<![CDATA[foodwatch-Nachrichten und Medientipps]]>https://www.foodwatch.org/<![CDATA[Bundesregierung verweigert wirkungsvolle Tierschutzpolitik]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/aktuelle-nachrichten/bundesregierung-verweigert-wirkungsvolle-tierschutzpolitik/Tue, 11 Dec 2018 16:46:00 +0100

foodwatch, Greenpeace und Vier Pfoten haben das geplante Tierwohl-Label heute als „Alibi-Label“ kritisiert und endlich wirksame Maßnahmen gegen die katastrophalen Zustände in deutschen Ställen und Schlachthöfen gefordert. Morgen will sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels und der Gastronomieverbände treffen, um das weitere Vorgehen bei der staatlichen Tierwohlkennzeichnung zu diskutieren. Geplant ist ein freiwilliges Label. 

„Mit dem staatlichen Alibi-Label wird die Bundeslandwirtschaftsministerin keine wirksamen Verbesserungen für Nutztiere schaffen. Das Label ist freiwillig und hat zu schwache Kriterien in der Einstiegsstufe. Verbesserungsmaßnahmen müssen alle Tiere betreffen, also flächendeckend erfolgen. Jedes vierte Tier, das auf dem Teller landet, war krank. Tagtäglich werden schwer kranke und verletzte Tiere auf deutschen Schlachthöfen angeliefert. Um diese katastrophalen Zustände in der Nutztierhaltung in Deutschland zu beenden, brauchen wir ein nationales Tiergesundheitsmonitoring und strenge Sanktionsmaßnahmen bei Tierschutzverstößen“, erklärte Rüdiger Jürgensen, Country Director VIER PFOTEN Deutschland, im Namen der Organisationen.

Bundesregierung verweigert wirkungsvolle Tierschutzpolitik

Dass die Bundesregierung aktuell keinen Handlungsbedarf bei der Gesundheit von Nutztieren in Deutschland sieht, zeigt die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE: „Verbesserung der Tierschutzmaßnahmen und -kontrollen in der Nutztierhaltung“. Greenpeace, foodwatch und Vier Pfoten folgern aus den Antworten der Bundesregierung, dass sie weder ein Interesse an einem wirkungsvollen gesundheitlichen Nutztierschutz hat noch willens ist, zumindest die ersten, naheliegenden Schritte in diese Richtung zu gehen. 

Das sind die nötigen Schritte

Die Bundesregierung müsste jedoch umgehend für eine systematische Nutzung von Schlachthofbefunden für die Analyse – und wo nötig – Verbesserung des gesundheitlichen Tierschutzes auf problematischen Tierhaltungsbetrieben sorgen. Zugleich müssten die Aufgaben und Kompetenzen der amtlichen Überwachung klar definiert und gemeinsam mit den Ländern dafür gesorgt werden, dass diese Aufgaben konsequent erfüllt und die Öffentlichkeit darüber umfassend informiert wird.

Um ausreichend Tierschutz-Kontrollen in den tierhaltenden Betrieben und auf Schlachthöfen durchzuführen, müsste zudem für eine drastische Aufstockung des Kontrollpersonals gesorgt werden. Außerdem sollten schnellstmöglich auf den gesundheitlichen Schutz der Nutztiere fokussierte, regelmäßige Schulungen für Tierhalter und Mitarbeiter am Schlachthof erfolgen. Nur mit diesen Maßnahmen sowie der Bereitstellung finanzieller Mittel für einen effektiven gesundheitlichen Tierschutz könnte den Nutztieren in Deutschland geholfen und das Staatsziel Tierschutz erreicht werden.

 

Bild: Schweine; fotolia.com - Karl Lugmayer

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<![CDATA[Bundesregierung darf katastrophale Bedingungen in der Nutztierhaltung nicht ignorieren]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/bundesregierung-darf-katastrophale-bedingungen-in-der-nutztierhaltung-nicht-ignorieren/Tue, 11 Dec 2018 16:41:00 +0100Greenpeace, foodwatch und VIER PFOTEN fordern flächendeckende, wirksame Verbesserungsmaßnahmen der Tiergesundheit bei Nutztieren

Morgen trifft sich die Bundeslandwirtschaftsministerin erneut mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels und der Gastronomieverbände, um das weitere Vorgehen bei der geplanten staatlichen Tierwohlkennzeichnung zu diskutieren. Greenpeace, foodwatch und VIER PFOTEN fordern Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dringend auf, wirksame flächendeckende Maßnahmen für mehr Tierwohl zu ergreifen, um die katastrophalen Zustände in deutschen Ställen und Schlachthöfen endlich zu beenden und dem Staatsziel Tierschutz gerecht zu werden.

„Mit dem staatlichen Alibi-Label wird die Bundeslandwirtschaftsministerin keine wirksamen Verbesserungen für Nutztiere schaffen. Das Label ist freiwillig und hat zu schwache Kriterien in der Einstiegsstufe. Verbesserungsmaßnahmen müssen alle Tiere betreffen, also flächendeckend erfolgen. Jedes vierte Tier, das auf dem Teller landet, war krank. Tagtäglich werden schwer kranke und verletzte Tiere auf deutschen Schlachthöfen angeliefert. Um diese katastrophalen Zustände in der Nutztierhaltung in Deutschland zu beenden, brauchen wir ein nationales Tiergesundheitsmonitoring und strenge Sanktionsmaßnahmen bei Tierschutzverstößen“, erklärt Rüdiger Jürgensen, Country Director VIER PFOTEN Deutschland, im Namen der Organisationen.

Bundesregierung verweigert wirkungsvolle Tierschutzpolitik in der Nutztierhaltung

Dass die Bundesregierung aktuell keinen Handlungsbedarf bei der Gesundheit von Nutztieren in Deutschland sieht, zeigt die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE: „Verbesserung der Tierschutzmaßnahmen und -kontrollen in der Nutztierhaltung“.

Greenpeace, foodwatch und VIER PFOTEN folgern aus den Antworten der Bundesregierung, dass sie weder ein Interesse an einem wirkungsvollen gesundheitlichen Nutztierschutz hat noch willens ist, zumindest die ersten, naheliegenden Schritte in diese Richtung zu gehen. Die Bundesregierung müsste jedoch umgehend für eine systematische Nutzung von Schlachthofbefunden für die Analyse – und wo nötig – Verbesserung des gesundheitlichen Tierschutzes auf problematischen Tierhaltungsbetrieben sorgen. Zugleich müssten die Aufgaben und Kompetenzen der amtlichen Überwachung klar definiert und gemeinsam mit den Ländern dafür gesorgt werden, dass diese Aufgaben konsequent erfüllt und die Öffentlichkeit darüber umfassend informiert wird. Um ausreichend Tierschutz-Kontrollen in den tierhaltenden Betrieben und auf Schlachthöfen durchzuführen, müsste zudem für eine drastische Aufstockung des Kontrollpersonals gesorgt werden. Außerdem sollten schnellstmöglich auf den gesundheitlichen Schutz der Nutztiere fokussierte, regelmäßige Schulungen für Tierhalter und Mitarbeiter am Schlachthof erfolgen. Nur mit diesen Maßnahmen sowie der Bereitstellung finanzieller Mittel für einen effektiven gesundheitlichen

Tierschutz könne den Nutztieren in Deutschland geholfen und das Staatsziel Tierschutz erreicht werden.

Pressekontakt

foodwatch: Matthias Wolfschmidt

E-Mail: matthias.wolfschmidt@foodwatch.international

Tel.: 030 / 24 04 76 - 118

 

Greenpeace: Martin Hofstetter

E-Mail: martin.hofstetter@greenpeace.org

Tel.: 0171 / 87 06 645

 

VIER PFOTEN: Maike Kant

E-Mail: presse-d@vier-pfoten.org

Tel.: 040 / 399 249 44

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<![CDATA[Pressestatement zu EU-Lebensmittelrecht / Zulassungsverfahren für Pestizide / Verbraucherschutz]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/pressestatement-zu-eu-lebensmittelrecht-zulassungsverfahren-fuer-pestizide-verbraucherschutz/Tue, 11 Dec 2018 15:29:00 +0100Zur Abstimmung im EU-Parlament über die Reform der EU-Basisverordnung für Lebensmittel ("Transparenz und Nachhaltigkeit der EU-Risikobewertung im Bereich der Lebensmittelkette") erklärte Lena Blanken von der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Im Interesse von mehr als 500 Millionen europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern hätte das Europäische Parlament die EU-Kommission zu einer grundlegenden Überarbeitung der EU-Basisverordnung für Lebensmittel drängen sollen, anstatt sich nur auf ein Teilaspekt zu konzentrieren. Beide verschließen die Augen vor aktuellen Problemen, die alle Europäerinnen und Europäer betreffen – wie einem unzureichenden Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Gesundheitsgefahren, Betrug und Lebensmittelskandalen. 

Um einen funktionierenden und sicheren Lebensmittelmarkt zu gewährleisten, müssen die Lebensmittelbehörden in ganz Europa verpflichtet werden, die Öffentlichkeit im Falle von Rechtsverstößen und Lebensmittelskandalen schnell und umfassend zu informieren. Hersteller- und Produktnamen dürfen nicht verschwiegen werden. Darüber hinaus müssen die Lebensmittelunternehmen, insbesondere der Einzelhandel, ihre Produkte systematisch auf Gesundheitsgefahren und Lebensmittelbetrug testen. Um die Einhaltung der Gesetze zu gewährleisten, müssen Verbraucherverbände das Recht haben, Behörden und Unternehmen zu verklagen, die ihren Verpflichtungen aus dem EU-Recht nicht nachkommen.“

Hintergrund 

Die „EU-Basisverordnung“, die Verordnung (EG) Nr. 178/2002, wurde 2001 als Reaktion auf die BSE-Krise (Rinderwahn) verabschiedet. Diese wird derzeit von der Europäische Kommission und dem Europäischen Parlament im Rahmen des "REFIT"-Prozesses (Regulatory Fitness and Performance Programme) überarbeitet. Im April schlug die Europäische Kommission ein Reformpaket für die EU-Basisverordnung vor, das die Bestimmungen über die Risikobewertung von beispielsweise Pflanzenschutzmitteln ändern soll. foodwatch kritisierte den Vorschlag als unzureichend mit dem Argument, dass die Kommission, anstatt sich auf ein einziges Thema zu konzentrieren, die grundlegenden Schwächen des EU-Rechts beseitigen müsse. Kürzlich hat foodwatch den umfassenden Bericht „Rechtlos im Supermarkt“ veröffentlicht, der eine eingehende Analyse des Lebensmittelrechts der Europäischen Union liefert und grundlegende Schwächen aufzeigt.

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<![CDATA[Report „Rechtlos im Supermarkt“]]>https://www.foodwatch.org/Fri, 07 Dec 2018 15:26:00 +0100 ]]><![CDATA[Welche Öle eignen sich zum Dünsten, Braten und Frittieren?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/welche-oele-eignen-sich-zum-duensten-braten-und-frittieren/Thu, 06 Dec 2018 14:48:00 +0100

Antwort der Ernährungsberaterin Alice Luttropp:

Speiseöle unterscheiden sich nach dem chemischen Aufbau ihrer Fettsäuren. Und von diesen Fettsäuren hängt ab, wie gesund ein Öl ist und auch, wie hoch es sich erhitzen lässt. Das klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz simpel. Denn für eine gesunde Ernährung genügen im Grunde zwei Öle.

Lieber schonend anbraten als zu stark erhitzen

Ich verwende am liebsten Rapsöl und Olivenöl. Denn Rapsöl enthält besonders hohe Mengen gesunder Omega-3-Fettsäuren. Und Olivenöl überzeugt durch einen hohen Anteil an einfach-ungesättigter Ölsäure. Beide lassen sich auch gut zum Braten verwenden, so lange man es mit der Hitze nicht übertreibt. Ohnehin sollten Fette und Öle nicht zu hoch erhitzt werden, da sich ab 200 Grad gesundheitsschädliche Stoffe bilden können. Und: Lebensmittel werden bei überhöhten Temperaturen sowieso nicht schneller gar. 

Sonnenblumenöl ist nicht so gesund wie Oliven- und Rapsöl, da es ein ungünstigeres Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren besitzt. Für spezielle Sonnenblumen-Bratöle werden Sonnenblumenkerne aus ölsäurereichen Züchtungen zum Öl verarbeitet. Dadurch können sie höher erhitzt werden ohne zu verbrennen.

Raffinierte Öle können höher erhitzt werden

Als Faustregel gilt: Fängt das Öl an zu rauchen, hat man es übertrieben und sollte das Öl nicht weiterverwenden, sondern entsorgen. Der Rauchpunkt unterscheidet sich je nach Ölsorte und Verarbeitungsart. Grundsätzlich können raffinierte Öle höher erhitzt werden als native oder kaltgepresste Öle. Denn bei raffinierten Ölen wurden Bestandteile wie freie Fettsäuren und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe entfernt, die besonders schnell zu rauchen anfangen. 

Entgegen der landläufigen Meinung können aber auch kaltgepresste Oliven- und Rapsöle zum Braten verwendet werden. Je nach Zusammensetzung des Öls kann kaltgepresstes Rapsöl auf 130 bis 190 Grad und kaltgepresstes Olivenöl auf 130 bis 175 Grad erhitzt werden. Es wäre nur schade darum, denn bei der Herstellung kaltgepresster Öle wird viel Mühe darauf verwendet, die Früchte oder Kerne nur mit mechanischen Verfahren und ohne Wärmezufuhr auszupressen. Dadurch wird das Aroma der Pflanzen erhalten, raffinierte Öle schmecken meist deutlich neutraler.

Gesunde Fettsäuren bleiben auch beim Erhitzen erhalten

Übrigens muss man sich keine Gedanken machen, dass die gesunden Fettsäuren beim Braten verloren gehen. Der Großteil der Omega-3-Fettsäuren im Rapsöl etwa bleibt auch beim Erhitzen erhalten. Auch der Prozess der Raffinierung verringert den Gehalt gesunder Fettsäuren kaum. Was allerdings unter der Hitze leidet, sind Vitamine. Öle sind eine wichtige Vitamin-E-Quelle – daran besteht jedoch in Deutschland kein Mangel.

Feine Öle wie Kürbiskern-, Walnuss-, Lein- oder Hanföl sollte man nicht zum Erhitzen verwenden, sondern in Salatsoßen oder zum Verfeinern von Speisen genießen. Denn ihr Rauchpunkt ist meist recht niedrig, und abgesehen davon sind sie zu teuer und zu schade zum schnöden Anbraten.

Hocherhitzbare Öle nur in Maßen genießen

Öle, die einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren enthalten, lassen sich besonders hoch erhitzen. Dazu gehören etwa Palmöl, Kokosöl und -fett sowie Schweine- oder Butterschmalz. Sie sollten jedoch nur in Maßen konsumiert werden. Aktuelle Studien legen zwar nahe, dass der Zusammenhang zwischen dem Konsum gesättigter Fette und einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen nicht so eindeutig ist, wie lange Zeit angenommen. Der Ersatz von gesättigten Fettsäuren durch ungesättigte Fettsäuren scheint sich trotzdem positiv auf die Herzgesundheit auszuwirken. Zumal die Deutsche Gesellschaft für Ernährung darauf hinweist, dass die Deutschen im Schnitt zu hohe Mengen gesättigter Fettsäure zu sich nehmen. Da gesättigte Fettsäuren in allen tierischen Produkten enthalten sind, sollten gerade Liebhaber von Fleisch- und Milchprodukten bei Ölen besser zu den ungesättigten Alternativen wie Raps- und Ölivenöl greifen. 

In Maßen genossen schaden die gesättigten Öle aber auch nicht – für das Silvesterfondue mit Fett kann man getrost eine Ausnahme machen und etwa Kokosfett verwenden, das geschmacksneutral und hocherhitzbar ist. Auch Sonnenblumen-Bratöl, Erdnussöl oder raffiniertes Rapsöl eignen sich. 

Und zum Frittieren? Das Max-Rubner-Institut empfiehlt, auch beim Frittieren nicht mit allzu hohen Temperaturen zu arbeiten, sondern bei 160 - 170 Grad zu bleiben. Also eignet sich auch hierfür raffiniertes Rapsöl. 

Fazit: Mit Raps- und Olivenöl kommt man schon sehr weit, egal ob es sich um die raffinierte oder kalt gepresste Variante handelt. Denn diese beiden Öle sind gesunde Alleskönner und eignen sich sowohl für die kalte Küche als auch zum moderaten Anbraten.

Foto: © fotolia / indigolotos

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<![CDATA[Offener Brief an die hessischen Grünen und die hessische CDU: Keine Zustimmung zu CETA in den Koalitionsvertrag!]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/freihandelsabkommen/aktuelle-nachrichten/offener-brief-an-die-hessischen-gruenen-und-die-hessische-cdu-keine-zustimmung-zu-ceta-in-den-koalitionsvertrag/Thu, 06 Dec 2018 10:12:00 +0100

Anlässlich der laufenden Koalitionsverhandlungen in Hessen zwischen CDU und Bündnis90/Die Grünen fordert foodwatch gemeinsam mit etwa 30 weiteren hessischen Verbänden, Bündnissen für einen gerechten Welthandel sowie bundesweit tätigen zivilgesellschaftlichen Organisationen die beiden Parteien dazu auf, das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen der EU mit Kanada (CETA) zum Thema der Verhandlungen zu machen und im Koalitionsvertrag festzuhalten, dass Hessen dem Abkommen im Bundesrat nicht zustimmen wird.

In einem Offenen Brief weisen wir auf problematische Inhalte des CETA-Abkommens hin. Nach der vollständigen Ratifizierung wird CETA ausländischen Investoren ein eigenes, privilegiertes Klagerecht gewähren, mit dem sie hohe Schadensersatzforderungen an Staaten richten könnten. Dadurch werden demokratische Handlungsspielräume von Politik eingeschränkt. Durch die Erweiterung und Verfestigung von kommunalen Ausschreibungspflichten schränkt CETA zudem den Handlungsspielraum von Kommunen ein und unterstützt die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen. Auch das dem europäischen Umwelt- und Verbraucherschutz zu Grunde liegende Vorsorgeprinzip ist in CETA nicht ausreichend abgesichert. So ist nicht sichergestellt, dass bestehende Standards durch CETA aufrechterhalten werden.

CETA wird seit September 2017 zu großen Teilen vorläufig angewandt, muss jedoch noch von den Parlamenten der EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Es ist davon auszugehen, dass der Bundesrat und somit auch die künftige hessische Landesregierung in dieser Legislaturperiode über CETA abstimmen werden.

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<![CDATA[foodwatch-Protestaktion: Coca-Cola lehnt Goldenen Windbeutel ab]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/goldener-windbeutel/aktuelle-nachrichten/foodwatch-protestaktion-coca-cola-lehnt-goldenen-windbeutel-ab/Tue, 04 Dec 2018 14:21:00 +0100

„Wucher“, „Wasser-Abzocke“, „Dreistigkeit“: In Sprechblasen steht in die Kritik von Verbraucherinnen und Verbrauchern am „Smartwater“ von Coca-Cola. Aktivistinnen von foodwatch kleben die Schilder an die Glastüren der Deutschlandzentrale des Getränkekonzerns. Eine Demonstrantin spielt das „Sieger“-Produkt, das keine Werbelüge mehr sein möchte. Mit dieser Protestaktion hat foodwatch heute den Goldenen Windbeutel an Coca-Cola verliehen. Der Konzern nahm den Preis aber nicht entgegen.

Als foodwatch zur Preisübergabe an der Konzernzentrale von Coca-Cola eintraf, verwehrten zwei Security-Mitarbeiter freundlich, aber bestimmt den Zutritt. Nach einigen Minuten dann stürmte ein Coca-Cola-Manager an dem foodwatch-Team und den wartenden Fernsehkameras vorbei und gab einige Meter entfernt von dem Gebäude ein vorbereitetes Statement ab: Man halte „die Kritik für nicht gerechtfertigt“. Transparenz sei für Coca-Cola „sehr wichtig“, auf dem Etikett seien „alle wichtigen Informationen“ angegeben und vor allem: „Die Verbraucher sind es, die entscheiden, ob sie das Produkt kaufen möchten oder nicht.“ Damit verschwand der Coca-Cola-Vertreter nach wenigen Augenblicken wieder fluchtartig hinter der Glastür der Firmenzentrale. Auf ein Gespräch wollte er sich nicht einlassen, zu der Kritik der Verbraucherinnen und Verbraucher: kein Wort. 


Sophie Unger von foodwatch, „Wahlleiterin“ beim Goldenen Windbeutel 2018

„Der Weltkonzern Coca-Cola zeigt den Verbraucherinnen und Verbrauchern die kalte Schulter und ignoriert das Votum zehntausender Menschen. Solange Coca-Cola sich stur stellt ist der Handel gefragt, denn an jeder Flasche Smartwater verdient er kräftig mit. Supermärkte & Co. müssen das dreiste Schummelprodukt von Coca-Cola aus den Regalen räumen.“

Sophie Unger von foodwatch, „Wahlleiterin“ beim Goldenen Windbeutel 2018

Coca-Cola, der größte Getränkehersteller der Welt, vermarktet sein „dampfdestilliertes Wasser“ sehr aufwendig mit Werbeaussagen wie „von Wolken inspiriert“. Dabei ist das Verfahren, das dahinter steckt – das Wasser wird zunächst verdampft und dann wieder aufgefangen – ernährungsphysiologisch völlig unnütz. Trotzdem kostet das Coca-Cola-Wasser mit 1,65 Euro pro Liter bis zu siebenmal mehr als normales Mineralwasser. Aus Sicht von foodwatch eine dreiste Abzocke mit dem Grundnahrungsmittel Wasser.

Das Abstimmungsergebnis

Neben dem Coca-Cola-Wasser waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Fast 70.000 gültige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit Anfang November ein. Das Ergebnis im Detail:

  1. Platz: Glacéau Smartwater von Coca-Cola (21.235 Stimmen, entspricht 30,5 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen)
  2. Platz: Kids Tomato Ketchup von Heinz (19.547 Stimmen, 28,1 Prozent)
  3. Platz: Corny Milch von Schwartau (10.889 Stimmen, 15,6 Prozent)
  4. Platz: Bratöl Olive von Dennree (9.398 Stimmen, 13,5 Prozent)
  5. Platz: Erbseneintopf Gut und Günstig von Edeka (8.546 Stimmen, 12,3 Prozent)

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Erstmals konnten in diesem Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher auf der foodwatch-Beschwerdeplattform Schummelmelder.de im Vorfeld der Wahl selber Kandidaten vorschlagen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Vier der fünf nominierten Produkte waren Vorschläge von Usern: die Produkte von Heinz, Schwartau, Dennree und Edeka. Das „Smartwater“ von Coca-Cola hatte foodwatch nominiert.

Bild: Peter-Paul Weiler, dpa picture alliance 

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<![CDATA[foodwatch-Protestaktion bei Coca-Cola: Getränkekonzern lehnt Goldenen Windbeutel ab – Verbraucherorganisation fordert: Supermärkte müssen Schummelprodukt aus den Regalen nehmen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-protestaktion-bei-coca-cola-getraenkekonzern-lehnt-goldenen-windbeutel-ab-verbraucherorganisation-fordert-supermaerkte-muessen-schummelprodukt-aus-den-regalen-nehmen/Tue, 04 Dec 2018 14:15:00 +0100

+++ Fotos von der Aktion zum Download unter www.foodwatch.de/material-windbeutel +++ 

„Wucher“ – „Wasser-Abzocke“ – „Dreistigkeit“: Auf Sprechblasen steht in deutlichen Worten die Kritik von Verbraucherinnen und Verbrauchern am „Smartwater“ von Coca-Cola. Aktivistinnen von foodwatch kleben die Schilder kurzerhand an die Glastüren der Deutschlandzentrale des Getränkekonzerns. Eine Demonstrantin in einem lebensgroßen Kostüm des Coca-Cola-Wassers steht vor dem knallroten Firmengebäude am Berliner Spreeufer, in der Hand ein Schild: „Ich will keine Werbelüge mehr sein!“ 

Mit dieser Protestaktion hat die Verbraucherorganisation foodwatch am Dienstag Coca-Cola den Negativpreis Goldener Windbeutel verliehen. Anders als von Hersteller Coca-Cola suggeriert, ist das „Smartwater“ nicht besser als herkömmliches Mineralwasser – trotzdem kostet das angeblich „von Wolken inspirierte“ Produkt bis zu siebenmal mehr. Bei der Online-Abstimmung von foodwatch wählte fast ein Drittel der rund 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das „Smartwater“ daher zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Coca-Cola wollte den Negativpreis heute allerdings nicht annehmen. Als foodwatch zur Preisübergabe an der Konzernzentrale eintraf, verwehrten zwei Security-Mitarbeiter freundlich, aber bestimmt den Zutritt. Nach einigen Minuten dann stürmte ein Coca-Cola-Manager an dem foodwatch-Team und den wartenden Fernsehkameras vorbei und gab einige Meter entfernt von dem Gebäude ein vorbereitetes Statement ab: Man halte „die Kritik für nicht gerechtfertigt“. Transparenz sei für Coca-Cola „sehr wichtig“, auf dem Etikett seien „alle wichtigen Informationen“ angegeben und vor allem: „Die Verbraucher sind es, die entscheiden, ob sie das Produkt kaufen möchten oder nicht.“ Damit verschwand der Coca-Cola-Vertreter nach wenigen Augenblicken wieder fluchtartig hinter der Glastür der Firmenzentrale. Auf ein Gespräch wollte er sich nicht einlassen, zu der Kritik der Verbraucherinnen und Verbraucher: kein Wort.

„Der Weltkonzern Coca-Cola zeigt den Verbraucherinnen und Verbrauchern die kalte Schulter und ignoriert das Votum zehntausender Menschen“, sagte Sophie Unger von foodwatch, „Wahlleiterin“ beim Goldenen Windbeutel 2018. Die Verbraucherorganisation forderte alle Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels auf, jetzt zu reagieren: „Solange Coca-Cola sich stur stellt ist der Handel gefragt, denn an jeder Flasche Smartwater verdient er kräftig mit. Supermärkte & Co. müssen das dreiste Schummelprodukt von Coca-Cola aus den Regalen räumen“, so Sophie Unger. 

Coca-Cola, der größte Getränkehersteller der Welt, vermarktet sein „dampfdestilliertes Wasser“ sehr aufwendig mit Werbeaussagen wie „von Wolken inspiriert“. Dabei ist das Verfahren, das dahinter steckt – das Wasser wird zunächst verdampft und dann wieder aufgefangen – ernährungsphysiologisch völlig unnütz, wie foodwatch kritisierte. Trotzdem kostet das Coca-Cola-Wasser mit 1,65 Euro pro Liter bis zu siebenmal mehr als normales Mineralwasser. Aus Sicht von foodwatch eine dreiste Abzocke mit dem Grundnahrungsmittel Wasser: „Weil sich mit ganz normalem Wasser nicht so viel Geld verdienen lässt, hat sich Coca-Cola für sein ‚Smartwater‘ ein völlig überflüssiges Verfahren ausgedacht – nur um den Verbraucherinnen und Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen“, so Sophie Unger von foodwatch.

Neben dem Coca-Cola-Wasser waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Fast 70.000 gültige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit Anfang November ein. Das Ergebnis im Detail:

1. Platz: Glacéau Smartwater von Coca-Cola (21.235 Stimmen, entspricht 30,5 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen)

2. Platz: Kids Tomato Ketchup von Heinz (19.547 Stimmen, 28,1 Prozent)

3. Platz: Corny Milch von Schwartau (10.889 Stimmen, 15,6 Prozent)

4. Platz: Bratöl Olive von Dennree (9.398 Stimmen, 13,5 Prozent)

5. Platz: Erbseneintopf Gut und Günstig von Edeka (8.546 Stimmen, 12,3 Prozent)

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Erstmals konnten in diesem Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher auf der foodwatch-Beschwerdeplattform Schummelmelder.de im Vorfeld der Wahl selber Kandidaten vorschlagen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Vier der fünf nominierten Produkte waren Vorschläge von Usern: die Produkte von Heinz, Schwartau, Dennree und Edeka. Das „Smartwater“ von Coca-Cola hatte foodwatch nominiert. 

Mit der Online-Abstimmung zum Goldenen Windbeutel will foodwatch auf legale Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln erwirken. Die Verbraucherorganisation fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen. 

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Babykeks der Firma Alete.

Ergebnisse der Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018: www.goldener-windbeutel.de

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<![CDATA[Coca-Cola gewinnt Goldenen Windbeutel 2018 – Verbraucher wählen „Smartwater“ zur dreistesten Werbelüge des Jahres – foodwatch-Protestaktion heute am Firmensitz in Berlin]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/coca-cola-gewinnt-goldenen-windbeutel-2018-verbraucher-waehlen-smartwater-zur-dreistesten-werbeluege-des-jahres-foodwatch-protestaktion-heute-am-firmensitz-in-berlin/Tue, 04 Dec 2018 00:00:00 +0100

+++ Foto-Aktion heute 11 Uhr bei Coca-Cola, Stralauer Allee 4, 10245 Berlin +++ Bild- und Videomaterial unter www.foodwatch.de/material-windbeutel (ab ca. 14 Uhr auch von der Aktion) +++

Coca-Cola erhält den Negativpreis Goldener Windbeutel: Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation foodwatch wählte fast ein Drittel der rund 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das „Smartwater“ zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Die Kritik: Anders als von Coca-Cola suggeriert, ist das „Smartwater“ nicht besser als herkömmliches Mineralwasser – kostet aber bis zu siebenmal mehr. Zur Begründung verweist der Getränkekonzern auf ein angeblich „von Wolken inspiriertes“ Herstellungsverfahren. foodwatch will den Goldenen Windbeutel heute um 11 Uhr bei der Firmenzentrale in Berlin überreichen.

„Coca-Cola betreibt dreiste Verbraucherabzocke mit dem Grundnahrungsmittel Nummer Eins. Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, das wissenschaftlich klingt, aber völlig unsinnig ist. Das ‚Smartwater‘ ist einfach nur ein schnödes Wasser, teuer verkauft“, sagte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018. Die Verbraucherorganisation forderte Coca-Cola auf, das Werbemärchen zu stoppen – und nahm gleichzeitig den Lebensmittelhandel in die Pflicht: Unternehmen des deutschen Einzelhandels dürften die Werbelüge des Jahres nicht länger verkaufen. „Der Einzelhandel verdient an den wolkigen Werbeversprechen kräftig mit – damit muss Schluss sein. Die Händler müssen das Coca-Cola-Mogelprodukt aus den Regalen räumen“, so Sophie Unger.

Coca-Cola bewirbt sein Produkt „Smartwater“ als „dampfdestilliertes natürliches Mineralwasser für einen klaren, frischen Geschmack“. Hinter Werbesprüchen wie „von Wolken inspiriert“ steckt ein simpler Vorgang: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen, verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. foodwatch kritisierte das Verfahren als ernährungsphysiologisch völlig unnützen Trick, den Verbraucherinnen und Verbraucher teuer bezahlen: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das „Smartwater“ bis zu sieben Mal teurer als normales Mineralwasser.

Neben dem Coca-Cola-Wasser waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Fast 70.000 gültige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit Anfang November ein. Das Ergebnis im Detail:

  1. Platz: Glacéau Smartwater von Coca-Cola (21.235 Stimmen, entspricht 30,5 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen)
  2. Platz: Kids Tomato Ketchup von Heinz (19.547 Stimmen, 28,1 Prozent)
  3. Platz: Corny Milch von Schwartau (10.889 Stimmen, 15,6 Prozent)
  4. Platz: Bratöl Olive von Dennree (9.398 Stimmen, 13,5 Prozent)
  5. Platz: Erbseneintopf Gut und Günstig von Edeka (8.546 Stimmen, 12,3 Prozent)

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Erstmals konnten in diesem Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher auf der foodwatch-Beschwerdeplattform Schummelmelder.de im Vorfeld der Wahl selber Kandidaten vorschlagen. Vier der fünf nominierten Produkte waren Vorschläge von Usern: die Produkte von Heinz, Schwartau, Dennree und Edeka. Das „Smartwater“ von Coca-Cola hatte foodwatch nominiert.

Mit der Online-Abstimmung zum Goldenen Windbeutel will foodwatch auf legale Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln erwirken. Die Verbraucherorganisation fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Babykeks der Firma Alete.

Ergebnisse der Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018: www.goldener-windbeutel.de

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<![CDATA[„Smartwater“ von Coca-Cola erhält den Goldenen Windbeutel 2018]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/goldener-windbeutel/aktuelle-nachrichten/smartwater-von-coca-cola-erhaelt-den-goldenen-windbeutel-2018/Mon, 03 Dec 2018 15:33:00 +0100

Das „von Wolken inspirierte“ sogenannte „Smartwater“ von Coca-Cola gewinnt den Goldenen Windbeutel 2018. Ein schnödes Mineralwasser, aufgemotzt mit einem ernährungsphysiologisch vollkommen unnützen Verfahren – aber dafür bis zu siebenmal teurer als ein herkömmliches Mineralwasser. Fast 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligten sich in diesem Jahr an der Abstimmung zum Goldenen Windbeutel. Etwa ein Drittel wählte das „Smartwater“ zur dreistesten Werbelüge des Jahres.

Coca-Cola bewirbt sein Produkt „Smartwater“ als „dampfdestilliertes natürliches Mineralwasser für einen klaren, frischen Geschmack“. Hinter Werbesprüchen wie „von Wolken inspiriert“ steckt ein simpler Vorgang: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen, verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Das Verfahren ist ein ernährungsphysiologisch völlig unnützer Trick, den Verbraucherinnen und Verbraucher teuer bezahlen: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das „Smartwater“ bis zu sieben Mal teurer als normales Mineralwasser.

„Coca-Cola betreibt dreiste Verbraucherabzocke mit dem Grundnahrungsmittel Nummer Eins. Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, das wissenschaftlich klingt, aber völlig unsinnig ist. Das ‚Smartwater‘ ist einfach nur ein schnödes Wasser, teuer verkauft. Der Einzelhandel verdient an den wolkigen Werbeversprechen kräftig mit – damit muss Schluss sein. Die Händler müssen das Coca-Cola-Mogelprodukt aus den Regalen räumen.“

Sophie Unger, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018

Neben dem Coca-Cola-Wasser waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Fast 70.000 gültige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit dem 6. November ein. Das Ergebnis im Detail:

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Erstmals konnten in diesem Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher auf der foodwatch-Beschwerdeplattform Schummelmelder.de im Vorfeld der Wahl selber Kandidaten vorschlagen. Vier der fünf nominierten Produkte waren Vorschläge von Usern: die Produkte von Heinz, Schwartau, Dennree und Edeka. Das „Smartwater“ von Coca-Cola hatte foodwatch nominiert.

Ziel: bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln

Mit der Online-Abstimmung zum Goldenen Windbeutel will foodwatch auf legale Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln erwirken. foodwatch fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Babykeks der Firma Alete.

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<![CDATA[EU-Behörde warnt vor Tierfutter mit antibiotikaresistenten Bakterien]]>https://www.foodwatch.org/de/mediathek/medienberichte/Sat, 01 Dec 2018 00:00:00 +0100<![CDATA[Illegale Vitamine mit gentechnisch veränderten Bakterien in Tierfutter gelangt – Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde warnt vor Gesundheitsgefahren für Verbraucher ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/illegale-vitamine-mit-gentechnisch-veraenderten-bakterien-in-tierfutter-gelangt-europaeische-lebensmittelsicherheitsbehoerde-warnt-vor-gesundheitsgefahren-fuer-verbraucher/Fri, 30 Nov 2018 15:36:00 +0100
  • Europaweit Tierfutter mit Vitaminzusätzen belastet, die verbotene, gentechnisch veränderte Bakterien enthalten
  • EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde: gentechnisch veränderte Bakterien in den Vitaminzusätzen sind gegen Antibiotika resistent und eine Gefahr für Tiere, Verbraucher und Umwelt
  • foodwatch kritisiert: Behörden und EU-Kommission wussten schon vor Jahren Bescheid

Berlin/Amsterdam/Paris, 30. November 2018. Verbotene Vitaminpräparate aus China, die gentechnisch veränderte, lebensfähige Bakterien enthalten, sind über einen niederländischen Importeur in großem Umfang in Tierfutter und damit in die Nahrungsmittelkette in Europa gelangt. Auch Deutschland ist betroffen. Das geht aus Daten des Europäischen Behörden-Schnellwarnsystems RASFF hervor, die von Belgien veröffentlicht wurden. Bei der verbotenen Substanz handelt es sich um Vitamin B2, auch bekannt als „Riboflavin 80%“, das als Zusatzstoff in Futtermittel für Nutztiere eingesetzt wird. Die in dem Vitamin enthaltenen gentechnisch veränderten Organismen sind laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Gefahr für Verbraucherinnen und Verbraucher, weil sie unter anderem antibiotikaresistente Gene enthalten.

Deutsche und britische Behörden hatten bereits 2014 ähnliche Belastungen von B2-Vitaminen mit nicht in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Bakterien festgestellt und die EU informiert. Die EU-Kommission hat den Einsatz des Vitamins jedoch erst im September 2018 offiziell verboten – zugleich erlaubt die EU es Landwirten jedoch, die bereits mit dem belasteten Vitamin-Gemisch hergestellten Futtermittel noch für weitere sechs Monate, bis April 2019, an ihre Tiere zu verfüttern. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte das Vorgehen der EU als klaren Verstoß gegen das europäische Gentechnikrecht und das im Lebensmittelrecht verankerte Vorsorgeprinzip.

„Es ist erschütternd, wie die EU-Kommission nicht nur die gesundheitlichen Risiken gentechnisch veränderter Organismen ignoriert, sondern auch die völlig unnötige Verbreitung von Antibiotikaresistenzen durch illegale Futter-Zusatzstoffe jahrelang billigend in Kauf nimmt – obwohl sich die EU offiziell als Vorkämpferin gegen Antibiotikaresistenzen inszeniert. Wenn es ums Geld geht, hat die EU-Kommission trotz ausdrücklicher Warnung durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde offenbar kein Problem damit, dass vermehrungsfähige gentechnisch veränderte Bakterien, die noch dazu gegen antibiotikaresistent sind, an Europas Viehherden verfüttert werden“, erklärte Matthias Wolfschmidt, Kampagnendirektor von foodwatch International.

Nach Informationen von foodwatch sind in diesem Jahr mindestens acht Tonnen des mit gentechnisch veränderten Bakterien belasteten und damit illegalen Vitamin-B2-Präparates aus China über den niederländischen Futtermittelhersteller Trouw Nutrition nach Europa gelangt. Damit konnten Hunderttausende Tonnen Tierfutter produziert werden. Die Behörden in den betroffenen EU-Staaten, darunter Frankreich, Deutschland und die Niederlande, rufen derzeit stillschweigend die Bestände der belasteten Futtermittel zurück. Die Öffentlichkeit wurde indes nicht informiert, wie foodwatch kritisierte.

Der Vorgang könnte weit zurückreichen: Behörden in Deutschland und England hatten bereits 2014 eine ähnliche Kontamination von Vitamin B2 mit illegalen gentechnisch veränderten Bakterien festgestellt und andere Mitgliedstaaten über das europäische Behörden-Warnsystem RASFF davor gewarnt. Im Oktober 2016 führten Experten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und andere EU-Behörden eine gemeinsame Untersuchung durch, die zu dem Schluss kam, dass das betreffende Futtermittel nicht hätte verkauft werden dürfen. Damals wurden jedoch keine Maßnahmen ergriffen, um das Vitamin-B2-Präparat oder damit hergestellte Futtermittel vom Markt zu nehmen. Die Europäische Kommission hatte stattdessen im August 2016 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit einer neuen Stellungnahme zur Sicherheit von Riboflavin 80% beauftragt. Am 7. März 2018 kam die EFSA zu dem Schluss, dass der Zusatzstoff ein Risiko für „die Zieltierart, die Verbraucher, die Verwender und die Umwelt“ darstellt. Die EU-Kommission hat den illegalen Vitamin-Zusatz offiziell erst am 19. September 2018 verboten. Die Verfütterung des damit hergestellten und somit  belasteten Tierfutters – vermutlich viele tausend Tonnen – erlaubt sie jedoch bis April 2019.

Das verunreinigte Futtermittel wurde laut dem Europäischen Schnellwarnsystem in 20 europäische Länder geliefert. Nach Informationen von foodwatch dauerte es mehrere Wochen, bis niederländische Behörden die Lieferwege zurückverfolgen konnten. Die französische Tageszeitung Le Monde schätzt, dass mindestens 150 Tonnen Futtermittel alleine in Frankreich mit dem gefährlichen Vitamin-Zusatzstoff verunreinigt wurden.

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<![CDATA[Es ist passiert!]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/es-ist-passiert/Fri, 30 Nov 2018 15:29:00 +0100

Hallo und guten Tag,

diese Nachricht hat uns verstört wie schon lange keine mehr: Die Koalition hat gestern beschlossen, das für den 1. Januar 2019 geplante Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln jetzt doch wieder zu verschieben! Und das trotz massiver Proteste verschiedenster Gruppierungen. Allein bei foodwatch haben sich 85.000 Menschen – unter anderem Sie, vielen Dank dafür – an dem Protest beteiligt. Den Verantwortlichen allerdings war diese breite Allianz des Widerstandes anscheinend völlig egal. 

Wir sind entsetzt und wütend: Denn auch wenn es den Bauern jetzt erlaubt wird, das Narkosemittel Isofluran bei der Kastration zu verwenden, ist das nicht mehr als ein Feigenblatt. Denn die allermeisten Landwirte werden so weiter machen wie bisher, nämlich den Ferkeln die Hoden ohne Betäubung abschneiden. Das bedeutet, dass in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich weitere 40 Millionen Ferkel unnötige Qualen leiden. Und das, obwohl bereits vor 5 Jahren der Beschluss, diese mittelalterliche Praxis zu verbieten, gefasst wurde. Und jetzt, wo es ernst wird, machen die Spitzen von Union und SPD einen Rückzieher. Und warum? Weil die Schweinezüchter, der Bauernverband und die Schlachtindustrie vor allem eins wollen und das ist billig produzieren. Der Grund für das Verschieben ist also rein ökonomischer Natur. Es gibt praktikable Alternativen zum bisherigen Verfahren, aber die sind ihnen schlicht zu teuer!

Das ist an Perfidie und Herzlosigkeit nicht mehr zu überbieten: Alle die schon mal eine Kastration an nicht betäubten Ferkeln live oder im Film gesehen haben, werden sich von dieser Praxis mit Abscheu abwenden. Und jeder und jede, die auch nur einen Funken Mitgefühl in sich trägt, wird sich dafür aussprechen, eine solche Praxis so schnell wie nur irgend möglich zu beenden. Wenn Sie auch wollen, dass das sofort ein Ende hat, dann schließen Sie sich uns an und setzen sich gemeinsam mit uns gegen die Aussetzung des Verbotes ein.

Aber auch jeder, der noch nicht das herzzerreißende Quieken der kleinen Ferkel gehört hat, kann sich mit Leichtigkeit die Qualen vorstellen, die diese Tiere erleiden müssen. Dennoch wird ihnen dieses Leid angetan. Jeden Tag 55 Tausend Mal. Und das in einem Staat, der im Allgemeinen recht viel auf seine humanitären Werte und sein dementsprechendes Tierschutzgesetz hält. Aber das Tierschutzgesetz weist gefährliche Lücken auf, denn sonst wäre eine solche Praxis gar nicht möglich.

Die Kastration der kleinen Ferkel wird noch absurder, wenn man sich vor Augen führt, dass der Grund für das Abschneiden der Hoden bei vollem Bewusstsein der „Ebergeruch“ ist und dass es längst andere Methoden gibt, um diesen Geruch bzw. den speziellen Beigeschmack zu verhindern. Es gibt die Möglichkeit einer Impfung. Bei diesem Verfahren werden die Ferkel lediglich zweimal gepikst. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher, die das Schweinefleisch später essen, birgt die Impfung keinerlei Risiken. Diese Methode würde aber geringfügig mehr kosten als das einfache Abschneiden der Hoden…

Es muss die Frage erlaubt sein, was mit einem Parlament los ist, das solch einen achtlosen Umgang mit dem Leid anderer Wesen zulässt. Das es zulässt, dass hilflosen, sich in unserer Obhut befindlichen und von uns abhängigen Geschöpfen willentlich furchtbare Schmerzen zugefügt werden. Denn am Ende tragen nicht nur die handelnden Personen die Verantwortung, sondern auch die, die NICHT handeln. Deshalb liebe foodwatch-Interessierte wenden Sie sich mit uns zusammen gegen Grausamkeit gegenüber Mitgeschöpfen. 

Aber natürlich geht es nicht „nur“ um die betäubungslose Kastration der Ferkel, sondern darum, wie alle unsere Nutztiere gehalten und krank gemacht werden und wie ernst Tierschutz-Kontrollen genommen werden. Bundesweit werden die Tiere in deutschen Ställen nur alle 17 (!) Jahre kontrolliert. In Bayern sogar nur alle 50 Jahre!

Die Analyse zahlreicher wissenschaftlicher Studien durch foodwatch hat ergeben, dass etwa jedes vierte (!) Nutztier in Deutschland krank ist. Die Kühe leiden unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen. Die Schweine werden nicht nur als Ferkel betäubungslos kastriert, sondern erkranken später sehr oft an Lungenentzündungen und trockenem Brüllhusten. Die Knochen der Hühner sind oft gebrochen, da ihnen das für die Eierschalenbildung notwendige Kalzium entzogen wird. 

Bei dieser Aufzählung handelt es sich nur um einen kleinen Auszug der häufigsten Krankheiten. Wir könnten sie noch lang fortführen und mit Details anreichern, aber das wollen wir Ihnen ersparen. 

Was wir Ihnen nicht ersparen wollen, ist mit uns zusammen dafür einzutreten, dass die Lebensbedingungen aller Nutztiere verbessert werden und dass grausame Praktiken wie das betäubungslose Kastrieren der Ferkel so schnell wie möglich beendet werden. 

Wir wollen, dass wir als Verbraucherinnen und Verbraucher sicher sein können, dass uns keine Produkte von gequälten Kreaturen untergeschoben werden. 

Nur, wenn sich möglichst viele Menschen hinter uns stellen und damit kundtun, dass sie als nicht-vegane Verbraucherinnen und Verbraucher nicht mehr länger ungewollt eine tierquälerische Nahrungsmittelproduktion unterstützen, können wir die Politik und die Nahrungsmittelproduzenten zum Umsteuern bewegen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Ihr foodwatch-Team

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<![CDATA[Bundestag verlängert betäubungslose Ferkelkastration]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/aktuelle-nachrichten/bundestag-verlaengert-betaeubungslose-ferkelkastration/Fri, 30 Nov 2018 13:05:00 +0100

Massiven Protesten zum Trotz hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen, das die betäubungslose Kastration von männlichen Ferkeln für weitere zwei Jahre erlaubt. Eigentlich sollte ab dem kommenden Jahr Schluss sein mit dieser blutigen Praxis. Ein Erfolg für die Agrarlobby: Sie hatte sich mit Händen und Füßen gegen das Verbot gewährt.

Knapp 90.000 Menschen hatten sich an einer Aktion von foodwatch an die Abgeordneten des Bundestags gegen die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration beteiligt. Die Aktion wurde außerdem von vielen namhaften Organisationen, Vereinen und Stiftungen unterstützt, wie etwa der Tierschutzorganisation Vier Pfoten oder der Albert-Schweitzer Stiftung. foodwatch hatte die Aktion Anfang Oktober gestartet, direkt nachdem bekannt wurde, dass die Große Koalition das ursprünglich für den 1. Januar 2019 geplante Verbot verschieben wollte. Allen Unterstützerinnen und Unterstützern der foodwatch E-Mail-Aktion an dieser Stelle vielen Dank!

„Das grausame Mittelalter der betäubungslosen Ferkelkastration geht weiter. Dabei kann diese blutige und schmerzliche Tortur Millionen von männlichen Ferkeln sofort durch die Immunokastration erspart werden – ohne Risiken und Nebenwirkungen für Verbraucherinnen und Verbraucher. Es ist einer modernen, aufgeklärten Demokratie unwürdig, faule Machtkompromisse auf Kosten wehrloser junger Tiere zu schließen."

Matthias Wolfschmidt, foodwatch

Das Abstimmungsergebnis

Trotz der Proteste zehntausender Menschen und zahlreicher Organisationen wurde im Deutschen Bundestag gestern am späten Abend beschlossen, die betäubungslose Ferkelkastration um weitere zwei Jahre zu verlängern. Die Fraktionen von CDU/CSU, SPD und AfD stimmten mehrheitlich für die Verlängerung, die Mehrheit der FDP-Fraktion enthielt sich, Grüne und Linke stimmten geschlossen dagegen. Es war eine namentliche Abstimmung, wodurch Bürgerinnen und Bürger nun die Ergebnisse einsehen und auch mit Postleitzahl nach Abgeordneten des eigenen Wahlkreises suchen können: Abstimmungsergebnis mit Suchmaske 

Antworten der Abgeordneten auf unsere Aktion:

CDU/CSU

Die CDU/CSU-Fraktion stimmte mehrheitlich für eine Verlängerung (224 von 246 Abgeordneten stimmten mit Ja). 

Norbert Altenkamp, MdB für die CDU

Sehr geehrte Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,

 

vielen Dank für Ihre Email, in der Sie sich für das Tierwohl einsetzen.

Ich kann Ihre Sorge nachvollziehen, denn auch für meine Fraktion und mich ist das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz ein sehr hohes Gut. Deshalb fällt uns die Entscheidung, die Übergangsfrist um zwei Jahre zu verlängern, nicht leicht.

Wie Sie in Ihrem Schreiben richtig schildern, gibt es derzeit drei Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration. Alle drei Verfahren weisen jedoch noch Nachteile auf. Dass diese in den vergangen Jahren nicht behoben werden konnten, bedauere ich sehr.

So kann die (Voll-)Narkose durch den Landwirt derzeit noch nicht durchgeführt werden, da das dafür erforderliche Mittel, Isofluran, in Deutschland noch nicht zugelassen ist. Dazu kommt, dass die rechtliche Grundlage sowie die materiellen Rahmenbedingungen zur Betäubung durch den Landwirt noch nicht geschaffen wurden. So fehlen zurzeit noch Lehrgänge für die Schulung der Landwirte sowie die notwendigen Narkosegeräte.

Die beiden anderen Methoden, die Impfung oder die Jungebermast, können Geruchsauffälligkeiten des Fleisches nicht vollständig ausschließen. Deshalb nimmt der Lebensmitteleinzelhandel das Eberfleisch und Fleisch von geimpften Tieren nur in sehr geringen Mengen ab. Auch diese Methoden stellen somit keine adäquate Alternative zur Kastration dar.

Eine Umsetzung der gesetzlichen Vorgabe wäre somit zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer möglich.

Von einem sofortigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration wären insbesondere die kleinen Betriebe betroffen. Gegenüber ihren ausländischen Nachbarn müssten sie erhebliche Merkosten tragen. Diesen Konkurrenzkampf könnten die kleinen Betriebe nicht bestehen. Sie stünden vor dem Aus, mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen und die ländlichen Regionen. Zudem würden große Teile der Ferkelerzeugung ins Ausland abwandern, wo niedrigere Standards herrschen. Die Qualität des Angebots für deutsche Verbraucher würde deutlich sinken. Auch umfangreiche Tiertransporte von Ferkeln nach Deutschland wären keinesfalls im Sinne des Tierschutzes.

Ein sofortiges Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration hätte somit negative Konsequenzen für Tiere, Verbraucher und Landwirte.

Meine Fraktion setzt daher gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) alles daran, die tierschutzgerechten Alternativen weiterzuentwickeln. Um die betäubungslose Kastration zu beenden, möchten wir es Landwirten ermöglichen, eine Betäubung durchzuführen. Während der zweijährigen Übergangsfrist sollen die Landwirte einen Nachweis erbringen, der ihnen den sachkundigen Umgang mit Betäubungsgerät und Medikamenten bestätigt.

Ich bin überzeugt davon, dass wir während der Übergangsfrist Alternativen bereitstellen werden, sodass die betäubungslose Ferkelkastration so schnell wie möglich ein Ende findet.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Norbert Altenkamp

Silvia Breher, MdB für die CDU

Sehr geehrter Herr Dr. Bode,

hinsichtlich Ihrer Mailingaktion „Betäubungslose Ferkelkastration nicht länger erlauben!“ möchte ich Ihnen auch im Namen der angeschriebenen Kolleginnen und Kollegen der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion antworten.

Für meine Fraktion und auch mich ist der im Grundgesetz verankerte Tierschutz ein sehr hohes Gut und deshalb fällt weder meinen Kollegen noch mir die Entscheidung leicht. Allerdings sind es gerade Gründe des Tierwohls, die für die Verlängerung der Frist sprechen.

Wie Sie richtig anmerken, stehen bereits drei Alternativen zu Verfügung, die Jungebermast, die Immunokastration und die chirurgische Kastration unter Vollnarkose. Alle Verfahren weisen Nachteile auf, die in den vergangenen fünf Jahren nicht ausgeräumt werden konnten.

Die Immunokastration bzw. die Ebermast stellen derzeit noch keine marktgängigen Alternativen dar. Denn bei beiden Methoden kommt es auch weiterhin zu Geruchsauffälligkeiten beim Schweinefleisch. Und dieses Fleisch wird in Deutschland kaum gekauft. Der Lebensmitteleinzelhandel nimmt derzeit Eberfleisch und geimpfte Tiere nur in sehr geringen Mengen ab. Deshalb ist ein Inkrafttreten des Verbotes zum 1.1.2019 nicht möglich. Ein weiterer Aspekt, ist der finanzielle Mehraufwand, so dass die Ferkelerzeugung ins Ausland abwandern würde, wo oft niedrige Standards gelten.

Außerdem möchte ich zu bedenken geben, dass wir auf die Tierschutz-Standards in den anderen EU-Mitgliedstaaten keine Einflussmöglichkeiten haben und aufgrund des gemeinsamen Europäischen Binnenmarkts die Einführung von Ferkeln aus anderen EU-Mitgliedstaaten dulden müssen. Spanien, Polen, Dänemark und die Niederlande haben ihre Schweinebestände bereits aufgestockt und bieten ihre Tiere in Deutschland an.

Dies wäre keinesfalls im Sinne des Tierschutzes. Vielmehr würde mit Ferkel-transporten aus dem Ausland das genaue Gegenteil erreicht, wofür Sie sich einsetzen. Es ist zu erwarten, dass millionenfach kastrierte Ferkel aus dem Ausland nach Deutschland importiert werden. Das bedeutet nicht nur mehr Tiertransporte - die importierten Ferkel würden auch nach Methoden kastriert, die in Deutschland aus guten Gründen nicht zugelassen sind.

Und das ist sicherlich nicht im Sinne des Tierschutzes. Den Preis würden die Tiere, unsere Landwirte und wir alle als Verbraucher zahlen.

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft setzen wir alles daran, um in den nächsten 24 Monaten tierschutzgerechte, wissenschaftlich fundierte und marktgängige Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration in die Praxis umzusetzen. Die Zeit, die hierfür benötigt wird, ermöglichen wir mit einer Verlängerung der Übergangsfrist.

Ganz klar ist aber auch, dass alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen müssen – ob in Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft. Deshalb ist die Übergangsfrist nicht nur im Sinne des Tierschutzes, sondern entspricht auch unserem Bekenntnis zu einer zukunftsfähigen, flächendeckenden Landwirtschaft in Deutschland.

Mit freundlichen Grüßen

Silvia Breher MdB

Dr. Peter Tauber MdB für die CDU

Sehr geehrte Damen und Herren,

für Ihre Zuschrift vom 26. Oktober danke ich Ihnen. Im Mittelpunkt steht die Ferkelkastration. Sie setzen sich für die sofortige Beendigung der derzeitigen Praxis ein. Ihnen liegt das Tierwohl erkennbar am Herzen. Ihr Engagement für das Wohlergehen der Tiere als unsere Mitgeschöpfe berührt mich.

Denn auch für meine Fraktion und mich ist das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz ein sehr hohes Gut. Deshalb fällt uns die Entscheidung, die Übergangsfrist um zwei Jahre zu verlängern, auch nicht leicht. Allerdings waren es gerade Gründe des Tierwohls, die uns dazu bewegen.

Warum hat sich der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD am 1. Oktober 2018 darauf geeinigt, die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre zu verlängern? Dies möchte ich Ihnen im Folgenden gerne erläutern:

Männliche Ferkel werden kastriert, um den stark urinhaltigen Ebergeruch beim Fleisch mancher Tiere zu vermeiden. Nur so kann zudem das typische Verhalten von Ebern verhindert werden. Dies kann zu erheblichen Verletzungen der Tiere untereinander führen. Das Tierschutzgesetz enthält für das Kastrieren von unter acht Tage alten männlichen Schweinen ein Betäubungsgebot, das derzeit bis zum 31. Dezember 2018 ausgesetzt ist. Danach wäre eine Ferkelkastration ohne Betäubung nicht mehr zulässig.

Welche Alternativen stehen gegenwärtig zur Verfügung? Es handelt sich derzeit um drei alternative Verfahren. Dies sind erstens die Durchführung des Eingriffs unter (Voll-)Narkose, zweitens die Impfung gegen Ebergeruch und drittens die Jungebermast. Alle drei Verfahren weisen Nachteile auf, die in den vergangenen fünf Jahren nicht ausgeräumt werden konnten.

Derzeit ist eine (Voll-)Narkose durch den Landwirt noch nicht möglich. Denn das dafür erforderliche Mittel namens Isofluran ist in Deutschland – anders als beispielsweise in der Schweiz – bisher noch nicht zugelassen. Und auch die entsprechende rechtliche Grundlage, damit ein Landwirt mittels Isofluran die Ferkel betäuben kann, ist derzeit noch nicht geschaffen. Lehrgänge für die Schulung der Landwirte und die notwendigen Narkosegeräte fehlen ebenfalls. Verbesserungsbedarf besteht auch bei der Verwendung, um die Anwender keinen gesundheitlichen Risiken auszusetzen.

Auch die Impfung bzw. die Ebermast stellen derzeit noch keine Alternativen dar. Denn bei beiden Methoden kommt es auch weiterhin zu Geruchsauffälligkeiten beim Schweinefleisch. Dieses Fleisch wird in Deutschland kaum gekauft.  Der Lebensmitteleinzelhandel nimmt derzeit Eberfleisch und geimpfte Tiere nur in sehr geringen Mengen ab. Eine Umsetzung der gesetzlichen Vorgabe ist damit derzeit unmöglich. Was wäre die Folge?

Gerade die kleinen Betriebe wären besonders betroffen. Denn diese müssten die erheblichen Mehrkosten gegenüber ihren ausländischen Nachbarn tragen. Diesen Konkurrenzkampf können die kleinen Betriebe nicht bestehen. Damit würde die Ferkelerzeugung ins Ausland abwandern, mit niedrigen Standards.

Denn: Auf die Tierschutz-Standards im europäischen Ausland hat Deutschland keinen Einfluss, muss aber wegen des Europäischen Binnenmarkts die Einführung von Ferkeln aus anderen EU-Mitgliedstaaten dulden. Spanien, Polen, Dänemark und die Niederlande haben ihre Schweinebestände bereits aufgestockt und bieten ihre Tiere in Deutschland an.

Umfangreiche Tiertransporte von Ferkeln nach Deutschland wären die Folge. Dies wäre keinesfalls im Sinne des Staatsziels Tierschutz. Vielmehr würde mit millionenfachen Ferkeltransporten aus dem Ausland das genaue Gegenteil erreicht, wofür Sie sich einsetzen. Den Preis würden unsere Landwirte, die Tiere und wir alle als Verbraucher zahlen.

Meine Fraktion setzt daher gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) alles daran, tierschutzgerechte Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration zu forcieren. Auf diesem Weg brauchen die Tierhalter in Deutschland aber unsere Unterstützung. Deshalb soll den Landwirten ermöglicht werden, die Betäubung durchzuführen. Dafür müssen die Landwirte dann einen Nachweis erbringen, dass sie sachkundig mit dem Betäubungsgerät und dem Medikament umgehen können. Hierzu benötigen wir aber noch Zeit, die wir mit einer Verlängerung der Übergangsfrist um zwei Jahre gewinnen können.

Ohne die beschlossene Übergangslösung stünden viele der kleinen und mittleren Betriebe in Deutschland vor dem Aus. Diesen Strukturbruch müssen wir verhindern – für die kleinen und mittleren Höfe, die ländlichen Regionen, die Verbraucher und den Tierschutz. Ein Aus der Ferkelerzeugung in Deutschland wäre eine Steilvorlage für die Produktion in Ländern mit niedrigeren Standards. Die vereinbarte Übergangsfrist verschafft den Betrieben jetzt Luft zum Atmen. Klar ist aber auch: Alle Verantwortlichen müssen die nächsten beiden Jahre nutzen, um im Sinne des Tierwohls an praktikablen, wissenschaftlich fundierten und marktgängigen Alternativverfahren zu arbeiten. Hierfür müssen jetzt alle zuständigen Akteure eng zusammenwirken – ob in Politik, Wirtschaft, Verwaltung oder Wissenschaft. Dies ist sowohl im Sinne unseres Bekenntnisses zu einer zukunftsfähigen, flächendeckenden Landwirtschaft in Deutschland als auch im Sinne des Tierschutzes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Peter Tauber

 

Dr. Peter Tauber MdB

Mitglied des Deutschen Bundestages

Parlamentarischer Staatssekretär
bei der Bundesministerin der Verteidigung

SPD

Die SPD-Fraktion stimmte mehrheitlich für eine Verlängerung (130 von 152 Abgeordneten stimmten mit Ja). 

Leni Breymaier, MdB für die SPD

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne antworte ich auf Ihre E-Mails, mit der über Ihre Organisation viele Menschen (87120) ihre Enttäuschung darüber ausdrückten, dass die Große Koalition die Frist für die betäubungslose Ferkelkastration verlängert hat.

Da mir im Einzelnen die 87120 Absenderadressen nicht vorliegen, ergeht meine Antwort an Foodwatch mit der Bitte, die Unterzeichnenden darüber zu informieren.

Ich kann Ihnen versichern, dass mir diese Entscheidung zur betäubungslosen Ferkelkastration nicht leicht gefallen ist. Meine persönliche Erklärung zur Abstimmung finden Sie auf meiner Webseite. Bis zum Beginn der öffentlichen Debatte zur Ferkelkastration fehlte mir das Problembewusstsein in dieser Frage, die so gar nicht zu meinem Fachgebiet zählt. Zudem hätte ich als neu in den Deutschen Bundestag gewählte Abgeordnete nicht gedacht, dass ein Bundesministerium wie das für Ernährung und Landwirtschaft zuständige Haus schlicht über Jahre hinweg seine Arbeit nicht erledigt.

Denn laut dem seit 2013 geltendem Tierschutzgesetz müssten Landwirte in Deutschland eigentlich zum Jahresende die chirurgische Kastration ohne Betäubung bei unter acht Tage alten männlichen Schweinen einstellen.

 Ab 1. Januar 2019 sollte ein Verfahren angewendet werden, das Schmerzen wirksam ausschaltet. Um das Tierschutzgesetz ordnungsgemäß umzusetzen, hätte spätestens vor zwei Jahren, als ein entsprechender Bericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vorgelegt wurde, der Startschuss für die drei alternativ zur betäubungslosen Kastration diskutierten Verfahren fallen müssen. Das sind die Ebermast, eine Impfung (Immunokastration) sowie eine Kastration unter Vollnarkose.

Obwohl nicht nur im politischen Raum intensive Diskussionen geführt wurden, die vor allem die SPD-Bundestagsfraktion immer wieder eingefordert hat, lässt es sich nicht anders sagen, als dass das zuständige Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft sich gemeinsam mit den betroffenen Verbänden, Einzelhändlern und Schlachtereien weggeduckt hat.

Die von Ihnen kritisierte Verlängerung der Übergangsfrist zur betäubungslosen Kastration von Ferkeln war nun notwendig geworden, weil die SPD-Bundestagfraktion im vergangenen Oktober vor der Entscheidung stand: Entweder werden durch das Auslaufen der Übergangsfristen vor allem kleine und mittlere Ferkelzuchtbetriebe in ihrer Existenz gefährdet – denn dann wären Millionen im Ausland gezüchtete Ferkel über Tausende Kilometer nach Deutschland importiert worden, die auf eine Art kastriert worden sind, die dem deutschen Tierschutzgesetz nicht entspricht. Das wollten wir nicht, denn wir wollen die Standards für unsere Lebensmittelerzeugung selbst setzen.

Oder die SPD-Bundestagsfraktion stimmt einer Fristverlängerung zu, die die Existenz der Ferkelzüchter in Deutschland sichert und holt bei den parlamentarischen Verhandlungen wichtige Punkte für den Tierschutz heraus und sorgt rechtssicher dafür, dass spätestens zum 31. Dezember 2020 Schluss ist mit betäubungsloser Kastration und flächendeckend Alternativen zur Verfügung stehen.

Dabei wurden wir von Verbänden wie zum Beispiel der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft unterstützt. Diese setzt sich seit Jahren für einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft ein und organisiert alljährlich mit den Umweltverbänden die Großdemonstration „Wir haben es satt“.

In den parlamentarischen Verhandlungen haben wir nun das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dazu verpflichtet, bis zum 30. Mai 2019 endlich die Verordnung über die Sachkunde und die Anwendung von alternativen Methoden zur Ferkelkastration vorzulegen.

Außerdem sorgen wir dafür, dass der hohe Tierschutzstandard von Neuland (Betäubung mittels Masken) zukünftig bundesweit als praxistaugliche Alternative zur Verfügung steht. Zudem werden wir eine Informationskampagne durchführen, damit auch andere Alternativen wie die Ebermast oder Impfung (Immunokastration) eine realistische Chance am Markt bekommen.

Die Ferkelzüchtenden werden wir bei der Einführung der neuen Betäubungsmethoden unterstützen. Durch eine Informationskampagne und ein Förderprogramm bei der Anschaffung der Narkosegeräte werden wir vor allem kleine und mittlere Betriebe unterstützen. Außerdem halten wir in dem Entschließungsantrag fest, dass wir endlich auch beim Kupieren von Schwänzen und Enthornen von Tieren den Ausstieg einläuten.

Um die Forschungsergebnisse zur schmerzfreien Ferkelkastration rasch in die Praxis umzusetzen, stellen wir im Bundeshaushalt 2019 und 2020 insgesamt 30 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. 

Ihnen danke ich sehr herzlich für Ihr Engagement. Solche Zuschriften sind wichtig, weil sie tatsächlich den Druck auf die Akteurinnen und Akteure erhöhen.

Mit freundlichen Grüßen

Leni Breymaier

Josip Juratovic, MdB für die SPD

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne antworte ich auf Ihr Schreiben, in welchem Sie Ihre Enttäuschung über die Entscheidung zur Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zum Ausdruck bringen.

Auch wir wurden von der Dreistigkeit der CSU überrascht, dieses Thema in den Koalitionsausschuss zu ziehen und mit den Themen Diesel und Einwanderungsgesetz zu verknüpfen. Vor allem auch, weil es der zuständige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) war, der über Jahre die Einführung von schmerzfreien und unter Betäubung vorgenommenen Methoden zur Ferkelkastration verschleppt hat.

Zur Vorgeschichte:

Im Jahr 2013 hat die Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP im Tierschutzgesetz das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration zum 31.12.2018 beschlossen. Diese lange Übergangsfrist sollte genutzt werden, den Landwirten alternative Methoden an die Hand zu geben. Im Dezember 2016 wurden die vorhandenen Alternativen (Ebermast, Impfung (Immunokastration) Isofluran-Narkose (Inhalationsnarkose) von der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD als geeignet beurteilt, die bisherige Praxis abzulösen. Seit Ende 2016 wurden vom Landwirtschaftsministerium allerdings keine Anstrengungen mehr unternommen, um die Alternativmethoden absolut praxisreif zu machen. Bei der Isofluran-Narkose gibt es ungeklärte Fragen der Anwendersicherheit. Auch darf dieses Verfahren ausschließlich durch einen Tierarzt angewandt werden. Ebenfalls gibt es bei dieser Methode eine gesundheitliche Gefahr für schwangere Tierärztinnen, was vor dem Hintergrund des akuten Tierärztemangels im ländlichen Raum ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt.

Eber, die per Impfung kastriert wurden, werden von weiten Teilen der Schlachtbranche nicht abgenommen. Dies hätte dazu geführt, dass im Ausland kastrierte Tiere direkt an deutsche Mäster geliefert worden wären. 

In der Zwischenzeit hat sich ein sogenannter vierter Weg in europäischen Nachbarländern wie Dänemark oder Niederlande etabliert. Landwirte dürfen nach Sachkundenachweis eine örtliche Betäubung vornehmen und die Ferkel kastrieren. Diesen Weg wollten die deutschen Landwirte - unterstützt von den Großschlachtereien, Teilen des Handels und dem Bauernverband - auch in Deutschland durchsetzen. Aber: Der vierte Weg ist mit dem deutschen Tierschutz- und Arzneimittelgesetz nicht vereinbar, weil er nicht schmerzfrei durchgeführt werden kann. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die das Gegenteil beweist. Dem Ruf nach einer nachhaltigen Verschlechterung des Tierschutzgesetzes haben wir deutlich eine Absage erteilt. Zudem müssen wir uns überlegen, ob der eingeschlagene Weg der Dänen und Niederländer unseren ethischen Vorstellungen zum Tierschutz gerecht wird.

Dazu kam die Entscheidung des privaten QS-Systems (Qualitäts- und Sicherungs-System), in dem 95 % der Schweinehalter organsiert sind, Ferkel aus europäischen Nachbarstaaten zur Mast zu akzeptieren, obwohl sie nicht nach den Standards des deutschen Tierschutzgesetzes kastriert worden sind. Damit wurden die deutschen Ferkelerzeuger auch preislich unter Druck gesetzt. Im QS-System sitzen alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Kreise wie der Bauernverband, die Schlachtunternehmen und der Einzelhandel. Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter und Landwirtschaftsfunktionär, ist Vorsitzender des Fachbeirates Rind und Schwein und hat diese Entscheidungen sehenden Auges mitvorangetrieben.

All dies muss man wissen, um nachvollziehen zu können, warum am Ende das Parlament und vor allem wir, einer Fristverlängerung zustimmen mussten.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Wir wollen unter allen Umständen vermeiden, dass die neuerliche Verlängerung um zwei Jahre wieder tatenlos verstreichen in der Hoffnung doch noch den vierten Weg durchsetzen zu können. Deshalb werden wir der Bundesregierung einen Handlungskatalog mit auf den Weg geben, der dazu führen wird, dass die Landwirte Alternativen anwenden können:

  1. Ministerin Klöckner muss zügig eine Verordnung erlassen, damit Landwirte nach Abschluss eines Sachkundenachweises eigenständig die Isofluran-Narkose (Inhalationsnarkose) durchführen können.
  2. Im Bundeshaushalt müssen Mittel bereitgestellt werden, damit die Anschaffung von Narkosegeräten erleichtert wird. Eine Förderung wird beschränkt auf die Dauer der Übergangsfrist.
  3.  Die Isofluran-Narkose als Alternativverfahren muss mit Ablauf der Übergangsfrist allen Anforderungen des Tierschutzgesetzes, des Arzneimittelrechts und des Veterinärrechts entsprechen. Auch die Anwendersicherheit muss abschließend sichergestellt sein.
  4. Sowohl die Ferkelaufzucht als auch die Sauenhaltung müssen in die staatliche Tierwohlkennzeichnung bereits in der Eingangsstufe einbezogen werden und über dem gesetzlichen Standard liegen. Die Übergangsfrist soll nicht für die kommende Tierwohlkennzeichnung gelten.
  5. Wir brauchen eine Verbraucherinformations-Kampagne zur Aufklärung der Verbraucher über die Alternativen zur Ferkelkastration.
  6. Alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gehören an einen Runden Tisch, moderiert vom Ministerium, damit alle Akteure bis zum Ablauf der Übergangsfrist eingebunden bleiben.
  7. Eine umfassende Nutztierhaltungsstrategie soll mit allen beteiligten Interessenvertretern erarbeitet und vereinbart werden. Diese Nutztierstrategie muss die verschiedenen „Baustellen“ des notwendigen Umbaus in der Schweinehaltung umfassen und zu rechtssicheren und für die Betriebe auch finanziell attraktiven Regelungen bis hin zum Förderrecht führen.

Mit freundlichen Grüßen

Josip Juratovic

--

Josip Juratovic | Mitglied des Deutschen Bundestages

Cansel Kiziltepe, MdB für die SPD

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne antworte ich auf Ihre E-Mail, welcher Sie Ihre Enttäuschung über die Entscheidung zur Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zum Ausdruck bringen. Auch wir wurden von der Dreistigkeit der CSU überrascht, dieses Thema in den Koalitions-ausschuss zu ziehen und mit den Themen Diesel und Einwanderungsgesetz zu verknüpfen. Vor allem auch, weil es der zuständige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) war, der über Jahre die Einführung von schmerzfreien und unter Betäubung vorge-nommenen Methoden zur Ferkelkastration verschleppt hat.

Zur Vorgeschichte:

Im Jahr 2013 hat die Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP im Tierschutzgesetz das En-de der betäubungslosen Ferkelkastration zum 31.12.2018 beschlossen. Diese lange Übergangsfrist sollte genutzt werden, den Landwirten alternative Methoden an die Hand zu geben. Im Dezember 2016 wurden die vorhandenen Alternativen (Ebermast, Impfung (Immunokastration) Isofluran-Narkose (Inhalationsnarkose) von der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD als geeignet beurteilt, die bisherige Praxis abzulösen. Seit Ende 2016 wurden vom Landwirtschaftsministerium allerdings keine Anstrengungen mehr unternommen, um die Alternativmethoden absolut praxisreif zu machen. Bei der Isofluran-Narkose gibt es ungeklärte Fragen der Anwendersicherheit. Auch darf dieses Verfahren ausschließlich durch einen Tier-arzt angewandt werden. Ebenfalls gibt es bei dieser Methode eine gesundheitliche Gefahr für schwangere Tierärztinnen, was vor dem Hintergrund des akuten Tierärztemangels im ländlichen Raum ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt.

Eber, die per Impfung kastriert wurden, werden von weiten Teilen der Schlachtbranche nicht abgenommen. Dies hätte dazu geführt, dass im Ausland kastrierte Tiere direkt an deutsche Mäster geliefert worden wären. 

In der Zwischenzeit hat sich ein sogenannter vierter Weg in europäischen Nachbarländern wie Dänemark oder Niederlande etabliert. Landwirte dürfen nach Sachkundenachweis eine örtliche Betäubung vornehmen und die Ferkel kastrieren. Diesen Weg wollten die deutschen Landwirte - unterstützt von den Großschlachtereien, Teilen des Handels und dem Bauernverband - auch in Deutschland durchsetzen. Aber: Der vierte Weg ist mit dem deutschen Tier-schutz- und Arzneimittelgesetz nicht vereinbar, weil er nicht schmerzfrei durchgeführt werden kann. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die das Gegenteil beweist. Dem Ruf nach einer nachhaltigen Verschlechterung des Tierschutzgesetzes haben wir deutlich eine Absage erteilt. Zudem müssen wir uns überlegen, ob der eingeschlagene Weg der Dänen und Niederländer unseren ethischen Vorstellungen zum Tierschutz gerecht wird. Dazu kam die Entscheidung des privaten QS-Systems (Qualitäts- und Sicherungs-System), in dem 95 % der Schweinehalter organsiert sind, Ferkel aus europäischen Nachbarstaaten zur Mast zu akzeptieren, obwohl sie nicht nach den Standards des deutschen Tierschutzgesetzes kastriert worden sind. Damit wurden die deutschen Ferkelerzeuger auch preislich unter Druck gesetzt. Im QS-System sitzen alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Kreise wie der Bauernverband, die Schlachtunternehmen und der Einzelhandel. Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter und Landwirtschaftsfunktionär, ist Vorsitzender des Fachbeirates Rind und Schwein und hat diese Entscheidungen sehenden Auges mitvorangetrieben.

All dies muss man wissen, um nachvollziehen zu können, warum am Ende das Parlament und vor allem wir, einer Fristverlängerung zustimmen mussten.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Wir wollen unter allen Umständen vermeiden, dass die neuerliche Verlängerung um zwei Jahre wieder tatenlos verstreichen in der Hoffnung doch noch den vierten Weg durchsetzen zu können. Deshalb werden wir der Bundesregierung einen Handlungskatalog mit auf den Weg geben, der dazu führen wird, dass die Landwirte Alternativen anwenden könn

  1. Ministerin Klöckner muss zügig eine Verordnung erlassen, damit Landwirte nach Ab-schluss eines Sachkundenachweises eigenständig die Isofluran-Narkose (Inhalations-narkose) durchführen können.
  2. Im Bundeshaushalt müssen Mittel bereitgestellt werden, damit die Anschaffung von Narkosegeräten erleichtert wird. Eine Förderung wird beschränkt auf die Dauer der Übergangsfrist.
  3. Die Isofluran-Narkose als Alternativverfahren muss mit Ablauf der Übergangsfrist al-len Anforderungen des Tierschutzgesetzes, des Arzneimittelrechts und des Veterinär-rechts entsprechen. Auch die Anwendersicherheit muss abschließend sichergestellt sein.
  4. Sowohl die Ferkelaufzucht als auch die Sauenhaltung müssen in die staatliche Tierwohlkennzeichnung bereits in der Eingangsstufe einbezogen werden und über dem gesetzlichen Standard liegen. Die Übergangsfrist soll nicht für die kommende Tier-wohlkennzeichnung gelten.
  5. Wir brauchen eine Verbraucherinformations-Kampagne zur Aufklärung der Verbraucher über die Alternativen zur Ferkelkastration.
  6. Alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gehören an einen Runden Tisch, moderiert vom Ministerium, damit alle Akteure bis zum Ablauf der Übergangsfrist eingebunden bleiben.
  7. Eine umfassende Nutztierhaltungsstrategie soll mit allen beteiligten Interessenvertretern erarbeitet und vereinbart werden. Diese Nutztierstrategie muss die verschiedenen „Baustellen“ des notwendigen Umbaus in der Schweinehaltung umfassen und zu rechtssicheren und für die Betriebe auch finanziell attraktiven Regelungen bis hin zum Förderrecht führen.

Mit freundlichen Grüßen

Cansel Kiziltepe

Susanne Mittag, MdB für die SPD

Sehr geehrter Damen und Herren,

gerne antworte ich auf Ihre E-Mail, in welcher Sie Ihre Enttäuschung über die Entscheidung zur Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zum Ausdruck bringen.

Auch wir wurden von der Dreistigkeit der CSU überrascht, dieses Thema in den Koalitionsausschuss zu ziehen und mit den Themen Diesel und Einwanderungsgesetz zu verknüpfen. Vor allem auch, weil es der zuständige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) war, der über Jahre die Einführung von schmerzfreien und unter Betäubung vorgenommenen Methoden zur Ferkelkastration verschleppt hat.

Zur Vorgeschichte:

Im Jahr 2013 hat die Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP im Tierschutzgesetz das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration zum 31.12.2018 beschlossen. Diese lange Übergangsfrist sollte genutzt werden, den Landwirten alternative Methoden an die Hand zu geben. Im Dezember 2016 wurden die vorhandenen Alternativen (Ebermast, Impfung (Immunokastration) Isofluran-Narkose (Inhalationsnarkose) von der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD als geeignet beurteilt, die bisherige Praxis abzulösen. Seit Ende 2016 wurden vom Landwirtschaftsministerium allerdings keine Anstrengungen mehr unternommen, um die Alternativmethoden absolut praxisreif zu machen. Bei der Isofluran-Narkose gibt es ungeklärte Fragen der Anwendersicherheit. Auch darf dieses Verfahren ausschließlich durch einen Tierarzt angewandt werden. Ebenfalls gibt es bei dieser Methode eine gesundheitliche Gefahr für schwangere Tierärztinnen, was vor dem Hintergrund des akuten Tierärztemangels im ländlichen Raum ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt.

Eber, die per Impfung kastriert wurden, werden von weiten Teilen der Schlachtbranche nicht abgenommen. Dies hätte dazu geführt, dass im Ausland kastrierte Tiere direkt an deutsche Mäster geliefert worden wären.

In der Zwischenzeit hat sich ein sogenannter vierter Weg in europäischen Nachbarländern wie Dänemark oder Niederlande etabliert. Landwirte dürfen nach Sachkundenachweis eine örtliche Betäubung vornehmen und die Ferkel kastrieren. Diesen Weg wollten die deutschen Landwirte - unterstützt von den Großschlachtereien, Teilen des Handels und dem Bauernverband - auch in Deutschland durchsetzen. Aber: Der vierte Weg ist mit dem deutschen Tierschutz- und Arzneimittelgesetz nicht vereinbar, weil er nicht schmerzfrei durchgeführt werden kann. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die das Gegenteil beweist. Dem Ruf nach einer nachhaltigen Verschlechterung des Tierschutzgesetzes haben wir deutlich eine Absage erteilt. Zudem müssen wir uns überlegen, ob der eingeschlagene Weg der Dänen und Niederländer unseren ethischen Vorstellungen zum Tierschutz gerecht wird.

Dazu kam die Entscheidung des privaten QS-Systems (Qualitäts- und Sicherungs-System), in dem 95 % der Schweinehalter organsiert sind, Ferkel aus europäischen Nachbarstaaten zur Mast zu akzeptieren, obwohl sie nicht nach den Standards des deutschen Tierschutzgesetzes kastriert worden sind. Damit wurden die deutschen Ferkelerzeuger auch preislich unter Druck gesetzt. Im QS-System sitzen alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Kreise wie der Bauernverband, die Schlachtunternehmen und der Einzelhandel. Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter und Landwirtschaftsfunktionär, ist Vorsitzender des Fachbeirates Rind und Schwein und hat diese Entscheidungen sehenden Auges mitvorangetrieben.

All dies muss man wissen, um nachvollziehen zu können, warum am Ende das Parlament und vor allem wir, einer Fristverlängerung zustimmen mussten.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Wir wollen unter allen Umständen vermeiden, dass die neuerliche Verlängerung um zwei Jahre wieder tatenlos verstreichen in der Hoffnung doch noch den vierten Weg durchsetzen zu können. Deshalb werden wir der Bundesregierung einen Handlungskatalog mit auf den Weg geben, der dazu führen wird, dass die Landwirte Alternativen anwenden können:

  1. Ministerin Klöckner muss zügig eine Verordnung erlassen, damit Landwirte nach Abschluss eines Sachkundenachweises eigenständig die Isofluran-Narkose (Inhalationsnarkose) durchführen können.
  2. Im Bundeshaushalt müssen Mittel bereitgestellt werden, damit die Anschaffung von Narkosegeräten erleichtert wird. Eine Förderung wird beschränkt auf die Dauer der Übergangsfrist.
  3. Die Isofluran-Narkose als Alternativverfahren muss mit Ablauf der Übergangsfrist allen Anforderungen des Tierschutzgesetzes, des Arzneimittelrechts und des Veterinärrechts entsprechen. Auch die Anwendersicherheit muss abschließend sichergestellt sein.
  4. Sowohl die Ferkelaufzucht als auch die Sauenhaltung müssen in die staatliche Tierwohlkennzeichnung bereits in der Eingangsstufe einbezogen werden und über dem gesetzlichen Standard liegen. Die Übergangsfrist soll nicht für die kommende Tierwohlkennzeichnung gelten.
  5. Wir brauchen eine Verbraucherinformations-Kampagne zur Aufklärung der Verbraucher über die Alternativen zur Ferkelkastration.
  6. Alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gehören an einen Runden Tisch, moderiert vom Ministerium, damit alle Akteure bis zum Ablauf der Übergangsfrist eingebunden bleiben.
  7. Eine umfassende Nutztierhaltungsstrategie soll mit allen beteiligten Interessenvertretern erarbeitet und vereinbart werden. Diese Nutztierstrategie muss die verschiedenen "Baustellen" des notwendigen Umbaus in der Schweinehaltung umfassen und zu rechtssicheren und für die Betriebe auch finanziell attraktiven Regelungen bis hin zum Förderrecht führen.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne Mittag, MdB

Mahmut Özdemir, MdB für die SPD

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne antworte ich auf Ihre Email, in welcher Sie Ihre Enttäuschung über die Entscheidung zur Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zum Ausdruck bringen.

Auch wir wurden von der Dreistigkeit der CSU überrascht, dieses Thema in den Koalitionsausschuss zu ziehen und mit den Themen Diesel und Einwanderungsgesetz zu verknüpfen. Vor allem auch, weil es der zuständige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) war, der über Jahre die Einführung von schmerzfreien und unter Betäubung vorgenommenen Methoden zur Ferkelkastration verschleppt hat.

Zur Vorgeschichte:

Im Jahr 2013 hat die Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP im Tierschutzgesetz das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration zum 31.12.2018 beschlossen. Diese lange Übergangsfrist sollte genutzt werden, den Landwirten alternative Methoden an die Hand zu geben. Im Dezember 2016 wurden die vorhandenen Alternativen (Ebermast, Impfung (Immunokastration) Isofluran-Narkose (Inhalationsnarkose) von der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD als geeignet beurteilt, die bisherige Praxis abzulösen. Seit Ende 2016 wurden vom Landwirtschaftsministerium allerdings keine Anstrengungen mehr unternommen, um die Alternativmethoden absolut praxisreif zu machen. Bei der Isofluran-Narkose gibt es ungeklärte Fragen der Anwendersicherheit. Auch darf dieses Verfahren ausschließlich durch einen Tierarzt angewandt werden. Ebenfalls gibt es bei dieser Methode eine gesundheitliche Gefahr für schwangere Tierärztinnen, was vor dem Hintergrund des akuten Tierärztemangels im ländlichen Raum ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt.

Eber, die per Impfung kastriert wurden, werden von weiten Teilen der Schlachtbranche nicht abgenommen. Dies hätte dazu geführt, dass im Ausland kastrierte Tiere direkt an deutsche Mäster geliefert worden wären. 

In der Zwischenzeit hat sich ein sogenannter vierter Weg in europäischen Nachbarländern wie Dänemark oder Niederlande etabliert. Landwirte dürfen nach Sachkundenachweis eine örtliche Betäubung vornehmen und die Ferkel kastrieren. Diesen Weg wollten die deutschen Landwirte - unterstützt von den Großschlachtereien, Teilen des Handels und dem Bauernverband - auch in Deutschland durchsetzen. Aber: Der vierte Weg ist mit dem deutschen Tier-schutz- und Arzneimittelgesetz nicht vereinbar, weil er nicht schmerzfrei durchgeführt werden kann. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die das Gegenteil beweist. Dem Ruf nach einer nachhaltigen Verschlechterung des Tierschutzgesetzes haben wir deutlich eine Absage erteilt. Zudem müssen wir uns überlegen, ob der eingeschlagene Weg der Dänen und Niederländer unseren ethischen Vorstellungen zum Tierschutz gerecht wird.

Dazu kam die Entscheidung des privaten QS-Systems (Qualitäts- und Sicherungs-System), in dem 95 % der Schweinehalter organsiert sind, Ferkel aus europäischen Nachbarstaaten zur Mast zu akzeptieren, obwohl sie nicht nach den Standards des deutschen Tierschutzgesetzes kastriert worden sind. Damit wurden die deutschen Ferkelerzeuger auch preislich unter Druck gesetzt. Im QS-System sitzen alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Kreise wie der Bauernverband, die Schlachtunternehmen und der Einzelhandel. Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter und Landwirtschaftsfunktionär, ist Vorsitzender des Fachbeirates Rind und Schwein und hat diese Entscheidungen sehenden Auges mitvorangetrieben.

All dies muss man wissen, um nachvollziehen zu können, warum am Ende das Parlament und vor allem wir, einer Fristverlängerung zustimmen mussten.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Wir wollen unter allen Umständen vermeiden, dass die neuerliche Verlängerung um zwei Jahre wieder tatenlos verstreichen in der Hoffnung doch noch den vierten Weg durchsetzen zu können. Deshalb werden wir der Bundesregierung einen Handlungskatalog mit auf den Weg geben, der dazu führen wird, dass die Landwirte Alternativen anwenden können:

  1. Ministerin Klöckner muss zügig eine Verordnung erlassen, damit Landwirte nach Ab-schluss eines Sachkundenachweises eigenständig die Isofluran-Narkose (Inhalations-narkose) durchführen können.
  2. Im Bundeshaushalt müssen Mittel bereitgestellt werden, damit die Anschaffung von Narkosegeräten erleichtert wird. Eine Förderung wird beschränkt auf die Dauer der Übergangsfrist.
  3. Die Isofluran-Narkose als Alternativverfahren muss mit Ablauf der Übergangsfrist allen Anforderungen des Tierschutzgesetzes, des Arzneimittelrechts und des Veterinär-rechts entsprechen. Auch die Anwendersicherheit muss abschließend sichergestellt sein.
  4. Sowohl die Ferkelaufzucht als auch die Sauenhaltung müssen in die staatliche Tierwohlkennzeichnung bereits in der Eingangsstufe einbezogen werden und über dem gesetzlichen Standard liegen. Die Übergangsfrist soll nicht für die kommende Tierwohlkennzeichnung gelten.
  5. Wir brauchen eine Verbraucherinformations-Kampagne zur Aufklärung der Verbraucher über die Alternativen zur Ferkelkastration.
  6. Alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gehören an einen Runden Tisch, moderiert vom Ministerium, damit alle Akteure bis zum Ablauf der Übergangsfrist eingebunden bleiben.
  7. Eine umfassende Nutztierhaltungsstrategie soll mit allen beteiligten Interessenvertretern erarbeitet und vereinbart werden. Diese Nutztierstrategie muss die verschiedenen „Baustellen“ des notwendigen Umbaus in der Schweinehaltung umfassen und zu rechtssicheren und für die Betriebe auch finanziell attraktiven Regelungen bis hin zum Förderrecht führen.

Mit freundlichen Grüßen

Mahmut Özdemir

Rainer Spiering, MdB für die SPD (Agrarpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion)

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne antworte ich auf Ihre E-Mail, in welcher Sie Ihre Enttäuschung über die Entscheidung zur Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zum Ausdruck bringen.

Auch wir wurden von der Dreistigkeit der CSU überrascht, dieses Thema in den Koalitionsausschuss zu ziehen und mit den Themen Diesel und Einwanderungsgesetz zu verknüpfen. Vor allem auch, weil es der zuständige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) war, der über Jahre die Einführung von schmerzfreien und unter Betäubung vorgenommenen Methoden zur Ferkelkastration verschleppt hat.

Zur Vorgeschichte:

Im Jahr 2013 hat die Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP im Tierschutzgesetz das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration zum 31.12.2018 beschlossen. Diese lange Übergangsfrist sollte genutzt werden, den Landwirten alternative Methoden an die Hand zu geben. Im Dezember 2016 wurden die vorhandenen Alternativen (Ebermast, Impfung (Immunokastration) Isofluran-Narkose (Inhalationsnarkose) von der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD als geeignet beurteilt, die bisherige Praxis abzulösen. Seit Ende 2016 wurden vom Landwirtschaftsministerium allerdings keine Anstrengungen mehr unternommen, um die Alternativmethoden absolut praxisreif zu machen. Bei der Isofluran-Narkose gibt es ungeklärte Fragen der Anwendersicherheit. Auch darf dieses Verfahren ausschließlich durch einen Tierarzt angewandt werden. Ebenfalls gibt es bei dieser Methode eine gesundheitliche Gefahr für schwangere Tierärztinnen, was vor dem Hintergrund des akuten Tierärztemangels im ländlichen Raum ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt.

Eber, die per Impfung kastriert wurden, werden von weiten Teilen der Schlachtbranche nicht abgenommen. Dies hätte dazu geführt, dass im Ausland kastrierte Tiere direkt an deutsche Mäster geliefert worden wären. 

In der Zwischenzeit hat sich ein sogenannter vierter Weg in europäischen Nachbarländern wie Dänemark oder Niederlande etabliert. Landwirte dürfen nach Sachkundenachweis eine örtliche Betäubung vornehmen und die Ferkel kastrieren. Diesen Weg wollten die deutschen Landwirte - unterstützt von den Großschlachtereien, Teilen des Handels und dem Bauernverband - auch in Deutschland durchsetzen. Aber: Der vierte Weg ist mit dem deutschen Tierschutz- und Arzneimittelgesetz nicht vereinbar, weil er nicht schmerzfrei durchgeführt werden kann. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die das Gegenteil beweist. Dem Ruf nach einer nachhaltigen Verschlechterung des Tierschutzgesetzes haben wir deutlich eine Absage erteilt. Zudem müssen wir uns überlegen, ob der eingeschlagene Weg der Dänen und Niederländer unseren ethischen Vorstellungen zum Tierschutz gerecht wird.

Dazu kam die Entscheidung des privaten QS-Systems (Qualitäts- und Sicherungs-System), in dem 95 % der Schweinehalter organsiert sind, Ferkel aus europäischen Nachbarstaaten zur Mast zu akzeptieren, obwohl sie nicht nach den Standards des deutschen Tierschutzgesetzes kastriert worden sind. Damit wurden die deutschen Ferkelerzeuger auch preislich unter Druck gesetzt. Im QS-System sitzen alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Kreise wie der Bauernverband, die Schlachtunternehmen und der Einzelhandel. Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter und Landwirtschaftsfunktionär, ist Vorsitzender des Fachbeirates Rind und Schwein und hat diese Entscheidungen sehenden Auges mitvorangetrieben.

All dies muss man wissen, um nachvollziehen zu können, warum am Ende das Parlament und vor allem wir, einer Fristverlängerung zustimmen werden müssen.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Wir wollen unter allen Umständen vermeiden, dass die neuerliche Verlängerung um zwei Jahre wieder tatenlos verstreichen in der Hoffnung doch noch den vierten Weg durchsetzen zu können. Deshalb werden wir der Bundesregierung einen Handlungskatalog mit auf den Weg geben, der dazu führen wird, dass die Landwirte Alternativen anwenden können:

Ministerin Klöckner muss zügig eine Verordnung erlassen, damit Landwirte nach Abschluss eines Sachkundenachweises eigenständig die Isofluran-Narkose (Inhalationsnarkose) durchführen können.

Im Bundeshaushalt müssen Mittel bereitgestellt werden, damit die Anschaffung von Narkosegeräten erleichtert wird. Eine Förderung wird beschränkt auf die Dauer der Übergangsfrist.

Die Isofluran-Narkose als Alternativverfahren muss mit Ablauf der Übergangsfrist allen Anforderungen des Tierschutzgesetzes, des Arzneimittelrechts und des Veterinär-rechts entsprechen. Auch die Anwendersicherheit muss abschließend sichergestellt sein.

Sowohl die Ferkelaufzucht als auch die Sauenhaltung müssen in die staatliche Tierwohlkennzeichnung bereits in der Eingangsstufe einbezogen werden und über dem gesetzlichen Standard liegen. Die Übergangsfrist soll nicht für die kommende Tierwohlkennzeichnung gelten.

Wir brauchen eine Verbraucherinformations-Kampagne zur Aufklärung der Verbraucher über die Alternativen zur Ferkelkastration.

Alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gehören an einen Runden Tisch, moderiert vom Ministerium, damit alle Akteure bis zum Ablauf der Übergangsfrist eingebunden bleiben.

Eine umfassende Nutztierhaltungsstrategie soll mit allen beteiligten Interessenvertretern erarbeitet und vereinbart werden. Diese Nutztierstrategie muss die verschiedenen „Baustellen“ des notwendigen Umbaus in der Schweinehaltung umfassen und zu rechtssicheren und für die Betriebe auch finanziell attraktiven Regelungen bis hin zum Förderrecht führen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Rainer Spiering

Rita Schwarzeluehr-Sutter, MdB für die SPD

Sehr geehrte Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,

vielen Dank für Ihre heutige E-Mail zur Abstimmung im Bundestag über die sog. Ferkelkastration. Das Thema beschäftigt sehr viele Menschen. Neben Ihrer erhalte ich derzeit zahlreiche weitere Zuschriften mit der Bitte um Ablehnung einer Fristverlängerung. Gerne möchte ich Ihnen an dieser Stelle darlegen, warum die Fristverlängerung notwendig ist und ich entsprechend zugestimmt habe: 

1. Zu Recht wird die Verweigerungshaltung des früheren Bundeslandwirtschaftsministers Schmidt sowie weiter Teile der Funktionäre der Verbandsvertreter und großer Teile der CDU/CSU in den vergangenen Jahren kritisiert, die fünfjährige Übergangsfrist für die Entwicklung wirklicher Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration zu nutzen. Stattdessen haben sie auf einen sogenannten vierten Weg gesetzt, der die Veränderung des Schmerzbegriffes im Tierschutzgesetz voraussetzen würde. Diese Änderung hat die SPD-Bundestagsfraktion verhindert.

2. Leider existiert in der EU kein einheitliches Tierschutzrecht. Aufgrund der unter 1) beschriebenen Defizite stehen aktuell in Deutschland die Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration nicht flächendeckend zur Verfügung. Würde es jetzt nicht zu einer Fristverlängerung kommen, wäre zu befürchten, dass es in Deutschland zu massiven Strukturbrüchen bei den deutschen Schweinehalterinnen und Schweinehaltern käme, mit der Folge, dass Ferkel aus Ost- und Nordeuropa importiert werden würden, die gerade nicht nach deutschen Tierschutzstandards kastriert wurden und noch dazu weite Transportwege zurücklegen müssten. Vor diesem Hintergrund haben sich nahezu alle Sachverständigen in der Anhörung des Landwirtschaftsausschusses am 26. November 2018 für die Fristverlängerung ausgesprochen. Der von der Fraktion Die Linke benannte Sachverständige Dr. Palzer vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) schreibt in seiner Stellungnahme:

„Aus all diesen Gründen hält der bpt eine Verschiebung des Termins schon seit längerem für unabdingbar.“  

3. Eine bloße Fristverlängerung war für die SPD-Bundestagsfraktion jedoch keinesfalls ausreichend. Anders als es CDU/CSU und FDP im Jahr 2012 getan haben, haben wir nun im Gesetz Sicherungen eingebaut, die garantieren, dass nach zwei Jahren nun wirklich die Alternativen flächendeckend zur Verfügung stehen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium wird verpflichtet, die bisherige Verweigerungshaltung aufzugeben und unter anderem im Rahmen einer Rechtsverordnung die Voraussetzungen für die Alternativmethoden flächendeckend zu schaffen – so z.B. durch die Entwicklung und Bereitstellung von Schulungsprogrammen, durch die Unterstützung der Betriebe bei der Anschaffung von notwendigen Narkosegeräten und durch entsprechende Aufklärungskampagnen. Die SPD-Bundestagsfraktion geht davon aus, dass so die Methode, die Neuland mit seinen besonders tiergerechten und umweltschonenden Haltungsformen schon seit Jahren praktiziert, Standard werden kann und somit auch eine europäische Ausstrahlungskraft entfalten kann.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), eine Organisation, die vor allem kleinere bäuerliche Betriebe vertritt und die jedes Jahr in Berlin mit vielen anderen Organisationen zu einem Paradigmenwechsel in der Agrarwirtschaft unter dem Motto „Wir haben es satt“ aufruft, begrüßt ausdrücklich den vorliegenden Gesetzesinhalt:

„Jetzt gilt es, die für Betriebe möglichen Alternativen rechtlich so schnell wie möglich abzusichern, die entsprechenden Arzneimittel und Narkosegeräte in der Fläche verfügbar zu machen und die Praktikerinnen und Praktiker im tier- und sachgerechten Umgang zu schulen … Der Gesetzentwurf, den die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD heute beschließen wollen, legt nun fest, dass das Bundesministerium BMEL endlich zu handeln hat. Das ist ein riesiger Fortschritt“

4. Die Diskussion um die Versäumnisse des Bundeslandwirtschaftsministeriums im Zusammenhang mit der Ferkelkastration haben wir zudem dazu genutzt, generell einen Paradigmenwechsel in der Nutztierhaltung einzufordern und klare Verabredungen unter den Koalitionsfraktionen zu treffen. So fordern wir in einem heute zu beschließenden Entschließungsantrag unter anderem das BMEL darüber hinaus dazu auf, bis Mitte der Legislatur die Nutztierstrategie weiterzuentwickeln und dabei Lösungen für nicht-kurative Eingriffe, wie das Kürzen von Ringelschwänzen und das Enthornen von Rindern, vorzulegen und das Töten von Eintagsküken so schnell wie möglich zu beenden.

Ich hoffe, dass ich Ihnen durch die Erläuterungen meine Entscheidung besser verständlich machen konnte.

Mit freundlichen Grüßen nach Eggingen

Rita Schwarzelühr-Sutter, MdB

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Rita Schwarzelühr-Sutter

Mitglied des Deutschen Bundestages

Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

(Antwort vom 4.12.2018, am 4.12. ergänzt.)

AfD

Die Fraktion der AfD stimmte mehrheitlich für eine Verlängerung (65 von 92 Abgeordneten stimmten mit Ja). 

Nicole Höchst, MdB für die AfD

Sehr geehrte Damen und Herren,

jegliche Art von Tierquälerei ist zu verurteilen. Wir unterstützen ihr Anliegen und werden die zuständigen Abgeordneten der AfD bitten, dies ebenfalls zu tun.

Mit freundlichen Grüßen und der Hoffnung auf Erfolg

Nicole Höchst, MdB

 

---------------

Sehr geehrte Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, 

anbei eine Pressemitteilung zu ihrer Information.

Mit freundlichen Grüßen

 Nicole Höchst MdB

 

27. Nov. 2018

++ Pressemitteilung ++

Protschka: Ferkelkastrations-Lösung der Bundesregierung bringt keine Schmerzausschaltung

In der öffentliche Anhörung zum Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD für den Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes wurde von Herrn Dr. Andreas Randt vom Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. (TGD) eindeutig klargestellt, dass eine Schmerzausschaltung beim Ferkel nur durch die Injektionsnarkose mit Ketamin und Azaperon sowie mit Lokalanästhesie erreicht werden könne. Die Inhalationsnarkose mittels Isofluran sei ausdrücklich nicht geeignet, um eine Schmerzausschaltung zu erreichen.

Hierzu teilt der agrarpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Stephan Protschka, mit:

„Die Bundesregierung präferiert als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration die chirurgische Kastration unter Inhalationsnarkose mit Isofluran. Diese Methode ist aus Tierschutzgründen als unverantwortlich zu bezeichnen. Eine hundertprozentige Schmerzausschaltung ist aus medizinischer und tiermedizinischer Sicht natürlich nie möglich. Warum sich die Bundesregierung aber ausgerechnet für diejenige Kastrationsalternative entschieden hat, welche hinsichtlich der Schmerzausschaltung am ungeeignetsten erscheint, da sie nur zur Bewusstlosigkeit führt, bei der trotzdem Schmerzsignale an das Gehirn weitergeleitet werden, erschließt sich mir nicht. Dazu kommt, dass es bei der Betäubung mit Isofluran zu einer Ferkelmortalität von ca. einem Prozent kommt und die Ferkel bis zu 60 Sekunden unter enorm hohem Stress leiden. Außerdem bestehen erhebliche Bedenken bezüglich der Anwendersicherheit für Tier und Mensch. Diese Methode ist also auf gar keinen Fall eine geeignete Alternative für die betäubungslose Ferkelkastration.

Ich fordere die Bundesregierung daher nachdrücklich auf unserem Antrag zuzustimmen und die geplante zweijährige Übergangsfrist dafür zu nutzen, schnellstmöglich das Lokalanästhetikum Lidocain zu genehmigen und den Bauern die chirurgische Kastration unter Lokalanästhesie zu ermöglichen. Diese Methode ist einfach, erreicht eine effiziente Schmerzausschaltung, ist sicher und nahezu nebenwirkungsfrei. Für Bauer und Ferkel stellt die lokale Betäubung die einzig sinnvolle Lösung dar.“

FDP

Die FDP-Fraktion enthielt sich mehrheitlich (71 von 80 Abgeordneten).

Katja Suding, MdB für die FDP (Stellv. Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion)

Sehr geehrte Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,

vielen Dank für Ihre Nachricht, Ihr Engagement und Ihre offenen Worte.

Noch bis Ende des Jahres dürfen Ferkel in der ersten Lebenswoche ohne Betäubung kastriert werden. Ab dem 1. Januar 2019 ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten. Unklar ist, wie es dann weitergehen soll. Seit Verabschiedung des Gesetzestextes vor fünf Jahren wurden von der Bundesregierung keine politischen Schritte unternommen, um die erfolgreiche Umsetzung des Gesetzes sicherzustellen. Weder wurde die Zulassung der benötigten Medikamente beantragt, noch hat man um Akzeptanz für alternative Weg wie der Vollnarkose oder örtlichen Betäubung geworben.

Wie von Ihnen beschrieben gibt es einen Impfstoff gegen den Ebergeruch, der mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife der Jungeber entsteht und im wahrsten Sinne des Wortes einen Beigeschmack verursacht, mit dem die Erzeuger ihr Fleisch nur schlecht verkaufen können. Der Impfstoff stößt allerdings auf große Skepsis auf Verbraucherseite hinsichtlich potenzieller Rückstände, die sich im Fleisch befinden könnten. Der Impfstoff für die Vollnarkose (chirurgische Kastration) ist in Deutschland noch immer nicht zugelassen. Zudem brauchen die Geräte einen Produktionsvorlauf. Die Die lokale Betäubung widerspricht aller Voraussicht nach der Vorgabe einer "schmerzfreien" Kastration. Zwar findet eine oberflächliche Betäubung der Haut statt, die Hoden aber bleiben schmerzempfindlich.

Für uns Freien Demokraten ist Tierschutz ein wichtiges gesamtgesellschaftliches Anliegen. Für uns ist klar: Die Schmerzen für Ferkel bei der betäubungslosen Kastration sind für uns Freien Demokraten nicht mit dem als Staatsziel im Grundgesetz formulierten Tierschutz vereinbar. Wir haben beharrlich immer wieder betont, dass es wichtig ist, sich für eines der alternativen Verfahren zu entscheiden. Lösungen, bei denen es zu erhöhten Ferkelverlusten kommt oder bei denen die Schmerzausschaltung nicht ausreichend gewährleistet ist, sind für uns nicht akzeptabel.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Katja Suding

Stellv. Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion 

Christoph Hoffmann, MdB für die FDP

Nur Kurz:

Die Bundesregierung und das BMEL hat eine Lösung dazu verschlafen immerhin waren mehrere Jahre Zeit eine Regelung zu finden. Die FDP fordert ganz klar die Betäubung,- technikoffen und das schon länger. Es ist ein Regierungsversagen. Für die Kleinbauern muss es möglich sein, dass sie die Betäubung selbst machen nach einem Kurs.

Mit besten Grüßen 

Dr. forest Christoph Hoffmann MdB

Deutscher Bundestag

Die Linke

Die Fraktion DIE LINKE stimmte geschlossen gegen einer Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration.

Doris Achelwilm, MdB für DIE LINKE (Sprecherin für Gleichstellungs-, Queer- und Medienpolitik)

Vielen Dank für Ihre Zuschrift durch Foodwatch zur Ferkelkastration! Da Frau Achelwilm als gleichstellungs-, queer- und medienpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag nicht unmittelbar mit Agrarpolitik im Sinne der Ferkelkastration betraut ist, hat sie sich für Ihre Anfrage an die Fraktionskollegin Kirsten Tackmann, Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, gewandt. 

Die Antwort lautet wie folgt.

2013 wurde mit Unions-/FDP-Mehrheit das Tierschutzgesetz novelliert. Damit wurde das unter anderem der Termin für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration geregelt: 1.1.2019.

Diese Entscheidung ist nicht in Unkenntnis der Problemlage, sondern im Ergebnis einer breiten Debatte zur Lösungssuche getroffen worden. An deren Ende stand übrigens die viel weitergehende Erwartung, alle nicht-kurativen Eingriffe am Tier zu verbieten, die 2014 sogar im Konzept „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ <https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Tierwohl-Initiative-Eckpunkte.pdf;jsessionid=F17F67F8C556297C3F67BCA98E5F021A.2_cid376?__blob=publicationFile>  des damaligen Bundes-Agrarministers Schmidt verankert war.

Im Dezember 2010 hatten auf EU-Ebene Vertreter_innen der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Lebensmitteleinzelhandels, der Forschung, der Tierärzteschaft und des Tierschutzes mit der „Brüsseler Erklärung“ bereits das Ziel formuliert, die chirurgische Kastration von Ferkeln unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 1. Januar 2018 vollständig einzustellen. Bereits im September 2008 haben sich in Deutschland der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen „mit der Zielsetzung auf die Ferkelkastration baldmöglichst verzichten zu können“ („Düsseldorfer Erklärung“ 2008).

 

In der Begründung zur Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 wird ausgeführt: „Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr.“ (Drs. 18/10689).

Die fünf Jahre zwischen der Änderung des Gesetzentwurfs und dem Umsetzungsdatum hätten intensiv genutzt werden müssen, um die Tierhaltungen darauf vorzubereiten, die Verbraucherschaft aufzuklären und - wo nötig - Forschung zu intensivieren bzw. die technischen oder zulassungsseitigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen wurde bis fünf vor Zwölf abgewartet, ob sich die absehbaren Probleme von selbst lösen. Zwar hat die jetzige Bundesagrarministerin Julia Klöckner damit - neben dem Tierwohllabel oder dem Töten männlicher Eintagsküken - ein schwieriges Erbe von ihrem entscheidungsscheuen Vorgänger übernommen, aber auch sie selbst hat zu wenig unternommen, um die jetzt eintretende Eskalation und die drohende Existenznot in den schweinehaltenden Betrieben zu verhindern. Leidtragende der Inaktivität der Bundesregierung sind die Sauenhaltungen, die nun umso mehr mit dem Rücken zur Wand stehen und der erpresserischen Marktübermacht von Schlachthof- und Supermarktkonzernen, die tierschutzgerechte Lösungen aus eigenem Interesse blockieren, schutzlos ausgeliefert sind. Dabei ist es aus Sicht der LINKEN doch gerade eine Aufgabe der Gesetzgeber für Regeln zu sorgen, die sowohl die Gemeinwohlinteressen als auch Fairness in der Wertschöpfungskette durchsetzen. Das gilt erst Recht bei der Durchsetzung des Staatsziels Tierschutz und der Sicherung der Ernährungssouveränität, zu der auch einheimische schweinehaltende Betriebe gehören.

Angesichts handfesten Macht- und Profitinteressen, die gegen die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Staatsziels Tierschutz gerichtet sind, ist der Rückzug der zuständigen Bundesministerin in eine moderierende Rolle ebenso unangemessen wie ihre Unterstützung für den nicht tierschutzgerechten vierten Weg.

Angesichts der Kenntnis- und Debattenlage und bei allem Verständnis dafür, dass die nun eingetretene Situation in den schweinehaltenden Betrieben sehr schwierig ist, kann und wird DIE LINKE nicht akzeptieren, dass der Gesetzgeber auf Kosten von Mensch und Tier von Konzerninteressen erpresst wird.

DIE LINKE teilt die Empfehlung des Friedrich Loeffler Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit) <https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00016429/FLI-Empfehlungen_Impfung-gegen-Ebergeruch_20180921.pdf> ,  dass die „Impfung“ gegen den Ebergeruch der tierschutzfachlich beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Mit (Jung-)Ebermast und Immunokastration stehen zwei tiergerechte, rechtsichere und praktikable Lösungen zur Verfügung, mit denen auf eine chirurgische Kastration der Ferkel sogar ganz verzichtet werden kann, so dass Betäubung oder Schmerzausschaltung gar nicht nötig werden.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung ohne betäubungslose Ferkelkastration funktioniert und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Damit zeigt die Debatte um die Ferkelkastration das Problem eines zutiefst ungerechten Systems.

Die Kosten einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung werden eben nicht von der gesamten Wertschöpfungskette getragen, sondern alle Produktionsrisiken tragen die Erzeugerbetriebe, Mehrkosten für höhere Standards in der Regel auch, während die Gewinne in den Vorstandsetagen von Schlachthofkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel bleiben. Wer die Marktübermacht mit Erpressungspotenzial gegenüber den Erzeugerbetrieben als Systemfehler nicht begrenzt ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

DIE LINKE erwartet, dass Koalition und Bundesregierung auf, endlich alles dafür zu tun, dass das Tierschutzgesetz auch gegen Konzerninteressen umgesetzt wird und die Blockade vom Handel überwunden wird. Dazu gehört aus Sicht der LINKEN auch eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne für die Immunokastration.

In diesem Sinne wird die Linksfraktion sich in die weiteren Debatten einbringen im Interesse einer tiergerechten, rechtsicheren und praktikablen Lösung, die weder auf Kosten der Tiere noch der sie betreuenden Menschen geht.

Mit freundlichen Grüßen

Doris Achelwilm, MdB

Sprecherin für Gleichstellungs-, Queer- und Medienpolitik

Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

 

 

Simone Barrientos, MdB für DIE LINKE

Sehr geehrte Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,  

2013 wurde mit Unions-/FDP-Mehrheit das Tierschutzgesetz novelliert. Damit wurde das unter anderem der Termin für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration geregelt: 1.1.2019.

Diese Entscheidung ist nicht in Unkenntnis der Problemlage, sondern im Ergebnis einer breiten Debatte zur Lösungssuche getroffen worden. An deren Ende stand übrigens die viel weitergehende Erwartung, alle nicht-kurativen Eingriffe am Tier zu verbieten, die 2014 sogar im Konzept „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ des damaligen Bundes-Agrarministers Schmidt verankert war.

Im Dezember 2010 hatten auf EU-Ebene Vertreter*innen der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Lebensmitteleinzelhandels, der Forschung, der Tierärzteschaft und des Tierschutzes mit der „Brüsseler Erklärung“ bereits das Ziel formuliert, die chirurgische Kastration von Ferkeln unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 1. Januar 2018 vollständig einzustellen. Bereits im September 2008 haben sich in Deutschland der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen „mit der Zielsetzung auf die Ferkelkastration baldmöglichst verzichten zu können“ („Düsseldorfer Erklärung“ 2008).

In der Begründung zur Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 wird ausgeführt: „Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr.“ (Drs. 18/10689).

Die fünf Jahre zwischen der Änderung des Gesetzentwurfs und dem Umsetzungsdatum hätten intensiv genutzt werden müssen, um die Tierhaltungen darauf vorzubereiten, die Verbraucherschaft aufzuklären und - wo nötig - Forschung zu intensivieren bzw. die technischen oder zulassungsseitigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen wurde bis fünf vor Zwölf abgewartet, ob sich die absehbaren Probleme von selbst lösen. Zwar hat die jetzige Bundesagrarministerin Julia Klöckner damit - neben dem Tierwohllabel oder dem Töten männlicher Eintagsküken - ein schwieriges Erbe von ihrem entscheidungsscheuen Vorgänger übernommen, aber auch sie selbst hat zu wenig unternommen, um die jetzt eintretende Eskalation und die drohende Existenznot in den schweinehaltenden Betrieben zu verhindern. Leidtragende der Inaktivität der Bundesregierung sind die Sauenhaltungen, die nun umso mehr mit dem Rücken zur Wand stehen und der erpresserischen Marktübermacht von Schlachthof- und Supermarktkonzernen, die tierschutzgerechte Lösungen aus eigenem Interesse blockieren, schutzlos ausgeliefert sind. Dabei ist es aus Sicht der LINKEN doch gerade eine Aufgabe der Gesetzgeber für Regeln zu sorgen, die sowohl die Gemeinwohlinteressen als auch Fairness in der Wertschöpfungskette durchsetzen. Das gilt erst Recht bei der Durchsetzung des Staatsziels Tierschutz und der Sicherung der Ernährungssouveränität, zu der auch einheimische schweinehaltende Betriebe gehören.

Angesichts handfesten Macht- und Profitinteressen, die gegen die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Staatsziels Tierschutz gerichtet sind, ist der Rückzug der zuständigen Bundesministerin in eine moderierende Rolle ebenso unangemessen wie ihre Unterstützung für den nicht tierschutzgerechten vierten Weg. Angesichts der Kenntnis- und Debattenlage und bei allem Verständnis dafür, dass die nun eingetretene Situation in den schweinehaltenden Betrieben sehr schwierig ist, kann und wird DIE LINKE nicht akzeptieren, dass der Gesetzgeber auf Kosten von Mensch und Tier von Konzerninteressen erpresst wird.

DIE LINKE teilt die Empfehlung des Friedrich Loeffler Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit),  dass die „Impfung“ gegen den Ebergeruch der tierschutzfachlich beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Mit (Jung)Ebermast und Immunokastration stehen zwei tiergerechte, rechtsichere und praktikable Lösungen zur Verfügung, mit denen auf eine chirurgische Kastration der Ferkel sogar ganz verzichtet werden kann, so dass Betäubung oder Schmerzausschaltung gar nicht nötig werden.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung ohne betäubungslose Ferkelkastration funktioniert und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Damit zeigt die Debatte um die Ferkelkastration das Problem eines zutiefst ungerechten Systems. Die Kosten einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung werden eben nicht von der gesamten Wertschöpfungskette getragen, sondern alle Produktionsrisiken tragen die Erzeugerbetriebe, Mehrkosten für höhere Standards in der Regel auch, während die Gewinne in den Vorstandsetagen von Schlachthofkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel bleiben. Wer die Marktübermacht mit Erpressungspotenzial gegenüber den Erzeugerbetrieben als Systemfehler nicht begrenzt ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

DIE LINKE erwartet, dass Koalition und Bundesregierung auf, endlich alles dafür zu tun, dass das Tierschutzgesetz auch gegen Konzerninteressen umgesetzt wird und die Blockade vom Handel überwunden wird. Dazu gehört aus Sicht der LINKEN auch eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne für die Immunokastration.

In diesem Sinne wird die Linksfraktion sich in die weiteren Debatten einbringen im Interesse einer tiergerechten, rechtsicheren und praktikablen Lösung, die weder auf Kosten der Tiere noch der sie betreuenden Menschen geht.

Mit freundlichen Grüßen

Simone Barrientos, MdB

Fabio De Masi, MdB für DIE LINKE

Sehr geehrte Damen und Herren,

2013 wurde mit Unions-/FDP-Mehrheit das Tierschutzgesetz novelliert. Damit wurde das unter anderem der Termin für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration geregelt: 1.1.2019.

Diese Entscheidung ist nicht in Unkenntnis der Problemlage, sondern im Ergebnis einer breiten Debatte zur Lösungssuche getroffen worden. An deren Ende stand übrigens die viel weitergehende Erwartung, alle nicht-kurativen Eingriffe am Tier zu verbieten, die 2014 sogar im Konzept „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ <https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Tierwohl-Initiative-Eckpunkte.pdf;jsessionid=F17F67F8C556297C3F67BCA98E5F021A.2_cid376?__blob=publicationFile>  des damaligen Bundes-Agrarministers Schmidt verankert war.

Im Dezember 2010 hatten auf EU-Ebene Vertreter_innen der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Lebensmitteleinzelhandels, der Forschung, der Tierärzteschaft und des Tierschutzes mit der „Brüsseler Erklärung“ bereits das Ziel formuliert, die chirurgische Kastration von Ferkeln unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 1. Januar 2018 vollständig einzustellen. Bereits im September 2008 haben sich in Deutschland der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen „mit der Zielsetzung auf die Ferkelkastration baldmöglichst verzichten zu können“ („Düsseldorfer Erklärung“ 2008).

In der Begründung zur Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 wird ausgeführt: „Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr.“ (Drs. 18/10689).

Die fünf Jahre zwischen der Änderung des Gesetzentwurfs und dem Umsetzungsdatum hätten intensiv genutzt werden müssen, um die Tierhaltungen darauf vorzubereiten, die Verbraucherschaft aufzuklären und - wo nötig - Forschung zu intensivieren bzw. die technischen oder zulassungsseitigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen wurde bis fünf vor Zwölf abgewartet, ob sich die absehbaren Probleme von selbst lösen. Zwar hat die jetzige Bundesagrarministerin Julia Klöckner damit - neben dem Tierwohllabel oder dem Töten männlicher Eintagsküken - ein schwieriges Erbe von ihrem entscheidungsscheuen Vorgänger übernommen, aber auch sie selbst hat zu wenig unternommen, um die jetzt eintretende Eskalation und die drohende Existenznot in den schweinehaltenden Betrieben zu verhindern. Leidtragende der Inaktivität der Bundesregierung sind die Sauenhaltungen, die nun umso mehr mit dem Rücken zur Wand stehen und der erpresserischen Marktübermacht von Schlachthof- und Supermarktkonzernen, die tierschutzgerechte Lösungen aus eigenem Interesse blockieren, schutzlos ausgeliefert sind. Dabei ist es aus Sicht der LINKEN doch gerade eine Aufgabe der Gesetzgeber für Regeln zu sorgen, die sowohl die Gemeinwohlinteressen als auch Fairness in der Wertschöpfungskette durchsetzen. Das gilt erst Recht bei der Durchsetzung des Staatsziels Tierschutz und der Sicherung der Ernährungssouveränität, zu der auch einheimische schweinehaltende Betriebe gehören.

Angesichts handfesten Macht- und Profitinteressen, die gegen die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Staatsziels Tierschutz gerichtet sind, ist der Rückzug der zuständigen Bundesministerin in eine moderierende Rolle ebenso unangemessen wie ihre Unterstützung für den nicht tierschutzgerechten vierten Weg.

Angesichts der Kenntnis- und Debattenlage und bei allem Verständnis dafür, dass die nun eingetretene Situation in den schweinehaltenden Betrieben sehr schwierig ist, kann und wird DIE LINKE nicht akzeptieren, dass der Gesetzgeber auf Kosten von Mensch und Tier von Konzerninteressen erpresst wird.

DIE LINKE teilt die Empfehlung des Friedrich Loeffler Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit) <https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00016429/FLI-Empfehlungen_Impfung-gegen-Ebergeruch_20180921.pdf> ,  dass die „Impfung“ gegen den Ebergeruch der tierschutzfachlich beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Mit (Jung-)Ebermast und Immunokastration stehen zwei tiergerechte, rechtsichere und praktikable Lösungen zur Verfügung, mit denen auf eine chirurgische Kastration der Ferkel sogar ganz verzichtet werden kann, so dass Betäubung oder Schmerzausschaltung gar nicht nötig werden.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung ohne betäubungslose Ferkelkastration funktioniert und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Damit zeigt die Debatte um die Ferkelkastration das Problem eines zutiefst ungerechten Systems.

Die Kosten einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung werden eben nicht von der gesamten Wertschöpfungskette getragen, sondern alle Produktionsrisiken tragen die Erzeugerbetriebe, Mehrkosten für höhere Standards in der Regel auch, während die Gewinne in den Vorstandsetagen von Schlachthofkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel bleiben. Wer die Marktübermacht mit Erpressungspotenzial gegenüber den Erzeugerbetrieben als Systemfehler nicht begrenzt ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

DIE LINKE erwartet, dass Koalition und Bundesregierung auf, endlich alles dafür zu tun, dass das Tierschutzgesetz auch gegen Konzerninteressen umgesetzt wird und die Blockade vom Handel überwunden wird. Dazu gehört aus Sicht der LINKEN auch eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne für die Immunokastration.

In diesem Sinne wird die Linksfraktion sich in die weiteren Debatten einbringen im Interesse einer tiergerechten, rechtsicheren und praktikablen Lösung, die weder auf Kosten der Tiere noch der sie betreuenden Menschen geht.

Mit freundlichen Grüßen

Fabio De Masi  

Anke Domscheit-Berg, MdB für DIE LINKE

Sehr geehrte Aktion Foodwatch,

2013 wurde mit Unions-/FDP-Mehrheit das Tierschutzgesetz novelliert. Damit wurde das unter anderem der Termin für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration geregelt: 1.1.2019.

Diese Entscheidung ist nicht in Unkenntnis der Problemlage, sondern im Ergebnis einer breiten Debatte zur Lösungssuche getroffen worden. An deren Ende stand übrigens die viel weitergehende Erwartung, alle nicht-kurativen Eingriffe am Tier zu verbieten, die 2014 sogar im Konzept „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ des damaligen Bundes-Agrarministers Schmidt verankert war.

Im Dezember 2010 hatten auf EU-Ebene Vertreter_innen der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Lebensmitteleinzelhandels, der Forschung, der Tierärzteschaft und des Tierschutzes mit der „Brüsseler Erklärung“ bereits das Ziel formuliert, die chirurgische Kastration von Ferkeln unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 1. Januar 2018 vollständig einzustellen. Bereits im September 2008 haben sich in Deutschland der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen „mit der Zielsetzung auf die Ferkelkastration baldmöglichst verzichten zu können“ („Düsseldorfer Erklärung“ 2008).

In der Begründung zur Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 wird ausgeführt: „Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr.“ (Drs. 18/10689).

Die fünf Jahre zwischen der Änderung des Gesetzentwurfs und dem Umsetzungsdatum hätten intensiv genutzt werden müssen, um die Tierhaltungen darauf vorzubereiten, die Verbraucherschaft aufzuklären und - wo nötig - Forschung zu intensivieren bzw. die technischen oder zulassungsseitigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen wurde bis fünf vor Zwölf abgewartet, ob sich die absehbaren Probleme von selbst lösen. Zwar hat die jetzige Bundesagrarministerin Julia Klöckner damit - neben dem Tierwohllabel oder dem Töten männlicher Eintagsküken - ein schwieriges Erbe von ihrem entscheidungsscheuen Vorgänger übernommen, aber auch sie selbst hat zu wenig unternommen, um die jetzt eintretende Eskalation und die drohende Existenznot in den schweinehaltenden Betrieben zu verhindern. Leidtragende der Inaktivität der Bundesregierung sind die Sauenhaltungen, die nun umso mehr mit dem Rücken zur Wand stehen und der erpresserischen Marktübermacht von Schlachthof- und Supermarktkonzernen, die tierschutzgerechte Lösungen aus eigenem Interesse blockieren, schutzlos ausgeliefert sind. Dabei ist es aus Sicht der LINKEN doch gerade eine Aufgabe der Gesetzgeber für Regeln zu sorgen, die sowohl die Gemeinwohlinteressen als auch Fairness in der Wertschöpfungskette durchsetzen. Das gilt erst Recht bei der Durchsetzung des Staatsziels Tierschutz und der Sicherung der Ernährungssouveränität, zu der auch einheimische schweinehaltende Betriebe gehören.

Angesichts handfesten Macht- und Profitinteressen, die gegen die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Staatsziels Tierschutz gerichtet sind, ist der Rückzug der zuständigen Bundesministerin in eine moderierende Rolle ebenso unangemessen wie ihre Unterstützung für den nicht tierschutzgerechten vierten Weg.

Angesichts der Kenntnis- und Debattenlage und bei allem Verständnis dafür, dass die nun eingetretene Situation in den schweinehaltenden Betrieben sehr schwierig ist, kann und wird DIE LINKE nicht akzeptieren, dass der Gesetzgeber auf Kosten von Mensch und Tier von Konzerninteressen erpresst wird.

DIE LINKE teilt die Empfehlung des Friedrich Loeffler Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit),  dass die „Impfung“ gegen den Ebergeruch der tierschutzfachlich beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Mit (Jung-)Ebermast und Immunokastration stehen zwei tiergerechte, rechtsichere und praktikable Lösungen zur Verfügung, mit denen auf eine chirurgische Kastration der Ferkel sogar ganz verzichtet werden kann, so dass Betäubung oder Schmerzausschaltung gar nicht nötig werden.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung ohne betäubungslose Ferkelkastration funktioniert und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Damit zeigt die Debatte um die Ferkelkastration das Problem eines zutiefst ungerechten Systems.

Die Kosten einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung werden eben nicht von der gesamten Wertschöpfungskette getragen, sondern alle Produktionsrisiken tragen die Erzeugerbetriebe, Mehrkosten für höhere Standards in der Regel auch, während die Gewinne in den Vorstandsetagen von Schlachthofkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel bleiben. Wer die Marktübermacht mit Erpressungspotenzial gegenüber den Erzeugerbetrieben als Systemfehler nicht begrenzt ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

DIE LINKE erwartet, dass Koalition und Bundesregierung auf, endlich alles dafür zu tun, dass das Tierschutzgesetz auch gegen Konzerninteressen umgesetzt wird und die Blockade vom Handel überwunden wird. Dazu gehört aus Sicht der LINKEN auch eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne für die Immunokastration.

In diesem Sinne wird die Linksfraktion sich in die weiteren Debatten einbringen im Interesse einer tiergerechten, rechtsicheren und praktikablen Lösung, die weder auf Kosten der Tiere noch der sie betreuenden Menschen geht.“

Für weitere Angaben und Nachfragen zum Thema können Sie gerne das Büro Kirsten Tackmann anschreiben, welches für das Thema in unserer Fraktion zuständig ist.

Mit freundlichen Grüßen

Anke Domscheit-Berg, MdB

Fraktion DIE LINKE.

Sylvia Gabelmann, MdB für DIE LINKE

Sehr geehrte Damen und Herren,

2013 wurde mit Unions-/FDP-Mehrheit das Tierschutzgesetz novelliert. Damit wurde das unter anderem der Termin für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration geregelt: 1.1.2019.

Diese Entscheidung ist nicht in Unkenntnis der Problemlage, sondern im Ergebnis einer breiten Debatte zur Lösungssuche getroffen worden. An deren Ende stand übrigens die viel weitergehende Erwartung, alle nicht-kurativen Eingriffe am Tier zu verbieten, die 2014 sogar im Konzept „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ <https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Tierwohl-Initiative-Eckpunkte.pdf;jsessionid=F17F67F8C556297C3F67BCA98E5F021A.2_cid376?__blob=publicationFile> des damaligen Bundes-Agrarministers Schmidt verankert war.

Im Dezember 2010 hatten auf EU-Ebene Vertreter_innen der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Lebensmitteleinzelhandels, der Forschung, der Tierärzteschaft und des Tierschutzes mit der „Brüsseler Erklärung“ bereits das Ziel formuliert, die chirurgische Kastration von Ferkeln unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 1. Januar 2018 vollständig einzustellen. Bereits im September 2008 haben sich in Deutschland der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen „mit der Zielsetzung auf die Ferkelkastration baldmöglichst verzichten zu können“ („Düsseldorfer Erklärung“ 2008).

In der Begründung zur Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 wird ausgeführt: „Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr.“ (Drs. 18/10689). 

Die fünf Jahre zwischen der Änderung des Gesetzentwurfs und dem Umsetzungsdatum hätten intensiv genutzt werden müssen, um die Tierhaltungen darauf vorzubereiten, die Verbraucherschaft aufzuklären und - wo nötig - Forschung zu intensivieren bzw. die technischen oder zulassungsseitigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen wurde bis fünf vor Zwölf abgewartet, ob sich die absehbaren Probleme von selbst lösen. Zwar hat die jetzige Bundesagrarministerin Julia Klöckner damit - neben dem Tierwohllabel oder dem Töten männlicher Eintagsküken - ein schwieriges Erbe von ihrem entscheidungsscheuen Vorgänger übernommen, aber auch sie selbst hat zu wenig unternommen, um die jetzt eintretende Eskalation und die drohende Existenznot in den schweinehaltenden Betrieben zu verhindern. Leidtragende der Inaktivität der Bundesregierung sind die Sauenhaltungen, die nun umso mehr mit dem Rücken zur Wand stehen und der erpresserischen Marktübermacht von Schlachthof- und Supermarktkonzernen, die tierschutzgerechte Lösungen aus eigenem Interesse blockieren, schutzlos ausgeliefert sind. Dabei ist es aus Sicht der LINKEN doch gerade eine Aufgabe der Gesetzgeber für Regeln zu sorgen, die sowohl die Gemeinwohlinteressen als auch Fairness in der Wertschöpfungskette durchsetzen. Das gilt erst Recht bei der Durchsetzung des Staatsziels Tierschutz und der Sicherung der Ernährungssouveränität, zu der auch einheimische schweinehaltende Betriebe gehören.

Angesichts handfesten Macht- und Profitinteressen, die gegen die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Staatsziels Tierschutz gerichtet sind, ist der Rückzug der zuständigen Bundesministerin in eine moderierende Rolle ebenso unangemessen wie ihre Unterstützung für den nicht tierschutzgerechten vierten Weg.

Angesichts der Kenntnis- und Debattenlage und bei allem Verständnis dafür, dass die nun eingetretene Situation in den schweinehaltenden Betrieben sehr schwierig ist, kann und wird DIE LINKE nicht akzeptieren, dass der Gesetzgeber auf Kosten von Mensch und Tier von Konzerninteressen erpresst wird.

DIE LINKE teilt die Empfehlung des Friedrich Loeffler Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit) <https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00016429/FLI-Empfehlungen_Impfung-gegen-Ebergeruch_20180921.pdf> ,  dass die „Impfung“ gegen den Ebergeruch der tierschutzfachlich beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Mit (Jung-)Ebermast und Immunokastration stehen zwei tiergerechte, rechtsichere und praktikable Lösungen zur Verfügung, mit denen auf eine chirurgische Kastration der Ferkel sogar ganz verzichtet werden kann, so dass Betäubung oder Schmerzausschaltung gar nicht nötig werden.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung ohne betäubungslose Ferkelkastration funktioniert und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Damit zeigt die Debatte um die Ferkelkastration das Problem eines zutiefst ungerechten Systems.

Die Kosten einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung werden eben nicht von der gesamten Wertschöpfungskette getragen, sondern alle Produktionsrisiken tragen die Erzeugerbetriebe, Mehrkosten für höhere Standards in der Regel auch, während die Gewinne in den Vorstandsetagen von Schlachthofkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel bleiben. Wer die Marktübermacht mit Erpressungspotenzial gegenüber den Erzeugerbetrieben als Systemfehler nicht begrenzt ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

DIE LINKE erwartet, dass Koalition und Bundesregierung auf, endlich alles dafür zu tun, dass das Tierschutzgesetz auch gegen Konzerninteressen umgesetzt wird und die Blockade vom Handel überwunden wird. Dazu gehört aus Sicht der LINKEN auch eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne für die Immunokastration.

In diesem Sinne wird die Linksfraktion sich in die weiteren Debatten einbringen im Interesse einer tiergerechten, rechtsicheren und praktikablen Lösung, die weder auf Kosten der Tiere noch der sie betreuenden Menschen geht.

Mit freundlichen Grüßen

Büro Sylvia Gabelmann, MdB/DIE LINKE

Andrej Hunko, MdB für DIE LINKE (Europapolitischer Sprecher)

Liebe Menschen von Foodwatch, liebe UnterzeichnerInnen des Appels zur betäubungslosen Ferkelkastration,

vielen Dank für ihre E-Mail und die zahlreichen Unterschriften. Wir freuen uns über das Engagement! Leiten Sie unsere E-Mail gerne an die UnterzeichnerInnen weiter. Wir als Die LINKE sehen die von Ihnen geschilderten Probleme bezüglich der betäubungslosen Ferkelkastration sehr ähnlich. Der Ausstieg aus dieser tierfeindlichen und nicht zeitgemäßen Methode ist längst fällig.

Im Dezember 2010 hatten auf EU-Ebene Vertreter_innen der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Lebensmitteleinzelhandels, der Forschung, der Tierärzteschaft und des Tierschutzes mit der "Brüsseler Erklärung" bereits das Ziel formuliert, die Kastration von Ferkeln unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 1. Januar 2018 vollständig einzustellen. Bereits im September 2008 haben sich in Deutschland der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen "mit der Zielsetzung auf die Ferkelkastration baldmöglichst verzichten zu können" ("Düsseldorfer Erklärung" 2008).

In der Begründung zur Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 wird ausgeführt: "Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr." (Drs. 18/10689).

Die fünf Jahre zwischen der Änderung des Gesetzentwurfs und dem Umsetzungsdatum hätten intensiv genutzt werden müssen, um die Tierhaltungen darauf vorzubereiten, die VerbraucherInnen aufzuklären und - wo nötig - Forschung zu intensivieren bzw. die technischen oder zulassungsseitigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen wurde bis fünf vor Zwölf abgewartet, ob sich die absehbaren Probleme von selbst lösen. Auch die Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat zu wenig unternommen, um die jetzt eintretende Eskalation und die drohende Existenznot in den schweinehaltenden Betrieben zu verhindern. Leidtragende der Inaktivität der Bundesregierung sind die Tiere und die HalterInnen, die nun umso mehr mit dem Rücken zur Wand stehen und der erpresserischen Marktübermacht von Schlachthof- und Supermarktkonzernen, die tierschutzgerechte Lösungen aus eigenem Interesse blockieren, schutzlos ausgeliefert sind. Dabei ist es aus Sicht der LINKEN doch gerade eine Aufgabe der GesetzgeberInnen für Regeln zu sorgen, die den Tierschutz, die Gemeinwohlinteressen als auch die Fairness in der Produktion durchsetzen. Das gilt erst Recht bei der Durchsetzung des Staatsziels Tierschutz und der Sicherung der Ernährungssouveränität, zu der auch schweinehaltende Betriebe gehören.

Angesichts handfesten Macht- und Profitinteressen, die gegen die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Ziels des Tierschutz gerichtet sind, ist der Rückzug der zuständigen Bundesministerin in eine moderierende Rolle ebenso unangemessen wie ihre Unterstützung für den nicht tierschutzgerechten vierten Weg.

Im Hinblick auf die Debattenlage und bei allem Verständnis dafür, dass die nun eingetretene Situation in den schweinehaltenden Betrieben sehr schwierig ist, kann und wird DIE LINKE nicht akzeptieren, dass der Gesetzgeber auf Kosten von Mensch und Tier von Konzerninteressen erpresst wird.

DIE LINKE teilt wie Sie die Meinung, dass die "Impfung" gegen den Ebergeruch der beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung auch ohne Ferkelkastration möglich ist und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Damit zeigt die Debatte um die Ferkelkastration das Problem eines zutiefst ungerechten Systems.

Die Kosten einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung werden eben nicht von der gesamten Wertschöpfungskette getragen, sondern alle Produktionsrisiken tragen die Erzeugerbetriebe, Mehrkosten für höhere Standards in der Regel auch, während die Gewinne in den Vorstandsetagen von Schlachthofkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel bleiben. Wer die Marktübermacht mit Erpressungspotenzial gegenüber den Erzeugerbetrieben als Systemfehler nicht begrenzt ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

DIE LINKE fordert die Koalition und die Bundesregierung auf, endlich alles dafür zu tun, dass der Tierschutz auch gegen Konzerninteressen umgesetzt wird und die Blockade durch den Handel überwunden wird. Dazu gehört aus Sicht der LINKEN auch eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne für die Immunokastration.

In diesem Sinne wird die Linksfraktion sich in die weiteren Debatten einbringen im Interesse einer tiergerechten, rechtsicheren und praktikablen Lösung, die weder auf Kosten der Tiere noch der sie betreuenden Menschen geht.

Mit den besten Grüßen,

Andrej Hunko, MdB

Europapolitischer Sprecher der

Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Ralph Lenkert, MdB für DIE LINKE (Umweltpolitischer Sprecher)

Sehr geehrte Damen und Herren,

2013 wurde mit Unions-/FDP-Mehrheit das Tierschutzgesetz novelliert. Damit wurde das unter anderem der Termin für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration geregelt: 1.1.2019.

Diese Entscheidung ist nicht in Unkenntnis der Problemlage, sondern im Ergebnis einer breiten Debatte zur Lösungssuche getroffen worden. An deren Ende stand übrigens die viel weitergehende Erwartung, alle nicht-kurativen Eingriffe am Tier zu verbieten, die 2014 sogar im Konzept „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ <https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Tierwohl-Initiative-Eckpunkte.pdf;jsessionid=F17F67F8C556297C3F67BCA98E5F021A.2_cid376?__blob=publicationFile>  des damaligen Bundes-Agrarministers Schmidt verankert war.

Im Dezember 2010 hatten auf EU-Ebene Vertreter_innen der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Lebensmitteleinzelhandels, der Forschung, der Tierärzteschaft und des Tierschutzes mit der „Brüsseler Erklärung“ bereits das Ziel formuliert, die chirurgische Kastration von Ferkeln unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 1. Januar 2018 vollständig einzustellen. Bereits im September 2008 haben sich in Deutschland der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen „mit der Zielsetzung auf die Ferkelkastration baldmöglichst verzichten zu können“ („Düsseldorfer Erklärung“ 2008).

In der Begründung zur Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 wird ausgeführt: „Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr.“ (Drs. 18/10689).

Die fünf Jahre zwischen der Änderung des Gesetzentwurfs und dem Umsetzungsdatum hätten intensiv genutzt werden müssen, um die Tierhaltungen darauf vorzubereiten, die Verbraucherschaft aufzuklären und - wo nötig - Forschung zu intensivieren bzw. die technischen oder zulassungsseitigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen wurde bis fünf vor Zwölf abgewartet, ob sich die absehbaren Probleme von selbst lösen. Zwar hat die jetzige Bundesagrarministerin Julia Klöckner damit - neben dem Tierwohllabel oder dem Töten männlicher Eintagsküken - ein schwieriges Erbe von ihrem entscheidungsscheuen Vorgänger übernommen, aber auch sie selbst hat zu wenig unternommen, um die jetzt eintretende Eskalation und die drohende Existenznot in den schweinehaltenden Betrieben zu verhindern. Leidtragende der Inaktivität der Bundesregierung sind die Sauenhaltungen, die nun umso mehr mit dem Rücken zur Wand stehen und der erpresserischen Marktübermacht von Schlachthof- und Supermarktkonzernen, die tierschutzgerechte Lösungen aus eigenem Interesse blockieren, schutzlos ausgeliefert sind. Dabei ist es aus Sicht der LINKEN doch gerade eine Aufgabe der Gesetzgeber für Regeln zu sorgen, die sowohl die Gemeinwohlinteressen als auch Fairness in der Wertschöpfungskette durchsetzen. Das gilt erst Recht bei der Durchsetzung des Staatsziels Tierschutz und der Sicherung der Ernährungssouveränität, zu der auch einheimische schweinehaltende Betriebe gehören.

Angesichts handfesten Macht- und Profitinteressen, die gegen die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Staatsziels Tierschutz gerichtet sind, ist der Rückzug der zuständigen Bundesministerin in eine moderierende Rolle ebenso unangemessen wie ihre Unterstützung für den nicht tierschutzgerechten vierten Weg.

Angesichts der Kenntnis- und Debattenlage und bei allem Verständnis dafür, dass die nun eingetretene Situation in den schweinehaltenden Betrieben sehr schwierig ist, kann und wird DIE LINKE nicht akzeptieren, dass der Gesetzgeber auf Kosten von Mensch und Tier von Konzerninteressen erpresst wird.

DIE LINKE teilt die Empfehlung des Friedrich Loeffler Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit) <https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00016429/FLI-Empfehlungen_Impfung-gegen-Ebergeruch_20180921.pdf> ,  dass die „Impfung“ gegen den Ebergeruch der tierschutzfachlich beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Mit (Jung-)Ebermast und Immunokastration stehen zwei tiergerechte, rechtsichere und praktikable Lösungen zur Verfügung, mit denen auf eine chirurgische Kastration der Ferkel sogar ganz verzichtet werden kann, so dass Betäubung oder Schmerzausschaltung gar nicht nötig werden.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung ohne betäubungslose Ferkelkastration funktioniert und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Damit zeigt die Debatte um die Ferkelkastration das Problem eines zutiefst ungerechten Systems.

Die Kosten einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung werden eben nicht von der gesamten Wertschöpfungskette getragen, sondern alle Produktionsrisiken tragen die Erzeugerbetriebe, Mehrkosten für höhere Standards in der Regel auch, während die Gewinne in den Vorstandsetagen von Schlachthofkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel bleiben. Wer die Marktübermacht mit Erpressungspotenzial gegenüber den Erzeugerbetrieben als Systemfehler nicht begrenzt ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

DIE LINKE erwartet, dass Koalition und Bundesregierung auf, endlich alles dafür zu tun, dass das Tierschutzgesetz auch gegen Konzerninteressen umgesetzt wird und die Blockade vom Handel überwunden wird. Dazu gehört aus Sicht der LINKEN auch eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne für die Immunokastration.

In diesem Sinne wird die Linksfraktion sich in die weiteren Debatten einbringen im Interesse einer tiergerechten, rechtsicheren und praktikablen Lösung, die weder auf Kosten der Tiere noch der sie betreuenden Menschen geht.

Mit freundlichen Grüßen

Ralph Lenkert

 

Ralph Lenkert MdB - Fraktion DIE LINKE Umweltpolitischer Sprecher 

Norbert Müller, MdB für DIE LINKE

Sehr geehrte Damen und Herren,

2013 wurde mit Unions-/FDP-Mehrheit das Tierschutzgesetz novelliert. Damit wurde das unter anderem der Termin für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration geregelt: 1.1.2019.

Diese Entscheidung ist nicht in Unkenntnis der Problemlage, sondern im Ergebnis einer breiten Debatte zur Lösungssuche getroffen worden. An deren Ende stand übrigens die viel weitergehende Erwartung, alle nicht-kurativen Eingriffe am Tier zu verbieten, die 2014 sogar im Konzept „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ <https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Tierwohl-Initiative-Eckpunkte.pdf;jsessionid=F17F67F8C556297C3F67BCA98E5F021A.2_cid376?__blob=publicationFile>  des damaligen Bundes-Agrarministers Schmidt verankert war.

Im Dezember 2010 hatten auf EU-Ebene Vertreter_innen der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Lebensmitteleinzelhandels, der Forschung, der Tierärzteschaft und des Tierschutzes mit der „Brüsseler Erklärung“ bereits das Ziel formuliert, die chirurgische Kastration von Ferkeln unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 1. Januar 2018 vollständig einzustellen. Bereits im September 2008 haben sich in Deutschland der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen „mit der Zielsetzung auf die Ferkelkastration baldmöglichst verzichten zu können“ („Düsseldorfer Erklärung“ 2008).

In der Begründung zur Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 wird ausgeführt: „Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr.“ (Drs. 18/10689).

Die fünf Jahre zwischen der Änderung des Gesetzentwurfs und dem Umsetzungsdatum hätten intensiv genutzt werden müssen, um die Tierhaltungen darauf vorzubereiten, die Verbraucherschaft aufzuklären und - wo nötig - Forschung zu intensivieren bzw. die technischen oder zulassungsseitigen Voraussetzungen zu schaffen. Stattdessen wurde bis fünf vor Zwölf abgewartet, ob sich die absehbaren Probleme von selbst lösen. Zwar hat die jetzige Bundesagrarministerin Julia Klöckner damit - neben dem Tierwohllabel oder dem Töten männlicher Eintagsküken - ein schwieriges Erbe von ihrem entscheidungsscheuen Vorgänger übernommen, aber auch sie selbst hat zu wenig unternommen, um die jetzt eintretende Eskalation und die drohende Existenznot in den schweinehaltenden Betrieben zu verhindern. Leidtragende der Inaktivität der Bundesregierung sind die Sauenhaltungen, die nun umso mehr mit dem Rücken zur Wand stehen und der erpresserischen Marktübermacht von Schlachthof- und Supermarktkonzernen, die tierschutzgerechte Lösungen aus eigenem Interesse blockieren, schutzlos ausgeliefert sind. Dabei ist es aus Sicht der LINKEN doch gerade eine Aufgabe der Gesetzgeber für Regeln zu sorgen, die sowohl die Gemeinwohlinteressen als auch Fairness in der Wertschöpfungskette durchsetzen. Das gilt erst Recht bei der Durchsetzung des Staatsziels Tierschutz und der Sicherung der Ernährungssouveränität, zu der auch einheimische schweinehaltende Betriebe gehören.

Angesichts handfesten Macht- und Profitinteressen, die gegen die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Staatsziels Tierschutz gerichtet sind, ist der Rückzug der zuständigen Bundesministerin in eine moderierende Rolle ebenso unangemessen wie ihre Unterstützung für den nicht tierschutzgerechten vierten Weg.

Angesichts der Kenntnis- und Debattenlage und bei allem Verständnis dafür, dass die nun eingetretene Situation in den schweinehaltenden Betrieben sehr schwierig ist, kann und wird DIE LINKE nicht akzeptieren, dass der Gesetzgeber auf Kosten von Mensch und Tier von Konzerninteressen erpresst wird.

DIE LINKE teilt die Empfehlung des Friedrich Loeffler Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit) <https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00016429/FLI-Empfehlungen_Impfung-gegen-Ebergeruch_20180921.pdf> ,  dass die „Impfung“ gegen den Ebergeruch der tierschutzfachlich beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Mit (Jung-)Ebermast und Immunokastration stehen zwei tiergerechte, rechtsichere und praktikable Lösungen zur Verfügung, mit denen auf eine chirurgische Kastration der Ferkel sogar ganz verzichtet werden kann, so dass Betäubung oder Schmerzausschaltung gar nicht nötig werden.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung ohne betäubungslose Ferkelkastration funktioniert und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Damit zeigt die Debatte um die Ferkelkastration das Problem eines zutiefst ungerechten Systems.

Die Kosten einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung werden eben nicht von der gesamten Wertschöpfungskette getragen, sondern alle Produktionsrisiken tragen die Erzeugerbetriebe, Mehrkosten für höhere Standards in der Regel auch, während die Gewinne in den Vorstandsetagen von Schlachthofkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel bleiben. Wer die Marktübermacht mit Erpressungspotenzial gegenüber den Erzeugerbetrieben als Systemfehler nicht begrenzt ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

DIE LINKE erwartet, dass Koalition und Bundesregierung auf, endlich alles dafür zu tun, dass das Tierschutzgesetz auch gegen Konzerninteressen umgesetzt wird und die Blockade vom Handel überwunden wird. Dazu gehört aus Sicht der LINKEN auch eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne für die Immunokastration.

In diesem Sinne wird die Linksfraktion sich in die weiteren Debatten einbringen im Interesse einer tiergerechten, rechtsicheren und praktikablen Lösung, die weder auf Kosten der Tiere noch der sie betreuenden Menschen geht.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Müller MdB

Dr. Alexander S. Neu, MdB für DIE LINKE

Sehr geehrte Tierschützer*innen und Aktivist*innen von Foodwatch, sehr geehrte Unterzeicher*innen der Anfrage!

Ich teile Ihr Entsetzen und Unverständnis darüber, dass die Tierquälerei des betäubungslosen Kastrierens  Ende des Jahres nicht beendet wird, sondern nochmal für zwei Jahre verlängert werden soll.

Meine Fraktion und ich haben schon in der Vergangenheit Druck für die Sicherung des Tierwohls gemacht und werden auch jetzt alles versuchen um die unsägliche Entscheidung des Kabinetts zu stoppen. Leider sind wir als Oppositionspartei (noch)  nicht in der Lage Mehrheiten gegen die derzeitige Regierung im Parlament zu bekommen. Deswegen sind wir dankbar für den außerparlamentarischen Druck.

Inhaltlich ist es für uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass es alternative Lösungen gibt für das Problem das mit der Kastrationsvorgeblich gelöst werden soll:

DIE LINKE teilt die Empfehlung des Friedrich Loeffler Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit) <https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00016429/FLI-Empfehlungen_Impfung-gegen-Ebergeruch_20180921.pdf> ,  dass die „Impfung“ gegen den Ebergeruch der tierschutzfachlich beste Weg zum Ausstieg aus der Ferkelkastration ist. Mit (Jung-)Ebermast und Immunokastration stehen zwei tiergerechte, rechtsichere und praktikable Lösungen zur Verfügung, mit denen auf eine chirurgische Kastration der Ferkel sogar ganz verzichtet werden kann, so dass Betäubung oder Schmerzausschaltung gar nicht nötig werden.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schweinehaltung ohne betäubungslose Ferkelkastration funktioniert und diese sich sogar betriebswirtschaftlich rechnen. Dass beide Optionen entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen durch Schlachthofkonzerne und Lebensmittelketten blockiert werden, ist der eigentliche Skandal und kann und darf kein Grund dafür sein, aus dem beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration jetzt mindestens zeitweise wieder auszusteigen oder Scheinlösungen zu diskutieren, die auch rechtlich zumindest fragwürdig sind.

Ich möchte mich bei Ihnen für ihr Interesse und ihren Einsatz bedanken und füge unten noch einige Informationen zur Vorgeschichte und zum Hintergrund der aktuellen Entscheidung an.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Alexander S. Neu MdB

 

Bundestagsfraktion DIE LINKE

Dieter Dehm, MdB für DIE LINKE

Sehr geehrte Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,

meine Fraktion und ich sind ganz Ihrer Meinung und haben deshalb auch vergangenen Donnerstag gegen die Verlängerung gestimmt. Das Abstimmungsverhalten aller Abgeordneten finden Sie im Anhang.

Mit freundlichen Grüßen

Diether Dehm

(Antwort vom 4.12.2018, am 4.12. ergänzt.)

Bündnis 90/Die Grünen

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen stimmte geschlossen gegen einer Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration.

Renate Künast, MdB für Bündnis 90/Die Grünen (Sprecherin für Ernährungspolitik und Tierschutzpolitik)

Sehr geehrte Damen und Herren, 

liebe Freundin, lieber Freund, 

vor ab: Ich bin überwältigt über die vielen tausend Zuschriften, die ich zur betäubungslosen Ferkelkastration erhalten habe. Ich bin sehr dankbar darüber, dass Du Dich an der Mail-Aktion an uns Abgeordnete beteiligt hast. Mit einigen von euch hatte ich bereits am Rande der Demonstration gegen die betäubungslose Ferkelkastration am Sonntag in Berlin (https://provieh.de/demo-gemeinsam-gegen-ferkelkastration) gesprochen. Weil Ihr so viele seid kann ich euch leider nicht allen persönlich antworten. Dafür hast Du, so hoffe ich sehr, Verständnis. 

Zur Sache: 

Ich habe die betäubungslose Ferkelkastration abgelehnt. Das hast Du vielleicht auch schon mitbekommen (z.B. hier https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/tierschutz-duerfen-ferkel-doch-laenger-ohne-betaeubung-kastriert-werden/23693184.html). Im Bundestag habe ich mich gemeinsam mit den anderen Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen vehement dafür eingesetzt, dass der im Grundgesetz verankerte Tierschutz ernst genommen wird. 

Am Montag hatten wir dazu eine öffentliche Anhörung im Bundestag. Der von uns Grünen bestellte Sachverständige Prof. Dr. Bülte hat sehr klar hergeleitet, dass die Verlängerung gegen das Grundgesetz verstößt.   

Hierzu zwei Zitate aus der Stellungnahme von Prof. Bülte (https://www.bundestag.de/blob/579398/19a7e70e439be47a3fea34af8f2c3214/stellungnahme-einzelsachverstaendiger-prof--dr--buelte-data.pdf): 

S. 24, Nr. 105: Im Ergebnis muss bei der Gegenüberstellung der beteiligten und abzuwägenden Interessen konstatiert werden, dass der vorliegende Gesetzesentwurf einen besonders gravierenden Eingriff in das Verfassungsrechtsgut Tierschutz vorschlägt. Zur Rechtfertigung dieser schwerwiegenden Maßnahme wird in der Sache allein angeführt, sie sei notwendig, um eine Kostensteigerung für Agrarunternehmen zu verhindern, die zu Wettbewerbsnachteilen führen würde.  

S. 25, Nr. 107 […] Die Staatszielbestimmung des Tierschutzes als verfassungsrechtsgut würde dem Grunde nach in Frage stellt. Das steht dem Gesetzgeber ohne Verfassungsänderung nicht zu. 

Dienstag früh gab es zwei Sondersitzungen: Eine im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, eine im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz. In beiden hat sich die große Koalition mit ihrer Mehrheit durchgesetzt, auch die AfD stimmte zu.  

Unser Antrag 

Wir haben einen eigenen Antrag mit dem Titel “Tierschutz unverzüglich umsetzen” gestellt (http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/055/1905564.pdf). Hierin fordern wir nicht nur das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration. Denn dies ist schließlich nicht die einzige grausame Praxis, bei der Tiere heutzutage Schmerzen und Leiden erfahren müssen:  

Wir wollen strukturelle Verbesserungen des Tierschutzes. Dafür fordern wir etwa ein Klagerecht für Tierschutzverbände, die Anerkennung von Angst als Leid (was gerade bei Tierversuchen wichtig ist) und eine Bundesbeauftragte für Tierschutz, die Auskunfts- und Akteneinsichtsrechte besitzt, die Behörden und Institute kontrollieren kann und befugt ist, Klage zu erheben.

Wir wollen alle Tiere in der Landwirtschaft besser schützen. Dafür fordern wir etwa das Ende des Schwanzkupierens, ein Ende von Tiertransporte in EU-Drittstaaten, verbindliche Haltungs- und Managementvorschriften (auch für Fische und Krustentiere in Aquakulturen), ein nationales Monitoringsystem zur Tiergesundheit sowie ein nationales Kompetenzzentrum für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren. 

Wir wollen Tierschutz für Verbraucher*innen und mehr Transparenz. Dafür fordern wir etwa eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für sämtliche, auch verarbeitete Tierprodukte (von Lebensmitteln bis hin zu Bekleidung) - mit Kriterien, die ein Leben frei von Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst sicherstellen, eine klare Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmitteln, ein Verbot von Werbung und Produktaufmachungen, die kleinbäuerliche, tier- und artgerechte Tierhaltung vorgaukeln, obwohl es sich um Produkte aus industrieller Massentierhaltung handelt.

Wir wollen Tiere in der Unterhaltung und auch zuhause schützen. Dafür fordern wir etwa das Verbot von wildlebenden Tieren in Zirkussen, ein Ende der Delfinhaltung, ein generelles Verbot von Pelztieren, die Kennzeichnung und Registrierung aller Hunde und Katzen, einen Sachkundenachweis von exotischen Heimtieren und die verpflichtende Identitäts-Offenlegung beim Handel von Tieren über Online-Plattformen.

Diese und weitere Punkte thematisieren wir in unserem Antrag, hierüber wollen wir in einer gesonderten Beratung diskutieren.  

Am Donnerstag hat der Bundestag mit den Stimmen der Abgeordneten von Union, SPD und AfD dem Gesetzentwurf zugestimmt. Ich habe für die Grüne Fraktion geredet und unsere Gründe zur Ablehnung deutlich gemacht. Die Rede kann auf meiner Facebookseite mit Untertiteln und Datenerfassung oder in der Mediathek des Bundestages angesehen werden.

Rede mit Untertiteln bei Facebook: https://www.facebook.com/renate.kuenast/videos/2211189022259534/

Rede in der Mediathek des Bundestages:

https://dbtg.tv/fvid/7296552

Um nachvollziehen zu können, welche Abgeordneten sich für diesen Verstoß gegen das Grundgesetz und für mehr Tierleid aussprachen, haben wir eine namentliche Abstimmung beantragt. Die Ergebnisse sind auf den Seiten des Bundestages dargestellt und es kann auch mit der Postleitzahl nach den Abgeordneten des eigenen Wahlkreises gesucht werden:

https://www.bundestag.de/parlament/plenum/abstimmung/abstimmung?id=565

Am 14. Dezember wird das Gesetz noch dem Bundesrat vorgelegt, wir bleiben dran! 

Herzliche Grüße 

Renate Künast 

Irene Mihalic, MdB für Bündnis 90/Die Grünen (Sprecherin für Innenpolitik)

Liebe Damen und Herren von foodwatch,

liebe engagierte Menschen,

danke für Ihre Aktion! Bei uns laufen Sie damit offenen Türen ein. Meine Fraktionskolleginnen und ich persönlich lehnen die Aufschiebung der Frist für die Kastration ohne Betäubung ab, sowie auch die Alternativmethoden, deren wirksame Schmerzausschaltung nicht belegt ist (wie etwa die aktuell debattierte Lokalanästhesie). Aber das ist nicht alles. Wir wollen mehr, viel mehr für alle Tiere.  Wir wollen eine Öffnung des Tierschutzgesetzes dazu zu nutzen, vor allem auch das millionenfache Leid der Tiere in der industriellen Massentierhaltung in diesem Land deutlich zu verbessern. Daher fordern wir:

- Das Beenden von Amputationen (wie etwa das Abschneiden der Ringelschwänze) und Qualzucht

- Einen Ausstiegsplan für die Haltung von Sauen im Kastenstand bis spätestens 2027

- Eine Begrenzung von Tiertransporten innerhalb Deutschlands auf eine Dauer von höchstens vier Stunden

- Die Einführung eines nationalen Haltungsmonitorings von Tieren in der Landwirtschaft

- Die Schaffung eines bundesweiten Verbandsklagerechts für anerkannte Tierschutzorganisationen

Nur derzeit ist es im Bundestag so, dass sämtliche - durch die Grünen eingebrachten - parlamentarischen Initiativen zu Tier-, Arten- und Naturschutz (bzw. allgemein  den Umwelt- und Klimaschutz betreffenden Vorschläge) mit den Mehrheiten der Regierungsfraktionen und natürlich auch meistens mit Unterstützung der neoliberalen und konservativ bis offen rechten Kreise hier im Bundestag abgelehnt werden. Sie können sich im Detail über unsere einzelnen - und größtenteils abgeschmetterten -  Initiativen auf der Seite https://www.bundestag.de/drucksachen informieren. Auf der Homepage der grünen Bundestagsfraktion https://www.gruene-bundestag.de/ sehen Sie, wofür wir Grüne stehen.

Für mich ist der Schutz unserer natürlichen Umwelt übrigens keine Frage einer Ideologie, wie uns Grüne aus neoliberalen und konservativen Kreisen immer wieder vorgehalten wird. Nein, es ist eine Überlebensfrage und damit eine Frage des gesunden Menschenverstandes endlich Gesetzesinitiativen auf den Weg zu bringen, die die industrielle  Landwirtschaft  veranlassen, ihr "heiliges" Ziel der Maximalprofite - auf Kosten der Umwelt und auf dem Rücken der Tiere - aufzugeben und ihren Beitrag zu einer gesunden Umwelt, der Arterhaltung, dem Klimaschutz und dem Wohlergehen der Tiere zu leisten. Aber so wie ich die politischen Akteure in der Bundesregierung erlebe, setzen sich immer wieder die Lobbyinteressen der Agrarkonzerne durch. Es sei denn, der öffentliche Druck, der durch Skandale im Bereich der Tierhaltung entsteht (Dioxin in Eiern, Vogelgrippe, Rinderwahnsinn oder aktuell Schweinepest), ist so hoch, das man dem letztlich doch irgendwie Rechnung tragen muss. Leider sind dies dann halbherzige, häufig nur die Öffentlichkeit beruhigende und untaugliche (Abschuss von Wildschweinen, auch von Muttertieren und ihren Frischlingen) aber nicht sehr wirkungsvolle Maßnahmen. Man müsste die grundsätzlichen Strukturen angehen.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen und für Ihr Engagement. Und ich kann Ihnen sagen, wir alle gemeinsam - meine KollegInnen von den Grünen hier im Bundestag und in den Ländern, - wir geben nicht auf, weiter für eine Agrarwende in Deutschland zu streiten. Und wir sind für jeden Bürger und jede Bürgerin dankbar, die uns dabei mit Ideen und Engagement zur Seite stehen.

Also in diesem Sinne noch mal herzlichen Dank für die Aktion! In der Hoffnung, dass Ihr Anliegen in den Regierungsfraktionen der CDU/CSU und SPD sowie bei den zuständigen Regierungsmitgliedern endlich auch auf offenere Ohren stößt!

Gerne können Sie meine Stellungnahme auf Ihrer Homepage veröffentlichen, um es den vielen Unterstützinnen und Unterstützern zugänglich zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Irene Mihalic

 

Dr. Irene Mihalic

Mitglied des Deutschen Bundestages

Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

Sprecherin für Innenpolitik

Es gibt praxistaugliche Alternativen

Jahr für Jahr werden in Deutschland rund 20 Millionen Ferkel ohne Betäubung kastriert. Der Grund: Das Fleisch von männlichen Schweinen kann unter Umständen den sogenannten Ebergeruch annehmen, einen strengen Geruch und damit auch Beigeschmack. Das wird durch die Kastration verhindert. Es gibt jedoch schon längst Alternativen zu dem blutigen Ritual. Zum Beispiel eine Impfung, die so genannte Immunokastration. Für die Ferkel bedeutet das nur zwei Pikser. Und für Verbraucherinnen und Verbraucher, die das Schweinefleisch später verzehren, bringt die Impfung keinerlei Risiken und kaum Mehrkosten mit sich.

Deutsche Supermarktketten sind offen für Immunokastration

Auch die meisten deutschen Supermarktketten sprechen sich gegen die betäubungslose Kastration von Ferkeln aus. Aldi, Lidl & Co. haben keine Bedenken gegen tierschonende Alternativen wie die Immunokastration. Das ergab eine foodwatch-Umfrage unter neun großen Handelsunternehmen. Die Angaben der Supermarktketten widerlegen die Behauptung der Agrar- und Fleischlobby, wonach die Impfung vom Handel und den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht akzeptiert würde.

Der Protest geht weiter

foodwatch wird sich auch in den kommenden Jahren für das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln einsetzen. Darüber hinaus fordert foodwatch alle Handelsketten auf, trotz Fristverlängerung ab 2019 kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Ferkeln zu verkaufen und die Immunokastration als erwiesenermaßen tierschonendste Form der Ferkelkastration zu akzeptieren.

© Foto: fotolia.com/Karl Lugmayer

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<![CDATA[Wie laufen eigentlich Lebensmittelrückrufe ab?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/wie-laufen-eigentlich-lebensmittelrueckrufe-ab/Thu, 29 Nov 2018 12:24:00 +0100

Martin Rücker von foodwatch antwortet:

In Deutschland werden im Schnitt etwa drei Lebensmittel pro Woche zurückgerufen. Zum Beispiel, weil sie Fremdkörper wie Glassplitter oder Plastikteile enthalten oder mit Salmonellen oder Listerien belastet sind. Im Fall der Fälle ist wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher schnellstmöglich gewarnt werden. Sonst kann es gefährlich werden. Doch wann muss vor einem Lebensmittel gewarnt werden? Wie erfahre ich von Lebensmittelrückrufen? Und was mache ich, wenn ich selbst ein unsicheres Lebensmittel entdecke?

Wann muss ein Lebensmittel zurückgerufen werden?

Nach europäischem Recht tragen die Unternehmen die Hauptverantwortung für die Sicherheit ihrer Lebensmittel – und damit auch für die Entscheidung, ob ein Produkt zurückgerufen wird oder nicht. Sobald ihnen durch Selbstkontrollen, durch Tests der Behörden oder durch eine Information aus der Kundschaft bekannt wird, dass ein Lebensmittel „nicht sicher“ ist, müssen sie „unverzüglich“ mit der Gefahrenabwehr beginnen. Wenn das Produkt die Verbraucherinnen und Verbraucher bereits erreicht haben könnte, muss es öffentlich zurückgerufen werden. Das bedeutet, dass das Produkt nicht nur still und leise aus den Regalen geräumt werden darf, sondern die Verbraucherinnen und Verbraucher öffentlich über den Rückruf informiert werden müssen, meist verbunden mit einer Verzehrwarnung und der Bitte, die betroffenen Lebensmittel zurückzubringen. Soweit die Theorie. In der Praxis kommt es stark auf den Willen und die Kompetenz des Unternehmens an – und auf die Abwägung zwischen Verbraucherschutz und einem möglichen Imageverlust. 

Wie erfahre ich von Lebensmittelrückrufen?

Leider erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher in dem allermeisten Fällen nichts von den Rückrufen oder werden zu spät informiert. Das liegt zum einen daran, dass Supermärkte nur in den seltensten Fällen alle ihre Kanäle nutzen, um vor einem unsicheren Lebensmittel zu warnen. Wir haben für einen foodwatch-Report große Handelsketten befragt, wie sie über Rückrufe informieren. Das Ergebnis: Kaum ein Supermarkt macht Aushänge an zentraler Stelle im Markt über alle Rückrufaktionen aus seinem Sortiment. Meist wird nur über Eigenmarken informiert. Die Hersteller gaben zwar an, dass es zum Standard gehöre, eine Pressemitteilung zu verschicken. Doch ob diese von den Medien aufgegriffen wird und wir in der Zeitung oder im Radio von einem Rückruf erfahren, hängt stark von der Bekanntheit des betroffenen Herstellers ab. Sind unbekannte Marken betroffen, erfahren wir häufig nichts von der Gesundheitsgefahr. Und obwohl die meisten Handelsketten über ihre Social-Media-Kanäle und Newsletter eine Menge Menschen erreichen könnten, weisen sie darin nur in Ausnahmefällen auf Rückrufe hin. 

Behörden informieren zu spät

Die für Lebensmittelsicherheit zuständigen Behörden dürfen in den meisten Fällen nicht mit einer eigenen Warnung an die Öffentlichkeit gehen, wenn sie von einem unsicheren Lebensmittel erfahren. In der Regel verbreiten sie lediglich weiter, wenn ein Unternehmen einen Rückruf bereits veröffentlicht hat – doch auch das funktioniert mehr schlecht als recht. Oftmals sind die Behörden zu langsam, wenn es um die Verbreitung von bereits erfolgten Rückrufen geht. 2011 hatten Bund und Länder die Internetseite www.lebensmittelwarnung.de als zentrale Informationsplattform für Verbraucherinnen und Verbraucher gestartet – ein Anspruch, den das Portal allerdings bis heute nicht erfüllt. Die Seite ist unübersichtlich, liefert Rückrufhinweise nur lückenhaft – und jede zweite Meldung erfolgt verzögert. Zudem bietet sie keinen Newsletter an, der Verbraucherinnen und Verbraucher über die aktuellen Rückrufe informiert. Die von einem Privatmann betriebene Seite www.produktrueckrufe.de verbreitet Lebensmittelwarnungen häufig schneller als die behördliche Seite. Sie bietet auch die Möglichkeit, sich über verschiedene Social-Media-Kanäle auf dem Laufenden zu halten.

Was mache ich, wenn ich selbst ein unsicheres Lebensmittel entdecke?

Entdeckt man selbst ein Lebensmittel, das gefährlich sein könnte, meldet man dies am besten sofort dem Hersteller. Zudem sollte man ein Lebensmittelüberwachungs- oder Veterinäramt  informieren – am besten in der Kommune, in der Sie das Produkt gekauft haben. Die zuständigen Behörden sind verpflichtet, solchen Beschwerden nachzugehen.

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[EU nimmt geplante Lockerung der Quecksilber-Grenzwerte für Fisch zurück – 80.000 Unterschriften bei Online-Protestaktion – foodwatch fordert Reduktion der Quecksilber-Belastung]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/eu-nimmt-geplante-lockerung-der-quecksilber-grenzwerte-fuer-fisch-zurueck-80000-unterschriften-bei-online-protestaktion-foodwatch-fordert-reduktion-der-quecksilber-belastung/Wed, 28 Nov 2018 10:13:00 +0100

Die Europäische Union will die Grenzwerte für Quecksilber in Fisch nun doch nicht lockern. Die EU-Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherschutz hat angekündigt, entsprechende Pläne nicht weiter zu verfolgen. Die EU-Kommission wollte eigentlich bei bestimmten Fischsorten eine deutlich höhere Dosis des Nervengifts erlauben und hatte dazu bereits vor drei Jahren einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt. Die Verbraucherorganisation foodwatch hatte die geplante Lockerung der Grenzwerte damals öffentlich gemacht und scharf kritisiert. Fast 80.000 Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und den Niederlanden unterzeichneten eine Online-Protestaktion. Jetzt ist die Grenzwert-Anhebung vom Tisch, wie der zuständige EU-Ausschuss bestätigte. foodwatch begrüßte den Schritt, forderte aber gleichzeitig, Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Quecksilber in Lebensmitteln zu schützen.

„Die Quecksilber-Höchstwerte für einige Fischarten sind bereits deutlich höher als bei anderen Lebensmitteln – eine noch weitere Lockerung der Grenzwerte wäre absolut unverantwortlich gewesen, denn insbesondere Schwangere und kleine Kinder müssen viel konsequenter vor diesem Schwermetall geschützt werden“, erklärte Matthias Wolfschmidt, internationaler Kampagnendirektor von foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte die Europäische Kommission auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Belastung der Bürgerinnen und Bürger mit Quecksilber zu senken. So müsse der Einsatz von schwermetallhaltigen Pflanzenschutzmitteln schnellstmöglich verboten und der Quecksilberausstoß durch Kohlekraftwerke reduziert werden. Beides sind Haupteintragswege für Quecksilber in der Lebensmittelkette. „Anstatt die Höchstwerte für die Quecksilber-Belastung einfach heraufzusetzen, nur damit weiterhin hochbelasteter Fisch verkauft werden darf, muss die EU-Kommission alles daran setzen, die Belastung für Menschen zu senken“, so Matthias Wolfschmidt.      

Die Europäische Kommission hatte geplant, den zulässigen Quecksilber-Höchstwert bei Raubfischen von einem auf zwei Milligramm pro Kilogramm Fisch zu verdoppeln. Damit sollte erreicht werden, dass die Fischindustrie große Mengen ihres hochgradig mit Quecksilber belasteten Fangs legal vermarkten kann. Untersuchungen der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zeigen, dass insbesondere große Raubfische am Ende der Nahrungskette wie Schwert- und Thunfische oft deutlich höher mit Quecksilber belastet sind, als es die geltenden Grenzwerte eigentlich erlauben. Heute dürfen etwa 50 Prozent des Fangs nicht verkauft werden – die geplante Lockerung der Grenzwerte hätte zur Folge gehabt, dass nur noch 14,5 Prozent des Fangs als unverkäuflich eingestuft würden. Die gesundheitlichen Risiken für die Verbraucherinnen und Verbraucher hätte sich dadurch deutlich erhöht, so foodwatch. In einem Arbeitsgruppen-Treffen im September im zuständigen SCOPAFF-Ausschuss (Ständiger Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel) kündigte die EU-Kommission allerdings an, die Grenzwerte nun doch nicht anzuheben. Das zeigt eine jetzt im November veröffentlichte offizielle Zusammenfassung des Treffens.

Quecksilber ist ein für den Menschen hochgiftiges Schwermetall. Es wird etwa von Kohlekraftwerken in die Luft oder als Bestandteil von Agrochemikalien in Böden und Gewässer freigesetzt. Im Meer wird daraus das 100-fach giftigere Methyl-Quecksilber, welches von Fischen aufgenommen wird. Die Verschmutzung der Weltmeere mit dem Nervengift birgt ein gravierendes gesundheitliches Risiko, vor dem die deutsche Bundesregierung insbesondere Schwangere und (Klein-) Kinder warnt. Das Schwermetall kann zu Entwicklungsstörungen des Fötus führen und bei Erwachsenen für eine Reihe von Nervenstörungen verantwortlich sein. Besonders hoch mit Quecksilber belastet sind Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen, wie Hai-, Schwert- und Thunfische.

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<![CDATA[„Tierschutz unerwünscht“: Ministerin Klöckner beruft Geheimtreffen zur Ferkelkastration fast ohne Kritiker ein – foodwatch: Lebensmittelhandel darf Verlängerung der betäubungslosen Kastration nicht zustimmen ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/tierschutz-unerwuenscht-ministerin-kloeckner-beruft-geheimtreffen-zur-ferkelkastration-fast-ohne-kritiker-ein-foodwatch-lebensmittelhandel-darf-verlaengerung-der-betaeubungslosen-kastration-nicht-zustimmen/Tue, 27 Nov 2018 09:49:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Julia Klöckner für ihren „Runden Tisch Ferkelkastration“ kritisiert. Die Bundesagrarministerin wirbt am Dienstag bei einem nicht öffentlichen Treffen mit der Agrarindustrie, dem Lebensmittehandel und mit Tierärzten für die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration. Zugleich soll über die Alternativen zur betäubungslosen Kastration gesprochen werden. Tierschützer sind jedoch zu dem Treffen laut offizieller Einladung nicht eingeladen, wie foodwatch heute öffentlich machte.

„Die Bundesagrarministerin verweigert den deutschen Tierschutzorganisationen die Mitsprache am ‚Runden Tisch‘, weil sie Kritik an der Verlängerung der grausamen betäubungslosen Ferkelkastration nicht hören will“, erklärte Matthias Wolfschmidt von foodwatch. Die Verbraucherorganisation machte die Einladung zu dem „Runden Tisch Ferkelkastration“ heute öffentlich. Julia Klöckner hat für Dienstag, 27. November, unter anderem den gesamten Lebensmitteleinzelhandel, Unternehmen der Schlachtindustrie, den Bauernverband und Raiffeisenverband, die Bundestierärztekammer, den Bund der beamteten Tierärzte und den Bund der praktizierenden Tierärzte sowie eine Reihe Bundestagsabgeordneter aus dem Agrarausschuss in ihr Ministerium geladen, um über die zweijährige Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zu beraten und „gemeinsam die nächsten Schritte zur Umsetzung der Alternativen erörtern“. Vertreterinnen und Vertreter von Tierschutzorganisationen sind jedoch offenbar nicht eingeladen. „Frau Klöckner will den Lebensmittelhandel dazu bringen, den Verbraucherinnen und Verbrauchern noch zwei Jahre lang Fleisch von unbetäubt kastrierten Schweinen anzudienen. Was für eine armselige Farce. Wir fordern den Lebensmitteleinzelhandel auf, sich keinen Millimeter zurück ins Mittelalter drängen zu lassen. Die tierschonendste Alternative zur betäubungslosen Kastration ist die Impfung. Sie ist praxisfähig, sicher und wird von Frau Klöckners eigenen Wissenschaftlern gefordert“, so Matthias Wolfschmidt. Anders als von Agrar- und Fleischlobby behauptet, habe sich der Lebensmittelhandel in weiten Teilen längst deutlich für mehr Tierschutz und schonendere Alternativen ausgesprochen, darunter auch die Impfung gegen Ebergeruch, die sogenannte Immunokastration.

Die Große Koalition will das Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel, das 2019 in Kraft treten sollte, um weitere zwei Jahre verschieben. In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen männliche Ferkel geboren und meist ohne Betäubung kastriert, um zu verhindern, dass ihr Fleisch später den sogenannten "Ebergeruch" annimmt. Als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration stehen aktuell drei Methoden zur Verfügung: die Kastration mit Betäubung, die Jungebermast und die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration). Bei der seit 2009 in der EU zugelassenen Immunokastration müssen die Schweine zweifach geimpft werden, um die Bildung der Hauptverursacher des Ebergeruchs zu unterdrücken.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut), das dem Bundesernährungsministerium von Julia Klöckner unterstellt ist, bewertet die Impfung gegen Ebergeruch aus tierschutzfachlicher Sicht als „die mit Abstand geeignetste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration“. Die Belastung der Tiere sei vergleichsweise gering und es gebe keine Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher. Rund 85.000 Menschen unterstützen eine E-Mail-Petition von foodwatch gegen die betäubungslose Ferkelkastration und für die Anwendung der Immunokastration unter www.aktion-ferkelkastration-protestieren.foodwatch.de.

Link:

E-Mail-Aktion von foodwatch gegen Ferkelkastration: www.aktion-ferkelkastration-protestieren.foodwatch.de

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<![CDATA[Erfolg: Landliebe muss Kakao-Werbung stoppen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/erfolg-landliebe-muss-kakao-werbung-stoppen/Mon, 26 Nov 2018 10:35:00 +0100

Nach einer Abmahnung durch foodwatch hat die Molkerei Landliebe ihre haarsträubenden und zugleich unerlaubten Werbeaussagen zu gezuckerter Schulmilch zurückgezogen. Auf Slogans wie „Kakao steigert die Intelligenz“ wird das Unternehmen in Zukunft verzichten. Für Berlin und Brandenburg ist die Causa besonders peinlich. 

Das zum Friesland-Campina-Konzern gehörende Unternehmen Landliebe bewarb in einer Elternbroschüre und im Internet gesüßte Schokomilch als gesundheitsförderlich – mit unzulässigen Aussagen, wie „Kakao steigert die Intelligenz“, „macht geistig fit“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. Die Aussagen gehen auf Auftragsstudien zurück, die foodwatch als unseriös und wissenschaftlich nicht haltbar einstufte.

In einer Unterlassungserklärung verpflichtete sich die Molkerei, diese Aussagen nicht weiter zu verwenden. Sie zog die Elternbroschüre zum Schulmilchprogramm zurück und entfernte die unzulässige Werbung für den Kakao von seinen Internetseiten.

Blamage für Berlin und Brandenburg

Berlin und Brandenburg hatte sein gemeinsames Schulmilchprogramm ausgerechnet mit den unerlaubten Werbeaussagen von Landliebe begründet, weshalb trotz aller Kritik weiterhin gezuckerte Milchprodukte staatlich subventioniert werden. 

foodwatch forderte Berlin und Brandenburg sowie Nordrhein-Westfalen auf, die Subventionen für Milchgetränke mit Zuckerzusätzen an Schulen zu stoppen. Die drei Bundesländer sind die einzigen, die im Rahmen ihrer Schulmilchprogramme noch an der steuerfinanzierten Förderung von gezuckerten Produkten wie Kakao festhalten. 

„Um die staatlich geförderte Überdosis Zucker weiterhin gewinnbringend an die Schulen liefern zu dürfen, hat Landliebe jahrelang unzulässig Märchen über die vermeintlich positive Wirkung von Schokomilch verbreitet. Schlimm genug, dass einige Bundesländer das bis heute unkritisch mitgemacht haben – wenn es den Bundesländern um die Gesundheit der Kinder und nicht um den Profit der Milchindustrie geht, sollte mit dem Zuckermilchprogramm in Schulen nun endlich Schluss sein“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Verstoß gegen EU-Recht

Die Landliebe-Werbung zu gesüßter Schulmilch verstieß gegen europäisches Lebensmittelrecht. Denn gesundheitsbezogene Werbeaussagen müssen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 260 solcher „Health Claims“. Die abgemahnten Werbesprüche gehören jedoch nicht dazu.

Zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten sprechen sich klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen aus gesundheitlichen Gründen keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. Brandenburg, Berlin und NRW jedoch haben eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter auch Kakao und Co. an Schulen fördern zu können. Alle anderen Bundesländer subventionieren, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen.

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<![CDATA[Gesund-Werbung für Schulkakao unzulässig: Landliebe muss Elternbroschüre zurückziehen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/gesund-werbung-fuer-schulkakao-unzulaessig-landliebe-muss-elternbroschuere-zurueckziehen/Fri, 23 Nov 2018 09:57:00 +0100
  • foodwatch fordert Subventionsstopp für gezuckerte Schulmilchprodukte
  • Verbraucherorganisation: Ernährungsministerin Julia Klöckner soll Stellung beziehen
  • Behörde hatte mit den rechtswidrigen Werbe-Behauptungen Landliebes das Festhalten an Förderung von gezuckerter Schulmilch in Berlin/Brandenburg begründet

Nach einer Abmahnung durch die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Molkerei Landliebe unerlaubte Werbeaussagen zu gezuckerter Schulmilch zurückgezogen. Das zum Friesland-Campina-Konzern gehörende Unternehmen bewarb in einer Elternbroschüre und im Internet gesüßte Schokomilch als gesundheitsförderlich – mit unzulässigen Aussagen, wie der größte Schulmilchlieferant nun einräumte. Um den wegen seines Zuckergehalts in der Kritik stehenden Schulkakao bei Eltern, Schülern und Lehrern zu bewerben, hatte Landliebe unter anderem behauptet: „Kakao steigert die Intelligenz“, „macht geistig fit“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. In einer Unterlassungserklärung verpflichtete sich die Molkerei, diese und weitere Aussagen nicht weiter zu verwenden. Sie zog die Elternbroschüre zum Schulmilchprogramm zurück und entfernte die unzulässige Werbung für den Kakao von seinen Internetseiten.

foodwatch bewertete dies auch als „Blamage“ für Berlin und Brandenburg. Denn die für das gemeinsame Schulmilchprogramm beider Länder zuständige Behörde hatte explizit mit den nun zurückgezogenen, unzulässigen Werbeaussagen Landliebes begründet, weshalb trotz aller Kritik weiterhin gezuckerte Milchprodukte subventioniert werden. „Um die staatlich geförderte Überdosis Zucker weiterhin gewinnbringend an die Schulen liefern zu dürfen, hat Landliebe jahrelang unzulässig Märchen über die vermeintlich positive Wirkung von Schokomilch verbreitet. Schlimm genug, dass einige Bundesländer das bis heute unkritisch mitgemacht haben – wenn es den Bundesländern um die Gesundheit der Kinder und nicht um den Profit der Milchindustrie geht, sollte mit dem Zuckermilchprogramm in Schulen nun endlich Schluss sein“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Die Verbraucherorganisation forderte Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg auf, die Subventionen für Milchgetränke mit Zuckerzusätzen an Schulen zu stoppen. Die drei Bundesländer sind die einzigen, die im Rahmen ihrer Schulmilchprogramme noch an der steuerfinanzierten Förderung von gezuckerten Produkten wie Kakao festhalten. Auch von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner erwartet foodwatch ein deutliches Signal: „Es kann nicht sein, dass sich Frau Klöckner einerseits für Zuckerreduktion ausspricht und andererseits ohne mit der Wimper zu zucken hinnimmt, dass der Zuckerkonsum an den Schulen staatlich gefördert wird“, so Martin Rücker.

Landliebe ist der größte Schulmilch-Lieferant in Deutschland. Mit den Gesundheitsbotschaften rückte das Unternehmen seine gezuckerten Milchmischgetränke in ein positives Licht und bewarb diese gezielt bei Eltern, Schulen und auch bei Landesministerien. In einer Elternbroschüre behauptete Landliebe beispielsweise, dass Schüler durch den Verzehr der gezuckerten Schokomilch in den „Bereich optimaler geistiger Leistungsfähigkeit“ gelangten. Die Aussagen gehen auf Auftragsstudien zurück, die foodwatch als unseriös und wissenschaftlich nicht haltbar einstufte. Unzulässige Gesundheitsaussagen hatte der Molkereikonzern auch per Newsletter an Entscheidungsträger etwa in Landesministerien geschickt. Die für das Schulmilchprogramm in Berlin und Brandenburg zuständige Behörde, das Brandenburger Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF), verwies gegenüber foodwatch auf die Frage nach den Gründen für die Förderung von gezuckerten Schulmilchprodukten auch explizit auf diesen Newsletter.

Die Landliebe-Werbung zu gesüßter Schulmilch verstieß gegen europäisches Lebensmittelrecht. Denn gesundheitsbezogene Werbeaussagen müssen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 260 solcher „Health Claims“. Die abgemahnten Werbesprüche gehören jedoch nicht dazu – foodwatch ist auch nicht bekannt, dass das Unternehmen jemals versucht habe, die Aussagen überprüfen und genehmigen zu lassen. Landliebe erklärte jetzt, man werde „die Angaben künftig nicht mehr verwenden“ – verteidigte aber gleichzeitig seinen gesüßten Schul-Kakao. Zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten sprechen sich allerdings klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen aus gesundheitlichen Gründen keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. Brandenburg, Berlin und NRW jedoch haben eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter auch Kakao und Co. an Schulen fördern zu können. Alle anderen Bundesländer subventionieren, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen.

Anfang Oktober hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf: Von gekauften Studien bis zur wundersamen Partnerschaft von Milchwirtschaft und Politik“ veröffentlicht, der auf mehr als 80 Seiten die jahrzehntelangen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik entlarvt. Am Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt der foodwatch-Report, wie das Schulmilchprogramm alles einem Ziel unterordnet: der Förderung des Milchabsatzes.

E-Mail-Protestaktion von foodwatch: www.aktion-schulmilch.foodwatch.de

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<![CDATA[Nestlé, Unilever und Co. stoppen irreführende Industrie-Ampel]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/nestle-unilever-und-co-stoppen-irrefuehrende-industrie-ampel/Wed, 21 Nov 2018 15:21:00 +0100

Fünf große Lebensmittelkonzerne, darunter Nestlé und Unilever, haben ihr Projekt für eine eigene Nährwert-Ampel gestoppt. foodwatch und weitere Verbraucherorganisationen hatten die „Industrie-Ampel“ zuvor als irreführend kritisiert, da sie Lebensmittel gesünder aussehen lässt als sie in Wirklichkeit sind. Selbst bei Produkten wie Nutella oder Tuc-Crackern hätte die Ampel nicht Rot gezeigt.

Die Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever kündigten am Dienstag an, den Testlauf für die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Industrie-Ampel abzubrechen. Mars war bereits im März dieses Jahres aus dem Industrie-Projekt ausgestiegen. foodwatch forderte die Konzerne auf, stattdessen das französische Ampel-Modell Nutri-Score zu übernehmen, das von unabhängigen Experten entwickelt wurde. Iglo und Danone haben bereits angekündigt, den Nutri-Score in Deutschland zu verwenden.

„Nestlé, Unilever und Co. wollten mit ihrer Industrie-Ampel Verbraucherinnen und Verbraucher an der Nase herumführen. Das ist der beste Beweis, dass sich die Lebensmittelindustrie ihre Nährwert-Kennzeichnung nicht selbst ausdenken darf. Die irreführende Fake-Ampel wurde zurecht auf Eis gelegt. Die Konzerne sollten sich ein Beispiel an Iglo und Danone nehmen und den verbraucherfreundlichen Nutri-Score verwenden, der von mehreren europäischen Regierungen offiziell unterstützt wird.“

Luise Molling, foodwatch

Die sechs großen Lebensmittelkonzerne hatten Ende 2017 ihre Pläne für eine eigene Nährwert-Ampel vorgestellt. Im Gegensatz zu dem erstmals 2007 von der britischen Lebensmittelbehörde FSA konzipierten Original-Ampelsystem sollte das Modell der "Big Six" allerdings deutlich weniger rote Ampeln zeigen. Ein Vergleichstest von foodwatch hatte im Januar 2018 gezeigt, wie Verbraucherinnen und Verbraucher mit der geplanten Ampel der Industrie in die Irre geführt würden: Selbst eine Süßigkeit wie Nutella von Ferrero, das zu rund 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, hätte keine rote Ampel erhalten.

Im Gegensatz zu den „Big Six“ setzen in Deutschland bereits zwei Unternehmen auf ein unabhängig entwickeltes Ampelmodell: Danone und Iglo haben angekündigt, den französischen Nutri-Score ab 2019 freiwillig einführen zu wollen. Der Nutri-Score nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Die Kennzeichnung wurde von französischen Wissenschaftlern entwickelt und wird von der französischen, der belgischen und auch der spanischen Regierung offiziell empfohlen.  

foodwatch forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, der Diskussion nicht länger tatenlos zuzusehen. Wenn die Ministerin Übergewicht und Fettleibigkeit effektiv bekämpfen will, muss sie dem Beispiel Großbritanniens, Frankreichs, Spaniens und Belgiens folgen und ihren Widerstand gegen farbliche Kennzeichnungsmodelle aufgeben. Zusätzlich brauchen wir Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und steuerliche Anreize für gesündere Rezepturen.

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<![CDATA[Nach Kritik: Nestlé, Unilever und Co. stoppen irreführende Industrie-Ampel – foodwatch fordert Einführung französischer Ampelkennzeichnung Nutri-Score ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-kritik-nestle-unilever-und-co-stoppen-irrefuehrende-industrie-ampel-foodwatch-fordert-einfuehrung-franzoesischer-ampelkennzeichnung-nutri-score/Wed, 21 Nov 2018 12:39:00 +0100

Fünf große Lebensmittelkonzerne, darunter Nestlé und Unilever, haben ihr Projekt für eine eigene Nährwert-Ampel gestoppt. foodwatch und weitere Verbraucherorganisationen hatten die „Industrie-Ampel“ zuvor als irreführend kritisiert, da sie Lebensmittel gesünder aussehen lässt als sie in Wirklichkeit sind. Selbst bei Produkten wie Nutella oder Tuc-Crackern hätte die Ampel nicht Rot gezeigt. foodwatch forderte die Konzerne auf, stattdessen das französische Ampel-Modell zu übernehmen, das von unabhängigen Experten entwickelt wurde. Iglo und Danone haben bereits angekündigt, den Nutri-Score in Deutschland zu verwenden. 

„Nestlé, Unilever und Co. wollten mit ihrer Industrie-Ampel Verbraucherinnen und Verbraucher an der Nase herumführen. Das ist der beste Beweis, dass sich die Lebensmittelindustrie ihre Nährwertkennzeichnung nicht selbst ausdenken darf. Die irreführende Fake-Ampel wurde zurecht auf Eis gelegt“, sagte Luise Molling von foodwatch. „Die Konzerne sollten sich ein Beispiel an Iglo und Danone nehmen und den verbraucherfreundlichen Nutri-Score verwenden, der von mehreren europäischen Regierungen offiziell unterstützt wird.“

Die Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo, Unilever und Mars hatten Ende 2017 ihre Pläne für eine eigene Nährwert-Ampel vorgestellt. Im Gegensatz zu dem erstmals 2007 von der britischen Lebensmittelbehörde FSA konzipierten Original-Ampelsystem sollte das Modell der "Big Six" allerdings deutlich weniger rote Ampeln zeigen. Ein Vergleichstest von foodwatch hatte im Januar 2018 gezeigt, wie Verbraucherinnen und Verbraucher mit der geplanten Ampel der Industrie in die Irre geführt würden: Selbst eine Süßigkeit wie Nutella von Ferrero, das zu rund 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, hätte keine rote Ampel erhalten. Im März dieses Jahres war bereits Mars aus dem Industrie-Projekt ausgestiegen. Am Dienstag kündigten nun auch die verbliebenen fünf Konzerne an, den Testlauf für die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Industrie-Ampel abzubrechen. Für Getränke solle der Ampel-Test jedoch weitergeführt werden. 

Im Gegensatz zu den „Big Six“ setzen in Deutschland bereits zwei Unternehmen auf ein unabhängig entwickeltes Ampelmodell: Danone und Iglo haben angekündigt, den französischen Nutri-Score ab 2019 freiwillig einführen zu wollen. Der Nutri-Score nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Die Kennzeichnung wurde von französischen Wissenschaftlern entwickelt und wird von der französischen, der belgischen und auch der spanischen Regierung offiziell empfohlen.  

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner dürfe der Diskussion nicht länger tatenlos zusehen, forderte foodwatch. „Wenn Frau Klöckner Übergewicht und Fettleibigkeit effektiv bekämpfen will, muss sie dem Beispiel Großbritanniens, Frankreichs, Spaniens und Belgiens folgen und ihren Widerstand gegen farbliche Kennzeichnungsmodelle aufgeben“, sagte Luise Molling von foodwatch. „Zusätzlich brauchen wir Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und steuerliche Anreize für gesündere Rezepturen.“

Seit Ende 2016 gilt für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen. Zusätzlich können Lebensmittelhersteller auf der Vorderseite weiterführende Angaben machen. Über die Form und Ausgestaltung dieser Kennzeichnung auf der Vorderseite wird seit Jahren gestritten.

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<![CDATA[Presse-Statement: Klöckners „Strategie“ für weniger Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln ist eine Kapitulationserklärung vor den Interessen der Ernährungsindustrie]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-kloeckners-strategie-fuer-weniger-zucker-fett-und-salz-in-lebensmitteln-ist-eine-kapitulationserklaerung-vor-den-interessen-der-ernaehrungsindustrie/Tue, 20 Nov 2018 16:34:00 +0100

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hat ihre „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ vorgestellt. Erklärtes Ziel des Papiers ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Dazu erklärt Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Statt die Industrie in die Pflicht zu nehmen, setzt Frau Klöckner ihren Kuschelkurs mit der Lebensmittelwirtschaft fort. Andere Länder machen Ernst im Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit und führen Ampelkennzeichnungen ein, beschränken die Werbung an Kinder oder besteuern überzuckerte Limonaden. Frau Klöckner bittet die Hersteller freundlich, ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte zu kippen – und überlässt es den Unternehmen, ob sie mitmachen oder nicht. Bei der Lebensmittel–Lobby werden heute die Sektkorken knallen, denn unter Bundesernährungsministerin Klöckner haben Sie nichts zu befürchten.“

Hintergrund:

Das als „Strategie“ bezeichnete Papier von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner bleibt meilenweit hinter den seit Jahren erhobenen Forderungen und Empfehlungen der medizinischen Fachwelt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas zurück. Schon seit Jahren fordern medizinische Fachgesellschaften oder auch die Weltgesundheitsorganisation wirksame politische Maßnahmen ein. Noch im Mai dieses Jahres hatte ein breites Bündnis aus Fachorganisationen und mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzten in einem Offenen Brief von der Bundesregierung die Einführung einer Ampelkennzeichnung, gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung oder auch die Einführung einer Limo–Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens gefordert. All dies findet sich in Frau Klöckners Papier nicht wieder. Stattdessen setzt das Ministerium auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Ernährungsbranche. Dies ist aus Sicht von foodwatch eine Kapitulationserklärung vor den Interessen der Ernährungsindustrie. 

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<![CDATA[Das schlägt dem Fass den Boden aus!]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/das-schlaegt-dem-fass-den-boden-aus/Mon, 19 Nov 2018 14:56:00 +0100Hallo und guten Tag,

die meisten Menschen haben EINEN Job und sind damit voll ausgefüllt. Andere brauchen zwei, um irgendwie über die Runden zu kommen. Und dann gibt es da noch einige Bundestagsabgeordnete, die ganz viele Jobs haben - neben ihrem Mandat. So, wie Johannes Röring, einer der einflussreichsten Politiker, wenn es um unsere Lebensmittel geht. Er muss ein wahrer Tausendsassa sein, denn er ist selbst Landwirt und führt dazu noch sage und schreibe 21 (!) Funktionen "nebenher" auf. WIE kann das funktionieren? Und vor allem: WARUM machen Abgeordnete das?

Die Antwort ist so einfach wie skandalös. Diese Politiker - Herr Röring ist nur einer von vielen - verdienen nicht nur mehrfach. Sie arbeiten gleichzeitig als Unternehmer, Berater, Aufsichtsrat und, ja: als Lobbyist. Eine Ämterhäufung, die hochproblematisch ist für unsere Demokratie!

ES DARF NICHT SEIN, DASS SICH LOBBYISTEN IM BUNDESTAG IHRE EIGENEN GESETZE ZIMMERN.

Herr Röring sitzt im Agrarausschuss des Bundestages und ist GLEICHZEITG Chef eines Agrarlobbyverbandes in NRW und Präsidiumsmitglied des mächtigen Bauernverbandes. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, besitzt er einen eigenen Schweinemastbetrieb. Er lobbyiert für seine eigenen Interessen - und kann dann im Agrarausschuss praktischerweise über Tierschutzvorgaben gleich selbst mitentscheiden!

Was hat das mit Volksvertretung noch zu tun? Ich bin mir sicher, dass der Verbraucher-, Umwelt- oder Tierschutz nur dann nicht unter die Räder kommt, wenn WIR außerhalb des Bundestages Druck machen.

Wie ist es möglich, dass jemand ALS ABGEORDNETER GENAU FÜR DEN BEREICH ZUSTÄNDIG IST, INDEM ER ALS UNTERNEHMER UND LOBBYIST AUF EIGENE RECHNUNG ARBEITET? Leider geht es nicht um Einzelfälle, die Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik hat längst höchste Kreise erreicht. Zum Beispiel Peter Bleser: Jahrelang oberster Verbraucherschützer seiner Fraktion, "nebenher" Aufsichtsratschef eines Agrarhändlers mit Milliardenumsatz, 2006 "Pate" (!) für Felder mit genverändertem Monsanto-Mais - Ende 2017 machte er sich als Staatssekretär im Namen der Bundesregierung für den weiteren Einsatz des Ackergifts Glyphosat stark, mit dem vor allem Monsanto Profit macht.

Gibt es denn gar keine Schamgrenze? Eine solche Verquickung von Interessen DARF es einfach nicht geben! Wenn Lobbyisten in Bundestag und Bundesregierung ihre eigenen Gesetze bauen und über die eigenen Subventionen entscheiden, hilft nur eins: WIR Verbraucherinnen und Verbraucher müssen dagegen halten!

DAS SCHLIMMSTE IST: Im Ernährungs- und Agrarbereich gibt es eine kaum enden wollende Zahl von Überschneidungen zwischen Unternehmen, Lobbyverbänden und der Politik. Es wimmelt nur so von Interessenkonflikten, munter werden die Rollen gewechselt und vermischt:

FRIEDERICH-OTTO-RIPKE: erst Staatssekretär in Niedersachsen, dann Lobbyist für die Geflügelwirtschaft.

MATTHIAS BERNINGER: erst Verbraucherschutzstaatssekretär, dann Konzernlobbyist für Mars und Mit-Verhinderer der Ampelkennzeichnung.

GÜNTHER TISSEN: jahrelang Regierungsdirektor im Bundesernährungsministerium, heute Cheflobbyist der deutschen Zuckerindustrie.

KARL-HEINZ-FUNKE: früher Bundeslandwirtschaftsminister, jetzt im Kuratorium der Wiesenhof-Stiftung.

CHRISTIAN VON BOETTICHER: erst Umwelt- und Agrarminister in Schleswig-Holstein, heute Lebensmittelproduzent und Vizechef des Lobbyverbandes der Ernährungsindustrie und noch immer Landeschef des einflussreichen CDU-Wirtschaftsrats.

FRANZ-JOSEF HOLZENKAMP: lange Zeit "verbraucherpolitischer Sprecher" seiner Bundestagsfraktion, jetzt (und bereits neben dem Mandat) Chef des mächtigen Raiffeisenverbandes.

SILVIA BREHER: Holzenkamps Nachfolgerin im Bundestag, erst Geschäftsführerin eines Bauernlobbyverbandes, jetzt im Agrarausschuss des Bundestages.

GERT LINDEMANN: erst Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium (das ist das Ministerium, das auch FÜR den Verbraucherschutz da ist!), danach Aufsichtsrat bei Nordzucker, einem Konzern, der zu den Top-Profiteuren von Agrarsubventionen gehört. Und dann, als ob nichts gewesen sei, plötzlich zum Landwirtschafts- und Verbraucherminister in Niedersachsen berufen...

Diese Liste ist keineswegs vollständig. Und jetzt frage ich Sie: WIE SOLL DIE LANDWIRTSCHAFT VERBRAUCHER- UND UMWELTFREUNDLICHER WERDEN, DER TIERSCHUTZ VERBESSERT, DER PESTIZIDEINSATZ REDUZIERT, DER KAMPF GEGEN LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG ERFOLGREICH GEFÜHRT WERDEN, WENN IN BUNDESTAG UND BUNDESREGIERUNG POLITIKER SITZEN, DIE SO ENG MIT DER BRANCHE VERBANDELT SIND? Es gibt nur einen Weg, ihnen etwas entgegenzusetzen: Wir müssen es selbst tun! Helfen Sie uns, die Stimme der Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken und eine Gegenlobby aufzubauen.

Diese Interessenverquickung führt unsere Demokratie ad absurdum. Die Süddeutsche Zeitung zitierte unlängst einen Politiker, der nach einer kritischen Rede von einem Agrarminister angesprochen worden sei: "Wenn du irgendwann auch auf Linie bist, dann sorgen wir auch für dich." - "Lukrative Posten" als Gegenleistung für Linientreue? Das schlägt dem Fass den Boden aus! Da sitzen Abgeordnete mit Nebenjobs, die in eigener Sache lobbyieren und dann über ihre eigenen Interessen abstimmen. Verbände und Unternehmen kaufen sich Ex-Politiker ein, die ihre Drähte in die Politik nutzen, um Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Und wenn einer immer noch nicht auf Linie ist, zeigt man ihm schon mal dezent, wo es lang geht. DAS KÖNNEN WIR UNS NICHT LÄNGER GEFALLEN LASSEN!

Vielen Dank und herzliche Grüße

Ihr Martin Rücker, Geschäftsführer

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<![CDATA[Das schlägt dem Fass den Boden aus!]]>https://www.foodwatch.org/Mon, 19 Nov 2018 14:12:00 +0100 ]]><![CDATA[Supermarktketten sind gegen betäubungslose Ferkelkastration]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/aktuelle-nachrichten/supermarktketten-sind-gegen-betaeubungslose-ferkelkastration/Fri, 16 Nov 2018 16:56:00 +0100

Die meisten deutschen Supermarktketten sprechen sich gegen die betäubungslose Kastration von Ferkeln aus. Aldi, Lidl & Co. haben keine Bedenken gegen tierschonende Alternativen wie die Impfung gegen Ebergeruch, die sogenannte Immunokastration. Das ergab eine foodwatch-Umfrage unter neun großen Handelsunternehmen. Die Angaben der Supermarktketten widerlegen die Behauptung der Agrar- und Fleischlobby, wonach die Impfung vom Handel und den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht akzeptiert würde.

foodwatch hatte die Handelsunternehmen in Deutschland zum Umgang mit alternativen Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration befragt. Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl und Globus akzeptieren demnach ausdrücklich Fleisch von gegen Ebergeruch geimpften Schweinen. Rewe antwortete nicht auf die Anfrage der Verbraucherorganisation, sprach sich jedoch kürzlich öffentlich für die Immunokastration aus. Real und Kaufland gaben gegenüber foodwatch an, die Verbraucherakzeptanz der Methode zu prüfen, Edeka und Norma antworteten ausweichend. Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd erklärten außerdem, schon heute kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren zu verkaufen. Rewe hatte dies ebenfalls bereits 2015 angekündigt.

80.000 Unterschriften gegen betäubungslose Kastration

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut), das dem Bundesernährungsministerium von Julia Klöckner unterstellt ist, bewertet die Impfung gegen Ebergeruch aus tierschutzfachlicher Sicht als „die mit Abstand geeignetste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration“. Die Belastung der Tiere sei vergleichsweise gering und es gebe keine Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher. Rund 80.000 Menschen unterstützen eine E-Mail-Petition von foodwatch gegen die betäubungslose Ferkelkastration und für die Anwendung der Immunokastration.

"Der deutsche Lebensmittelhandel ist offen gegenüber der Impfung gegen Ebergeruch – das zeigt, dass Millionen von Ferkeln die mittelalterliche Tortur der betäubungslosen Kastration sofort erspart werden könnte. Alles andere sind nur faule Ausreden von Bauernverband und Fleischwirtschaft."

Matthias Wolfschmidt, foodwatch

Die Große Koalition will das Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel, das 2019 in Kraft treten sollte, um weitere zwei Jahre verschieben. Sie hat die Verlängerung der Übergangsfrist damit begründet, dass die derzeit verfügbaren Alternativen den Anforderungen der Praxis nicht gerecht würden. Die Tatsache, dass Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd bereits heute nach eigenen Angaben kein Frischfleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren verkauften, zeige jedoch, dass in der Praxis längst Alternativen verfügbar seien, so foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte alle Handelsketten auf, trotz Fristverlängerung ab 2019 kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Ferkeln zu verkaufen und die Immunokastration als erwiesenermaßen tierschonendste Form der Ferkelkastration zu akzeptieren.

20 Millionen Ferkel pro Jahr werden kastriert – ohne Betäubung

In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen männliche Ferkel geboren und meist ohne Betäubung kastriert, um zu verhindern, dass ihr Fleisch später den sogenannten „Ebergeruch“ annimmt. Als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration stehen aktuell drei Methoden zur Verfügung: Die Kastration mit Betäubung, die Jungebermast und die Immunokastration. Bei der seit 2009 in der EU zugelassenen Immunokastration müssen die Schweine zweifach geimpft werden, um die Bildung der Hauptverursacher des Ebergeruchs zu unterdrücken. 

Foto: dusanpetkovic1 / Fotolia.com

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<![CDATA[Supermarktketten sprechen sich für tierschonende Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration aus – Große Akzeptanz der Impfung gegen Ebergeruch]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/supermarktketten-sprechen-sich-fuer-tierschonende-alternativen-zur-betaeubungslosen-ferkelkastration-aus-grosse-akzeptanz-der-impfung-gegen-ebergeruch/Fri, 16 Nov 2018 10:12:00 +0100

Die meisten deutschen Supermarktketten sprechen sich gegen die betäubungslose Kastration von Ferkeln aus. Aldi, Lidl & Co. haben keine Bedenken gegen tierschonende Alternativen wie die Impfung gegen Ebergeruch, die sogenannte Immunokastration. Das ergab eine Umfrage der Verbraucherorganisation foodwatch unter neun großen Handelsunternehmen. Die Angaben der Supermarktketten widerlegen laut foodwatch die Behauptung der Agrar- und Fleischlobby, wonach die Immunokastration vom Handel und den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht akzeptiert würde. 

„Der deutsche Lebensmittelhandel ist offen gegenüber der Impfung gegen Ebergeruch – das zeigt, dass Millionen von Ferkeln die mittelalterliche Tortur der betäubungslosen Kastration sofort erspart werden könnte. Alles andere sind nur faule Ausreden von Bauernverband und Fleischwirtschaft“, sagte Matthias Wolfschmidt von foodwatch. 

foodwatch hatte die Handelsunternehmen in Deutschland zum Umgang mit alternativen Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration befragt. Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl und Globus akzeptieren demnach ausdrücklich Fleisch von gegen Ebergeruch geimpften Schweinen. Rewe antwortete nicht auf die Anfrage der Verbraucherorganisation, sprach sich jedoch kürzlich öffentlich für die Immunokastration aus. Real und Kaufland gaben gegenüber foodwatch an, die Verbraucherakzeptanz der Methode zu prüfen, Edeka und Norma antworteten ausweichend. Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd erklärten außerdem, schon heute kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren zu verkaufen. Rewe hatte dies bereits 2015 angekündigt.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut), das dem Bundesernährungsministerium von Julia Klöckner unterstellt ist, bewertet die Impfung gegen Ebergeruch aus tierschutzfachlicher Sicht als „die mit Abstand geeignetste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration“. Die Belastung der Tiere sei vergleichsweise gering und es gebe keine Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher. Rund 80.000 Menschen unterstützen eine E-Mail-Petition von foodwatch gegen die betäubungslose Ferkelkastration und für die Anwendung der Immunokastration unter www.aktion-ferkelkastration-protestieren.foodwatch.de

„Julia Klöckners eigenes Forschungsinstitut, weite Teile der Veterinärmedizin und die Tierschutz- und Verbraucherverbände stehen der Impfung gegen Ebergeruch uneingeschränkt positiv gegenüber. Die Ignoranz der Regierungskoalition gegenüber all diesen Fakten ist atemberaubend“, sagte Matthias Wolfschmidt.

Die Große Koalition will das Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel, das 2019 in Kraft treten sollte, um weitere zwei Jahre verschieben. Sie hat die Verlängerung der Übergangsfrist damit begründet, dass die derzeit verfügbaren Alternativen den Anforderungen der Praxis nicht gerecht würden. Die Tatsache, dass Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd bereits heute nach eigenen Angaben kein Frischfleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren verkauften, zeige jedoch, dass in der Praxis längst Alternativen verfügbar seien, so foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte alle Handelsketten auf, trotz Fristverlängerung ab 2019 kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Ferkeln zu verkaufen und die Immunokastration als erwiesenermaßen tierschonendste Form der Ferkelkastration zu akzeptieren. 

In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen männliche Ferkel geboren und meist ohne Betäubung kastriert, um zu verhindern, dass ihr Fleisch später den sogenannten „Ebergeruch“ annimmt. Als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration stehen aktuell drei Methoden zur Verfügung: die Kastration mit Betäubung, die Jungebermast und die Immunokastration. Bei der seit 2009 in der EU zugelassenen Immunokastration müssen die Schweine zweifach geimpft werden, um die Bildung der Hauptverursacher des Ebergeruchs zu unterdrücken. 

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<![CDATA[Iglo führt Lebensmittel-Ampel ein]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/iglo-fuehrt-lebensmittel-ampel-ein/Thu, 15 Nov 2018 13:02:00 +0100

Iglo will seine Produkte in Deutschland schrittweise ab 2019 mit einer Nährwert-Ampel nach französischem Vorbild bedrucken. Iglo ist nach Danone das zweite Unternehmen, das in Deutschland einen solchen Schritt plant. Ein guter Vorstoß – aber die Kennzeichnung ist nutzlos, wenn nur zwei Hersteller mitmachen.

Die Nährwertangaben aller Iglo-Produkte sollen dem Unternehmen zufolge schrittweise ab Anfang 2019 auf den Verpackungsvorderseiten zusätzlich mit einer Ampel vereinfacht dargestellt werden. Iglo ist nach dem französischen Konzern Danone das zweite Unternehmen, das in Deutschland auf freiwilliger Basis eine Lebensmittel-Ampel einführen will. 

Französisches Vorbild: Nutri-Score

Sowohl Iglo als auch Danone wollen die sogenannte Nutri-Score-Ampel auf ihre Produkte drucken. Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung – auf freiwilliger Basis – eingeführt und bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen.

Nutri-Score wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote Bewertung und den Buchstaben E. 

Vergleichstest zeigt: Ampel führt zu gesünderem Einkauf

Das Nutri-Score-Modell unterscheidet sich damit von dem Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007 entwickelt hatte. Diese „Original-Ampel“ zeigt nicht eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. foodwatch würde sowohl die Einführung des britischen Originals als auch des französischen Modells befürworten.

„Erst Danone, jetzt Iglo – ein weiterer Lebensmittelhersteller erkennt, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher die Nährwert-Ampel wünschen. Aber die farbliche Kennzeichnung ist nutzlos, wenn sie nur auf Produkten von Iglo und Danone zu sehen ist. Die Idee der Lebensmittel-Ampel ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können – dafür brauchen wir eine einheitliche und verpflichtende Ampel-Kennzeichnung für alle Hersteller. Bundesernährungsministerin Klöckner muss ihren Widerstand gegen die Ampel endlich aufgeben.

Luise Molling von foodwatch

Experten fordern gesetzliche Maßnahmen gegen Fehlernährung

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon länger verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder auch eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Steuer auf gesüßte Getränke – wogegen sich die Lebensmittelindustrie vehement wehrt.

Der deutsche Tiefkühlprodukte-Hersteller Frosta hatte auch schon einmal eine Ampelkennzeichnung freiwillig eingeführt, diese dann aber nach einigen Jahren wieder eingestellt, weil kein anderer Lebensmittelhersteller mitgezogen war. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“. 

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen. 

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<![CDATA[Iglo führt Lebensmittel-Ampel in Deutschland ein – foodwatch begrüßt Vorstoß und fordert verbindliche Ampel-Kennzeichnung für alle Hersteller]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/iglo-fuehrt-lebensmittel-ampel-in-deutschland-ein-foodwatch-begruesst-vorstoss-und-fordert-verbindliche-ampel-kennzeichnung-fuer-alle-hersteller/Thu, 15 Nov 2018 11:11:00 +0100Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den Vorstoß des Lebensmittelkonzerns Iglo, auf seinen Produkten eine Lebensmittel-Ampel einzuführen, begrüßt. Andere Hersteller müssten dem Beispiel folgen, forderte foodwatch. Außerdem sei die Politik gefordert, eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben vorzuschreiben. Die Nährwertangaben aller Iglo-Produkte sollen dem Unternehmen zufolge schrittweise ab Anfang 2019 auf den Verpackungsvorderseiten zusätzlich mit einer Ampel vereinfacht dargestellt werden. Iglo ist nach dem französischen Konzern Danone das zweite Unternehmen, das in Deutschland auf freiwilliger Basis eine Lebensmittel-Ampel einführen will.

„Erst Danone, jetzt Iglo - ein weiterer Lebensmittelhersteller erkennt, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher die Nährwert-Ampel wünschen", sagte Luise Molling von foodwatch. „Aber die farbliche Kennzeichnung ist nutzlos, wenn sie nur auf Produkten von Iglo und Danone zu sehen ist. Die Idee der Lebensmittel-Ampel ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können - dafür brauchen wir eine einheitliche und verpflichtende Ampel-Kennzeichnung für alle Hersteller. Bundesernährungsministerin Klöckner muss ihren Widerstand gegen die Ampel endlich aufgeben.“

Sowohl Iglo als auch Danone wollen die sogenannte Nutri-Score-Ampel auf ihre Produkte drucken. Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung – auf freiwilliger Basis – eingeführt und bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen. Nutri-Score wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote Bewertung und den Buchstaben E.

Das Nutri-Score-Modell unterscheidet sich damit von dem Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007 entwickelt hatte. Diese „Original-Ampel“ zeigt nicht eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. foodwatch würde sowohl die Einführung des britischen Originals als auch des französischen Modells befürworten. Die Verbraucherorganisation kritisierte hingegen erneut von der Industrie selbst entwickelte Kennzeichnungsmodelle. So möchten die fünf großen Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever ein eigenes Ampel-System einführen, das auf Basis von Portionsgrößen berechnet wird. Selbst ein Produkt wie Nutella, das zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, würde mit dieser Industrie-Kennzeichnung jedoch keine einzige rote Ampel erhalten, kritisierte foodwatch. Mars war nach Kritik aus dem Bündnis ausgestiegen.

„Entscheidend ist, dass wir ein von unabhängigen Experten entwickeltes System haben, das die Nährwerte eines Produkts mit einer farblichen Kennzeichnung direkt auf der Produktvorderseite darstellt und die Vergleichbarkeit von Produkten gewährleistet“, sagte Luise Molling. „Die geplante Fake-Ampel von Nestlé, Cola & Co. ist nicht die Lösung. Da steht Ampel drauf, ist aber nur Verbrauchertäuschung drin.“

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon länger verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder auch eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Steuer auf gesüßte Getränke – wogegen sich die Lebensmittelindustrie vehement wehrt. Der deutsche Tiefkühlprodukte-Hersteller Frosta hatte auch schon einmal eine Ampelkennzeichnung freiwillig eingeführt, diese dann aber nach einigen Jahren wieder eingestellt, weil kein anderer Lebensmittelhersteller mitgezogen war. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“.

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen. 

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<![CDATA[foodwatch kritisiert Kindermarketing für überzuckerte Getränke – Ranking: Das sind die zehn zuckrigsten Kindergetränke – vier Produkte kommen von Lidl]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-kritisiert-kindermarketing-fuer-ueberzuckerte-getraenke-ranking-das-sind-die-zehn-zuckrigsten-kindergetraenke-vier-produkte-kommen-von-lidl/Wed, 14 Nov 2018 11:50:00 +0100
  • foodwatch veröffentlicht Ranking der zuckrigsten „Erfrischungsgetränke“ mit Comicfiguren
  • Unter den zehn zuckrigsten Getränken sind vier Produkte einer Lidl-Eigenmarke
  • foodwatch: Getränkeindustrie muss das an Kinder gerichtete Marketing für Zuckergetränke stoppen

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Lebensmittelhersteller dafür kritisiert, überzuckerte „Erfrischungsgetränke“ mit Comicfiguren schon an Kleinkinder zu bewerben. Ein von foodwatch veröffentlichtes Ranking zeigt die zehn zuckrigsten Kindergetränke, die bei den fünf größten Handelsketten zu finden sind. Vier der zehn zuckrigsten Produkte stammen von Solevita, einer Eigenmarke von Lidl. Dabei hatte die Handelskette in der Vergangenheit wiederholt damit geworben, den Zuckergehalt im Eigenmarken-Sortiment zu reduzieren.

„Die Lebensmittelindustrie nutzt Comicfiguren, um schon die kleinsten Kinder zu ködern und ihnen flüssige Zuckerbomben anzudrehen. Die Hersteller torpedieren damit die Bemühungen von Eltern und Lehrern, Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern. Ganz vorne dabei ist ausgerechnet Lidl – eine Handelskette, die sich als Vorreiterin der Zuckerreduktion feiert“, erklärte Luise Molling von foodwatch. Lidl hat sich das Ziel gesetzt, bis 2025 den Zucker im Eigenmarken-Sortiment um 20 Prozent zu reduzieren. Die Verbraucherorganisation forderte die Getränke-Industrie auf, das Kindermarketing für Zuckergetränke umgehend zu beenden.

Für die aktuelle Recherche hatte foodwatch bei den fünf Filialen der größten Handelsunternehmen sämtliche sogenannten Erfrischungsgetränke, die mit Comicfiguren auf der Verpackung an Kinder beworben werden, ermittelt und auf ihren Zuckergehalt geprüft. Die zehn zuckrigsten Kindergetränke im Überblick:

  1. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Apfel-Kirsch“; Zuckergehalt: 10,2g/100ml 
  2. Sonic-Drink: „Spongebob Schwammkopf Kids Cola“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
  3. Solevita (Lidl): „Orange“; Zuckergehalt: 10g/100ml
  4. Capri Sun: „Safari Fruits“; Zuckergehalt: 9,4g/100ml
  5. Solevita (Lidl): „Multivitamin“; Zuckergehalt: 9,3g/100ml
  6. Coca Cola: „Fanta Orange“; Zuckergehalt 9,1g/100ml
  7. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Orange“; Zuckergehalt: 9,1g/100ml
  8. Rauch: „Yippy Multivitamin“; Zuckergehalt: 8,9g/100ml
  9. Rauch: „Yippy Kirsche“; Zuckergehalt 8,8g/100ml
  10. Capri Sun: „Monster Alarm“, Zuckergehalt 8,7g/100ml 

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder fettleibig. Im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Zuletzt hat sich der Anteil auf dem hohen Niveau stabilisiert. Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Die WHO empfiehlt daher, gesüßte Getränke generell nicht an Kinder zu bewerben.

Die weltweit führenden Lebensmittelunternehmen haben bereits 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung versprochen, Werbung an Kinder verantwortungsvoll zu gestalten. In dem sogenannten „EU Pledge“ haben Coca-Cola, Ferrero, Nestlé & Co zugesichert nur noch Lebensmittel, die bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen, an Kinder unter zwölf Jahren zu bewerben. Mehrere unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass solche freiwilligen Selbstverpflichtungen das Marketing für unausgewogene Produkte an Kinder nicht verhindern.  

„Bundesernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich dafür sorgen, dass Zuckerbomben und Snacks nicht mehr aggressiv an Kinder vermarktet werden“, erklärte Luise Molling von foodwatch. „Wenn die Ministerin es ernst meint mit dem Kampf gegen Fehlernährung, muss sie das Kindermarketing für unausgewogene Lebensmittel verbieten und die Kinder vor dem Profitinteresse der Konzerne schützen.“ 

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<![CDATA[Wie mit Comicfiguren die Kleinsten geködert werden]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/wie-mit-comicfiguren-die-kleinsten-gekoedert-werden/Wed, 14 Nov 2018 09:52:00 +0100

"Spongebob Schwammkopf", kleine Frucht-Monster oder passend zur Halloween die "Grusel-Fanta" – mit Comicfiguren auf zuckrigen Erfrischungsgetränken ködert die Lebensmittelindustrie schon die Kleinsten der Kleinen. foodwatch hat ein Ranking der zehn zuckrigsten Kindergetränke veröffentlicht, die mit Comicfiguren beworben werden. Ganz vorne dabei: die Handelskette Lidl mit gleich vier Produkten.

Obwohl Lidl in der Vergangenheit wiederholt damit geworben hat, den Zuckergehalt im Eigenmarken-Sortiment zu reduzieren, sind die Produkte der Eigenmarke Solevita gleich vier Mal im Ranking vertreten. Lidl hat sich ursprünglich das Ziel gesetzt, bis 2025 den Zucker im Eigenmarken-Sortiment um 20 Prozent zu reduzieren. Die Produkte von Solevita tragen bislang wenig dazu bei. foodwatch fordert Lidl und andere Hersteller auf, das Kindermarketing für Zuckergetränke umgehend zu beenden.

„Die Lebensmittelindustrie nutzt Comicfiguren, um schon die kleinsten Kinder zu ködern und ihnen flüssige Zuckerbomben anzudrehen. Die Hersteller torpedieren damit die Bemühungen von Eltern und Lehrern, Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern. Ganz vorne dabei ist ausgerechnet Lidl – eine Handelskette, die sich als Vorreiterin der Zuckerreduktion feiert.“

Luise Molling, Campaignerin bei foodwatch

Für die aktuelle Recherche hatte foodwatch bei den fünf größten Handelsunternehmen sämtliche sogenannten Erfrischungsgetränke, die mit Comicfiguren auf der Verpackung an Kinder beworben werden, ermittelt und auf ihren Zuckergehalt geprüft. 

14.11.2018

Die zehn zuckrigsten Kindergetränke

Fotogalerie (7 Bilder)

Die zehn zuckrigsten Getränke im Überblick

1. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Apfel-Kirsch“; Zuckergehalt: 10,2g/100ml
2. Sonic-Drink: „Spongebob Schwammkopf Kids Cola“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
2. Solevita (Lidl): „Orange“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
4. Capri Sun: „Safari Fruits“; Zuckergehalt: 9,4g/100ml
5. Solevita (Lidl): „Multivitamin“; Zuckergehalt: 9,3g/100ml 
6. Coca Cola: „Fanta Orange“; Zuckergehalt 9,1g/100ml 
6. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Orange“; Zuckergehalt: 9,1g/100ml 
8. Rauch: „Yippy Multivitamin“; Zuckergehalt: 8,9g/100ml 
9. Rauch: „Yippy Kirsche“; Zuckergehalt 8,8g/100ml 
10. Capri Sun: „Monster Alarm“, Zuckergehalt 8,7g/100ml 

Hohe Zahlen fettleibiger Kinder

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder fettleibig. Im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Zuletzt hat sich der Anteil auf dem hohen Niveau stabilisiert. Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Die WHO empfiehlt daher, gesüßte Getränke generell nicht an Kinder zu bewerben.

Freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie gescheitert

Die weltweit führenden Lebensmittelunternehmen haben bereits 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung versprochen, Werbung an Kinder verantwortungsvoll zu gestalten. In dem sogenannten „EU Pledge“ haben Coca-Cola, Ferrero, Nestlé & Co zugesichert nur noch Lebensmittel, die bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen, an Kinder unter zwölf Jahren zu bewerben. Mehrere unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass solche freiwilligen Selbstverpflichtungen das Marketing für unausgewogene Produkte an Kinder nicht verhindern.

Julia Klöckner muss Kindermarketing für Zuckerbomben verbieten

foodwatch fordert: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich dafür sorgen, dass Zuckerbomben und Snacks nicht mehr aggressiv an Kinder vermarktet werden. Wenn die Ministerin es ernst meint mit dem Kampf gegen Fehlernährung, muss sie das Kindermarketing für unausgewogene Lebensmittel verbieten und die Kinder vor dem Profitinteresse der Konzerne schützen.

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<![CDATA[Gefährliche Schwachstellen im Lebensmittelrecht ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/lebensmittelpolitik/aktuelle-nachrichten/gefaehrliche-schwachstellen-im-lebensmittelrecht/Mon, 12 Nov 2018 15:23:00 +0100

Fipronil-Eier, Pferdefleisch-Lasagne, Babymilch mit Salmonellen – regelmäßig wird Europa von Lebensmittelskandalen erschüttert. Denn die Lebensmittelgesetze in Deutschland und der EU schützen die Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend vor Gesundheitsgefahren und Täuschung. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende foodwatch-Analyse des europäischen und nationalen Lebensmittelrechts.

Der mehr als 50-seitige Report „Rechtlos im Supermarkt“ zeigt auf, wie entgegen dem Vorsorgeprinzip Grenzwerte gelockert, umstrittene Zusatzstoffe und Pestizide zugelassen werden und trotz der vorgeschriebenen Rückverfolgbarkeit die Kontrollbehörden regelmäßig im Dunkeln tappen, wohin welche Lebensmittel geliefert werden. Verantwortlich dafür wie auch für alle größeren Lebensmittelskandale der jüngeren Vergangenheit sind erhebliche Schwächen des Lebensmittelrechts. foodwatch warf Julia Klöckner Versagen beim Verbraucherschutz vor: Obwohl die eklatanten Schwachstellen im Lebensmittelrecht bekannt seien, arbeite die Bundesernährungsministerin nicht daran, diese zu beseitigen.

„Frau Klöckner hält ihre schützende Hand über Bauern und Unternehmen, aber sie kümmert sich nicht um den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher. Wenn die verantwortliche Ministerin keine substanzielle Reform des Lebensmittelrechts angeht, macht sie ihren Job nicht. Indem sie es unterlässt, die offenkundigen Lücken und Schwachstellen in der Gesetzgebung zu beseitigen, arbeitet Julia Klöckner kräftig mit am nächsten Lebensmittelskandal.“

Martin Rücker, foodwatch-Geschäftsführer 

Julia Klöckner muss Verbraucherrechte stärken

foodwatch verlangte von Ministerin Julia Klöckner, auf EU-Ebene eine Generalreform des europäischen Lebensmittelrechts anzustoßen und auf nationaler Ebene umgehend gesetzliche Änderungen anzugehen. Dazu gehöre es, die Lebensmittelbehörden zur Veröffentlichung von gesundheitsrelevanten Informationen wie von Betrugsfällen zu verpflichten und die Klagerechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu stärken. Diese müssten sich mit Sammelklagen gegen Unternehmen und mit Verbandsklagen gegen Behörden zur Wehr setzen können.

foodwatch kritisiert unter anderem drei Punkte, die grundlegende Schwachstellen beim Gesundheitsschutz und beim Schutz vor Täuschung und Betrug darstellten:

Mangelnde Rückverfolgbarkeit:

Obwohl im EU-Recht die lückenlose Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelkette eindeutig vorgeschrieben ist, wurde diese Vorgabe nicht durchgesetzt. So seien bei vielen Lebensmittelskandalen der letzten Jahre – von Salmonellen in Babymilch des französischen Herstellers Lactalis bis zu mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eiern – jeweils Millionen Produkte auf den Markt gelangt, ohne dass Unternehmen und Behörden die Warenströme nachverfolgen und betroffene Produkte schnell aus dem Markt nehmen konnten. Rückverfolgbarkeit sicherzustellen ist Aufgabe der Lebensmittelbehörden in Deutschland.

Fehlende Information der Verbraucherinnen und Verbraucher:

Verbraucherinnen und Verbraucher werden bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht häufig entweder zu spät, nur unzureichend oder gar nicht gewarnt, kritisierte foodwatch. Bei Betrug und Täuschung sehe das EU-Recht überhaupt keine Verpflichtung für die Behörden vor, die Öffentlichkeit zu informieren. Aus diesem Grund sei zum Beispiel bis heute unbekannt, in welchen Produkten beim Pferdefleisch-Skandal statt Rindfleisch Pferdefleisch verarbeitet wurde. Auch Hygieneverstöße blieben in aller Regel geheim. Das Lebensmittelrecht entfalte daher kaum präventive Wirkung, so foodwatch. foodwatch forderte, dass Behörden die Öffentlichkeit immer schnell und umfassend informieren müssen. Und zwar unter Nennung der Namen der Hersteller und Produkte sowohl in Fällen, in denen Gesundheitsgefahr besteht, wie auch bei Betrug. Erst wenn Lebensmittelunternehmen befürchten müssten, dass Verstöße öffentlich werden, hätten die Firmen einen Anreiz, sich an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten. Aktive Informationspflichten für die Behörden könne die Bundesernährungsministerin sofort auf nationaler Ebene umsetzen, ohne auf eine Einigung in Brüssel zu warten, so foodwatch.

Klagerechte:

Verbraucherinnen und Verbraucher hätten kaum Möglichkeiten, sich juristisch zur Wehr zu setzen, so die Kritik von foodwatch. Zum einen müssten Kläger nachweisen, dass etwa Gesundheitsschäden durch den Verzehr eines bestimmten Lebensmittels ausgelöst wurden. Ein solcher direkter Kausalzusammenhang sei aber bei Lebensmitteln fast unmöglich zu beweisen. Zum anderen könnten bei Täuschung und Betrug Verbraucherinnen und Verbraucher maximal eine Rückerstattung des Kaufpreises verlangen – ein kaum lohnenswerter Aufwand. Stattdessen müssten Verbraucherinnen und Verbraucher sich zu Sammelklagen gegen Unternehmen zusammenschließen können, forderte foodwatch. Nötig sei zudem ein effektives Verbandsklagerecht, wie es im Umweltbereich längst etabliert sei: Verbraucherverbände müssten gegen ungesetzliche Praktiken von Unternehmen klagen können und auch die rechtliche Möglichkeit bekommen, Behörden zu verklagen, wenn diese ihre Verpflichtungen im Rahmen des EU-Rechts missachteten. Erst das schaffe das nötige Druckmittel und „Waffengleichheit“ – denn Unternehmen könnten bereits heute vor Gericht ziehen, wenn der Gesetzgeber oder Behörden in ihre Rechte eingriffen.

EU-Basisverordnung muss überarbeitet werden

Die meisten Bestimmungen im Lebensmittelrecht sind auf europäischer Ebene geregelt, einige fallen unter die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Maßgeblich auf europäischer Ebene ist die sogenannte EU-Basisverordnung, die vor rund 15 Jahren als Antwort auf die BSE-Krise („Rinderwahnsinn“) beschlossen wurde. Im Rahmen des „REFIT-Prozesses“ (Regulatory Fitness and Performance Programme) der Europäischen Kommission soll die EU-Basisverordnung jetzt überarbeitet werden. Die EU-Kommission hat dazu im April 2018 einen Reformvorschlag vorgelegt, der vor allem die Risikobewertung verbessern soll. So sollen etwa Studien zur Sicherheit von Unkrautvernichtungsmitteln wie Glyphosat zukünftig besser öffentlich zugänglich sein. Aus Sicht von foodwatch ist der Vorschlag unzureichend. Vielmehr müssten die grundlegenden Schwachstellen behoben werden.

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<![CDATA[Windbeutel-Erfolg: Bio-Hersteller Denree kündigt Änderung an]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/werbeluegen/aktuelle-nachrichten/windbeutel-erfolg-bio-hersteller-denree-kuendigt-aenderung-an/Mon, 12 Nov 2018 11:32:00 +0100

Bereits wenige Stunden nach Beginn der Wahl zum Goldenen Windbeutel kündigte der Bio-Hersteller Dennree an, das Etikett seines nominierten Produkts „Bratöl Olive“ zu überarbeiten. foodwatch nominierte das Öl für die Online-Wahl zur Werbelüge des Jahres auf www.goldener-windbeutel.de, weil der Name und die Produktaufmachung den Eindruck erwecken, es handele sich um reines Olivenöl. Tatsächlich besteht das Produkt jedoch zur Hälfte aus weniger hochwertigem Sonnenblumenöl.

Dass das „Bratöl Olive“ zur Hälfte aus schnödem Sonnenblumenöl besteht, verriet bisher nur der Blick ins Kleingedruckte auf der Rückseite. Dennree schrieb nun an foodwatch: „Diese Nominierung enttäuscht uns sehr, da es nicht unsere Absicht war, unsere Kundinnen und Kunden zu täuschen.“ In dem Schreiben kündigte der Hersteller an, das Etikett zu ändern: Ab 2019 soll direkt auf der Verpackungsvorderseite angegeben werden, dass es sich um eine Mischung aus Sonnenblumenöl und Olivenöl handelt. Zudem soll künftig neben den groß abgebildeten Oliven auch eine Sonnenblume zu sehen sein.

"Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, schafft Dennree erst nach öffentlicher Kritik: Auf dem Etikett soll künftig draufstehen, was drin ist. Gar nicht so schwer, sollte man meinen. Die anderen Kandidaten für den Goldenen Windbeutel sollten sich an Dennree ein Beispiel nehmen."

Sophie Unger, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel.

Doch nicht nur das „Bratöl Olive“ von Dennree ist ein Beispiel für Etikettenschwindel in Supermarktregalen, neben dem Öl sind sind vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel nominiert: das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, der „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und der Riegel „Corny Milch“ von Hersteller Schwartau.

06.11.2018

Das sind die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018

Fotogalerie (6 Bilder)

Noch bis Anfang Dezember können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen. 

Jetzt abstimmen!


Im Vorfeld hatten Verbraucherinnen und Verbraucher bereits über 120 Produkte, von denen sie sich getäuscht fühlen, beim „Schummelmelder" eingereicht, der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen. Alle der mehr als 100 ganz unterschiedlichen Vorschläge flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel 2018 ein.

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<![CDATA[ Report entlarvt gefährliche Schwachstellen im Lebensmittelrecht – foodwatch: Julia Klöckner versagt beim Schutz der Verbraucher vor Täuschung und vor Gesundheitsgefahren]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/report-entlarvt-gefaehrliche-schwachstellen-im-lebensmittelrecht-foodwatch-julia-kloeckner-versagt-beim-schutz-der-verbraucher-vor-taeuschung-und-vor-gesundheitsgefahren/Mon, 12 Nov 2018 10:04:00 +0100

Die Lebensmittelgesetze in Deutschland und der EU schützen die Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend vor Gesundheitsgefahren und Täuschung. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Analyse des europäischen und nationalen Lebensmittelrechts, die foodwatch am Montag in dem Report „Rechtlos im Supermarkt“ in Berlin vorstellte. Die Verbraucherorganisation warf Julia Klöckner Versagen beim Verbraucherschutz vor: Obwohl die eklatanten Schwachstellen im Lebensmittelrecht bekannt seien, arbeite die Bundesernährungsministerin nicht daran, diese zu beseitigen.

„Frau Klöckner hält ihre schützende Hand über Bauern und Unternehmen, aber sie kümmert sich nicht um den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher. Wenn die verantwortliche Ministerin keine substanzielle Reform des Lebensmittelrechts angeht, macht sie ihren Job nicht. Indem sie es unterlässt, die offenkundigen Lücken und Schwachstellen in der Gesetzgebung zu beseitigen, arbeitet Julia Klöckner kräftig mit am nächsten Lebensmittelskandal“, sagte Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland. Die Verbraucherorganisation verlangte von Frau Klöckner, auf EU-Ebene eine Generalreform des europäischen Lebensmittelrechts anzustoßen und auf nationaler Ebene umgehend gesetzliche Änderungen anzugehen. Dazu gehöre es, die Lebensmittelbehörden zur Veröffentlichung von gesundheitsrelevanten Informationen wie von Betrugsfällen zu verpflichten und die Klagerechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu stärken. Diese müssten sich mit Sammelklagen gegen Unternehmen und mit Verbandsklagen gegen Behörden zur Wehr setzen können.

Der mehr als 50-seitige Report „Rechtlos im Supermarkt“ zeigt auf, wie entgegen dem Vorsorgeprinzip Grenzwerte gelockert, umstrittene Zusatzstoffe und Pestizide zugelassen werden und trotz der vorgeschriebenen Rückverfolgbarkeit die Kontrollbehörden regelmäßig im Dunkeln tappen, wohin welche Lebensmittel geliefert werden. Verantwortlich dafür wie auch für alle größeren Lebensmittelskandale der jüngeren Vergangenheit – EHEC, mit Fipronil oder Dioxin belastete Eier, Pferdefleisch, Salmonellen in Babyprodukten – seien erhebliche Schwächen des Lebensmittelrechts. „Natürlich haben wir im Vergleich zu früheren Zeiten oder zu anderen Erdteilen eine relativ hohe Sicherheit – aber eben auch unnötige, weil vermeidbare Risiken, die zu regelmäßigen Betrugsfällen und zu ernstzunehmenden gesundheitlichen Folgen führen“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Unser Lebensmittelrecht soll präventiv wirken – tatsächlich hat es aber all die Skandale nicht verhindert, weil es an entscheidenden Stellen viel zu schwach ist und Wirtschaftsinteressen den Vorrang vor dem Verbraucherschutz gibt. Wir benötigen ein Lebensmittelrecht, das Skandale im Vorfeld verhindert – dieses wird von der EU-Kommission oder der Bundesregierung aber noch nicht einmal als Ziel benannt.“

foodwatch kritisiert u.a. drei Punkte, die grundlegende Schwachstellen beim Gesundheitsschutz und beim Schutz vor Täuschung und Betrug darstellten:

Rückverfolgbarkeit: Obwohl im EU-Recht die lückenlose Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelkette eindeutig vorgeschrieben ist, wurde diese Vorgabe nicht durchgesetzt. So seien bei vielen Lebensmittelskandalen der letzten Jahre – von Salmonellen in Babymilch des französischen Herstellers Lactalis bis zu mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eiern – jeweils Millionen Produkte auf den Markt gelangt, ohne dass Unternehmen und Behörden die Warenströme nachverfolgen und betroffene Produkte schnell aus dem Markt nehmen konnten. Rückverfolgbarkeit sicherzustellen ist Aufgabe der Lebensmittelbehörden in Deutschland.

Information der Verbraucherinnen und Verbraucher: Verbraucherinnen und Verbraucher werden bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht häufig entweder zu spät, nur unzureichend oder gar nicht gewarnt, kritisierte foodwatch. Bei Betrug und Täuschung sehe das EU-Recht überhaupt keine Verpflichtung für die Behörden vor, die Öffentlichkeit zu informieren. Aus diesem Grund sei zum Beispiel bis heute unbekannt, in welchen Produkten beim Pferdefleisch-Skandal statt Rindfleisch Pferdefleisch verarbeitet wurde. Auch Hygieneverstöße blieben in aller Regel geheim. Das Lebensmittelrecht entfalte daher kaum präventive Wirkung, so foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte, dass Behörden die Öffentlichkeit immer schnell und umfassend informieren müssen. Und zwar unter Nennung der Namen der Hersteller und Produkte sowohl in Fällen, in denen Gesundheitsgefahr besteht, wie auch bei Betrug. Erst wenn Lebensmittelunternehmen befürchten müssten, dass Verstöße öffentlich werden, hätten die Firmen einen Anreiz, sich an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten. Aktive Informationspflichten für die Behörden könne die Bundesernährungsministerin sofort auf nationaler Ebene umsetzen, ohne auf eine Einigung in Brüssel zu warten, so foodwatch.

Klagerechte: Verbraucherinnen und Verbraucher hätten kaum Möglichkeiten, sich juristisch zur Wehr zu setzen, so die Kritik von foodwatch. Zum einen müssten Kläger nachweisen, dass etwa Gesundheitsschäden durch den Verzehr eines bestimmten Lebensmittels ausgelöst wurden. Ein solcher direkter Kausalzusammenhang sei aber bei Lebensmitteln fast unmöglich zu beweisen. Zum anderen könnten bei Täuschung und Betrug Verbraucherinnen und Verbraucher maximal eine Rückerstattung des Kaufpreises verlangen – ein kaum lohnenswerter Aufwand. Stattdessen müssten Verbraucherinnen und Verbraucher sich zu Sammelklagen gegen Unternehmen zusammenschließen können, forderte foodwatch. Nötig sei zudem ein effektives Verbandsklagerecht, wie es im Umweltbereich längst etabliert sei: Verbraucherverbände müssten gegen ungesetzliche Praktiken von Unternehmen klagen können und auch die rechtliche Möglichkeit bekommen, Behörden zu verklagen, wenn diese ihre Verpflichtungen im Rahmen des EU-Rechts missachteten. Erst das schaffe das nötige Druckmittel und „Waffengleichheit“ – denn Unternehmen könnten bereits heute vor Gericht ziehen, wenn der Gesetzgeber oder Behörden in ihre Rechte eingriffen.

Die meisten Bestimmungen im Lebensmittelrecht sind auf europäischer Ebene geregelt, einige fallen unter die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Maßgeblich auf europäischer Ebene ist die sogenannte EU-Basisverordnung, die vor rund 15 Jahren als Antwort auf die BSE-Krise („Rinderwahnsinn“) beschlossen wurde. Im Rahmen des „REFIT-Prozesses“ (Regulatory Fitness and Performance Programme) der Europäischen Kommission soll die EU-Basisverordnung jetzt überarbeitet werden. Die EU-Kommission hat dazu im April 2018 einen Reformvorschlag vorgelegt, der vor allem die Risikobewertung verbessern soll. So sollen etwa Studien zur Sicherheit von Unkrautvernichtungsmitteln wie Glyphosat zukünftig besser öffentlich zugänglich sein. Aus Sicht von foodwatch ist der Vorschlag unzureichend. Vielmehr müssten die grundlegenden Schwachstellen behoben werden.

foodwatch-Report „Rechtlos im Supermarkt – Gesundheitsgefahren, Täuschung, Betrug: Warum das Lebensmittelrecht Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ausreichend schützt”: http://t1p.de/report-lebensmittelrecht

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<![CDATA[Bebivita kündigt Milchbrei ohne Zuckerzusatz an]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/werbeluegen/aktuelle-nachrichten/bebivita-kuendigt-milchbrei-ohne-zuckerzusatz-an/Fri, 09 Nov 2018 18:02:00 +0100

Der Babynahrungshersteller Bebivita hat angekündigt, keinen Milchbrei mehr mit zugesetztem Zucker zu verkaufen. Das erklärte das Tochterunternehmen von Hipp gegenüber foodwatch. Der „Bebivita Milchbrei Keks“ war potentieller Kandidat für den Goldenen Windbeutel 2018. Gleich drei Mal war das Produkt auf der Online-Beschwerdeplattform schummelmelder.de eingereicht worden. Die Produkte mit den neuen Rezepturen sollen ab April 2019 im Handel erhältlich sein.

Zucker müsse grundsätzlich „kritisch betrachtet werden – insbesondere dann, wenn es sich um Produkte für Säuglinge und Kleinkinder handelt“. Deshalb habe Bebivita entschieden, „den zugesetzten Zucker aus allen Bebivita Milchbrei-Rezepturen zu entfernen“, so der Hersteller gegenüber foodwatch. Verbraucherinnen und Verbraucher hatten auf schummelmelder.de kritisiert, das Produkt werbe mit Calcium, Eisen und Jod sowie „einem gesunden Wachstum“, sei zugleich aber eine Zuckerbombe.

Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel

„Zuckerzusatz hat in Babynahrung nichts verloren. Die angekündigte Rezepturänderung ist seit Jahren überfällig. Doch wer A sagt, muss auch B sagen: Bebivita sollte künftig alle Säuglingsprodukte ohne Zuckerzusatz herstellen, nicht nur Milchbrei!“

Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel

Eins von 120 Produkten im Schummelmelder

Im kürzlich online geschalteten Schummelmelder von foodwatch haben Verbraucherinnen und Verbraucher mehr als 120 Produkte eingereicht. Aus diesen Vorschlägen hat foodwatch in dieser Woche fünf Kandidaten für den Goldenen Windbeutel ausgewählt und auf www.goldener-windbeutel.de nominiert. Bebivita hatte die Rezepturänderung wenige Tage vor dem Wahlstart gegenüber foodwatch angekündigt. Eigenen Angaben zufolge soll sich das Unternehmen jedoch schon vor Monaten zu dem Schritt entschlossen haben.

06.11.2018

Das sind die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018

Fotogalerie (6 Bilder)

Die Abstimmung läuft noch bis Anfang Dezember. Dem Hersteller des „Siegerproduktes“ will foodwatch den Preis dann am Firmensitz überreichen.

Was meinen Sie, wer verdient den Goldenen Windbeutel? Stimmen Sie jetzt ab:

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<![CDATA[Nach Protest auf Beschwerdeplattform Schummelmelder: Bebivita kündigt Milchbrei ohne Zuckerzusatz an]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-protest-auf-beschwerdeplattform-schummelmelder-bebivita-kuendigt-milchbrei-ohne-zuckerzusatz-an/Fri, 09 Nov 2018 11:30:00 +0100

Der Babynahrungshersteller Bebivita hat angekündigt, keinen Milchbrei mehr mit zugesetztem Zucker zu verkaufen. Das erklärte das Tochterunternehmen von Hipp gegenüber der Verbraucherorganisation foodwatch. Zucker müsse grundsätzlich „kritisch betrachtet werden – insbesondere dann, wenn es sich um Produkte für Säuglinge und Kleinkinder handelt“. Deshalb habe Bebivita entschieden, „den zugesetzten Zucker aus allen Bebivita Milchbrei-Rezepturen zu entfernen“. Die Produkte mit den neuen Rezepturen sollen ab April 2019 im Handel erhältlich sein.

Der „Bebivita Milchbrei Keks“ war potentieller Kandidat für den Goldenen Windbeutel 2018, der Wahl zur dreisteten Werbelüge des Jahres. Gleich drei Verbraucherinnen und Verbraucher hatten das Produkt auf der Online-Beschwerdeplattform Schummelmelder eingereicht und damit als möglichen Kandidaten für den Negativpreis ins Spiel gebracht. Das Produkt werbe mit Calcium, Eisen und Jod sowie „einem gesunden Wachstum“ – sei zugleich aber eine Zuckerbombe, so die Kritik der Verbraucherinnen und Verbraucher. Aus 120 eingereichten Produkten auf dem Schummelmelder hatte foodwatch in dieser Woche fünf Kandidaten für den Goldenen Windbeutel ausgewählt und auf www.goldener-windbeutel.de nominiert. Bebivita hatte die Rezepturänderung wenige Tage vor dem Wahlstart gegenüber foodwatch angekündigt. Eigenen Angaben zufolge soll sich das Unternehmen jedoch schon vor Monaten zu dem Schritt entschlossen haben.

„Zuckerzusatz hat in Babynahrung nichts verloren. Die angekündigte Rezepturänderung ist seit Jahren überfällig. Doch wer A sagt, muss auch B sagen: Bebivita sollte künftig alle Säuglingsprodukte ohne Zuckerzusatz herstellen“, erklärte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel. Unger kritisierte, dass Babynahrung in vielen Fällen als gesund beworben wird, obwohl es nicht den Empfehlungen von Kinderärzten entspricht. „Die Babynahrungsindustrie darf nicht länger das Vertrauen der Eltern ausnutzen.“

Die fünf Kandidaten für den diesjährigen Goldenen Windbeutel stehen exemplarisch für Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt. Nominiert sind das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, das „Bratöl Olive“ der Bio-Marke Dennree, der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, der „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und der Riegel „Corny Milch“ von Hersteller Schwartau.

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Mit der Online-Abstimmung will die Verbraucherorganisation auf Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und Druck auf die Politik machen. foodwatch fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Noch bis Anfang Dezember können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de ihren Favoriten für die dreisteste Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen.

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<![CDATA[Einladung zum Pressegespräch: foodwatch-Report entlarvt gefährliche Schwachstellen im EU-Lebensmittelrecht – Was Bundesernährungsministerin Julia Klöckner jetzt tun muss]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-zum-pressegespraech-foodwatch-report-entlarvt-gefaehrliche-schwachstellen-im-eu-lebensmittelrecht-was-bundesernaehrungsministerin-julia-kloeckner-jetzt-tun-muss/Thu, 08 Nov 2018 11:05:00 +0100

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie kann es sein, dass mit Insektengift belastete Eier millionenfach auf den Markt gelangen? Wieso sind Etikettenschwindel und Verbrauchertäuschung im Supermarkt noch immer ganz legal möglich? Und wieso schützt das Lebensmittelrecht Unternehmen besser als Verbraucherinnen und Verbraucher? Diesen Fragen ist foodwatch in dem umfassenden Report „Rechtlos im Supermarkt“ nachgegangen. Die Untersuchung liefert eine detaillierte Analyse des deutschen und EU-Lebensmittelrechts. Die Ergebnisse sowie die ganz konkreten politischen Forderungen an Bundesernährungsministerin Julia Klöckner möchten wir Ihnen gerne im Rahmen eines kleinen Frühstücks bei einem Pressegespräch vorstellen, zu dem wir Sie herzlich einladen:

Termin: 12. November 2018, 10:00 Uhr

Ort: Hotel Albrechtshof, Albrechtstraße 8, 10117 Berlin (Raum: Spener & Fliedner)

mit: 

- Martin Rücker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland

- Lena Blanken, Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank! 

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Winkler

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit foodwatch

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<![CDATA[Nach Nominierung für Goldenen Windbeutel: Bio-Hersteller Dennree kündigt neues Etikett für Bratöl an]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-nominierung-fuer-goldenen-windbeutel-bio-hersteller-dennree-kuendigt-neues-etikett-fuer-bratoel-an/Wed, 07 Nov 2018 11:19:00 +0100

Bio-Hersteller Dennree hat nach der Nominierung für den Goldenen Windbeutel angekündigt, das Etikett seines Produkts „Bratöl Olive“ zu überarbeiten. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat das Öl für die Online-Wahl zur Werbelüge des Jahres auf www.goldener-windbeutel.de nominiert, weil Name und Produktaufmachung suggerieren, es handele sich um reines Olivenöl – tatsächlich besteht das Produkt zur Hälfte aus weniger hochwertigem Sonnenblumenöl. Das verrät bisher aber nur der Blick ins Kleingedruckte auf der Rückseite. Dennree schrieb nun an foodwatch: „Diese Nominierung enttäuscht uns sehr, da es nicht unsere Absicht war, unsere Kundinnen und Kunden zu täuschen.“ In dem Schreiben kündigte der Hersteller an, das Etikett zu ändern: Ab 2019 soll direkt auf der Verpackungsvorderseite angegeben werden, dass es sich um eine Mischung aus Sonnenblumenöl und Olivenöl handelt. Zudem soll künftig neben den groß abgebildeten Oliven auch eine Sonnenblume zu sehen sein.

„Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, schafft Dennree erst nach öffentlicher Kritik: Auf dem Etikett soll künftig draufstehen, was drin ist. Gar nicht so schwer, sollte man meinen“, sagte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel. „Die anderen Kandidaten für den Goldenen Windbeutel sollten sich an Dennree ein Beispiel nehmen.“

Neben dem Dennree-Produkt sind vier weitere Kandidaten nominiert, die exemplarisch für Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt stehen: das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, der „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und der Riegel „Corny Milch“ von Hersteller Schwartau. Noch bis Anfang Dezember können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen.

Im Vorfeld der Wahl konnten Verbraucherinnen und Verbraucher beim „Schummelmelder“, der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, selber Produkte einreichen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Alle der mehr als 100 ganz unterschiedlichen Vorschläge flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel 2018 ein.

2018 vergibt foodwatch den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Mit der Online-Abstimmung will die Verbraucherorganisation auf Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und Druck machen für bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln. foodwatch fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Kinderkeks der Firma Alete.

Link:

Die Wahl der Werbelüge des Jahres auf www.goldener-windbeutel.de 

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<![CDATA[Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 gestartet: Verbraucher wählen Werbelüge des Jahres – fünf Produkte von Coca-Cola, Dennree, Edeka, Heinz und Schwartau nominiert]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/wahl-zum-goldenen-windbeutel-2018-gestartet-verbraucher-waehlen-werbeluege-des-jahres-fuenf-produkte-von-coca-cola-dennree-edeka-heinz-und-schwartau-nominiert/Tue, 06 Nov 2018 10:19:00 +0100

Die Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 ist eröffnet: Verbraucherinnen und Verbraucher können ab heute auf www.goldener-windbeutel.de abstimmen, welches Produkt aus dem Supermarkt den Negativpreis für die dreisteste Werbelüge des Jahres erhalten soll. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat fünf Kandidaten nominiert, die exemplarisch für Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt stehen: das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, das „Bratöl Olive“ der Bio-Marke Dennree, den Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, den „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und den Riegel „Corny Milch“ von Hersteller Schwartau. 

„Von Gesundheitsschwindel bis Eltern-Abzocke: Im hart umkämpften Lebensmittelmarkt lassen sich die Hersteller mit millionenschweren Marketingbudgets immer wieder neue Tricks einfallen, um den Kundinnen und Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das nervt! Die Lösung kann nicht sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher lernen, sich im Täuschungs-Dschungel zurechtzufinden – sondern die Hersteller müssen ihre Produkte ehrlich und leicht verständlich kennzeichnen“, erklärte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel. Mit 2,8 Milliarden Euro pro Jahr ist die Lebensmittelwirtschaft die Branche mit den höchsten Werbeausgaben in Deutschland. Die Politik sei in der Verantwortung, endlich für klare gesetzliche Kennzeichnungsvorgaben zu sorgen, forderte Sophie Unger. „Die alltägliche Verbrauchertäuschung im Supermarkt ist ganz legal. Hier ist die Politik gefragt. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ist allerdings bisher eher durch einen Kuschelkurs gegenüber der Lebensmittelwirtschaft aufgefallen, als durch klare Kante gegen Schummler und Täuscher.“

Verbraucherinnen und Verbraucher hatten in den letzten Wochen auf www.schummelmelder.de, der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, mehr als 100 ganz unterschiedliche Produkte hochgeladen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Alle eingereichten Mogelprodukte flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel 2018 ein. 

Das sind die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018: 

Kandidat Nr. 1: Glacéau Smartwater von Coca-Cola

Hinter dem groß beworbenen „Dampf-destillierten“ Wasser steckt ein simpler Trick: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen. Verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Diesen ernährungsphysiologisch völlig unnützen Vorgang müssen Verbraucherinnen und Verbraucher teuer bezahlen: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das „Smartwater“ bis zu sieben Mal teurer als herkömmliches Mineralwasser – aus Sicht von foodwatch eine dreiste Abzocke mit dem Grundnahrungsmittel Wasser.

Kandidat Nr. 2: Bratöl Olive von Dennree

Bio-Pionier Dennree nennt sein Produkt „Bratöl Olive“ und spricht von „reinem Genuss“. Dabei besteht es zur Hälfte aus weniger hochwertigem Sonnenblumenöl. Verbraucherin Nadine Z. hat das Produkt deshalb auf der Schummelmelder-Plattform eingereicht und kritisiert: „Der Name Bratöl Olive suggeriert einem, dass es sich ausschließlich um Olivenöl handelt. Leider enthält es aber nur 51% Olivenöl.“

Kandidat Nr. 3: Erbsen Eintopf Gut und Günstig von Edeka

Der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke Gut und Günstig kommt naturbelassen daher – auf der Vorderseite der grünen Dose verspricht Edeka werbewirksam „Garantiert ohne: geschmacksverstärkende Zusatzstoffe und Farbstoffe“ und suggeriert damit eine traditionelle Herstellungsweise. Was erst die Zutatenliste im Kleingedruckten auf der Rückseite offenbart: Trotzdem sind ganze zehn Zusatzstoffe enthalten, von einem naturbelassenen Eintopf ist das Produkt also weit entfernt. .

Kandidat Nr. 4: Kids Tomato Ketchup von Heinz

Mit dem Ketchup speziell für Kinder zockt Heinz Eltern ab: Die Kids-Variante kostet bis zu 40 Prozent mehr als das Pendant für Erwachsene, obwohl der Ketchup exakt der gleiche ist. Hinzu kommt: Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten gezuckerte Ketchups gar nicht an Kinder beworben werden.

Kandidat Nr. 5: Corny Milch von Schwartau  

Hersteller Schwartau bewirbt seinen Corny-Riegel wie eine gesunde Zwischenmahlzeit mit Aussagen wie „ideal für den kleinen Snack mit Milch zwischendurch“ oder „mit dem Plus an Calcium“. Tatsächlich besteht das Produkt zur Hälfte aus Zucker und Fett. Das Fazit von Verbraucher Holm T., der den Riegel auf Schummelmelder.de hochgeladen hat: „Das Produkt ist damit alles andere als gesund, sondern eine gewaltige Schummelei.“

Noch bis Anfang Dezember können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de aus den fünf Kandidaten ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen. 

2018 vergibt foodwatch den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Mit der Online-Abstimmung will die Verbraucherorganisation auf Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und Druck machen für bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln. foodwatch fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Kinderkeks der Firma Alete. 

Link: 

Die Wahl der dreistesten Werbelüge des Jahres auf www.goldener-windbeutel.de 

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<![CDATA[Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 gestartet]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/goldener-windbeutel/aktuelle-nachrichten/wahl-zum-goldenen-windbeutel-2018-gestartet/Tue, 06 Nov 2018 09:49:00 +0100

Die Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 ist eröffnet! Ab heute können Sie abstimmen, welches Produkt den Preis für die dreisteste Werbelüge des Jahres erhalten soll. foodwatch hat fünf Kandidaten nominiert, die beispielhaft für den Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt stehen: „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, „Bratöl Olive“ der Bio-Marke Dennree, Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und „Corny Milch“ von Schwartau. 

Verbraucherinnen und Verbraucher hatten in den letzten Wochen auf www.schummelmelder.de, der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, mehr als 100 ganz unterschiedliche Produkte hochgeladen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Alle eingereichten Mogelprodukte flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel 2018 ein.

06.11.2018

Das sind die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018

Fotogalerie (6 Bilder)

 

Die Abstimmung läuft bis Anfang Dezember. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen.

Welche Werbelüge ist aus Ihrer Sicht die dreisteste? Stimmen Sie ab:

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<![CDATA[Pressekonferenz: foodwatch startet Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 und stellt Auswertung zur Beschwerdeplattform „Schummelmelder.de“ vor]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/pressekonferenz-foodwatch-startet-wahl-zum-goldenen-windbeutel-2018-und-stellt-auswertung-zur-beschwerdeplattform-schummelmelderde-vor/Tue, 30 Oct 2018 15:29:00 +0100+++ Möglichkeiten für Bildmotive sind gegeben +++

Sehr geehrte Damen und Herren,

von angeblichen Naturprodukten mit etlichen Zusatzstoffen bis zu vermeintlich „gesunden“ Zuckerbomben: Auf der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen unter www.schummelmelder.de haben Verbraucherinnen und Verbraucher in wenigen Wochen ganz unterschiedliche Produkte hochgeladen, von denen sie sich im Supermarkt getäuscht fühlen. Alle eingereichten Mogelprodukte flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel ein, der Online-Wahl zur dreistesten Werbelüge des Jahres, die foodwatch in diesem Jahr zum achten Mal durchführt. Zum Start der diesjährigen Abstimmung am 6. November möchten wir Ihnen Produkte vom Schummelmelder und natürlich alle fünf Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018 auf einer Pressekonferenz vorstellen – und zudem die Frage beantworten: Was muss politisch passieren, damit die alltägliche, ganz legale Verbrauchertäuschung im Supermarkt ein Ende hat?

Wir laden Sie herzlich ein zu unserer Pressekonferenz:

  • Termin: 6. November 2018, 10:30 Uhr
  • Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40 / Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin, Raum 5
  • mit:
    - Sophie Unger, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018 und Projektverantwortliche für Schummelmelder.de
    - Oliver Huizinga
    , Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch 

Links:

- foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen: www.schummelmelder.de

- Die Wahl der Werbelüge des Jahres ab 6. November auf www.goldener-windbeutel.de

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Winkler
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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<![CDATA[Appell an Freie Wähler: Bayern muss CETA ablehnen!]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/freihandelsabkommen/aktuelle-nachrichten/appell-an-freie-waehler-bayern-muss-ceta-ablehnen/Sat, 27 Oct 2018 11:56:00 +0200

„Sorgen Sie dafür, dass Bayern CETA im Bundesrat nicht zustimmt und sichern Sie dies im Koalitionsvertrag ab", heißt es in dem Appell an Hubert Aiwanger. CETA diene nicht der Allgemeinheit, sondern bediene „einseitig die Interessen von Großkonzernen“. Im Falle einer Regierungsbeteiligung müssten die Freien Wähler die Zustimmung Bayerns zu CETA im Bundesrat mit aller Kraft verhindern. Initiatoren des Appells, den innerhalb weniger Tage mehr als 70.000 Menschen unterzeichnet hatten, sind der BUND Naturschutz in Bayern, Campact, foodwatch, Mehr Demokratie Bayern, das Umweltinstitut München und das Netzwerk Gerechter Welthandel.

Aiwanger steht zu "Nein" gegen CETA 

Bei der Übergabe der Unterschriften vor dem Landesparteitag in Regensburg bekräftigte Freie-Wähler-Chef Aiwanger, dass er weiterhin gegen das Abkommen sei und das auch in den Koalitionsverhandlungen mit der CSU deutlichen mache.

Die Freien Wähler haben sich in den letzten Jahren gegen Freihandelsabkommen wie CETA oder TTIP positioniert und unter anderem das Volksbegehren gegen CETA in Bayern unterstützt. Dabei haben sie immer wieder auf die Gefahren für Kommunen, Handwerk, Mittelstand und Landwirtschaft hingewiesen, sowie die Aufweichung unserer Standards in den Bereichen Umwelt und Soziales scharf kritisiert. Zentrale Punkte waren dabei der Liberalisierungsdruck im Bereich öffentlicher Dienstleistungen - zum Beispiel bei der Wasserversorgung - und die Paralleljustiz durch die CETA-Schiedsgerichte.

„Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat sich bisher immer gegen das EU-Kanada-Abkommen ausgesprochen. Er darf jetzt nicht einknicken, sondern muss zu seinem Nein zu CETA stehen. Die Interessen großer Konzerne dürfen nicht über dem Gemeinwohl stehen“

Lena Blanken von foodwatch

Mehrheit der Bayern gegen CETA

Einer aktuellen Emnid-Umfrage im Auftrag von Campact zufolge, lehnen 69 Prozent der befragten Bayerinnen und Bayern die Sonderklagerechte für Konzerne vor solchen Schiedsgerichten ab. Nur 36 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass das Land Bayern CETA zustimmt.

Freie Wähler, stoppt CETA!

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<![CDATA[Bündnis fordert: CETA im Bundesrat stoppen – Übergabe von mehr als 70.000 Unterschriften an Hubert Aiwanger auf Landesparteitag der Freien Wähler]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/buendnis-fordert-ceta-im-bundesrat-stoppen-uebergabe-von-mehr-als-70000-unterschriften-an-hubert-aiwanger-auf-landesparteitag-der-freien-waehler/Sat, 27 Oct 2018 10:51:00 +0200Ein Bündnis aus sechs zivilgesellschaftlichen Organisationen hat dem Vorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, mehr als 70.000 Unterschriften gegen das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen CETA überreicht. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fordern von den Freien Wählern, im Falle einer Regierungsbeteiligung die Zustimmung Bayerns zu CETA im Bundesrat zu verhindern. Träger des Aufrufes sind der BUND Naturschutz in Bayern, Campact, foodwatch, Mehr Demokratie Bayern, das Umweltinstitut München und das Netzwerk Gerechter Welthandel.

Die Freien Wähler haben sich in den letzten Jahren gegen Freihandelsabkommen wie CETA oder TTIP positioniert und unter anderem das Volksbegehren gegen CETA in Bayern unterstützt. Dabei haben sie immer wieder auf die Gefahren für Kommunen, Handwerk, Mittelstand und Landwirtschaft hingewiesen, sowie die Aufweichung unserer Standards in den Bereichen Umwelt und Soziales scharf kritisiert. Zentrale Punkte waren dabei der Liberalisierungsdruck im Bereich öffentlicher Dienstleistungen - zum Beispiel bei der Wasserversorgung - und die Paralleljustiz durch die CETA-Schiedsgerichte. Einer aktuellen Emnid-Umfrage im Auftrag von Campact zufolge, lehnen 69 Prozent der befragten Bayerinnen und Bayern die Sonderklagerechte für Konzerne vor solchen Schiedsgerichten ab. Nur 36 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass das Land Bayern CETA zustimmt.

Das Freihandelsabkommen CETA muss von allen 28 EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, um nicht zu scheitern. In Deutschland muss darüber nicht nur der Bundestag, sondern auch der Bundesrat entscheiden. Die Abstimmungen werden voraussichtlich im nächsten Jahr stattfinden. Bayern kommt dabei mit sechs Stimmen im Bundesrat eine wichtige Rolle zu. Bleiben die Freien Wähler bei ihrer ablehnenden Haltung zu CETA, müsste Bayern sich im Bundesrat zumindest enthalten. Aufgrund der knappen Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat bestünde somit eine reale Chance, das Abkommen noch durch ein deutsches „Nein“ zu stoppen.

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<![CDATA[„Schlau machender Kakao“: foodwatch mahnt Milch-Lobby ab ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/schlau-machender-kakao-foodwatch-mahnt-milch-lobby-ab/Thu, 25 Oct 2018 10:59:00 +0200

Landliebe und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW stellen gesüßte Schulmilch trotz ihres Zuckergehalts als gesund dar – und bedienen sich dabei unerlaubter Werbeaussagen. Das hat eine juristische Prüfung durch foodwatch ergeben. foodwatch hat den größten Schulmilchlieferanten sowie den nordrhein-westfälischen Lobbyverband der Milchwirtschaft abgemahnt und aufgefordert, die Werbung zurückzuziehen. 

„Kakao macht schlau“

In einer Elternbroschüre stellt Landliebe dar, dass Schüler durch den Verzehr der gezuckerten „Schokomilch“ in den „Bereich optimaler geistiger Leistungsfähigkeit“ gelangten. Im Internet behauptet das Molkereiunternehmen: „Kakao steigert die Intelligenz“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. Diese Aussagen hatte das Unternehmen auch per Newsletter an Entscheidungsträger geschickt.

Brandenburg macht mit diesem Märchen Politik

Die für das Schulmilchprogramm zuständige Behörde in Brandenburg gab gegenüber foodwatch an, auch auf Basis dieser angeblichen Studienergebnisse entschieden zu haben, dass das Land weiter an der Förderung von gezuckerten Schulmilchprodukten festhält, obwohl die aus einem EU-Topf stammenden Zuschüsse nach den Vorgaben der EU grundsätzlich nur für ungesüßte Produkte verwendet werden sollen. 

Verflechtung der Milchwirtschaft mit der Landesregierung NRW

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW wiederum behauptet auf Internetseiten unter anderem, dass gezuckerte Schokomilch den Blutzuckerspiegel „optimal beeinflusst“ und Milchprodukte die Zähne „schützen“. Der Lobbyverband ist der wesentliche Partner des Landes NRW bei der Umsetzung des Schulmilchprogramms: Er erhält Steuergelder, um in den Schulen Ernährungsunterricht zu gestalten, Lehrmaterialien zu erstellen und um Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu einer Teilnahme am Schulmilch- und Schulkakaoprogramm zu bewegen. 

„Die Kindergesundheit ist offenbar nur noch ein Kollateralschaden des Profitstrebens von Landliebe und der übergriffigen Absatzförderung von Milchlobbyisten. Wem jedes unseriöse Mittel recht ist, um weiterhin am Verkauf von zuckrigem Schulkakao an den Schulen zu verdienen, kann kein Partner für die Landesregierungen sein“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Verbotene „Health Claims“ von Landliebe & Co.

Zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden oder falschen Werbeversprechen müssen gesundheitsbezogene Werbeaussagen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 250 solcher „Health Claims“. Die von foodwatch abgemahnten Werbesprüche der Milchwirtschaft gehören nicht dazu. Ohnehin basieren die Aussagen im Wesentlichen auf einer kleinen Zahl wissenschaftlich höchst fragwürdiger Studien im Auftrag der Milchwirtschaft. Demgegenüber sprechen sich zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus.

foodwatch fordert: Schluss mit Subvention für Schulkakao

foodwatch forderte NRW, Berlin und Brandenburg auf, keine Lobbyverbände mehr mit der Unterrichtsgestaltung zu beauftragen und die Subventionen für gezuckerte Milchgetränke zu stoppen. Die anderen Bundesländer fördern, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen.

NRW will zunächst Eltern befragen

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser hält vorerst an der Subvention von zuckriger Schulmilch fest. Zunächst sollen die Eltern befragt werden. foodwatch forderte die Ministerin auf, die Befragung so auszugestalten, dass Eltern ihre Bedürfnisse zur Unterstützung einer ausgewogenen Ernährung der Kinder an den Schulen äußern können. Denn es kann nicht sein, dass die Milchwirtschaft Eltern, Schulverantwortlichen und Kindern jahrelang einreden darf, Zuckermilch sei besonders gesund – und auf Basis einer solchen Desinformationskampagne werden Eltern plötzlich nur danach gefragt, ob der Kakao weiter gefördert werden soll.

„Alle Argumente liegen längst auf dem Tisch. Wenn NRW ernsthaft eine ausgewogene Ernährung an Schulen unterstützen will, dann gibt es viele Möglichkeiten: Die Zuckerförderung stoppen, die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung nach mehr als zehn Jahren endlich durchsetzen, das Obst- und Gemüseprogramm an allen Schulen zugänglich machen, Angebote für ausgewogene Schulfrühstücke machen – all das würde den Kindern helfen und nicht in erster Linie Milchindustrie. Die Elternbefragung ist eine Chance um herauszufinden, wo die Not am größten ist. Allerdings muss das Land auch dazu bereit sein, die nötigen Mittel bereitzustellen – anders als bisher.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Der Landliebe-Schulkakao enthält in der fettarmen Variante 21,7 Gramm Zucker in einer Tagesportion (250-Milliter) – das entspricht umgerechnet mehr als 7 Stück Würfelzucker. Die ungesüßte, fettarme Trinkmilch enthält demgegenüber 12 Gramm Milchzucker pro Tagesportion. 

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<![CDATA[Wegen unzulässiger Gesundheitswerbung für zuckrigen Schul-Kakao: foodwatch mahnt Landliebe und Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW ab ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/wegen-unzulaessiger-gesundheitswerbung-fuer-zuckrigen-schul-kakao-foodwatch-mahnt-landliebe-und-landesvereinigung-der-milchwirtschaft-nrw-ab/Thu, 25 Oct 2018 10:50:00 +0200Der Molkereikonzern Landliebe und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW stellen gesüßte Schulmilch trotz ihres Zuckergehalts als gesund dar – und bedienen sich dabei unerlaubter Werbeaussagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine juristische Prüfung durch foodwatch. Die Verbraucherorganisation hat den größten Schulmilchlieferanten sowie den nordrhein-westfälischen Lobbyverband der Milchwirtschaft abgemahnt und aufgefordert, die Werbung zurückzuziehen. 

Mit den Gesundheitsbotschaften rücken Landliebe und die Vereinigung gezuckerte Milchmischgetränke wie den Kakao in ein positives Licht und bewerben diese gezielt bei Eltern oder Schulen. Nach Angaben des Landes Brandenburg waren die Gesundheitsaussagen der Molkerei sogar eine Grundlage für die Entscheidung, beim Schulmilchprogramm entgegen den offiziellen Ernährungsstandards weiterhin gezuckerte Milchgetränke mit Steuergeldern zu fördern. Die mit Landliebe verflochtene Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW ist sogar der zentrale Partner des Landes NRW beim Schulmilchprogramm, sie wird von der Landesregierung in die Schulen geschickt, um dort Unterricht und Werbung für Milchprodukte zu machen und erhält dafür zusätzliche Steuergelder.

„Die Kindergesundheit ist offenbar nur noch ein Kollateralschaden des Profitstrebens von Landliebe und der übergriffigen Absatzförderung von Milchlobbyisten. Wem jedes unseriöse Mittel recht ist, um weiterhin am Verkauf von zuckrigem Schulkakao an den Schulen zu verdienen, kann kein Partner für die Landesregierungen sein“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Er forderte NRW, Berlin und Brandenburg auf, keine Lobbyverbände mehr mit der Unterrichtsgestaltung zu beauftragen und die Subventionen für gezuckerte Milchgetränke zu stoppen. Die anderen Bundesländer fördern, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen. 

In einer Elternbroschüre stellt Landliebe dar, dass Schüler durch den Verzehr der gezuckerten „Schokomilch“ in den „Bereich optimaler geistiger Leistungsfähigkeit“ gelangten. Im Internet behauptet das Molkereiunternehmen: „Kakao steigert die Intelligenz“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. Diese Aussagen hatte  das Unternehmen auch per Newsletter an Entscheidungsträger geschickt. Die für das Schulmilchprogramm zuständige Behörde in Brandenburg gab gegenüber foodwatch an, auch auf Basis dieser angeblichen Studienergebnisse entschieden zu haben, dass das Land weiter an der Förderung von gezuckerten Schulmilchprodukten festhält, obwohl die aus einem EU-Topf stammenden Zuschüsse nach den Vorgaben der EU grundsätzlich nur für ungesüßte Produkte verwendet werden sollen. 

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW wiederum behauptet auf Internetseiten unter anderem, dass gezuckerte Schokomilch den Blutzuckerspiegel „optimal beeinflusst“ und Milchprodukte die Zähne „schützen“. Der Lobbyverband ist der wesentliche Partner des Landes NRW bei der Umsetzung des Schulmilchprogramms: Er erhält Steuergelder, um in den Schulen Ernährungsunterricht zu gestalten, Lehrmaterialien zu erstellen und um Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu einer Teilnahme am Schulmilch- und Schulkakaoprogramm zu bewegen. 

Zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden oder falschen Werbeversprechen müssen gesundheitsbezogene Werbeaussagen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 250 solcher „Health Claims“. Die von foodwatch abgemahnten Werbesprüche der Milchwirtschaft gehören nicht dazu. Ohnehin basieren die Aussagen im Wesentlichen auf einer kleinen Zahl wissenschaftlich höchst fragwürdiger Studien im Auftrag der Milchwirtschaft. Demgegenüber sprechen sich zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus.

foodwatch forderte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, die von ihr angekündigte „Elternbefragung“ zur Schulmilchförderung so auszugestalten, dass Eltern ihre Bedürfnisse zur Unterstützung einer ausgewogenen Ernährung der Kinder an den Schulen äußern können. „Es kann nicht sein, dass die Milchwirtschaft Eltern, Schulverantwortlichen und Kindern jahrelang einreden darf, Zuckermilch sei besonders gesund – und auf Basis einer solchen Desinformationskampagne werden Eltern plötzlich nur danach gefragt, ob der Kakao weiter gefördert werden soll“, so foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Alle Argumente liegen längst auf dem Tisch. Wenn NRW ernsthaft eine ausgewogene Ernährung an Schulen unterstützen will, dann gibt es viele Möglichkeiten: Die Zuckerförderung stoppen, die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung nach mehr als zehn Jahren endlich durchsetzen, das Obst- und Gemüseprogramm an allen Schulen zugänglich machen, Angebote für ausgewogene Schulfrühstücke machen – all das würde den Kindern helfen und nicht in erster Linie Milchindustrie. Die Elternbefragung ist eine Chance um herauszufinden, wo die Not am größten ist. Allerdings muss das Land auch dazu bereit sein, die nötigen Mittel bereitzustellen – anders als bisher.“ 

Anfang Oktober hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet die fragwürdigen Kakaostudien und insbesondere die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten. 

Der Landliebe-Schulkakao enthält in der fettarmen Variante 21,7 Gramm Zucker in einer Tagesportion (250-Milliter) – das entspricht umgerechnet mehr als 7 Stück Würfelzucker. Die ungesüßte, fettarme Trinkmilch enthält demgegenüber 12 Gramm Milchzucker pro Tagesportion. 

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<![CDATA[Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert: Freie Wähler in Bayern müssen CETA im Bundesrat stoppen – Freihandelsabkommen ist Gefahr für Demokratie]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/zivilgesellschaftliches-buendnis-fordert-freie-waehler-in-bayern-muessen-ceta-im-bundesrat-stoppen-freihandelsabkommen-ist-gefahr-fuer-demokratie/Fri, 19 Oct 2018 15:51:00 +0200Ein Bündnis aus fünf zivilgesellschaftlichen Organisationen hat zum Auftakt der Koalitionsgespräche in Bayern die Freien Wähler aufgefordert, das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen CETA zu verhindern. „Sorgen Sie dafür, dass Bayern CETA im Bundesrat nicht zustimmt und sichern Sie dies im Koalitionsvertrag ab", heißt es in einem Appell an den Vorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. CETA diene nicht der Allgemeinheit, sondern „bediene einseitig die Interessen von Großkonzernen“. Unterstützer des Appells sind der BUND Naturschutz in Bayern, das Umweltinstitut München, Campact, foodwatch und Mehr Demokratie. Die Organisationen haben eine Unterschriftenaktionen unter www.ceta-bayern.foodwatch.de gestartet.

„Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat sich bisher immer gegen das EU-Kanada-Abkommen ausgesprochen. Er darf jetzt nicht einknicken, sondern muss zu seinem Nein zu CETA stehen. Die Interessen großer Konzerne dürfen nicht über dem Gemeinwohl stehen“, erklärte Lena Blanken von foodwatch.

Die Freien Wähler hatten sich stets gegen das EU-Kanada-Abkommen ausgesprochen. In Deutschland müssen der Bundestag und der Bundesrat über CETA entscheiden. Ein Nein oder eine Enthaltung aus Bayern im Bundesrat könnte das Aus für den Handelsvertrag bedeuten. Am heutigen Freitag starten die Koalitionsgespräche zwischen der CSU und den Freien Wählern. Die bayerische Verfassung gibt vor, dass der Landtag 22 Tage nach der Wahl das erste Mal zusammentreten muss - das wäre der 5. November.

Das zivilgesellschaftliche Bündnis kritisiert CETA als eine Gefahr für die Demokratie und den Verbraucher- und Gesundheitsschutz. Das Abkommen bedrohe den Mittelstand, die Landwirtschaft und die kommunale Daseinsvorsorge. Mit seinen Regeln zum Investitionsschutz schaffe das Abkommen zudem eine Paralleljustiz ohne demokratische Legitimation.

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<![CDATA[Mog i net!]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/mog-i-net/Fri, 19 Oct 2018 13:53:00 +0200

Hallo und guten Tag, 

kein Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien, mehr Pestizide auf unseren Tellern und das Ende des Vorsorgeprinzips - all das droht uns, sollte das Freihandelsabkommen CETA vollständig umgesetzt werden. Doch das Ergebnis der Landtagswahl in Bayern ist jetzt unsere große Chance. Denn Bayern könnte das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen noch verhindern. Warum? Bald soll der Bundesrat über CETA entscheiden. Sollten die Freien Wähler in Bayern mitregieren - wonach es gerade aussieht - könnten sie im Koalitionsvertrag mit der CSU vereinbaren, dass Bayern im Bundesrat CETA nicht zustimmt. Das kann das Aus für das Freihandelsabkommen bedeuten!

Die Freien Wähler haben sich bisher immer gegen das EU-Kanada-Abkommen ausgesprochen. Heute starten die Koalitionsgespräche zwischen den Freien Wählern und der CSU. Schreiben Sie daher JETZT an Hubert Aiwanger, den Chef der Freien Wähler: Seine Partei darf jetzt nicht einknicken, sondern muss zu ihrem NEIN zu CETA stehen!

Was sind die Konsequenzen von CETA für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Das Vorsorgeprinzip - Grundsäule der Verbraucher- und Umweltpolitik Europas - wird durch das Handelsabkommen ausgehebelt. Mit CETA droht zum Beispiel, dass die EU den Einsatz von hormonell wirksamen Chemikalien zukünftig nicht mehr wirksam regulieren kann. Außerdem wird es mit CETA schwerer, europäische Verbraucherschutzstandards zu verbessern. Eine bessere Kennzeichnung für Lebensmittel rückt damit zum Beispiel in weite Ferne. Denn: Einmal zwischen den Vertragspartnern vereinbarte Bestimmungen können mit CETA nicht mehr einseitig geändert werden. Darüber hinaus sind exklusive Sonderklagerechte für ausländische Unternehmen in CETA festgeschrieben. Investoren können Regierungen auf hohe Schadensersatzsummen verklagen, wenn sie sich durch Umwelt- oder Verbraucherschutzgesetze benachteiligt sehen.

Das wollen wir uns nicht gefallen lassen! Jetzt haben wir noch einmal die Chance, CETA zu verhindern. Protestieren Sie mit uns und teilen Sie die Aktion gerne mit Freundinnen, Bekannten und Familie!

Damit wir besonders viele Stimmen sammeln können, haben wir uns mit dem BUND Naturschutz in Bayern, Campact, Mehr Demokratie und dem Umweltinstitut München zusammengetan.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung! 

Ihr foodwatch-Team

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<![CDATA[Neues Bündnis mit der AOK: „Aktion weniger Zucker“]]>https://www.foodwatch.org/de/ueber-foodwatch/aktuelles-ueber-foodwatch/neues-buendnis-mit-der-aok-aktion-weniger-zucker/Wed, 17 Oct 2018 16:15:00 +0200

foodwatch hat sich mit dem AOK-Bundesverband, der Deutschen Allianz Nicht-übertragbare Krankheiten (DANK), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Ethnomedizinischen Zentrum in dem Bündnis „Aktion weniger Zucker“ zusammengeschlossen. Auf dem zweiten Zuckerreduktionsgipfel der AOK hat sich die „Aktion weniger Zucker“ vorgestellt. Das Bündnis fordert wirksame politische Maßnahmen zur Prävention von Fehlernährung. 

Die Organisationen fordern konkret vier Maßnahmen, um den hohen Zuckerkonsum zu senken und eine gesunde Ernährung zu fördern:

  1. Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für zuckerreiche oder andere hochkalorische Lebensmittel
  2. Für alle Bevölkerungsgruppen verständliche Lebensmittelkennzeichnung
  3. Steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln
  4. Verbindliche Standards für die Kita- und Schulverpflegung

Ziel ist, dass der Zuckergehalt von Lebensmitteln tatsächlich messbar sinkt und damit auch der Gesamtzuckerkonsum der Bevölkerung. 

Bundesregierung setzt auf Freiwilligkeit

Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig, fast jeder vierte gilt als fettleibig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer „Fettleibigkeitsepidemie“. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung: Das Lebensmittelangebot hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt. Zucker- und fettreiche Lebensmittel sind jederzeit verfügbar, oft billiger als gesundes Essen und werden massiv beworben. Doch statt wirksame gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen, setzt die Bundesregierung auf Gespräche mit der Industrie und eine freiwillige Selbstverpflichtung. Erst vor zwei Tagen hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner eine sogenannte Grundsatzvereinbarung mit Wirtschaftsverbänden präsentiert, mit der sie unter anderem den Zuckergehalt von Lebensmitteln senken will. Doch die Vereinbarung überlässt es den Herstellern, selbst Ziele und Maßnahmen für die Förderung gesunder Ernährung festzulegen.

„Statt weiter darauf zu hoffen, dass die Industrie freiwillig ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte mischt, muss Bundesernährungsministerin Julia Klöckner endlich die Branche in die Pflicht nehmen. Wir brauchen nicht nur freundliche Empfehlungen an die Hersteller, sonder klare Anreize: Eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung, gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und auch Steuern für gesündere Rezepturen. Dafür setzen wir uns nun auch in dem Bündnis 'Aktion weniger Zucker' ein.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen, foodwatch

Bündnis fordert gesetzliche Maßnahmen

Durch die Arbeit im Bündnis wollen die vier Organisationen erreichen, dass die Politik endlich wirksame Maßnahmen ergreift um eine gesunde Ernährung zu fördern. Dabei wollen sich die Partner zunächst auf den zu hohen Zuckergehalt in Fertigprodukten und sogenannten Erfrischungsgetränken konzentrieren. Denn schon ein Zuckergetränk am Tag erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit. Und noch immer ist mehr als jedes zweite Getränk in Deutschland überzuckert, wie eine aktuelle Marktstudie von foodwatch gezeigt hat.  

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<![CDATA[ foodwatch: Klöckners Industrie-Vereinbarung für weniger Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln zum Scheitern verurteilt]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-kloeckners-industrie-vereinbarung-fuer-weniger-zucker-fett-und-salz-in-lebensmitteln-zum-scheitern-verurteilt/Wed, 17 Oct 2018 10:01:00 +0200

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Grundsatzvereinbarung von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner mit Branchenverbänden zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln scharf kritisiert. Statt die Industrie endlich in die Pflicht zu nehmen setze die Ministerin nur auf Freiwilligkeit. Ein solcher „Kuschelkurs mit der Lebensmittelwirtschaft“ sei zum Scheitern verurteilt, erklärte die Verbraucherorganisation.

„Es ist geradezu lächerlich, was Frau Klöckner als großen Wurf verkauft. Offenbar denkt die Ministerin, sie muss nur möglichst dünne Strategiepapiere vorlegen und die Menschen nehmen automatisch ab. Die sogenannte Grundsatzvereinbarung überlässt es den Unternehmen selbst, welche Zielvorgaben sie sich setzen, um eine gesunde Ernährung zu fördern“, kritisierte Luise Molling von foodwatch. „Kinderärzte, Krankenkassen und die Weltgesundheitsorganisation fordern seit Jahren effektive Maßnahmen gegen Fehlernährung wie eine farbliche Nährwertkennzeichnung, gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und auch steuerliche Anreize für gesündere Rezepturen. Anstatt auf die Experten zu hören, schlägt sich Frau Klöckner auf die Seite der Zucker-Lobby.“

Julia Klöckner ignoriere die Erfahrungen aus anderen Ländern, so foodwatch. Beispielsweise in den Niederlanden war ein ähnliches angelegtes Programm zur freiwilligen Zuckerreduktion gescheitert, wie das offizielle Monitoring der obersten staatlichen Gesundheitsbehörde gezeigt hat. Der Zuckergehalt aller untersuchten Produktgruppen blieb dort im Zeitraum 2011 bis 2016 unverändert. 

Folgende Punkte der Grundsatzvereinbarung sieht foodwatch besonders kritisch:

  • Den Unternehmen wird es selbst überlassen, welche Zielvorgaben sie sich setzen. Es sei „eine Unternehmensentscheidung, welche der konkreten Maßnahmen, die in branchenbezogenen Prozess- und Zielvereinbarungen zu formulieren sind, umgesetzt werden und somit den Unternehmen überlassen“, heißt es in dem Papier. Für diese selbst gesetzten Ziele sollen die Unternehmen bis zum Jahr 2025 Zeit bekommen. 
  • Das geplante Verbot von Zuckerzusatz in Baby- und Kindertees sei ein Papiertiger: Aktuellen foodwatch-Recherchen zufolge würde diese Regelung nur etwa eine Handvoll Produkte aus dem Einzelhandel betreffen. Die Hersteller gezuckerter Babytees hatten bereits vor Jahren aufgrund von Kritik Rezepturen geändert und Produkte vom Markt genommen. Wie viele Produkte vom geplanten Verbot vom Zuckerzusatz in Kindermilch betroffen wären, lässt sich noch nicht bewerten. Eine Anfrage dazu beim Bundesernährungsministerium blieb bislang unbeantwortet. 
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<![CDATA[Wer kann das noch rechtfertigen?]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/wer-kann-das-noch-rechtfertigen/Fri, 12 Oct 2018 11:40:00 +0200

Hallo und guten Tag,

auch wenn es mittlerweile eigentlich jeder wissen sollte, kann es nicht oft genug gesendet, gesagt und geschrieben werden: Den Nutztieren in unserem wohlhabenden Land geht es sehr schlecht. WIE schlecht es ihnen geht und wie groß ihre Schmerzen sind, können uns die Millionen Kühe, Schweine und Hühner nicht sagen. Aber wir alle wissen, dass jeden Tag in unseren Ställen gelitten und gestorben wird. Zwanzig Millionen Ferkel zum Beispiel werden jedes Jahr immer noch betäubungslos kastriert, in dem ihnen bei vollem Bewusstsein die Hoden abgeschnitten werden!¹²

Wenn Sie auch finden, dass es nicht mehr reicht zu klagen, sondern dass gehandelt werden muss, dann helfen Sie uns dabei und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch.

Weil sie sich nicht wehren und nicht sprechen können, können die Tiere uns auch nicht mitteilen, wie viel Quadratmeter Platz sie denn bräuchten, damit es ihnen gut ginge. Die Hennen können uns nicht sagen, wie viele Eier sie legen könnten, ohne zu leiden und die Kühe können uns nicht sagen, wie viel Milch sie geben könnten, ohne sich zu quälen.

Aber wir Menschen (zumindest einige von uns) sind mitfühlende Wesen, die spüren, dass es einem Tier nicht wirklich gut gehen kann, wenn es auf kleinstem Raum gehalten wird und in vielen Fällen niemals das Tageslicht sieht. Das täglich „Höchstleistungen“ zu bringen hat und Eier oder Milch in Rekordmengen abliefern muss. Oder „einfach nur“ so schnell wie möglich zu wachsen hat, damit es nach möglichst kurzer Zeit getötet werden kann. Wenn auch Sie der Meinung sind, dass wir das das nicht so weitergehen darf, dann helfen Sie uns dabei, diese Zustände zu ändern und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch.

Weil wir mit den Tieren nicht sprechen können, sind wir auf Daten angewiesen, die uns über das Befinden der Tiere Auskunft geben. Das sind Gesundheits- oder besser Krankheitsdaten aus jedem Stall. Wir haben bei foodwatch tausende Daten aus zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten zusammengetragen und das Ergebnis ist niederschmetternd: Etwa jedes vierte (!) Nutztier in Deutschland ist krank. In manchen Betrieben sieht es noch viel schlimmer aus, in manchen besser. Doch im Durchschnittbedeutet das, dass jedes vierte tierische Produkt, das wir kaufen und verzehren von einem kranken Tier stammt. Und sehr, sehr oft sind diese Krankheiten, die Schmerzen und die Leiden vermeidbar.

Um welche Krankheiten handelt es sich?

  • Kühe: Die häufigste Erkrankung von Kühen ist die extrem schmerzhafte Euterentzündung. Statistisch gesehen, stammt jeder vierte Liter Milch von einer Kuh mit Euterentzündung. Klauenerkrankungen, Gelenkveränderungen, Lahmheiten und Stoffwechselstörungen sind ebenfalls an der Tagesordnung.
  • Schweine: Sie leiden in vielen Fällen unter Klauen- und Gelenkentzündungen, blutigem Durchfall, nässenden Ekzemen, Gebärmutter- und Lungenentzündungen sowie eitrigem Augenausfluss, trockenem Brüllhusten und vielem mehr. Ferkel werden immer noch betäubungslos kastriert. Ihnen werden bei vollem Bewusstsein die Hoden abgeschnitten. Eigentlich sollte diese Praxis am 1. Januar 2019 enden. Jetzt soll das Verbot doch wieder aufgeschoben werden!
  • Hühner: Fast alle Masthühner sind auf maximalen Fleischansatz der Brustmuskulatur gezüchtet. Der Körperschwerpunkt ist in der Folge verlagert. Dadurch sind Hüften, Gelenke, Beine deformiert und sie humpeln und lahmen. Fußballenentzündungen sind die Regel. Jede zweite Legehenne leidet unter Knochenweiche und Knochenbrüchen. Eine Folge der hohen Legeleistung: Das für die Eierschalenbildung notwendige Kalzium wird den Knochen entzogen.

Diese Liste der Krankheiten könnte beinah beliebig erweitert und mit Details angereichert werden. Aber das wollen wir Ihnen ersparen. Das, was Sie und wir von foodwatch wissen, reicht aus, um sagen zu können: Das dürfen wir nicht länger zulassen. Wir sind der Meinung, dass sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft auch daran bemisst, wie sie mit den schwächsten Mitgeschöpfen – also den Tieren – umgeht, die sie zur Nahrungsmittelproduktion benutzt. Wenn Sie diese Meinung teilen, dann schließen Sie sich uns an und werden Sie Förderin /Förderer von foodwatch.

Zwar sind die Haltungsbedingungen gesetzlich festgelegt - zum Beispiel wie groß die Ställe sein sollen und ob und wie viel Stroh vorhanden sein muss. Es gibt auch Abstufungen zwischen konventioneller und biologischer Haltung und den Vorschriften verschiedener Verbände. Doch all dies sagt nichts darüber aus, wie krank oder gesund ein Tier ist. Die Unterschiede von Betrieb zu Betrieb können enorm sein und – ob uns das gefällt oder nicht – das gilt auch für die ökologische Landwirtschaft. Das Haltungsverfahren allein ist leider kein Garant dafür, dass die Tiere auch wirklich ein gutes Leben haben. Die Vermeidung und Verhinderung von Krankheiten ist eine Herausforderung, der sich jeder Tierhalter stellen und an deren Erfolg oder Misserfolg er sich messen lassen muss.

foodwatch setzt sich dafür ein, dass die Tiergesundheit in Zukunft DAS entscheidende Kriterium beim Nutztier-Schutz wird. Wir wollen, dass es klare Zielvorgaben für die Gesundheit aller Tiere gibt und die Einhaltung dieser Vorgaben konsequent und transparent überwacht und durchgesetzt wird.

Wir wollen, dass die Lebensbedingungen den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden und nicht umgekehrt. Damit wir als Verbraucherinnen und Verbraucher sicher sein können, dass uns der Handel keine Milch, keinen Käse, kein Fleisch und keine Eier mehr von krank gemachten, leidenden Geschöpfen unterjubelt! Wenn Sie diese Forderungen unterstützen, dann werden Sie als Förderin/Förderer ein Teil von foodwatch. Denn nur, wenn sich möglichst viele Menschen hinter uns stellen und damit kundtun, dass sie als nicht-vegane Verbraucherinnen und Verbraucher nicht mehr länger ungewollt eine tierquälerische Nahrungsmittelproduktion unterstützen wollen, können wir die Politik und die Nahrungsmittelproduzenten zum Umsteuern bewegen.

Herzliche Grüße 

Matthias Wolfschmidt
Internationaler Kampagnendirektor

Bildquelle: Fotolia.com/dusanpetkovic1

Quellen aus dem Text:

¹ Destatis, Betriebe Schweine Bestand, 2018, online unter: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/TiereundtierischeErzeugung/Tabellen/BetriebeSchweineBestand.html 

² Statista, Anzahl der abgesetzten Ferkel pro Sau (2005-2010), 2018, online unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/191462/umfrage/anzahl-der-abgesetzten-ferkel-pro-sau-in-vzf-mitgliedsbetrieben/

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<![CDATA[Schulmilchprogramm im Lobby-Sumpf: Report entlarvt jahrzehntelange Verflechtung zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik in NRW – foodwatch kritisiert Absatzförderung zu Lasten der Kindergesundheit]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schulmilchprogramm-im-lobby-sumpf-report-entlarvt-jahrzehntelange-verflechtung-zwischen-milchwirtschaft-wissenschaftlern-und-politik-in-nrw-foodwatch-kritisiert-absatzfoerderung-zu-lasten-der-kindergesundheit/Wed, 10 Oct 2018 10:36:00 +0200

- Dubiose Auftragsstudien der Milchwirtschaft stellen zuckrigen Kakao als gesund dar
- NRW-Landesregierung finanziert Marketingaktionen der Milchwirtschaft an Schulen
- Bis zu 90 Prozent der Milchpäckchen für Schulen in NRW sind gezuckerter Kakao
- Interne Protokolle der Treffen zwischen Land und Milchlobby veröffentlicht

Eine Landesregierung beauftragt Lobbyisten, Werbung an Schulen zu machen – und stattet sie dafür mit Steuergeldern aus. Ein Abgeordneter kritisiert von der Oppositionsbank aus die gezuckerten Schulmilchprodukte, nur um später, als Minister, vom Kakao zu schwärmen – im Interview mit dem Molkereikonzern Friesland Campina („Landliebe“). Ein kleines Grüppchen Wissenschaftler zieht auf Werbetour für den Schulkakao und hantiert dabei mit dubiosen Auftragsstudien, die den Kakao als gesund darstellen. In ihrem am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellten Report „Im Kakao-Sumpf: Von gekauften Studien bis zur wundersamen Partnerschaft von Milchwirtschaft und Politik“ hat foodwatch auf mehr als 80 Seiten jahrzehntelange Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik entlarvt. Am Beispiel Nordrhein-Westfalen stellt die Verbraucherorganisation dar, wie das Schulmilchprogramm alles einem Ziel unterordnet: der Förderung des Milchabsatzes. 

„Bei der Schulkakaoförderung geht es zu allerletzt um die Gesundheit der Kinder – es ist ein durch und durch lobbyverseuchtes Absatzförderungsprogramm für die Milchwirtschaft. Weil sich Milch fast nur als Kakao an den Schulen verkaufen lässt, wird die Extraportion Zucker eben billigend in Kauf genommen“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Unsere Recherchen zeigen eine kaum vorstellbare Verflechtung zwischen Auftragsforschern, Milchwirtschaft und Politik – über Jahrzehnte und Parteigrenzen hinweg. Bei vielen Lobbyisten würden die Sektkorken knallen, wenn sie auch nur ein bisschen Werbung in den Schulen machen dürften – die Milchwirtschaft in NRW bekommt nicht nur den offiziellen Auftrag der Landesregierung, sondern auch noch Steuergelder, um Werbung für ihre Produkte direkt im Unterricht zu machen.“

Der foodwatch-Report geht der Frage nach, weshalb eine Landesregierung in ihrem Schulmilchprogramm weiterhin gezuckerten Kakao steuerlich fördert – obwohl Kinderärzte, Zahnmediziner und Ernährungsexperten das Gegenteil fordern. 

Die wichtigsten Rechercheergebnisse: 

- Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW hat den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Erlass des Landesumweltministeriums auf Basis eines Bundesgesetzes aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

- Das Land bezahlt der Milchlobby jährlich rund 350.000 Euro, um Unterrichtseinheiten und Lehrmaterialien zu gestalten, Marketingveranstaltungen in den Schulen durchzuführen und mit einem „Schulmilchteam“ das Schulmilchprogramm zu bewerben. Das im Gegenzug für die EU-Zuschüsse für Schulmilchprodukte geforderte pädagogische „Begleitprogramm“ wird praktisch vollständig von der Milchwirtschaft durchgeführt – was das Land erheblich billiger kommt als ein neutrales, interessenunabhängiges Programm zur Ernährungsbildung. 

- Bei gesundheitlichen Fragen zum Beispiel zum Zuckergehalt verweist das Land NRW auf interessengeleitete Informationen der Landesvereinigung der Milchwirtschaft. Bis vor wenigen Jahren war der Lobbyverband im Impressum der offiziellen Schulmilchseite des Umweltministeriums sogar ganz unverblümt als verantwortlich für die „inhaltliche Betreuung“ aufgeführt. Interne Protokolle von Treffen zwischen Ministerium und Milchlobby, die foodwatch über das Informationsfreiheitsgesetz erhalten hat, belegen, dass es auch bei der aktuellen Website eine enge Abstimmung gab. Zudem finden sich wortgleiche Passagen in Landespublikationen und auf PR-Seiten des Milchverbandes – in denen zum Beispiel erklärt wird, weshalb der Zucker in den Milchprodukten kein Problem sein soll. 

- Die Gewinne der Schulmilchlieferanten sind abhängig vom Kakao. Das Land hat bislang keine offiziellen Zahlen für Schulen genannt. Die Protokolle der Treffen zwischen dem Landesumweltministerium und Milchwirtschaft weisen jedoch darauf hin, dass zuletzt 80 bis 90 Prozent der an den Schulen verkauften Trinkpäckchen gezuckerte Milchprodukte waren. Lieferanten wie Landliebe drohen mit einem Stopp der Schulmilchlieferung, wenn Kakao nicht länger gefördert wird. Der Schulmilch-Kakao von Marktführer Landliebe hat einen Zuckergehalt von 8,7 Prozent und bewegt sich damit fast auf dem Niveau von Fanta. Viele Schulkinder nehmen über die 250-Milliliter-großen – mit Steuergeldern subventionierten – Kakao-Trinkpäckchen jeden Tag mehr als sieben Stück Würfelzucker zu sich.   

- Mit dubiosen Studien gibt die Milchwirtschaft vor, positive Effekte von gezuckertem Kakao für die „geistige Leistungsfähigkeit“ und die Zahngesundheit belegen zu können. Tatsächlich halten diese Studien – größtenteils Auftragsarbeiten für die Milchwirtschaft, die auf drei untereinander eng vernetzte Forscher zurückgehen – einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Sie arbeiten mit winzigen Probandenzahlen, stellen Ergebnisse grafisch verzerrt dar oder vergleichen beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit von Schülern nach dem Kakaokonsum gegenüber Schülern mit gänzlich nüchternem Magen. Auf solchen Grundlagen wird schließlich zum Beispiel behauptet, Kakao könne die Intelligenz der Kinder um „7 IQ-Punkte“ steigern, für bessere PISA-Test-Ergebnisse und bessere Schulnoten sorgen. Grundlage für solche Aussagen ist ein zweifelhaftes Messverfahren des unter Fachkollegen berüchtigten Psychologen Siegfried Lehrl – der bereits ein „Pflichtkaugummi“ im Unterricht forderte, weil auch das Kaugummikauen angeblich die Intelligenz der Schülerinnen und Schüler steigern soll. 

- Mit den Studienergebnissen gingen insbesondere zwei industrienahe Wissenschaftler auf Werbetour für den Kakao: der Arbeitswissenschaftler Günter Eissing, emeritierter Professor der TU Dortmund (die ihm vorwirft, das Renommee der Hochschule für Privatinteressen zu nutzen und die nach foodwatch-Informationen rechtliche Schritte prüft) und der Ökotrophologe Günter Wagner vom privatwirtschaftlichen „Deutschen Institut für Sporternährung“ in Bad Nauheim. Sie vermarkten die angeblichen Wirkungen von Kakao in Artikeln im Fachblatt „Schule NRW“, auf Schulleiterkongressen und Bildungsmessen und nutzen dafür teils werbliche Formulierungen. Landliebe nutzt die „Forschungsergebnisse“ offensiv für sein Marketing und behauptet, Kakao steigere nicht nur die „Intelligenz und Konzentration“, sondern verursache zum Frühstück „weniger Karies als Wasser“. Auch in einer Elternbroschüre wirbt Landliebe für den Kakao auf Basis der Studienergebnisse. Das Land Brandenburg hat gegenüber foodwatch angegeben, auch auf Basis dieser Kakao-Studien an der Förderung der gezuckerten Milchprodukte festzuhalten.

foodwatch bezeichnete es als inakzeptabel, dass das Land NRW ausgerechnet diejenigen mit der Ernährungsbildung in Schulen und der Gesundheitsaufklärung beauftrage, die mit solch dubiosen Studien versuchen, gezuckerte Produkte gesundzuwaschen. Die Verbraucherorganisation forderte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, die steuerliche Förderung von gezuckerten Schulmilchgetränken unmittelbar zu stoppen und die Zusammenarbeit mit der Landesvereinigung der Milchwirtschaft bei Schulprogrammen zu beenden. 

„Lobbyisten haben an den Schulen nichts verloren. Herr Laschet und Frau Heinen-Esser haben die Chance, als erste Landesregierung den Kakao-Sumpf trockenzulegen“, so foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Er kritisierte, dass sich das Land NRW vor der Verantwortung drücke, Schulbildung interessenunabhängig zu organisieren und Schülern an staatlichen Einrichtungen eine ausgewogene Ernährung anzubieten: „Wer ernsthaft eine gute Ernährung für Kinder fördern will, der investiert kein Steuergeld für zuckrigen Kakao, sondern kommt auf ganz andere Ideen: Der setzt die offiziellen Qualitätsstandards für die Mittagsverpflegung an allen Schulen durch, der lässt alle Schulen am Obst- und Gemüseprogramm teilnehmen oder fördert, wo nötig, ausgewogene Frühstücksangebote. Dafür aber stellt das Land die nötigen Mittel nicht zur Verfügung.“ Für die Förderung von zuckrigem Kakao sei auch die Kalziumversorgung von Kindern kein guter Grund – denn die lasse sich auf vielen Wegen sicherstellen. Bereits zwei bis drei Scheiben Käse decken laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung den Tagesbedarf von Kindern. 

Renommierte Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler sowie Vertreter von Lehrern und Eltern hatten im September an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen appelliert, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen eigentlich keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. Nordrhein-Westfalen ist aber, neben Berlin und Brandenburg, das letzte Bundesland in Deutschland, das dennoch an der Förderung von gezuckerten Milchprodukten festhält und dafür eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen hat. Im August hatte die zuständige Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser nach Kritik von foodwatch angekündigt, die jahrelange Praxis der Kakao-Förderung im NRW-Schulmilchprogramm zu überprüfen.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

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Tue, 11 Dec 2018 16:46:00 +0100Wed, 12 Dec 2018 09:31:32 +0100