrollberichten durch die Behörde abzulehnen. In dem als „Antwortmuster für betroffene Betriebe“ bezeichneten Papier werden die Behörden zudem aufgefordert, „Maßnahmen zu ergreifen, um Veröffentlichungen zu unterbinden“, denn angeblich sei die Internetplattform Topf Secret „rechtswidrig“. Außerdem ist vorgesehen, dass die betroffenen Betriebe von den Behörden stets Namens und Anschrift der Antragstellerinnen und Antragsteller verlangen. Mit dieser Einschüchterungstaktik wolle der Lobbyverband die Bürgerinnen und Bürger um ihre gesetzlichen Informationsrechte beschneiden, kritisierten foodwatch und FragDenStaat.

„Die Gastro-Lobby wehrt sich mit allen Mitteln gegen mehr Transparenz bei Lebensmittelkontrollen. Der Verband schützt die Schmuddelbetriebe und arbeitet gegen den Großteil der eigenen Mitglieder. Bei drei Viertel der Lebensmittelbetriebe in Deutschland werden bei amtlichen Kontrollen keine Verstöße festgestellt – für die allermeisten Unternehmen wäre mehr Transparenz die beste Werbung“, erklärte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat.

Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und im Anschluss veröffentlichen. Rund einen Monat nach Start der Plattform wurden deutschlandweit mehr als 18.000 Anträge gestellt. Der Gastro-Verband DEHOGA wehrte sich bereits in den vergangenen Wochen gegen „Topf Secret“: Die Veröffentlichung von Hygiene-Kontrollberichten auf dem Portal sei „rechtswidrig“. foodwatch und FragDenStaat riefen angeblich zum „Rechtsbruch“ auf, denn „ausschließlich die zuständigen Behörden“ dürften über Hygienemängel informieren, schrieb der Lobbyverband in einer Stellungnahme. Diese Auffassung wird jedoch selbst vom eigenen Dachverband, dem Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft (BLL) ausdrücklich „nicht geteilt“. Das zeigt ein internes Schreiben des BLL an seine Mitglieder – darunter auch der DEHOGA. Antragsstellerinnen und Antragssteller dürfen demnach sehr wohl die erlangten Infos auf „Topf Secret“ veröffentlichen. foodwatch und FragDenStaat hatten den DEHOGA aufgefordert, die Falschaussagen zurückzuziehen. Dieser erklärte jedoch gegenüber den beiden Organisationen, an seiner Rechtsauffassung festzuhalten. Die Stadt Köln war der Auffassung des DEHOGA zunächst gefolgt und verschickte einen Hinweis an alle Antragsstellerinnen und Antragstellern, wonach eine Veröffentlichung der Kontrollergebnisse nicht erlaubt sei. Nach der Kritik von foodwatch und FragDenStaat ruderte das Umwelt- und Verbraucherschutzamt zurück und versprach, einen solchen Hinweis künftig nicht mehr zu versenden: "Alle Verbraucher sollen Anspruch auf Information über bestimmte Daten und Produkte erhalten, die den Behörden vorliegen", sagte eine Sprecherin gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – obwohl seit Jahren jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet wird, größtenteils wegen Hygienemängeln. „Topf Secret“ will Licht ins Dunkel bringen und Druck aufbauen, damit Behörden in Zukunft ausnahmslos alle Kontrollergebnisse veröffentlichen müssen. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten, so foodwatch und FragDenStaat. In Dänemark zum Beispiel erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher im Internet und direkt an der Ladentür anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Ähnliche Transparenzsysteme gibt es zum Beispiel auch in Norwegen und Wales.

foodwatch und FragDenStaat forderten den DEHOGA auf, seinen Widerstand gegen mehr Transparenz über Lebensmittelkontrollen aufzugeben. „Auch in Dänemark waren viele Gastronomen zunächst gegen die Veröffentlichung von Hygiene-Kontrollergebnissen. Das hat sich geändert: Jetzt unterstützen die meisten Gewerbetreibenden mehr Transparenz, denn sie sehen: Das System ist fair – für die Kundinnen und Kunden genauso wie für die Betriebe“, sagte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.

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<![CDATA[foodwatch kritisiert Coca-Cola-Sponsoring der EU-Ratspräsidentschaft – Beschwerde beim Rat der Europäischen Union und Rumänien ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-kritisiert-coca-cola-sponsoring-der-eu-ratspraesidentschaft-beschwerde-beim-rat-der-europaeischen-union-und-rumaenien/Tue, 26 Feb 2019 11:35:00 +0100

Amsterdam/Berlin/Paris, 26. Februar 2019. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat das Sponsoring der rumänischen EU-Ratspräsidentschaft durch Coca-Cola scharf kritisiert. In einem offenen Brief forderte foodwatch EU-Ratspräsident Donald Tusk und die rumänische Premierministerin Viorica Dăncilă auf, die Partnerschaft mit Coca-Cola unverzüglich zu beenden. Angesichts grassierender Fettleibigkeit und Krankheiten wie Typ-2-Diabetes sei die Zusammenarbeit absolut unangebracht. Zudem würden solche Sponsoring-Partnerschaften das Vertrauen der Öffentlichkeit in die EU-Institutionen schwächen – dabei wäre es im Gegenteil wichtig, das Vertrauen zu stärken, so foodwatch. Die europäische Verbraucherorganisation forderte klare Regeln zum Sponsoring von EU-Organen durch Unternehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Unter www.aktion-coke-eu.foodwatch.de startete foodwatch eine Online-Petition gegen das Sponsoring durch Coca-Cola.

„Wenn eine der wichtigsten politischen Institutionen in Europa durch den größten Getränkekonzern der Welt gesponsert wird, ist das schlichtweg inakzeptabel. Die Sponsoring-Partnerschaft der EU mit Coca-Cola schadet der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Politik in Europa", sagte Andreas Winkler von foodwatch. „In vielen EU-Staaten wird zum Beispiel gerade über eine stärke Besteuerung von zuckerhaltigen Getränken diskutiert – eine politische Maßnahme, gegen die Coca-Cola seit Jahren entschieden ankämpft. Es darf niemals der Fall sein – und auch nicht der Anschein erweckt werden –, dass ein Unternehmen Einfluss auf die politische Agenda der EU hat.“

Der Vorsitz im Rat der Europäischen Union rotiert unter den 28 EU-Mitgliedstaaten im Halbjahres-Rhythmus. Im Januar 2019 hat ihn Rumänien übernommen. Coca-Cola ist einer von nur wenigen „Platin-Partnern“. Auch die rumänische Bierbrauereiorganisation Berarii und Mercedes unterstützen die Präsidentschaft. Journalisten von ZDF und ARD hatten sich überrascht darüber gezeigt, dass Coca-Cola als Sponsor auftritt. So wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des EU-Außenminister-Treffens in Bukarest mit Aufstellern begrüßt, auf denen es hieß: "Das Coca-Cola-System unterstützt stolz die erste rumänische EU-Ratspräsidentschaft". Es gab Coca-Cola-Sitzsäcke, Plakate und – wenig überraschend – Getränke.

Bilder: Tweets von Journalisten, die das Sponsoring der rumänischen Präsidentschaft durch Coca-Cola zeigen. (Siehe Twitter)

Dass die EU-Ratspräsidentschaft von Unternehmen gesponsert wird, ist kein Einzelfall: 2018 hat sich Österreich zum Beispiel von Audi und der Versicherungsgruppe VIG sponsern lassen, Bulgarien vom Verband der bulgarischen Getränkeindustrie und von BMW. Malta, das 2017 den Ratsvorsitz innehatte, bewarb seine „Partnerschaftsvereinbarungen“ damit, dass Unternehmen von „zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen“ profitieren würden: „Dadurch gewinnen Sie mehr Aufmerksamkeit und Ansehen, und Sie können den Bekanntheitsgrad für ihre Produkte und Dienstleistungen erhöhen.“ Coca-Cola hatte bereits 2011 die polnische Präsidentschaft unterstützt. Unter anderem lieferte der Konzern 140.000 Liter Getränke für die Meetings.

foodwatch kritisierte, dass Unternehmen in dieser Weise als Sponsor auftreten. Die Politik dürfe nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst werden. Schon der Anschein eines Interessenkonflikts sollte vermieden werden, da dies das Vertrauen in die Politik beeinträchtige, so foodwatch. Das Sponsoring von Coca-Cola sei nicht zuletzt deshalb problematisch, weil in Europa gerade intensiv über eine Lebensmittelampel und eine Sonderabgabe für die Hersteller stark zuckerhaltiger Getränke diskutiert werde – Regulierungen, gegen die sich Coca-Cola seit Jahren mit massiver Lobbyarbeit wehre. Interne E-Mails des Getränkekonzerns, die im Jahr 2016 an die Öffentlichkeit gelangten, zeigen, dass Coca-Cola vor allem Steuern auf zuckergesüßte Getränke fürchtet. In einem Strategiepapier wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt – mit dem klaren Auftrag „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Andreas Winkler von foodwatch: „foodwatch tritt ein für eine demokratische Europapolitik, die die Interessen der Bürgerinnen und Bürger in den Vordergrund stellt – und nicht die Interessen von großen Konzernen. Der massive Lobbyeinfluss der Lebensmittelindustrie muss aufhören."

Dass die EU-Ratspräsidentschaft von Unternehmen gesponsert wird, ist kein Einzelfall: 2018 hat sich Österreich zum Beispiel von Audi und der Versicherungsgruppe VIG sponsern lassen, Bulgarien vom Verband der bulgarischen Getränkeindustrie und von BMW. Malta, das 2017 den Ratsvorsitz innehatte, bewarb seine „Partnerschaftsvereinbarungen“ damit, dass Unternehmen von „zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen“ profitieren würden: „Dadurch gewinnen Sie mehr Aufmerksamkeit und Ansehen, und Sie können den Bekanntheitsgrad für ihre Produkte und Dienstleistungen erhöhen.“ Coca-Cola hatte bereits 2011 die polnische Präsidentschaft unterstützt. Unter anderem lieferte der Konzern 140.000 Liter Getränke für die Meetings.

foodwatch kritisierte, dass Unternehmen in dieser Weise als Sponsor auftreten. Die Politik dürfe nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst werden. Schon der Anschein eines Interessenkonflikts sollte vermieden werden, da dies das Vertrauen in die Politik beeinträchtige, so foodwatch. Das Sponsoring von Coca-Cola sei nicht zuletzt deshalb problematisch, weil in Europa gerade intensiv über eine Lebensmittelampel und eine Sonderabgabe für die Hersteller stark zuckerhaltiger Getränke diskutiert werde – Regulierungen, gegen die sich Coca-Cola seit Jahren mit massiver Lobbyarbeit wehre. Interne E-Mails des Getränkekonzerns, die im Jahr 2016 an die Öffentlichkeit gelangten, zeigen, dass Coca-Cola vor allem Steuern auf zuckergesüßte Getränke fürchtet. In einem Strategiepapier wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt – mit dem klaren Auftrag „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Andreas Winkler von foodwatch: „foodwatch tritt ein für eine demokratische Europapolitik, die die Interessen der Bürgerinnen und Bürger in den Vordergrund stellt – und nicht die Interessen von großen Konzernen. Der massive Lobbyeinfluss der Lebensmittelindustrie muss aufhören."

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<![CDATA[foodwatch kritisiert Coca-Cola-Sponsoring der EU-Ratspräsidentschaft]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/coca-cola-sponsert-die-eu/Mon, 25 Feb 2019 17:17:00 +0100

Coca-Cola finanziert als offizieller Partner die europäische Ratspräsidentschaft Rumäniens. foodwatch hat EU-Ratspräsident Donald Tusk und die rumänische Premierministerin Viorica Dăncilă aufgefordert, die Partnerschaft unverzüglich zu beenden. Angesichts grassierender Fettleibigkeit und Krankheiten wie Typ-2-Diabetes ist eine solche Sponsoring-Partnerschaft absolut unangebracht – und schwächt zudem das Vertrauen der Öffentlichkeit in die EU-Institutionen.

Der Vorsitz im Rat der Europäischen Union rotiert unter den 28 EU-Mitgliedstaaten im Halbjahres-Rhythmus. Im Januar 2019 hat ihn Rumänien übernommen. Coca-Cola ist einer von nur wenigen „Platin-Partnern“. Auch die rumänische Bierbrauereiorganisation Berarii und Mercedes unterstützen die Präsidentschaft. Journalisten von ZDF und ARD hatten sich überrascht darüber gezeigt, dass Coca-Cola als Sponsor auftritt. So wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des EU-Außenminister-Treffens in Bukarest mit Aufstellern begrüßt, auf denen es hieß: "Das Coca-Cola-System unterstützt stolz die erste rumänische EU-Ratspräsidentschaft". Es gab Coca-Cola-Sitzsäcke, Plakate und – wenig überraschend – Getränke.

Tweets von Journalisten, die das Sponsoring der rumänischen Präsidentschaft durch Coca-Cola zeigen.

Protestaktion gegen Coca-Cola-Sponsoring 

foodwatch kritisiert die Zusammenarbeit der EU mit dem größten Getränkekonzern der Welt in einem offenen Brief als absolut inakzeptabel. Es braucht endlich klare Regeln zum Sponsoring von EU-Organen durch Unternehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden! Unter www.aktion-coke-eu.foodwatch.de hat foodwatch eine Online-Protestaktion dazu gestartet.

Jetzt unterzeichnen!

„Die Sponsoring-Partnerschaft der EU mit Coca-Cola schadet der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Politik in Europa. In vielen EU-Staaten wird zum Beispiel gerade über eine stärke Besteuerung von zuckerhaltigen Getränken diskutiert – eine politische Maßnahme, gegen die Coca-Cola seit Jahren entschieden ankämpft. Es darf niemals der Fall sein – und auch nicht der Anschein erweckt werden –, dass ein Unternehmen Einfluss auf die politische Agenda der EU hat.“

Andreas Winkler von foodwatch

Coca-Cola-Sponsoring ist kein Einzelfall

Dass die EU-Ratspräsidentschaft von Unternehmen gesponsert wird, ist kein Einzelfall: 2018 hat sich Österreich zum Beispiel von Audi und der Versicherungsgruppe VIG sponsern lassen, Bulgarien vom Verband der bulgarischen Getränkeindustrie und von BMW. Malta, das 2017 den Ratsvorsitz innehatte, bewarb seine „Partnerschaftsvereinbarungen“ damit, dass Unternehmen von „zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen“ profitieren würden: „Dadurch gewinnen Sie mehr Aufmerksamkeit und Ansehen, und Sie können den Bekanntheitsgrad für ihre Produkte und Dienstleistungen erhöhen.“ Coca-Cola hatte bereits 2011 die polnische Präsidentschaft unterstützt. Unter anderem lieferte der Konzern 140.000 Liter Getränke für die Meetings.

Sponsoring schwächt Vertrauen in die Politik

foodwatch kritisiert, dass Unternehmen in dieser Weise als Sponsor auftreten. Die Politik darf nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst werden. Schon der Anschein eines Interessenkonflikts muss vermieden werden, da dies das Vertrauen in die Politik beeinträchtigt. Das Sponsoring von Coca-Cola ist nicht zuletzt deshalb problematisch, weil in Europa gerade intensiv über eine Lebensmittelampel und eine Sonderabgabe für die Hersteller stark zuckerhaltiger Getränke diskutiert wird – Regulierungen, gegen die sich Coca-Cola seit Jahren mit massiver Lobbyarbeit wehrt. Interne E-Mails des Getränkekonzerns, die im Jahr 2016 an die Öffentlichkeit gelangten, zeigen, dass Coca-Cola vor allem Steuern auf zuckergesüßte Getränke fürchtet. In einem Strategiepapier wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt – mit dem klaren Auftrag „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Jetzt Aktion unterzeichnen!

 

 

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<![CDATA[Alnatura ruft Kinder-Müsli und Kekse zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/alnatura-ruft-kinder-muesli-und-kekse-zurueck/Thu, 21 Feb 2019 09:57:00 +0100

Die Supermarktkette Alnatura hat Kinder-Bircher-Müsli und Müslikekse wegen möglicher Gesundheitsgefahren zurückgerufen. In den Produkten könnten sich Teile von Apfelstielen befinden.

Das Handelsunternehmen Alnatura hat aus vorsorglichen Gründen zwei seiner Produkte zurückgerufen, in denen sich nach Angaben des Unternehmens Teile von Apfelstielen befinden können. Betroffen seien das Alnatura Kinder-Bircher-Müsli mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 11.10.2019 und 02.11.2019 sowie die Alnatura Müslikekse für Kinder ab dem 15. Monat mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 04.09.2019, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Die Ware sei aus dem Handel genommen worden, hieß es.

Folgende Produkte sind vom Rückruf betroffen:

  • das Alnatura Kinder-Bircher-Müsli (ab 1 Jahr) mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 11.10.2019 und 02.11.2019 sowie
  • die Alnatura Müslikekse (ab 15. Monat) mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 04.09.2019. 

Wer eine Packung mit einem der genannten Mindesthaltbarkeitsdaten zu Hause habe, könne diese zurückbringen und Ersatz erhalten. Andere Müslis oder Kekse oder Produkte mit einem anderen Mindesthaltbarkeitsdatum seien von dem Rückruf nicht betroffen, erklärte Alnatura.

dpa

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<![CDATA[Presse-Statement: foodwatch zu lebensmittelwarnung.de]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-foodwatch-zu-lebensmittelwarnungde/Tue, 19 Feb 2019 17:27:00 +0100

Zu den Änderungen an dem staatlichen Portal lebensmittelwarnung.de erklärt Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Trotz aller Änderungen erfüllt das Portal noch immer nicht einmal im Ansatz das Ziel, Menschen schnell und zuverlässig vor gefährlichen Produkten zu warnen. Bereits 2011 hatten Bund und Länder schriftlich fest vereinbart, dass die Menschen über das Portal per E-Mail-Newsletter informieren lassen können – das ist bis heute nicht umgesetzt, von einer Verbreitung über viel genutzte Kanäle wie Facebook oder Instagram ganz zu schweigen.

Ministerin Julia Klöckner, die ständig von Digitalisierung redet, blamiert sich mit diesem Trauerspiel bis auf die Knochen – und versagt kläglich dabei, die Menschen vor ernsthaften Gesundheitsrisiken zu schützen. Selbst bei einem so wichtigen Thema wie Produktwarnungen ist das Internet für Bundesregierung und Länder offenbar immer noch ‚Neuland‘“.

Hintergrund:

Unter www.lebensmittelwarnung.de sollen Verbraucherinnen und Verbraucher ab sofort zum Beispiel auch bei gesundheitsschädlichen Cremes oder Shampoo, Spielzeug, Kleidung oder Schmuck gewarnt werden. Das Portal wurde um Kosmetika und Bedarfsgegenstände erweitert, teilte das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Dienstag mit. Unternehmen und Behörden können dort ihre Rückrufe veröffentlichen.

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<![CDATA[Demokratie in Gefahr?]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/demokratie-in-gefahr/Fri, 15 Feb 2019 11:13:00 +0100

Hallo und guten Tag, 

als es vor einigen Wochen so aussah, als würde die betäubungslose Kastration kleiner Ferkel endlich verboten werden, waren Bauern- und Fleischlobbyisten in heller Aufruhr. Die Verbände setzten alle Hebel in Bewegung, um die grausame, aber seit Jahren praktizierte Methode wenigstens noch weitere zwei Jahre zu erlauben. Johannes Röring etwa, Bauernverbandspräsident in Westfalen, wandte sich an die Bundestagsabgeordneten und forderte eine „Fristverlängerung“. Wie praktisch, dass der Weg nicht allzu weit war – schließlich ist Herr Röring nicht nur Lobbyist, sondern auch gleich noch selbst Bundestagsabgeordneter. Als Nebenjob, im Hauptberuf – ja, was eigentlich??

Die meisten Menschen haben EINEN Job und sind damit voll ausgefüllt. Andere brauchen zwei, um irgendwie über die Runden zu kommen. Johannes Röring aber, einer der einflussreichsten Politiker, wenn es um unsere Lebensmittel geht, muss ein wahrer Tausendsassa sein. Er sitzt im Agrarausschuss des Bundestages und ist GLEICHZEITG Chef eines Agrarlobbyverbandes in NRW und Präsidiumsmitglied des mächtigen Bauernverbandes – aber nicht nur: Insgesamt führt der Abgeordnete sage und schreibe 21 (!) Funktionen „nebenher“ auf. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ist er selbst als Landwirt mit einem Schweinemastbetrieb aktiv. Da lobbyiert einer für die eigenen Interessen – und kann im Ausschuss und im Bundestag in eigener Sache gleich mitentscheiden… 

Bei den Ferkeln haben wir verloren: Der Bundestag stimmte am Ende mehrheitlich dafür, die betäubungslose Kastration noch einmal zwei Jahre zuzulassen – ein echter Skandal. Doch bei unserem Kampf gegen den schädlichen Einfluss der Agrar- und Lebensmittellobby dürfen wir nicht aufgeben! Wir müssen die Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik offenlegen und zum Thema machen. Ich bin mir sicher, dass der Verbraucher-, Umwelt- oder Tierschutz nur dann nicht unter die Räder kommt, wenn WIR außerhalb des Bundestages Druck machen. Helfen Sie uns dabei, eine Gegenmacht der Verbraucherinnen und Verbraucher aufzubauen und schließen Sie sich uns an.

Wie ist es möglich, dass jemand als Abgeordneter genau für den Bereich zuständig ist, indem er als Unternehmer und Lobbyist auf eigene Rechnung arbeitet? Die Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik nimmt ein Ausmaß an, das hochproblematisch für unsere Demokratie ist! Leider geht es nicht um Einzelfälle! Zum Beispiel Peter Bleser: Jahrelang oberster Verbraucherschützer seiner Fraktion, "nebenher" Aufsichtsratschef eines Agrarhändlers mit Milliardenumsatz, 2006 "Pate" (!) für Felder mit genverändertem Monsanto-Mais - Ende 2017 machte er sich als Staatssekretär im Namen der Bundesregierung für den weiteren Einsatz des Ackergifts Glyphosat stark, mit dem vor allem Monsanto Profit macht.

Gibt es denn gar keine Schamgrenze? Eine solche Verquickung von Interessen DARF es einfach nicht geben! Wenn Lobbyisten in Bundestag und Bundesregierung ihre eigenen Gesetze bauen und über die eigenen Subventionen entscheiden, hilft nur eins: WIR Verbraucherinnen und Verbraucher müssen dagegen halten!

Das Schlimmste ist: Im Ernährungs- und Agrarbereich gibt es eine kaum enden wollende Zahl von Überschneidungen zwischen Unternehmen, Lobbyverbänden und der Politik. Es wimmelt nur so von Interessenkonflikten, munter werden die Rollen gewechselt und vermischt:

Friederich-Otto-Ripke: erst Staatssekretär in Niedersachsen, dann Lobbyist für die Geflügelwirtschaft

Günther Tissen: jahrelang Regierungsdirektor im Bundesernährungsministerium, heute Cheflobbyist der deutschen Zuckerindustrie. 

Karl-Heinz-Funke: früher Bundeslandwirtschaftsminister, jetzt im Kuratorium der Wiesenhof-Stiftung

Christian von Boetticher: erst Umwelt- und Agrarminister in Schleswig-Holstein, heute Lebensmittelproduzent und Vizechef des Lobbyverbandes der Ernährungsindustrie und noch immer Landeschef des einflussreichen CDU-Wirtschaftsrats. 

Franz-Josef Holzenkamp: lange Zeit "verbraucherpolitischer Sprecher" seiner Bundestagsfraktion, jetzt (und bereits neben dem Mandat) Chef des mächtigen Raiffeisenverbandes.

Silvia Breher: Holzenkamps Nachfolgerin im Bundestag, erst Geschäftsführerin eines Bauernlobbyverbandes, jetzt im Agrarausschuss des Bundestages.

Gert Lindemann: erst Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium (das ist das Ministerium, das auch FÜR den Verbraucherschutz da ist!), danach Aufsichtsrat bei Nordzucker, einem Konzern, der zu den Top-Profiteuren von Agrarsubventionen gehört. Und dann, als ob nichts gewesen sei, plötzlich zum Landwirtschafts- und Verbraucherminister in Niedersachsen berufen...

Matthias Berninger: erst Verbraucherschutzstaatssekretär, dann Konzernvertreter für Mars und Mit-Verhinderer der Ampelkennzeichnung, jetzt Lobbyist für Bayer-Monsanto - angeblich, weil er sich dort für die Welternährung einsetzen möchte.

Diese Liste ist keineswegs vollständig. Und jetzt frage ich Sie: Wie soll die Landwirtschaft verbraucher- und umweltfreundlicher werden, der Tierschutz verbessert, der Pestizideinsatz reduziert, der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung erfolgreich geführt werden, wenn in Bundestag und Bundesregierung Politiker sitzen, die so eng mit der Branche verbandelt sind? Wenn Abgeordnete und Staatssekretäre munter durch die Drehtür in den Lobbyjob wechseln? Es gibt nur einen Weg, ihnen etwas entgegenzusetzen: Wir müssen es selbst tun! Wir müssen Verflechtungen recherchieren und Einflussnahmen öffentlich machen. Wir müssen es zum Thema machen, wenn einfach Wirtschaftsinteressen bedient werden - zum Schaden von uns allen. Helfen Sie uns, die Stimme der Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken und eine Gegenlobby aufzubauen. 

Diese Interessenverquickung führt unsere Demokratie ad absurdum. Die Süddeutsche Zeitung zitierte unlängst einen Politiker, der nach einer kritischen Rede von einem Agrarminister angesprochen worden sei: "Wenn du irgendwann auch auf Linie bist, dann sorgen wir auch für dich." - "Lukrative Posten" als Gegenleistung für Linientreue? Das schlägt dem Fass den Boden aus! Da sitzen Abgeordnete mit Nebenjobs, die in eigener Sache lobbyieren und dann über ihre eigenen Interessen abstimmen. Verbände und Unternehmen kaufen sich Ex-Politiker ein, die ihre Drähte in die Politik nutzen, um Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Und wenn einer immer noch nicht auf Linie ist, zeigt man ihm schon mal dezent, wo es lang geht. Das können wir uns nicht länger gefallen lassen! Helfen Sie uns, eine starke Gegenlobby aufzubauen.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Ihr Martin Rücker,

Geschäftsführer

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<![CDATA[Rückruf bei Lidl: Kunststoffe in geriebenem Käse]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-bei-lidl-kunststoffe-in-geriebenem-kaese/Wed, 13 Feb 2019 16:35:00 +0100

Beim Discounter Lidl wird geriebener Gouda der Marke Milbona zurückgerufen. Der niederländische Hersteller Delicateur könne nicht ausschließen, dass in dem betroffenen Produkt Kunststofffremdkörper enthalten sind, teilte Lidl Deutschland am Dienstag mit.

Betroffen sei das Produkt „Milbona Gouda jung gerieben, mindestens 7 Wochen gereift, 250g“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 21.04.2019, den Losnummern 834799538051020190121 und 834799538051021190121 und dem Identitätskennzeichen NL Z 0507 i EG.

Die Packungen wurden nach Angaben des Discountunternehmens in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz verkauft. Wegen der möglichen Verletzungsgefahr sollen Kunden den betroffenen Käse nicht konsumieren. Das Produkt könne in allen Lidl-Filialen zurückgegeben werden, teilte das Unternehmen weiter mit. Der Kaufpreis werde erstattet – auch ohne Vorlage des Kassenbons. Hier die offizielle Meldung auf lebensmittelwarnung.de

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

(mit dpa)

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Verfassungsgericht soll undemokratische Handelsabkommen prüfen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/freihandelsabkommen/aktuelle-nachrichten/verfassungsgericht-soll-undemokratische-handelsabkommen-pruefen/Tue, 12 Feb 2019 15:06:00 +0100

foodwatch, Campact und Mehr Demokratie wollen vom Bundesverfassungsgericht prüfen lassen, ob so genannte „EU-only“-Handelsabkommen rechtens sind. Der EU-Singapur-Deal könnte der erste Dutzender Verträge sein, bei denen die EU die Zustimmungspflicht der Mitgliedsländer umgeht. 

Anlässlich der Abstimmung im Europäischen Parlament über das Handelsabkommen zwischen der EU und Singapur (EUSFTA) haben Mehr Demokratie, foodwatch und Campact eine Verfassungsbeschwerde angekündigt. EUSFTA ist ein "EU-only-Abkommen". Diese Handelsabkommen will die EU künftig in zwei Teile aufspalten, einen für Investitionen und einen für Handel. Über den Handelsteil will sie ohne die Mitgliedstaaten entscheiden – damit will sie die Zustimmungspflicht der Mitgliedsländer umgehen.  Sollte das EU-Parlament dem Abkommen zustimmen, will das Bündnis nach Karlsruhe ziehen. Die Organisationen befürchten, dass Dutzende weiterer Verträge folgen werden, bei denen die Mitgliedstaaten beim Handelsteil außen vor bleiben.

Parlamente verlieren an Einfluss

Durch Abkommen wie dem EU-Singapur-Deal drohen mehr als nur investorenfreundliche Schiedsgerichte. Die Mitgliedstaaten können in wichtigen politischen Fragen umgangen werden. Dabei sind Umweltrecht, Sozialrecht, Arbeitsrecht, Steuerrecht und viele andere Bereiche unmittelbar mit dem internationalen Handel verknüpft.

foodwatch, Campact und mehr Demokratie kritisieren, dass sich so gut wie jede Regelung eines EU-Mitgliedstaats in irgendeiner Form auf den grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr auswirken kann. Die EU kann über diesen Weg leicht in die Mitgliedstaaten hineinregieren, ohne dass deren Parlamente darauf Einfluss haben. Umgekehrt sind in Handelsabkommen auch Politikbereiche enthalten, die in der Kompetenz der Mitgliedstaaten liegen. 

Bürgerinnen und Bürger können sich der Beschwerde anschließen!

Ab dem 13. Februar können sich Wahlberechtigte über www.verfassungsbeschwerde.eu beteiligen und Co-Beschwerdeführende werden. Die Kosten tragen die Organisationen. Eine Einreichung der kompletten Beschwerdeschrift beim Bundesverfassungsgericht ist noch vor Jahresmitte geplant. Die Organisationen gehen davon aus, dass die Entscheidung in diesem Fall maßgeblich für weitere Handelsabkommen sein wird.

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<![CDATA[„Gremium praktisch wirkungslos“: Deutsche Diabetes Gesellschaft steigt aus Julia Klöckners Beraterkreis zur Zuckerreduktion aus – freiwillige Maßnahmen zum Scheitern verurteilt]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/gremium-praktisch-wirkungslos-deutsche-diabetes-gesellschaft-steigt-aus-julia-kloeckners-beraterkreis-zur-zuckerreduktion-aus-freiwillige-massnahmen-zum-scheitern-verurteilt/Tue, 12 Feb 2019 10:35:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Entscheidung der Deutschen Diabetes Gesellschaft begrüßt, aus dem Beraterkreis von Ernährungsministerin Julia Klöckner zur Zuckerreduktion auszusteigen. Die medizinische Fachorganisation hatte am Dienstag die Teilnahme abgelehnt, da das Gremium „praktisch wirkungslos“ sei. „Der deutsche Sonderweg, eine Reduktion nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, muss bereits jetzt als gescheitert angesehen werden“, teilte die Diabetes Gesellschaft mit. Das Expertengremium ist Teil von Julia Klöckners „Nationaler Reduktionsstrategie“, mit der die Ministerin Lebensmittelhersteller freiwillig dazu bewegen will, weniger Zucker, Fett und Salz in ihren Produkten zu verwenden. foodwatch forderte Frau Klöckner auf, anstatt freiwilliger Selbstverpflichtungen mit der Wirtschaft, verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht auf den Weg zu bringen. 

„Die Lebensmittelindustrie ist nicht Teil der Lösung, sondern Kern des Problems. Coca-Cola, Ferrero & Co. haben kein Interesse daran, eine gesunde Ernährung zu fördern – sie verdienen ihr Geld mit Zuckerbomben“, sagte Oliver Huizinga von foodwatch. „Julia Klöckner muss endlich ihren Job als Ernährungsministerin machen. Wir brauchen eine verständliche Lebensmittelampel, eine Limo-Steuer und Werbeverbote für ungesunde Kinderprodukte. Andere Länder zeigen längst, wie moderne Ernährungspolitik aussehen kann. Doch Frau Klöckner traut sich bisher nicht, sich mit der Industrie anzulegen. Sie nimmt Übergewicht, Diabeteserkrankungen und frühzeitige Todesfälle billigend in Kauf.“

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hatte Ende 2018 die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ auf den Weg gebracht. Erklärtes Ziel ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Das Papier setzt jedoch nur auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Ernährungsbranche –  und bleibt damit weit hinter den Forderungen und Empfehlungen der medizinischen Fachwelt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas zurück. Erst kürzlich etwa hatten führende internationale Forscherinnen und Forscher in einem neuen Report effektive Maßnahmen angemahnt, um Fettleibigkeit und Fehlernährung in den Griff zu bekommen. Die Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung sei zum Scheitern verurteilt, hieß es in der im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie. Auch Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen, dass rein freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen: Dort war ein Programm zur freiwilligen Zuckerreduktion gescheitert, wie das offizielle Monitoring der obersten staatlichen Gesundheitsbehörde gezeigt hat. Der Zuckergehalt aller untersuchten Produktgruppen blieb dort im Zeitraum 2011 bis 2016 unverändert.

In Deutschland fordern Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in Deutschland schon lange zum Beispiel eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert.

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<![CDATA[Diabetesgesellschaft verlässt Klöckners Beratergremium für freiwillige Zuckerreduktion]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/diabetesgesellschaft-verlaesst-kloeckners-beratergremium-fuer-freiwillige-zuckerreduktion/Tue, 12 Feb 2019 10:10:00 +0100

Es war im Dezember vergangenen Jahres, als Julia Klöckner mit großem Tamtam ihre „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ ins Leben rief. Erklärtes Ziel: „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Statt dafür aber – wie von der medizinischen Fachwelt seit Jahren gefordert – verbindliche Maßnahmen wie eine Lebensmittelampel oder eine Limo-Steuer einzuführen, sollen die Hersteller von Fertigprodukten freiwillig weniger Zucker in ihre Produkte tun. 

„Praktisch wirkungslos“

Die Initiative überwachen soll ein Beraterkreis aus Verbraucherschützern, der Lebensmittelwirtschaft und wissenschaftlichen Fachorganisationen. Doch unmittelbar vor Arbeitsbeginn hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) das Gremium bereits wieder verlassen. 

Das Gremium sei „praktisch wirkungslos“, erklärte die DDG den Schritt. „Der deutsche Sonderweg, eine Reduktion nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, muss bereits jetzt als gescheitert angesehen werden.“

„Die Lebensmittelindustrie ist nicht Teil der Lösung, sondern Kern des Problems. Coca-Cola, Ferrero & Co. haben kein Interesse daran, eine gesunde Ernährung zu fördern – sie verdienen ihr Geld mit Zuckerbomben. Andere Länder zeigen längst, wie moderne Ernährungspolitik aussehen kann. Doch Frau Klöckner traut sich bisher nicht, sich mit der Industrie anzulegen. Sie nimmt Übergewicht, Diabeteserkrankungen und frühzeitige Todesfälle billigend in Kauf.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen bei foodwatch

Freiwillige Reduktionsstrategie in den Niederlanden gescheitert

Erst kürzlich etwa hatten führende internationale Forscherinnen und Forscher in einem neuen Report effektive Maßnahmen angemahnt, um Fettleibigkeit und Fehlernährung in den Griff zu bekommen. Die Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung sei zum Scheitern verurteilt, hieß es in der im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie. Auch Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen, dass rein freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen: Dort war ein Programm zur freiwilligen Zuckerreduktion gescheitert, wie das offizielle Monitoring der obersten staatlichen Gesundheitsbehörde gezeigt hat. Der Zuckergehalt aller untersuchten Produktgruppen blieb dort im Zeitraum 2011 bis 2016 unverändert.

In Deutschland fordern Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in Deutschland schon lange zum Beispiel eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. 

Foto: © picture alliance / Sammy Minkoff

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Umfrage unter Supermärkten: Rückruf-Aktionen haben keine Priorität]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/umfrage-unter-supermaerkten-rueckruf-aktionen-haben-keine-prioritaet/Mon, 11 Feb 2019 12:30:00 +0100

Viele Menschen bekommen nicht mit, wenn beispielsweise Lebensmittel mit Salmonellen verunreinigt oder Fremdkörper enthalten sind – was erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann. Schuld ist auch die dürftige Informationspolitik der Handelsketten. 

Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Hamburg und den Rückrufportalen Produktrückrufe.de und Produktwarnung.eu appeliert foodwatch an den Handel, konsequenter und einheitlicher über Lebensmittelwarnungen zu informieren. 

Eine von den Organisationen durchgeführte Umfrage unter Supermärkten und Discountern ergab: Bei einem Großteil der 35 befragten Handelsunternehmen haben Warnungen zum Schutz ihrer Kunden offenbar keine Priorität. 

„Lebensmittelgeschäfte spielen eine zentrale Rolle bei Lebensmittelwarnungen. Mit ihrer mangelhaften Informationspolitik machen sich Handelsunternehmen mitschuldig an vermeidbaren, teils schweren Erkrankungen. Ministerin Julia Klöckner muss dem Handel vorschreiben, Lebensmittelwarnungen immer und auf allen Kanälen zu verbreiten: im Laden, per Newsletter und auf Facebook, bei Fremdmarken genauso wie bei Eigenprodukten.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland

Die fünf wichtigsten Ergebnisse der Umfrage

-  Das große Schweigen: 66 Prozent des Handels antworteten gar nicht auf die Nachfragen der Verbraucherschützer.

- Wenig Einheitlichkeit: Jeder Anbieter warnt anders. Ein erheblicher Anteil der befragten Unternehmen lässt sich nicht in die Karten blicken und verweist nur auf die rechtlichen Mindeststandards. Aus Sicht von foodwatch sollte die Kommunikation über alle Händler hinweg vereinheitlicht werden, zum Beispiel durch ein gleiches Layout und gleiche Platzierung der Warnmeldung immer am Eingang, am Regal und an der Kasse, um nur die wichtigsten zu nennen. Für einheitliche gesetzliche Regelungen sprachen sich dm, Lidl und die Bünting-Gruppe (z.B. Famila) aus. Kein Unternehmen nutzt alle verfügbaren Kanäle. Gerade soziale Medien oder E-Mail-Newsletter dienen meist nur der Marketing-Kommunikation, aber nicht zur Information über gefährliche Produkte und Rückrufaktionen.

- Gute Beispiele: Unscheinbare und kaum wahrnehmbare Plakate bei Lebensmittelwarnungen sind nicht kundenfreundlich. Vielversprechende Ansätze gibt es bei Aldi oder Lidl, so können sich Kunden nach deren Angaben über eine App informieren. Onlinekunden werden bei dm per Newsletter auf den neuesten Stand gesetzt. Ein Kommunikationsmix ist am wirkungsvollsten, um alle Zielgruppen zu erreichen.

- Unterscheidung von Eigen- und Fremdmarken: Verbraucher wollen sicher gehen, dass sie gleichermaßen lückenlos und zeitnah informiert werden. Zuweilen zeigte die Befragung, dass bei den Eigenmarken besser informiert wird, die Unterscheidung ist aus Verbrauchersicht jedoch nicht sinnvoll. Dass es auch anders geht, zeigen die Händler Norma oder Aldi, die keine Trennung zwischen Eigen- und Fremdmarken machen.

- Bereitschaft zur Kommunikation: Ein Lichtblick ist die Bereitschaft beispielsweise von dm oder Lidl, sich mit Verbraucherschützern auszutauschen.

Handelsunternehmen müssen konsequent informieren!

Jede Woche werden in Deutschland im Schnitt zwei Lebensmittel zurückgerufen. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Verletzungen oder Erkrankungen kommen, in einigen Fällen besteht Lebensgefahr.

foodwatch fordert: Handelsunternehmen müssten die konsequente und kontinuierliche Veröffentlichung von Produktwarnungen als ihre Verantwortung und nicht als „notwendiges Übel“ sehen.

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Appell an den Handel: Lebensmittelwarnungen müssen die Kunden besser erreichen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/appell-an-den-handel-lebensmittelwarnungen-muessen-die-kunden-besser-erreichen/Mon, 11 Feb 2019 10:44:00 +0100

Verbraucherschützer appellieren an den Handel, konsequenter und einheitlicher über Lebensmittelwarnungen zu informieren. Bislang sind viele Menschen nicht darüber informiert, wenn beispielsweise Lebensmittel mit Salmonellen verunreinigt oder Fremdkörper enthalten sind – was erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann.

Eine Umfrage ergab: Bei einem Großteil der 35 befragten Handelsunternehmen haben Warnungen zum Schutz ihrer Kunden offenbar keine Priorität. Die stichprobenartige Umfrage an Unternehmen wie Supermärkte oder Discounter zeigt, dass es große Lücken in der Informationspolitik gibt.

Die fünf wichtigsten Punkte:

- Das große Schweigen: 66 Prozent des Handels antworteten gar nicht auf die Nachfragen der Verbraucherschützer.

- Wenig Einheitlichkeit: Jeder Anbieter warnt anders. Ein erheblicher Anteil der befragten Unternehmen lässt sich nicht in die Karten blicken und verweist nur auf die rechtlichen Mindeststandards. Aus Sicht der Verbraucherschützer sollte die Kommunikation über alle Händler hinweg vereinheitlicht werden, zum Beispiel durch ein gleiches Layout und gleiche Platzierung der Warnmeldung immer am Eingang, am Regal und an der Kasse, um nur die wichtigsten zu nennen. Für einheitliche gesetzliche Regelungen sprachen sich dm, Lidl und die Bünting-Gruppe (z.B. Famila) aus. Kein Unternehmen nutzt alle verfügbaren Kanäle. Gerade soziale Medien oder E-Mail-Newsletter dienen meist nur der Marketing-Kommunikation, aber nicht zur Information über gefährliche Produkte und Rückrufaktionen.

- Gute Beispiele: Unscheinbare und kaum wahrnehmbare Plakate bei Lebensmittelwarnungen sind nicht kundenfreundlich. Vielversprechende Ansätze gibt es bei Aldi oder Lidl, so können sich Kunden nach deren Angaben über eine App informieren. Onlinekunden werden bei dm per Newsletter auf den neuesten Stand gesetzt. Ein Kommunikationsmix ist am wirkungsvollsten, um alle Zielgruppen zu erreichen.

- Unterscheidung von Eigen- und Fremdmarken: Verbraucher wollen sicher gehen, dass sie gleichermaßen lückenlos und zeitnah informiert werden. Zuweilen zeigte die Befragung, dass bei den Eigenmarken besser informiert wird, die Unterscheidung ist aus Verbrauchersicht jedoch nicht sinnvoll. Dass es auch anders geht, zeigen die Händler Norma oder Aldi, die keine Trennung zwischen Eigen- und Fremdmarken machen.

- Bereitschaft zur Kommunikation: Ein Lichtblick ist die Bereitschaft beispielsweise von dm oder Lidl, sich mit Verbraucherschützern auszutauschen.

Jede Woche werden in Deutschland im Schnitt zwei Lebensmittel zurückgerufen. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Verletzungen oder Erkrankungen kommen, in einigen Fällen besteht Lebensgefahr.

Handelsunternehmen müssten die konsequente und kontinuierliche Veröffentlichung von Produktwarnungen als ihre Verantwortung und nicht als „notwendiges Übel“ sehen.

Silke Schwartau, Verbraucherzentrale Hamburg: „Der Handel sollte nicht mit der Gesundheit seiner Kunden spielen und den Verbraucherschutz ernster nehmen. Proaktiv sein heißt auch „aus allen Rohren zu feuern“, z.B. mit Plakaten, im Internet, auf Angebotsflyern oder über Apps.“

Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch: „Lebensmittelgeschäfte spielen eine zentrale Rolle bei Lebensmittelwarnungen. Mit ihrer mangelhaften Informationspolitik machen sich Handelsunternehmen mitschuldig an vermeidbaren, teils schweren Erkrankungen. Ministerin Julia Klöckner muss dem Handel vorschreiben, Lebensmittelwarnungen immer und auf allen Kanälen zu verbreiten: im Laden, per Newsletter und auf Facebook, bei Fremdmarken genauso wie bei Eigenprodukten.“

Oliver Barthel, Produktwarnung: „Aktiver Verbraucherschutz sollte einen hohen und glaubwürdigen Stellenwert in den Handelsunternehmen einnehmen. Jetzt ist dringendes Handeln im Handel angesagt!“

Gert Kretschmann, Produktrückrufe.de: „Zu oft ist leider erkennbar, dass es sich bei Versprechen wie ‚Transparenz ’ und ‚Verantwortung ’ doch nur um leere Phrasen handelt. Oder wie soll man es sonst verstehen, wenn vor Produkten, die ja nun einmal gesundheits- bis lebensgefährlich sein können, nur äußerst oberflächlich ‚gewarnt ’ wird? Es besteht Handlungsbedarf: JETZT!“

Die ausführlichen Untersuchungsergebnisse mit Schaubildern sind zu finden auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg unter www.vzhh.de/lebensmittelwarnung.

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<![CDATA[EU-Singapur-Deal: NGO-Bündnis will gegen undemokratische Handelsabkommen vor Verfassungsgericht ziehen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/eu-singapur-deal-ngo-buendnis-will-gegen-undemokratische-handelsabkommen-vor-verfassungsgericht-ziehen/Mon, 11 Feb 2019 10:28:00 +0100

- Die EU will Handelsabkommen künftig in zwei Teile aufspalten: Einen für Investitionen und einen für Handel. Über den Handelsteil will sie ohne die Mitgliedstaaten entscheiden.
- Campact, foodwatch und Mehr Demokratie wollen vom Bundesverfassungsgericht prüfen lassen, ob Handelsabkommen nach dem Prinzip „EU-only“ rechtens sind.

Anlässlich der Abstimmung im Europäischen Parlament über das Handelsabkommen zwischen der EU und Singapur (EUSFTA) haben Mehr Demokratie, foodwatch und Campact eine Verfassungsbeschwerde angekündigt. Sollte das EU-Parlament dem Abkommen zustimmen, will das Bündnis nach Karlsruhe ziehen, teilten die Organisationen mit. „Das Abkommen mit Singapur ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Roman Huber, Bundesvorstand des Vereins Mehr Demokratie. „Wenn die EU damit durchkommt, werden dutzende weitere Verträge folgen, bei denen Handels- und Investitionsteil getrennt werden und die Mitgliedstaaten beim Handelsteil außen vor bleiben.“

Durch Abkommen wie das zwischen der EU und Singapur drohen nach Ansicht des Bündnisses mehr als nur investorenfreundliche Schiedsgerichte. Die Mitgliedstaaten könnten in wichtigen politischen Fragen umgangen werden. „Wir sind der Meinung, dass es keine reinen EU-Handelsabkommen gibt – Umweltrecht, Sozialrecht, Arbeitsrecht, Steuerrecht und viele andere Bereiche sind unmittelbar mit dem internationalen Handel verknüpft“, sagte Felix Kolb, Geschäftsführer von Campact.

So gut wie jede Regelung eines EU-Mitgliedstaats könne sich in irgendeiner Form auf den grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr auswirken, betont das Bündnis. Die EU könne über diesen Weg leicht in die Mitgliedstaaten hineinregieren, ohne dass deren Parlamente darauf Einfluss haben. Umgekehrt seien in Handelsabkommen auch Politikbereiche enthalten, die in der Kompetenz der Mitgliedstaaten lägen. „Für uns ist klar: Die EU darf solche umfassenden Abkommen nicht alleine verabschieden“, sagte Thilo Bode, Geschäftsführer von foodwatch International.

Ab dem 13. Februar können sich Wahlberechtigte über www.verfassungsbeschwerde.eu beteiligen und Co-Beschwerdeführende werden. Die Kosten tragen die Organisationen. Eine Einreichung der kompletten Beschwerdeschrift beim Bundesverfassungsgericht ist noch vor Jahresmitte geplant. Die Organisationen gehen davon aus, dass die Entscheidung in diesem Fall maßgeblich für weitere Handelsabkommen sein wird.

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<![CDATA[foodwatch und FragDenStaat: Gastro-Lobby muss Falschaussagen zu Online-Plattform „Topf Secret“ zurücknehmen – DEHOGA täuscht Öffentlichkeit und Behörden – Stadt Köln fällt darauf herein]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-und-fragdenstaat-gastro-lobby-muss-falschaussagen-zu-online-plattform-topf-secret-zuruecknehmen-dehoga-taeuscht-oeffentlichkeit-und-behoerden-stadt-koeln-faellt-darauf-herein/Fri, 08 Feb 2019 11:22:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenzinitiative FragDenStaat haben den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) aufgefordert, Falschaussagen über die Online-Plattform „Topf Secret“ zurückzuziehen. Der Lobbyverband hatte behauptet, die Veröffentlichung von Hygiene-Kontrollberichten auf dem Verbraucherportal sei „rechtswidrig“. foodwatch und FragDenStaat riefen angeblich zum „Rechtsbruch“ auf, denn „ausschließlich die zuständigen Behörden“ dürften über Hygienemängel informieren. Diese Auffassung wird selbst vom eigenen Dachverband, dem Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft (BLL) ausdrücklich „nicht geteilt“. Das zeigt ein internes Schreiben an die Mitglieder des BLL – darunter auch der DEHOGA. Antragsstellerinnen und Antragssteller dürfen demnach sehr wohl die erlangten Infos auf „Topf Secret“ veröffentlichen.

Trotz dieser eindeutigen Klarstellung folgt die Stadt Köln der Argumentation des DEHOGA. Seit Montag dieser Woche verschickt das zuständige Kölner Verbraucherschutzamt einen Hinweis an hunderte Antragssteller, dass „die Veröffentlichung der Kontrollergebnisse über das Internet untersagt ist“. Dies sei ausgemachter Unsinn und schüchtere Bürgerinnen und Bürger ein, kritisierten foodwatch und FragDenStaat. Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und im Anschluss veröffentlichen.

„Mit Falschaussagen versucht die Gastro-Lobby die Öffentlichkeit und Behörden einzuschüchtern, um eine ungeliebte Transparenzinitiative für Hygiene in Gaststätten aus dem Weg räumen“, erklärte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch. 

Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat, sagte: „Dass die Gastro-Lobby mehr Transparenz verteufelt, war abzusehen. Dass die Stadt Köln dieser Argumentation aber blind folgt, ist mehr als peinlich! Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf, die Ergebnisse der Hygiene-Kontrollen abzufragen – und sie auch zu veröffentlichen.“

Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – obwohl seit Jahren jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet wird, größtenteils wegen Hygienemängeln. Die von foodwatch und FragDenStaat vor drei Wochen gestartete Online-Plattform „Topf Secret“ will nun Licht ins Dunkel bringen: Verbraucherinnen und Verbraucher können die bislang meist geheim gehaltenen Hygiene-Kontrollberichte beantragen und im Anschluss für alle anderen sichtbar machen. Der DEHOGA hält diese Veröffentlichungen jedoch für „rechtswidrig“. Nur die zuständigen Behörden hätten das Recht, Hygienemängel transparent zu machen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme unter Verweis auf das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB). In der Stellungnahme kündigt der Verband auch an, „keine rechtlichen Möglichkeiten“ ungenutzt lassen zu wollen, „gegen die Veröffentlichungen vorzugehen“.

Der Dachverband der Lebensmittelwirtschaft (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, BLL) hingegen widersprach dieser Auffassung am 29. Januar 2019 in einem internen Schreiben an seine Mitglieder – darunter auch der DEHOGA – deutlich. Die Auffassung, nur die zuständige Behörde dürfe Hygienemängel veröffentlichen, wird laut dem Schreiben vom BLL ausdrücklich „nicht geteilt“. Schließlich handele es sich bei einer Veröffentlichung auf „Topf Secret“ um eine „individuell erteilte Auskunft“ nach dem Verbraucherinformationsgesetz. Dies müsse „rechtlich gesondert betrachtet“ werden von der Regelung im LFGB, auf die sich der DEHOGA bezieht. Unter Verweis auf Urteile des Verwaltungsgerichtshofs München und des Verwaltungsgerichts Regensburg schreibt der BLL zudem: „Gerade die unverfälschte Weitergabe der erlangten Informationen an Dritte ist demnach nicht rechtsmissbräuchlich“. 

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<![CDATA[Wie erkenne ich beim Einkauf Lebensmittel ohne Gentechnik?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/wie-erkenne-ich-beim-einkauf-lebensmittel-ohne-gentechnik/Thu, 07 Feb 2019 16:49:00 +0100

Oliver Huizinga von foodwatch antwortet:

In Europa lehnen die Menschen gentechnisch veränderte Lebensmittel mehrheitlich ab. Doch die Gesetze zur Kennzeichnung von Gentechnik in Lebensmitteln sind lückenhaft. Auf was kann ich beim Einkauf achten, wenn ich gentechnisch veränderte Lebensmittel vermeiden will?

Keine Wahlfreiheit bei tierischen Lebensmitteln

Grundsätzlich gilt: Lebensmittel, die gentechnisch verändert sind, müssen in der Europäischen Union seit 2004 gekennzeichnet werden. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Gekennzeichnet werden muss erst ab einem Anteil genveränderter Organismen von 0,9 Prozent, unterhalb dieser Schwelle darf es zu Verunreinigungen kommen.

In der EU gibt es praktisch keine gentechnisch veränderten pflanzlichen Lebensmittel im Handel – Verbraucherinnen und Verbraucher würden sie nicht kaufen. Bei tierischen Lebensmittel gibt es jedoch eine Kennzeichnungslücke: So erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf nicht, ob Fleisch, Milch oder Eier von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden. foodwatch setzt sich dafür ein, dass diese Kennzeichnungslücke geschlossen wird.

Bioprodukte sind gentechnikfrei

An was können sich Verbraucherinnen und Verbraucher also orientieren? Wer den Einsatz von Agrar-Gentechnik beim Einkauf nicht unterstützen möchte und die finanziellen Möglichkeiten dazu hat, kann zu Bioprodukten greifen. Gentechnik-Futtermittel sind hier grundsätzlich nicht gestattet. Aber auch für pflanzliche Bio-Produkte gilt, dass Verunreinigungen bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind. Der Gesetzgeber trägt hier der Tatsache Rechnung, dass bereits genveränderte Pflanzen angebaut werden und es daher zu unbeabsichtigten Verunreinigungen auch auf Bio-Feldern kommen kann.

Das „Ohne-Gentechnik“-Siegel

Auch das freiwillige staatliche „Ohne Gentechnik“-Siegel soll Orientierung bieten. Gut ist die Auslobung bei pflanzlichen Lebensmitteln: Hier bedeutet das Siegel, dass genveränderte Bestandteile noch nicht einmal in Spuren enthalten sein dürfen. Das „Ohne Gentechnik“-Siegel legt also strengere Maßstäbe an als die gesetzliche Kennzeichnungspflicht.

Anders bei Tierprodukten. Hier ist die grüne Raute vielmehr ein „Fast-aber-nicht-ganz-ohne-Gentechnik-Siegel“. Tragen Eier, Milch oder Fleisch die Auslobung, bedeutet dies, dass die Futtermittel maximal 0,9 Prozent genveränderten Bestandteile enthielten (diese Futtermittel gelten vor dem Gesetz als gentechnikfrei). Und es gibt weitere Ausnahmen: Die Tiere müssen nur einen bestimmten Zeitraum vor der Gewinnung des Lebensmittels (also vor der Schlachtung oder vor dem Legetermin eines Eies) gentechnikfrei gefüttert worden sein – am Anfang ihres Lebens dürfen sie Gen-Futter erhalten. Ob Verbraucher wollen oder nicht: Selbst mit dem Griff zu Produkten mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel unterstützen sie womöglich dennoch ein bisschen Gentechnik auf dem Acker.

Freiwillige Kennzeichnungen sind unzureichend!

Das Hauptproblem des staatlichen Siegels: Seine Verwendung ist freiwillig. Zwar steigt die Zahl der Hersteller, die das offizielle Logo auf ihren Produkten abbilden, kontinuierlich an – nach Angaben des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik tragen inzwischen mehr als 9.000 Lebensmittel das Siegel. Doch in Anbetracht von schätzungsweise 170.000 verschiedenen Lebensmittel-Produkten im deutschen Einzelhandel ist das noch immer nur ein Bruchteil des Angebots. Bei den allermeisten Tierprodukten wissen die Verbraucher nach wie vor nicht, ob genverändertes Futter zum Einsatz kam. foodwatch fordert daher, die unverbindliche „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung auch für tierische Lebensmittel durch eine verpflichtende „Mit Gentechnik“-Kennzeichnung zu ersetzen, wie es sie für pflanzliche Lebensmittel bereits gibt. Nur Pflicht-Angaben schaffen Verlässlichkeit für die Verbraucher.

Schluss mit versteckter Gentechnik!
Wir fordern eine klare und einheitliche Kennzeichnung von Gentechnik. Auch alle tierischen Lebensmittel, die mit Hilfe gentechnisch veränderter Futterpflanzen erzeugt wurden, müssen in Zukunft gekennzeichnet werden! >>

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<![CDATA[Danone kennzeichnet erste Produkte mit französischer Lebensmittelampel Nutri-Score – foodwatch: Weitere Hersteller müssen nachziehen!]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/danone-kennzeichnet-erste-produkte-mit-franzoesischer-lebensmittelampel-nutri-score-foodwatch-weitere-hersteller-muessen-nachziehen/Thu, 07 Feb 2019 12:31:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den Vorstoß des Molkereikonzerns Danone, erste Lebensmittel mit dem sogenannten Nutri-Score zu kennzeichnen, begrüßt – kritisierte jedoch, dass der Konzern bisher nur ein Produkt mit der französischen Lebensmittelampel versehen hat. Danone müsse schnellstmöglich alle seine Produkte mit dem Farb-System kennzeichnen, zudem müssten andere Hersteller dem Beispiel folgen, forderte foodwatch. Nur dann könnten Verbraucherinnen und Verbraucher verschiedene Produkte auf einen Blick miteinander vergleichen. Außerdem sei Bundesernährungsministerin Julia Klöckner gefordert, sich auf europäischer Ebene für eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung mit dem Nutri-Score einzusetzen, so foodwatch. Danone hatte am Donnerstag bekanntgegeben, ab sofort seinen an Kinder beworbenen Joghurt „Fruchtzwerge“ mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen, weitere Produkte sollen folgen. Auch der Tiefkühlprodukte-Hersteller Iglo hat angekündigt, seine Produkte schrittweise mit der französischen Nährwert-Ampel zu kennzeichnen.

„Es ist zwar gut, dass Danone freiwillig den Nutri-Score einführt. Doch wenn nur die Danone-Produkte den Nutri-Score tragen, die gut abschneiden, wirkt es wie eine reine Marketingmasche. Danone muss deshalb so schnell wie möglich alle Lebensmittel aus seinem Sortiment mit dem Nutri-Score kennzeichnen – auch die unausgewogenen Produkte“, sagte Luise Molling von foodwatch. Wissenschaftliche Studien hätten ergeben, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem Nutri-Score gesünder einkaufen. „Der Nutri-Score ermöglicht aber erst dann gesündere Kaufentscheidungen, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte auf einen Blick miteinander vergleichen können – deshalb reicht es nicht, wenn nur Danone und Iglo mitmachen. Alle anderen  Hersteller müssen nachziehen.“ 

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon seit langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder eine Steuer auf gesüßte Getränke. In Ermangelung einer verbindlichen europäischen Regelung haben mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Das französische Modell Nutri-Score findet dabei gegenwärtig immer mehr Unterstützer: Vergangenes Jahr von der französischen Regierung eingeführt und bereits von 90 Unternehmen übernommen, haben inzwischen auch Belgien und Spanien angekündigt, die Nutri-Score-Ampelkennzeichnung einzuführen. Das Modell wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Eine Untersuchung der französischen Regierung hat ergeben, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem Nutri-Score gesünder einkaufen. Eine internationale Studie hat zudem gezeigt, dass das Modell am besten geeignet ist, um die Nährwertqualität von Produkten beurteilen zu können.

In Großbritannien gibt es ebenfalls eine freiwillige Ampelkennzeichnung, die für einzelne Nährwerte wie Zucker, Fett und Salz eine Bewertung in Ampelfarben vornimmt. Diese basiert auf der „Original-Ampel“, die die britische Lebensmittelbehörde FSA 2007 entwickelte, wurde aber auf Druck der Industrie verwässert. 

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hatte sich bisher gegen das Konzept einer Lebensmittelampel gestellt. Im Rahmen der Grünen Woche 2019 kündigte sie jedoch an, verschiedene Modelle evaluieren zu wollen.

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen.

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<![CDATA[Presse-Statement: foodwatch zu Tierwohl-Siegel]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-foodwatch-zu-tierwohl-siegel/Wed, 06 Feb 2019 12:44:00 +0100

Zur Vorstellung des „Tierwohlkennzeichens“ von Bundesagrarministerin Julia Klöckner sagt Matthias Wolfschmidt, Internationaler Kampagnendirektor der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Mit ihrem freiwilligen Tierwohlkennzeichen setzt Frau Klöckner den Verbraucherinnen und Verbrauchern einen weiteren PR-Gag vor, statt echte Verbesserungen für alle Nutztiere und eine zukunftsfähige Nutztierhaltung durchzusetzen. Gegen Krankheit und Elend von Millionen Tieren hilft kein weiteres freiwilliges Siegel, es braucht vielmehr klare gesetzliche Vorgaben für bessere Tiergesundheit in allen Ställen.“

Hintergrund:

Ein großer Teil der Nutztiere leidet unter vermeidbaren Erkrankungen: Mastschweine leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Kühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangen ihre Produkte in den Handel. Die Bundesregierung hat bisher keine Maßnahmen vorgelegt, die diese Missstände beheben könnten. Das von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erarbeitete Tierwohlkennzeichen greift viel zu kurz. Das Problem: Es gibt bisher keine gesetzlichen Zielvorgaben für die Gesundheit von Nutztieren, die Erkrankungsraten werden nicht systematisch erfasst. foodwatch fordert ein für alle Nutztierhalter verpflichtendes bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, deren Tiere wiederholt sehr schlechte Zustände aufweisen, muss es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden. Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hängen von verschiedenen Faktoren ab - einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheidet sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb.

 

 

 

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<![CDATA[Hygienemängel in der Kantine des Ernährungsministeriums]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/smiley-system/aktuelle-nachrichten/hygienemaengel-in-der-kantine-des-ernaehrungsministeriums/Fri, 01 Feb 2019 14:45:00 +0100

Das ist pikant: Ausgerechnet in den Kantinen zweier Bundesministerien – darunter das Ernährungsministerium – nahm man es mit der Hygiene offenbar nicht ganz so genau. Kontrolleure stellten zahlreiche Hygienemängel fest, informierten jedoch nicht die Öffentlichkeit.

Verdreckte Einlegeroste im Kühlschrank, Schwarzschimmel am Handwaschbecken, Altverschmutzungen auf dem Boden – appetitlich hört sich das nicht an, was Lebensmittelkontrolleure in den Kantinen der beiden Bundesministerien in Bonn vorfanden. Zwischen dem 1.1.2016 und dem 28.11.2018 wurden in den Kantinen des Ernährungsministeriums sowie des Arbeitsministeriums jeweils vier Kontrollen durchgeführt. Bei der Hälfte der Besuche beanstandeten die Kontrolleure Verstöße gegen die Hygienevorgaben. Die Gäste der beiden Kantinen erfuhren davon nichts.

„Ausgerechnet in der Kantine des Ernährungsministeriums nimmt man es mit der Hygiene offenbar nicht ganz so genau. Wir finden: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses haben ein Recht zu erfahren, wie es um die Sauberkeit in der Küche bestellt ist. Frau Klöckner als Bundesernährungsministerin muss dafür sorgen, dass die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen stets veröffentlicht werden. Das belohnt die sauber arbeitenden Betriebe und bietet einen Anreiz, sich Tag für Tag an die Vorgaben des Lebensmittelrechts zu halten – auch im Ernährungsministerium.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen bei foodwatch

Deutsche Geheimniskrämerei

Anders als in Ländern wie Dänemark oder Norwegen machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. foodwatch hat die Kontrollberichte über einen Antrag nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erhalten. 

Die Berichte führten unter anderem folgende Auffälligkeiten auf:

Kantine des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales:

  • Altverschmutzung unterhalb der Erhitzungszeile
  • Schwarzschimmel am Handwaschbecken
  • Dunkle, altverschmutzte Beläge am Unterbau des Konvektomatens
  • In der Küche beobachtete der Kontrolleur auch folgendes: „Am Dunstabzug über dem Kochkessel wurde durch nicht ordnungsgemäß abgeführte Dampfschwaden eine erhebliche Menge an Kondenswasser festgestellt. Diese tropfte intervallmäßig in den darunterliegenden Kochkessel, in welchem zum Zeitpunkt der Kontrolle ein Gemüse-Fond zubereitet wurde.“
  • Altverschmutzung im Gemüsekühlhaus
  • Keine erforderlichen Personalschulungen in Sachen Lebensmittelhygiene

Kantine des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft:

  • Nicht abgedeckte Lebensmittel von Fleisch und Tiefkühlprodukten im Kühlhaus
  • Verdreckte und korrodierte Einlegeroste im Kühlschrank
  • Defektes Thermometer im Kühlschrank
  • Defektes Desinfektionsgerät
  • Keine erforderlichen Personalschulungen in Sachen Lebensmittelhygiene

Mit Topf Secret Kontrollergebnisse selbst abfragen

foodwatch macht sich gemeinsam mit der Transparenz-Initiative FragDenStaat gegen die Geheimniskrämerei in Lebensmittelbehörden stark: Vor rund zwei Wochen haben wir die Online-Plattform „Topf Secret“ gestartet, auf der Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und veröffentlichen können. Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln.

foodwatch fordert Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, die gesetzliche Grundlage für ein Transparenzsystem wie in Dänemark, Wales oder Norwegen zu schaffen. Dort werden alle Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung veröffentlicht – im Internet und direkt an der Ladentür. 

Foto Kantine © Gerhard Seybert / fotolia.com

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<![CDATA[Aus für gezuckerte Schulmilch in Berlin und Brandenburg]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/aus-fuer-gezuckerte-schulmilch-in-berlin-und-brandenburg/Thu, 31 Jan 2019 15:31:00 +0100

Künftig soll an Schulen in Brandenburg und Berlin nur noch Milch ohne Zuckerzusatz gefördert und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen organisiert werden. Das hat der Brandenburger Landtag am Dienstagabend beschlossen. Brandenburg organisiert sein Schulmilchprogramm gemeinsam mit Berlin. Nordrhein-Westfalen ist damit das einzige Bundesland, das an der Subventionierung gezuckerter Schulmilch festhält.

Nach der beschlossenen Änderung des Schulmilchprogramms in Berlin und Brandenburg hat foodwatch foodwatch Nordrhein-Westfalen aufgefordert, als nun letztes Bundesland ebenfalls die Förderung gezuckerter Milchprodukte zu stoppen. Bereits fast 30.000 Menschen haben über eine E-Mail-Aktion von foodwatch einen Stopp der Subventionen für gezuckerte Schulmilch gefordert. Hessen hat auf die öffentliche Kritik bereits reagiert und will keine Zuckermilch mehr fördern. Nur Nordrhein-Westfalen hält noch an der fragwürdigen Praxis fest.

„Frau Heinen-Esser muss ihr Absatzförderprogramm für die Milchwirtschaft stoppen und stattdessen ein Programm für ein gesundes Ernährungsangebot an den Schulen auflegen.“

Martin Rücker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland

Die offiziellen Förderrichtlinien der Europäischen Union sehen eine Förderung gezuckerter Produkte nicht vor. Experten raten explizit von Kakao, Vanillemilch & Co. an Schulen ab. Gezuckerte Milch als Pausensnack widerspricht selbst den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

 

In einem öffentlichen Aufruf appellierten zuletzt renommierte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Ernährungswissenschaften, Kinder- und Zahnmedizin sowie Vertreterinnen und Vertreter von Lehrern, Eltern und der Bildungsgewerkschaft GEW an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie die Bundeszahnärztekammer unterstützten den von foodwatch initiierten Aufruf.

Eigens Ausnahmeregelungen geschaffen

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die Europäische Union ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Seit der Reform sollen nur noch Lebensmittel ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. In der Begründung für diese Änderung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen hatten eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch hatte Hessen im August vergangenen Jahres als erstes Bundesland reagiert und einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. 

foodwatch-Report „Im Kakaosumpf“ 

Im Oktober 2018 hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet Studien, die den gezuckerten Kakao als intelligenzsteigernd und gesundheitsfördernd darstellen sowie die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[Nach Aus für gezuckerte Schulmilch in Berlin und Brandenburg: NRW muss als letztes Bundesland endlich nachziehen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-aus-fuer-gezuckerte-schulmilch-in-berlin-und-brandenburg-nrw-muss-als-letztes-bundesland-endlich-nachziehen/Thu, 31 Jan 2019 10:27:00 +0100

Nach der Änderung des Schulmilchprogramms in Berlin und Brandenburg hat die Verbraucherorganisation foodwatch Nordrhein-Westfalen aufgefordert, als letztes Bundesland ebenfalls die Förderung gezuckerter Milchprodukte zu stoppen. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser müsse das Schulmilchprogramm umgehend überarbeiten: „In 15 von 16 Bundesländern soll in Zukunft keine gezuckerte Schulmilch mehr mit Steuergeldern gefördert werden. NRW darf sich den Argumenten von Ernährungswissenschaftlern, Kinder- und Zahnärzten nicht verschließen. Frau Heinen-Esser muss ihr Absatzförderprogramm für die Milchwirtschaft stoppen und stattdessen ein Programm für ein gesundes Ernährungsangebot an den Schulen auflegen. Die Steuergelder müssen endlich den Kindern helfen und nicht Friesland Campina mit seinem Landliebe-Schulkakao“, erklärte Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation. 

Die gestern beschlossene Änderung des Schulmilchprogramms in Berlin und Brandenburg begrüßte foodwatch. Künftig soll an Schulen in den Bundesländern nur noch Milch ohne Zuckerzusatz gefördert und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen organisiert werden. Das hat der Brandenburger Landtag am Dienstagabend auf Antrag der Regierungsfraktionen SPD und Linke sowie der oppositionellen CDU beschlossen. Brandenburg organisiert sein Schulmilchprogramm gemeinsam mit Berlin. Nordrhein-Westfalen ist damit das einzige Bundesland, das an der Subventionierung von gezuckerten Produkten im Rahmen seines Schulmilchprogramms festhält – obwohl die offiziellen Förderrichtlinien der Europäischen Union das nicht vorsehen und Experten explizit von Kakao, Vanillemilch & Co. an Schulen abraten. Gezuckerte Milch als Pausensnack widerspricht selbst den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

In einem öffentlichen Aufruf appellierten zuletzt renommierte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Ernährungswissenschaften, Kinder- und Zahnmedizin sowie Vertreterinnen und Vertreter von Lehrern, Eltern und der Bildungsgewerkschaft GEW an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie die Bundeszahnärztekammer unterstützten den von foodwatch initiierten Aufruf.

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die Europäische Union ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Seit der Reform sollen nur noch Lebensmittel ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. In der Begründung für diese Änderung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen hatten eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch hatte Hessen im August vergangenen Jahres als erstes Bundesland reagiert und einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. 

Im Oktober 2018 hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet Studien, die den gezuckerten Kakao als intelligenzsteigernd und gesundheitsfördernd darstellen sowie die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. 

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<![CDATA[Report: Lebensmittellobby verhindert Maßnahmen gegen Fehlernährung ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/report-lebensmittellobby-verhindert-massnahmen-gegen-fehlernaehrung/Wed, 30 Jan 2019 16:20:00 +0100

Um Fettleibigkeit und Fehlernährung in den Griff zu bekommen, muss der Einfluss der Lebensmittelindustrie zurückgedrängt werden, fordern führende internationale Forscherinnen und Forscher in einem neuen Report. Die Lebensmittellobby untergrabe mit Einschüchterung und finanzieller Einflussnahme politische Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung. Der Report ist auch eine schallende Ohrfeige für die Politik von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner.

Eine von der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ einberufene Expertenkommission bezeichnete in dem Report Fehlernährung als die „weltweit führende Ursache schlechter Gesundheit“. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie seien gänzlich „ineffektiv“, um gegen Fehlernährung vorzugehen. Auch quasi-regulatorische Ansätze, in denen die Regierungen die Zielsetzung vorgeben und das Monitoring übernehmen, die Teilnahme der Industrie aber freiwillig ist, würden durch den Einfluss der Industrie verzögert und verwässert. Um wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung einzuführen, sollten Regierungen einen globalen Vertrag nach dem Vorbild der Anti-Tabak-Konvention der Weltgesundheitsorganisation errichten, forderte die Expertenkommission. Die Anti-Tabak-Konvention schließt die Tabakindustrie ausdrücklich von der Beteiligung an politischen Maßnahmen aus.

Freiwillige Selbstverpflichtung zum Scheitern verurteilt

Für foodwatch macht der Report deutlich: Die rein freiwillige „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“, die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner gemeinsam mit den Lebensmittelkonzernen auf den Weg gebracht hat, kann nicht die Lösung sein. Stattdessen muss Frau Klöckner den Expertenempfehlungen folgen und die Zusammenarbeit mit der Ernährungsindustrie umgehend beenden. Die Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung ist zum Scheitern verurteilt.

„Der Report ist eine schallende Ohrfeige für die gesundheitsgefährdende Politik von Ernährungsministerin Julia Klöckner. Ihre Klüngelei mit der Lebensmittelindustrie ist nachweislich die falsche Strategie, um die grassierende Fehlernährung in den Griff zu bekommen – das ist jetzt von führenden Expertinnen und Experten bestätigt worden. Frau Klöckner traut sich nicht, sich mit der Industrie anzulegen. Sie nimmt Übergewicht, Diabeteserkrankungen und frühzeitige Todesfälle billigend in Kauf. Sie ignoriert die Stimmen von Medizinerinnen und Ernährungsexperten und trägt damit eine wesentliche Mitverantwortung für die Misere.“

Luise Molling von foodwatch

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in Deutschland fordern schon lange wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung und Fettleibigkeit, wie eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Gegen diese Maßnahmen wehrt sich die Lebensmittelindustrie vehement.

Bundesregierung ignoriert Forderungen von Experten

Das Bundeskabinett hat stattdessen Ende 2018 die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf den Weg gebracht. Erklärtes Ziel der Strategie ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Das Papier von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner bleibt jedoch meilenweit hinter den Forderungen und Empfehlungen der medizinischen Fachwelt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas zurück. Stattdessen setzt das Ministerium auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Ernährungsbranche.

 

 

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<![CDATA[„Topf Secret“: Das sind die 11 Städte mit den meisten Hygiene-Anträgen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/topf-secret/aktuelle-nachrichten/topf-secret-das-sind-die-11-staedte-mit-den-meisten-hygiene-antraegen/Wed, 30 Jan 2019 15:27:00 +0100

Wie sauber ist das Lieblingsrestaurant oder der Bäcker um die Ecke? Unter www.topf-secret.foodwatch.de von foodwatch und FragDenStaat können interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und anschließend veröffentlichen.

Warum das Ganze? Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet – größtenteils wegen Hygienemängeln.

Wie funktioniert „Topf Secret“?

Auf „Topf Secret“ können Verbraucherinnen und Verbraucher bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Veröffentlichung der Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen stellen. Die rechtliche Grundlage dafür ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG), dass es zwar seit 2008 in Deutschland gibt, von Verbraucherinnen und Verbrauchern aber kaum genutzt wird.

Nutzerinnen und Nutzer können auf „Topf Secret“ einen beliebigen Betrieb – von Restaurants über Bäckereien bis hin zu Tankstellen – über eine Suchfunktion oder per Klick auf einer Straßenkarte aussuchen. Nutzerinnen und Nutzer brauchen lediglich Name, E-Mail- und Postadresse eingeben, die gemeinsam mit einem vorbereiteten Text an die zuständige Behörde übermittelt werden. Die Antragstellung ist innerhalb von einer Minute fertig. Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten die Ergebnisse allerdings in der Regel erst nach mehreren Wochen.

Großer Ansturm in ganz Deutschland

Rund Zwei Wochen nach Start der Online-Plattform „Topf Secret“ haben Verbraucherinnen und Verbraucher bei den zuständigen Behörden mehr als 15.000 Hygiene-Berichte beantragt. Am neugierigsten waren die Menschen in Nürnberg. Dort gab es insgesamt 235 Anträge und damit 46,1 Anträge pro 100.000 Einwohner. Dahinter kommen Berlin mit 43,6 und Karlsruhe mit 42,2 Anträgen pro 100.000 Einwohner.

Das sind die elf Großstädte mit den meisten Anträgen pro 100.000 Einwohner (Stand: 30. Januar 2019):

  1. Nürnberg: 46,3 (236 Anträge gesamt)
  2. Berlin: 44,0 (1.549 Anträge gesamt)
  3. Karlsruhe: 43,5 (134 Anträge gesamt)
  4. Frankfurt am Main: 35,2 (258 Anträge gesamt)
  5. Hamburg: 34,0 (608 Anträge gesamt)
  6. Bonn: 33,6 (107 Anträge gesamt)
  7. Wiesbaden: 32,9 (91 Anträge gesamt)
  8. Mannheim: 29,8 (91 Anträge gesamt)
  9. Kiel: 28,0 (69 Anträge gesamt)
  10. München: 27,8 (403 Anträge gesamt)
  11. Freiburg am Breisgau: 27,8 (63 Anträge gesamt)

foodwatch und FragDenStaat forderten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, die gesetzliche Grundlage für ein Transparenzsystem wie in Dänemark, Wales oder Norwegen zu schaffen. Dort werden alle Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung veröffentlicht – im Internet und direkt an der Ladentür. 

„‘Topf Secret‘ ist eine Notwehrmaßnahme. In anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen erfahren. Und zwar direkt vor Ort, an der Ladentür von jedem Lokal. In Deutschland wird eine solche Transparenz bisher erfolgreich von der Gastro-Lobby verhindert. Das wollen wir mit ‚Topf Secret‘ ändern!“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch Deutschland

Bundesregierung setzt auf Freiwilligkeit – wenn überhaupt

Union und SPD haben sich zwar in ihrem neuen Koalitionsvertrag auch darauf verständigt, „eine übersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit“ zu gewährleisten. Allerdings sollen Betriebe ihre Kontrollergebnisse nur „auf freiwilliger Basis“ veröffentlichen. Ein freiwilliges System funktioniert erfahrungsgemäß jedoch nicht – wie das Beispiel Niedersachsen zeigt: In zwei Teststädten, Hannover und Braunschweig, konnten Lebensmittelbetriebe freiwillig ihre Kontrollergebnisse in Form eines „Hygiene-Barometers“ an der Ladentür aushängen. Doch nur vier Prozent der Betriebe haben sich laut dem niedersächsischen Agrarministerium an dem Projekt beteiligt.

Vorbild Dänemark

Anders zum Beispiel in Dänemark: Dort erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an der Ladentür und im Internet anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in den Lebensmittelbetrieben bestellt ist. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Auch in Wales und Norwegen gibt es seit mehreren Jahren ein Transparenz-System: Dort ist die Zahl der beanstandeten Betriebe nach Einführung des Systems ebenfalls deutlich gesunken.

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<![CDATA[„Topf Secret“: Das sind die elf Großstädte mit den meisten Anträgen – mehr als 15.000 Hygiene-Berichte bundesweit angefragt]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/topf-secret-das-sind-die-elf-grossstaedte-mit-den-meisten-antraegen-mehr-als-15000-hygiene-berichte-bundesweit-angefragt/Wed, 30 Jan 2019 14:14:00 +0100

Wie sauber ist das Lieblingsrestaurant oder der Bäcker um die Ecke? Rund Zwei Wochen nach Start der Online-Plattform „Topf Secret“ haben Verbraucherinnen und Verbraucher bei den zuständigen Behörden mehr als 15.000 Hygiene-Berichte beantragt. Am neugierigsten waren die Menschen in Nürnberg. Dort gab es insgesamt 235 Anträge und damit 46,1 Anträge pro 100.000 Einwohner. Dahinter kommen Berlin mit 43,6 und Karlsruhe mit 42,2 Anträgen pro 100.000 Einwohner.

Unter www.topf-secret.foodwatch.de können die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abgefragt und veröffentlicht werden. Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln.

Das sind die elf Großstädte mit den meisten Anträgen pro 100.000 Einwohner (Stand: 30. Januar 2019):

  1. Nürnberg: 46,3 (236 Anträge gesamt)
  2. Berlin: 44,0 (1.549 Anträge gesamt)
  3. Karlsruhe: 43,5 (134 Anträge gesamt)
  4. Frankfurt am Main: 35,2 (258 Anträge gesamt)
  5. Hamburg: 34,0 (608 Anträge gesamt)
  6. Bonn: 33,6 (107 Anträge gesamt)
  7. 7. Wiesbaden: 32,9 (91 Anträge gesamt)
  8. Mannheim: 29,8 (91 Anträge gesamt)
  9. Kiel: 28,0 (69 Anträge gesamt)
  10. München: 27,8 (403 Anträge gesamt)
  11. Freiburg am Breisgau: 27,8 (63 Anträge gesamt)

"Der Ansturm auf ‚Topf Secret‘ ist gewaltig: Die Menschen wollen wissen, wie es um die Hygiene im Lieblingsrestaurant oder im Bäcker um die Ecke bestellt ist. Und sie haben ein Recht, das zu erfahren", erklärte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat. foodwatch und FragDenStaat forderten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, die gesetzliche Grundlage für ein Transparenzsystem wie in Dänemark, Wales oder Norwegen zu schaffen. Dort werden alle Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung veröffentlicht – im Internet und direkt an der Ladentür. 

Auf „Topf Secret“ können Verbraucherinnen und Verbraucher bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Veröffentlichung der Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen stellen. Die rechtliche Grundlage dafür ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG), dass es zwar seit 2008 in Deutschland gibt, von Verbraucherinnen und Verbrauchern aber kaum genutzt wird. In den zwei Wochen nach Start von „Topf Secret“ wurden deutlich mehr VIG-Anträge gestellt, als in den zehn Jahren zuvor. Nutzerinnen und Nutzer können auf „Topf Secret“ einen beliebigen Betrieb - von Restaurants über Bäckereien bis hin zu Tankstellen – über eine Suchfunktion oder per Klick auf einer Straßenkarte aussuchen. Nutzerinnen und Nutzer brauchen lediglich Name, E-Mail- und Postadresse eingeben, die gemeinsam mit einem vorbereiteten Text an die zuständige Behörde übermittelt werden. Die Antragstellung ist innerhalb von einer Minute fertig. Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten die Ergebnisse allerdings erst nach mehreren Wochen. Es kann auch passieren, dass sich Behörden quer stellen. 

"‘Topf Secret‘ ist eine Notwehrmaßnahme. In anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen erfahren. Und zwar direkt vor Ort, an der Ladentür von jedem Lokal. In Deutschland wird eine solche Transparenz bisher erfolgreich von der Gastro-Lobby verhindert. Das wollen wir mit ‚Topf Secret‘ ändern!", sagte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch Deutschland. 

Union und SPD haben sich zwar in ihrem neuen Koalitionsvertrag auch darauf verständigt, „eine übersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit“ zu gewährleisten. Allerdings sollen Betriebe ihre Kontrollergebnisse nur „auf freiwilliger Basis“ veröffentlichen. foodwatch und FragDenStaat kritisierten, dass ein freiwilliges System erfahrungsgemäß nicht funktioniere - wie das Beispiel Niedersachsen zeige: In zwei Teststädten, Hannover und Braunschweig, konnten Lebensmittelbetriebe freiwillig ihre Kontrollergebnisse in Form eines „Hygiene-Barometers“ an der Ladentür aushängen. Doch nur vier Prozent der Betriebe haben sich laut dem niedersächsischen Agrarministerium an dem Projekt beteiligt.

Anders zum Beispiel in Dänemark: Dort erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an der Ladentür und im Internet anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in den Lebensmittelbetrieben bestellt ist. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Auch in Wales und Norwegen gibt es seit mehreren Jahren ein Transparenz-System: Dort ist die Zahl der beanstandeten Betriebe nach Einführung des Systems ebenfalls deutlich gesunken.

In Deutschland veröffentlicht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur anonymisierte Statistiken und Daten über die Lebensmittelüberwachung. Die Quote der beanstandeten Betriebe liegt seit Jahren nahezu unverändert bei rund 25 Prozent. 2017 lag die Quote wegen einer neuen Erfassungsmethode nur bei 13,6 Prozent. Diese Zahl umfasst nicht - wie in den Jahren zuvor - sogenannte informelle Beanstandungen.

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<![CDATA[Internationale Expertenkommission: Einfluss der Lebensmittellobby verhindert effektive Maßnahmen gegen Fehlernährung – foodwatch: „Schallende Ohrfeige für gesundheitsgefährdende Politik von Ernährungsministerin Julia Klöckner“ ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/internationale-expertenkommission-einfluss-der-lebensmittellobby-verhindert-effektive-massnahmen-gegen-fehlernaehrung-foodwatch-schallende-ohrfeige-fuer-gesundheitsgefaehrdende-politik-von-ernaehrungsministerin-julia-kloecknerWed, 30 Jan 2019 10:00:00 +0100

Um Fettleibigkeit und Fehlernährung in den Griff zu bekommen, muss der Einfluss der Lebensmittelindustrie zurückgedrängt werden, fordern führende internationale Forscherinnen und Forscher in einem neuen Report. Die Lebensmittellobby untergrabe mit Einschüchterung und finanzieller Einflussnahme politische Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung, kritisierte die von der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ einberufene Expertenkommission. Die Verbraucherorganisation foodwatch forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, den Empfehlungen des Reports zu folgen und die Zusammenarbeit mit der Ernährungsindustrie umgehend zu beenden. Die Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung sei zum Scheitern verurteilt.

„Der Report ist eine schallende Ohrfeige für die gesundheitsgefährdende Politik von Ernährungsministerin Julia Klöckner“, sagte Luise Molling von foodwatch. „Klöckners Klüngelei mit der Lebensmittelindustrie ist nachweislich die falsche Strategie, um die grassierende Fehlernährung in den Griff zu bekommen – das ist jetzt von führenden Expertinnen und Experten bestätigt worden. Statt die Lebensmittelindustrie nur lieb zu bitten, doch etwas weniger Zucker in ihre Produkte zu mischen, braucht es klare Vorgaben wie eine Limo-Steuer, eine Nährwert-Ampel und ein Verbot des Kindermarketings für unausgewogene Lebensmittel. Doch Frau Klöckner traut sich bisher nicht, sich mit der Industrie anzulegen. Sie nimmt Übergewicht, Diabeteserkrankungen und frühzeitige Todesfälle billigend in Kauf. Sie ignoriert die Stimmen von Medizinerinnen und Ernährungsexperten und trägt damit eine wesentliche Mitverantwortung für die Misere.“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bezeichneten Fehlernährung als die „weltweit führende Ursache schlechter Gesundheit“. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie seien gänzlich „ineffektiv“, um gegen Fehlernährung vorzugehen. Auch quasi-regulatorische Ansätze, in denen die Regierungen die Zielsetzung vorgeben und das Monitoring übernehmen, die Teilnahme der Industrie aber freiwillig ist, würden durch den Einfluss der Industrie verzögert und verwässert, heißt es im Report. Die freiwillige „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“, die Julia Klöckner gemeinsam mit den Lebensmittelkonzernen auf den Weg gebracht hat, sei deshalb zum Scheitern verurteilt, so foodwatch. 

Um wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung einzuführen, sollten Regierungen einen globalen Vertrag nach dem Vorbild der Anti-Tabak-Konvention der Weltgesundheitsorganisation errichten, forderte die Expertenkommission. Die Anti-Tabak-Konvention schließt die Tabakindustrie ausdrücklich von der Beteiligung an politischen Maßnahmen aus.

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in Deutschland fordern schon lange wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung und Fettleibigkeit, wie eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Gegen diese Maßnahmen wehrt sich die Lebensmittelindustrie vehement. 

Das Bundeskabinett hat stattdessen Ende 2018 die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf den Weg gebracht. Erklärtes Ziel der Strategie ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Das Papier von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner bleibt jedoch meilenweit hinter den Forderungen und Empfehlungen der medizinischen Fachwelt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas zurück. Stattdessen setzt das Ministerium auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Ernährungsbranche. 

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<![CDATA[foodwatch fordert: Julia Klöckner muss sich für Lebensmittelampel in Deutschland einsetzen – französisches „Nutri-Score“-Modell informiert in Ampelfarben über ausgewogene Produkte]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-fordert-julia-kloeckner-muss-sich-fuer-lebensmittelampel-in-deutschland-einsetzen-franzoesisches-nutri-score-modell-informiert-in-ampelfarben-ueber-ausgewogene-produkte/Mon, 21 Jan 2019 13:27:00 +0100

foodwatch hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner aufgefordert, sich umgehend für eine Lebensmittelampel in Deutschland stark zu machen. Frankreich etwa zeige längst, wie eine verbraucherfreundliche Nährwert-Kennzeichnung aussehen könne: Das französische „Nutri-Score“-Modell mache es leicht, ausgewogene Produkte auf einen Blick zu erkennen, so die Verbraucherorganisation. 

„Mit der französischen Nährwertampel können Verbraucherinnen und Verbraucher verarbeitete Lebensmittel wie Frühstücksflocken und Tiefkühlpizzen auf einen Blick miteinander vergleichen – was nachweislich zu einem gesünderen Kaufverhalten führt“, sagte Luise Molling von foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner zum Handeln auf: „Die Lösung für Frau Klöckners vielfache Beteuerungen, die gesunde Wahl zur einfachen Wahl machen zu wollen, liegt mit dem Nutri-Score längst auf dem Tisch.“

In Deutschland haben die Hersteller Iglo und Danone bereits angekündigt, ihre Produkte ab 2019 schrittweise mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner müsse nun dafür sorgen, dass auch andere Hersteller nachziehen – nur dann könnten Verbraucherinnen und Verbraucher verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen, erklärte foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte Frau Klöckner zudem auf, sich auf europäischer Ebene für eine verpflichtende europaweite Ampelkennzeichnung stark zu machen. Julia Klöckner ist gegenüber einer Lebensmittelampel skeptisch. Zunächst müsse man wissenschaftlich analysieren, welches Kennzeichnungsmodell am sinnvollsten sei, sagte sie vergangene Woche im ZDF-Morgenmagazin. foodwatch verwies hingegen auf eine bereits durchgeführte Studie der französischen Regierung: Diese hat ergeben, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem Nutri-Score gesünder einkaufen. Eine internationale Studie hat zudem gezeigt, dass das Modell am besten geeignet ist, um die Nährwertqualität von Produkten beurteilen zu können.

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon lange wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, wie eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Gegen diese Maßnahmen wehrt sich die Lebensmittelindustrie vehement. Auch auf den massiven Lobbydruck hin scheiterte im Jahr 2010 die Einführung einer europaweiten Lebensmittelampel.

In Ermangelung einer verbindlichen europäischen Regelung haben mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Das französische Modell Nutri-Score findet dabei gegenwärtig immer mehr Unterstützer. Vergangenes Jahr von der französischen Regierung eingeführt und bereits von 90 Unternehmen übernommen, haben inzwischen auch Belgien und Spanien angekündigt, die Nutri-Score-Ampelkennzeichnung einzuführen. Das Modell wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden.

Auch wenn die französische sich von der englischen Ampel unterscheidet, die 2007 von der britischen Lebensmittelbehörde FSA entwickelt worden war, so haben beide Systeme in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. Die „Original-Ampel“ zeigt nicht nur eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“.

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Diese Angaben dürfen allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen

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Wed, 17 Apr 2019 11:46:00 +0200Thu, 18 Apr 2019 15:11:57 +0200